Mah-Jongg rahmenlos|zentriert|200pxEin Spielset für Mah-Jongg Chinesische Bezeichnung Langzeichen Kurzzeichen Pinyin májiàng Jyutping maa4zoeng3 Kantonesische Bezeichnung Langzeichen Kurzzeichen Pinyin máquè Jyutping maa4zoek3 Japanische Bezeichnung Kanji Hiragana Katakana Hepburn Koreanische Bezeichnung Hangeul Hanja R.R. M.C. Vietnamesische Bezeichnung Quốc Ngữ Mah-Jongg (), auch Mahjongg oder Mahjong ( ; kantonesisch ; hist. ) genannt, ist ein chinesisches Spiel für vier Personen.

Geschichte mini|200px|Vier im Freien spielende Personen, Lanzhou 2009 42px|rand42px|rand42px|rand42px|rand44px|rand42px|randBambus Eins Joseph Park Babcock (1893–1949), ein amerikanischer Reisender in der Republik China, verfasste in den 1920er Jahren ein Regelwerk basierend auf unterschiedlichen Varianten, die er kennengelernt hatte, und brachte das Spiel in die USA. Babcock gab ihm den Namen MAH-JONGG (in dieser Schreibweise) – den er als Marke eintragen ließ. Um den Markenschutz nicht zu verletzen, wurde diese Schreibung vielfältig variiert. Dieser im Westen gebräuchliche Name bezeichnet einen Sperling, der auf dem Spielstein Bambus-Eins abgebildet ist. Babcock vereinfachte das Spiel für den amerikanischen Markt und versah die Steine unter anderem mit römischen Ziffern, was die Verbreitung des Spiels in den Vereinigten Staaten zusätzlich begünstigte.

Babcock bezeichnet Mah-Jongg im Vorwort zu seinem Red Book als eine eigene Entwicklung, basierend auf dem alten chinesischen Spiel, das seinerseits – zumindest sein Ursprung – Jahrhunderte alt sei („The Chinese game itself was a gradual development of centuries of play in China“). Als Entstehungsort nennt er an anderer Stelle die Stadt Ningpo (heute Ningbo) oder die Provinz Fukien (heute Fujian). Möglicherweise irrte sich Babcock bezüglich des tatsächlichen Alters; der Vermarktung war es sicher zuträglich, Mah-Jongg als sehr altes Spiel auszugeben (dazu H. F. Müllers Spiel Glocke und Hammer).

Es wurde behauptet, es habe das Spiel schon vor 4.000 Jahren zur Zeit der Shang-Dynastie gegeben oder Mah-Jongg sei lange Zeit dem einfachen Volk verboten und nur der Oberschicht vorbehalten gewesen. Tatsächlich entstand Mah-Jongg erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die ältesten erhaltenen Spiele datieren um 1870, die ältesten schriftlichen Hinweise aus dem Jahr 1890. Ursprünglich war Mah-Jongg ein Glücksspiel, das mit Teehäusern und Bordellen in Verbindung stand; gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte es sich jedoch auch in bürgerlichen Haushalten etabliert und sich von Shanghai aus in andere Teile Chinas verbreitet. Das Mah-Jongg-Spiel verbreitete sich rasch in China und Japan. Nachdem Babcock das Spiel in den USA bekanntgemacht hatte, erlangte Mah-Jongg weltweite Popularität – vergleichbar dem Canasta in den 1950er Jahren.

Es wurden eigens Fabriken gegründet, um die Nachfrage nach Mah-Jongg-Spielen zu befriedigen, zumal das Gerücht umging, importierte Spiele wären mit Viren verseucht. In Deutschland wurde das Spiel eingeführt durch F. Ad. Richter & Cie, Baukastenfabrik, Rudolstadt (Gebrauchsmusterschutz Nr. 722354 v. 6. November 1919). Ein weiterer Mah-Jongg-Hersteller in Deutschland war die Hamburger Nordicus-Golconda Werke. Es gab Mah-Jongg-Zeitschriften, in vielen amerikanischen Städten wurden Mah-Jongg-Turniere veranstaltet. Zu den prominenten Förderern des amerikanischen Mah-Jongg-Booms der 1920er-Jahre zählten Fred Astaire sowie Präsident Warren G. Harding und First Lady Florence Harding. In New York wurde 1937 die National Mah Jongg League gegründet, die die Regeln weiter vereinheitlichte und damit die heute als American Mahjong bekannte Spielart maßgeblich prägte. In: nationalmahjonggleague.org, abgerufen am 31. August 2020 (englisch).

Doch bereits wenige Jahre später verschwand Mah-Jongg wie eine Mode und ebenso schnell, wie sie gekommen war. Das Spiel ist in China und Japan überaus populär; außerhalb Ostasiens war die Zahl der Interessenten lange geringer, seit den 2020er Jahren lässt sich jedoch besonders in westlichen Großstädten wieder ein deutlicher Aufschwung beobachten. Die weltweite Teilnahme an Mah-Jongg-Veranstaltungen hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht; regelmäßige Veranstaltungen finden unter anderem in Berlin, Helsinki, London, Los Angeles, New York, Paris und Sydney statt. Auch soziale Medien tragen zu dieser Entwicklung bei: Auf YouTube existieren zahlreiche Einführungs- und Lernvideos, und auf TikTok nahm die Menge der Mah-Jongg-bezogenen Inhalte innerhalb eines Jahres um rund 70 Prozent zu.

