Elektronbrandbombe B 2 EZ bezeichnet eine Serie von Brandbomben der deutschen Luftwaffe, die im Zweiten Weltkrieg hergestellt und eingesetzt wurden. In Deutschland wurden sie umgangssprachlich als Stabbrandbomben bezeichnet.

Entwicklung Für Angriffe auf Industrieanlagen hatten die leichten Stabbrandbomben Elektronbrandbombe B 1 E und Elektronbrandbombe B 1,3 E der Luftwaffe eine zu geringe Durchschlagskraft. Diese Bomben vermochten die Stahlbetondecken oder die dicken Dachziegel solcher Bauten nicht zu durchschlagen, bevor sie zündeten. Zu diesem Zweck wurde vom Reichsluftfahrtministerium eine schwere Stabbrandbombe in Auftrag gegeben. Diese bekam die Bezeichnung Elektronbrandbombe B 2 EZ und war vermutlich Ende 1942 einsatzbereit. Die Massenproduktion erfolgte in verschiedenen Betrieben der I.G. Farben und die Produktionszahlen gingen in die Hunderttausende.Wolfgang Fleischer: Deutsche Abwurfmunition bis 1945. Sprengbomben, Brandbomben, Sonderabwurfmunition, Abwurfbehälter, Zünder. Motorbuch Verlag, 2003, S. 89.

Technik Die Elektronbrandbombe B 2 EZ war eine Stabbrandbombe die aus Abwurfbehältern oder verpackt in Streubomben abgeworfen wurde. Sie wurde im Flächenbombardement gegen Industrieanlagen eingesetzt. Die Bomben wurden aus dem Tiefflug sowie mittlerer und großer Flughöhe abgeworfen. Sie zündeten beim Aufschlag auf der Erdoberfläche.

Bombe Bei der Elektronbrandbombe B 2 EZ handelte es sich um eine Elektronbrandbombe B 1 E mit einem zusätzlich aufgesetzten Bombenkopf aus Stahl. Dieser hatte eine Füllung aus 60 g Nitropenta. Dahinter folgte eine Ladung Schießpulver sowie der mechanische Aufschlagzünder AZ (63). Gesichert war der Zünder mit einem Splint der seitlich aus dem Bombenkörper herausragte. Dieser war mit einem Draht mit einem Bodenstück verbunden, welches zuhinterst im Ringleitwerk eingesetzt war. Hinten am Bombenkopf war der Bombenkörper der B 1 E aufgesetzt. Dieser bestand aus einem Hohlzylinder aus brennbarem Elektron. Der Hohlzylinder hatte Länge von 24,7 cm und ein Durchmesser von 50 mm. Befüllt war der Bombenkörper mit 0,36 kg Thermit. Vorne am Bombenkörper war das flache Bodenstück aus Elektron eingeschraubt. Vorne im Bombenkörper, auf der Höhe des Zünders waren seitliche Bohrungen angebracht, welche zu Beginn der Redoxreaktion des Thermits für Luftzufuhr sorgten. Gegen das Heck verjüngte sich der Bombenkörper konisch. Im Bombenkörperheck war ein kreisrundes Bodenstück aus einer Magnesiumlegierung eingesetzt. Über dem konischen Bombenkörperheck war das Heckteil aufgesetzt und mit drei Hammerschlagnieten am Bombenkörper befestigt. Das hohle Heckteil aus Blechen besaß drei Stabilisierungsflügel (Heckflossen) um die ein Ringleitwerk montiert war. Die Grundfarbe des Bombenkörpers war grau und das Heckteil dunkelgrün oder schwarz.Wolfgang Fleischer: Deutsche Abwurfmunition bis 1945. Sprengbomben, Brandbomben, Sonderabwurfmunition, Abwurfbehälter, Zünder. Motorbuch Verlag, 2003, S. 174.Karl R. Pawlas: Munitions-Lexikon. Band 3: Deutsche Bomben. 2. Auflage. Journal-Verlag, 1992, S. 153–155.

Die Elektronbrandbombe B 2 EZ wurden für den Abwurf in Abwurfbehälter und Streubomben gepackt. Nach dem Abwurf aus dem Abwurfbehälter bzw. dem Ausstoßen aus der Streubombe folgten die Elektronbrandbomben einer Wurfparabel und verteilten sich nach dem Gießkannenprinzip über der Zielfläche. Bei dem im Ringleitwerk eingesetzte Bodenstück entstand dabei ein Staudruck. Durch diesen wurde das Bodenstück nach hinten aus dem Ringleitwerk herausgedrückt sowie den durch einen Draht verbundenen Splint aus dem Bombenkörper gezogen, wodurch der Zünder der Bombe scharf war. In Abhängigkeit von Flughöhe und Fluggeschwindigkeit verteilten sich die Bomben über ein größeres oder kleineres Gebiet. Die minimale Abwurfhöhe betrug 300 m über Grund. Aus einer Flughöhe von 2000 m über Grund konnte die Elektronbrandbombe Dachziegel und Stahlbetonplatten bis zu einer Stärke von 10 cm durchschlagen bevor sie zündete. Danach sollte sie im Dachgeschoss oder in der Fabrikhalle abbrennen und dabei das Gebäude in Brand setzen. Beim Aufprall zündete der AZ (63) mit einigen Sekunden Verzögerung das Zündhütchen des Thermits sowie das Schießpulver im Bombenkopf. Dabei wurde der Bombenkopf einige Meter weggeschleudert. Im Bombenkörper begann die Thermitreaktion bei der eine grelle Stichflamme aus der Bombe hervortrat. Die Thermitreaktion lief während rund 30 Sekunden bei einer Temperatur von bis zu 2500 °C ab. Dabei wurde der Bombenkörper aus Elektron entzündet. Dieser brannte nun während 10 bis 15 Minuten bei rund 1300 °C ab und zerschmolz die Bombe zu einer weißglühenden, brennenden Metallschmelze. Der weggeschleuderte Bombenkopf zündete mit einer Zündschnur nach 2, 4 oder 6 Minuten, wobei der Bombenkopf in Splitter zerlegt wurde. Diese wirkten auf mehrere Meter tödlich. Ein direktes Löschen der Elektronbrandbombe B 2 EZ mit Wasser oder Sand war nicht möglich. Sich einer abbrennenden Bombe zu nähern, war durch den weggeschleuderten Bombenkopf mit der Sprengladung gefährlich. Von der Elektronbrandbombe B 2 EZ entstanden die folgenden Modelle:Wolfgang Fleischer: Deutsche Abwurfmunition bis 1945. Sprengbomben, Brandbomben, Sonderabwurfmunition, Abwurfbehälter, Zünder. Motorbuch Verlag, 2003, S. 174. Elektronbrandbombe B 2 EZ: 1. Serienversion wie oben beschrieben. Elektronbrandbombe B 2 EZ A: 2. Serienversion mit auf 55 g verkleinerter Sprengladung. Elektronbrandbombe B 2,2 EZ: Modell mit einem vergrößerten, runden Bombenkopf mit mehr Sprengstoff sowie Zünder AZ 8312 (Zünder (13) A). Die Bombe hatte ein Gewicht von 2,2 kg.

Abwurfbehälter und Streubomben Die Elektronbrandbomben B 2 EZ wurden nicht einzeln, sondern massenweise mit Streubomben oder aus an Flugzeugen montierten Abwurfbehältern abgeworfen. Die Elektronbrandbomben konnten von zahlreichen Bombern der Luftwaffe eingesetzt werden, wie etwa die Junkers Ju 88, Junkers Ju 188, Dornier Do 17, Dornier Do 217 oder Heinkel He 111. Für die Luftwaffe wurden die folgenden Streubomben und Abwurfbehälter entwickelt:Wolfgang Fleischer: Deutsche Abwurfmunition bis 1945. Sprengbomben, Brandbomben, Sonderabwurfmunition, Abwurfbehälter, Zünder. Motorbuch Verlag, 2003, S. 223 & 233. Brandbomben-Schüttkasten BSK-36: mit 16 × B 2 EZ, Gewicht 46 kg Abwurfbehälter AB-500-1: mit 116 × B 2 EZ, Gewicht 200 kg Abwurfbehälter AB-1000-2M: mit 248 × B 2 EZ und 238 × B 1,3, Gewicht 798 kg

Einsatz Die Elektronbrandbomben B 2 EZ wurde vermutlich ab Ende 1942 von der Luftwaffe eingesetzt. Zusammen mit den Elektronbrandbomben B 1 E und B 1,3 E wurden sie massenweise bei Bombenangriffen auf Städte und Industrieanlegen in Europa, insbesondere im Vereinigten Königreich eingesetzt. Die Elektronbrandbomben B 2 EZ verblieben bis zum Kriegsende im Arsenal der Luftwaffe.Richard Overy: Der Bombenkrieg. Europa 1939–1945. Rowohlt Verlag, 2014, S. 106–107 & 150–151.Malvern Lumsden: Incendiary Weapons. Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI), 1975, S. 31.Sven-Felix Kellerhoff: , In Die Welt, Ausgabe 29. Mai 2013

Nutzerstaaten

Siehe auch Deutsche Abwurfmunition des Zweiten Weltkrieges

Literatur Karl R. Pawlas: Munitions-Lexikon. Band 3: Deutsche Bomben. 2. Auflage. Journal-Verlag, Deutschland, 1992. Malvern Lumsden: Incendiary Weapons. Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI), Schweden, 1975, ISBN 0-262-19139-3. Wolfgang Fleischer: Deutsche Abwurfmunition bis 1945. Sprengbomben, Brandbomben, Sonderabwurfmunition, Abwurfbehälter, Zünder. Motorbuch Verlag, Deutschland, 2003, ISBN 3-613-02286-9.

Weblinks B 2 EZ Incendiary Bombs bei warbirdsresourcegroup.org (englisch) B 2,2 EZ Incendiary Bombs bei warbirdsresourcegroup.org (englisch) Incendiary bombs bei jimdofree.com (englisch) German Incendiary Bombs bei zeticauxo.com (englisch) WW2 German Ordnance bei bombsawayuxo.com (englisch)

Einzelnachweise

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