Von den Regeln her kann Mah-Jongg als eine Variante des Kartenspiels Rummy verstanden werden, von dem es ebenfalls eine Variante mit Spielsteinen gibt. Dann wird Mah-Jongg mit „chinesischen“ Spielkarten statt mit französischem Blatt gespielt. Es gibt jedoch keine Hinweise, dass sich das Rummy-Spiel aus dem Mah-Jongg entwickelt hätte oder umgekehrt. Die Abstammung von einem (hypothetischen) gemeinsamen Vorfahren ist nicht erwiesen.

Die Spielsteine Mah-Jongg-Spiele sind in den verschiedenen Ausführungen erhältlich. Die Spielsteine sind bei den besseren Spielen aus zwei Teilen gearbeitet, die Bilder auf den Vorderseiten sind mit Sticheln in einen kleinen Block aus Bein – früher Elfenbein – eingraviert und koloriert, die Rückseiten sind aus Bambus und diese beiden Teile sind üblicherweise nicht einfach verklebt, sondern verzinkt. Die Steine preisgünstigerer Spiele sind aus bedrucktem Holz oder aus Kunststoff gefertigt. Es gibt auch Mah-Jongg-Kartenspiele. Im 21. Jahrhundert werden Mah-Jongg-Sets zudem zunehmend als Designobjekte vermarktet; neben modern gestalteten thematischen Steinsätzen bieten auch Luxusmarken wie Hermès, Prada und Louis Vuitton eigene Ausführungen an.

Ein Mah-Jongg-Spiel besteht aus 136 oder 144 Spielsteinen, die Ziegel genannt werden: 108 Ziegel der drei Grundfarben (Farbziegel): Bambus ()42px42px42px42px42px42px42px42px42px Zahl ()42px42px42px42px42px42px42px42px42px Kreis oder Münze ()42px42px42px42px42px42px42px42px42px

In jeder der drei Farben gibt es Ziegel mit den Nummern eins bis neun, jeder Stein ist vierfach vorhanden. Die Steine mit den Nummern eins und neun heißen Randziegel.

Das Farbsymbol Kreis stellt eine Münze dar. Chinesische Münzen hatten in der Mitte ein Loch, um sie auf Bändern aufreihen zu können. Größere Beträge wurden in Form von entsprechend zusammengebundenen Münzen übergeben. Das Farbsymbol Bambus stellte ursprünglich eine solche Münz-Stange dar. Auf der „Bambus-Eins“ ist der Sperling abgebildet, nach dem das Spiel seinen Namen erhielt.

Die Ziegel der Farbe Zahl zeigen oben die chinesischen Ziffern 1 bis 9 (        ), darunter das chinesische Zahlzeichen  wàn für 10.000 (Myriade).

28 Ziegel der Trumpffarbe (Trumpfziegel oder Farblose Ziegel): Vier Winde (Ostwind , Südwind , Westwind , Nordwind )42px42px42px42px Drei Drachen (rot – C: , grün – F: und weiß – P: )42px42px42px oder 42px42px42px

Diese Steine sind vierfach vorhanden. Die Steine für weiße Drachen zeigen entweder einen blauen Rahmen oder sind gänzlich unbemalt (ein weißer Drachen auf weißem Stein ist unsichtbar). Die Buchstaben C, F und P, die in einigen Ausführungen in einer Ecke der Drachenziegel angebracht sind, gehen auf die Wade-Giles-Umschrift der Zeichen , und zurück.

Die Bezeichnung Trumpffarbe für die Wind- und Drachenziegel ist irreführend, da es beim Mah-Jongg keine Stiche gibt.

Anmerkungen:

8 Ziegel der Hauptfarbe Vier Blumen (Pflaume , Orchidee , Chrysantheme , Bambus )42px42px42px42px oder 42px42px42px42px oder 42px42px42px42px Vier Jahreszeiten (Frühling chūn, Sommer xià, Herbst , Winter )42px42px42px42px oder 42px42px42px42px oder 42px42px42px42px

Die Ziegel der Hauptfarbe sind nur jeweils einfach vorhanden. Sie werden auch Glücksziegel oder Hasardziegel genannt und sind häufig sehr kunstvoll gestaltet. Die Verwendung dieser Ziegel im Spiel ist optional, daher können sie in manchen Ausführungen des Spiels auch fehlen.

Amerikanische Mah-Jongg-Spiele enthalten außerdem noch acht Joker-Ziegel, also insgesamt 152 Steine. Darüber hinaus sind häufig noch vier weitere unbemalte Steine als Reserve enthalten.

Zum Spiel gehören ferner zwei bis vier Würfel. Chinesische Würfel sind weiß, die Eins und die Vier sind rot, die übrigen Zahlen durch schwarze Augen dargestellt. Viele Spiele enthalten zusätzliches Spielmaterial, beispielsweise Zahlstäbchen oder Spielmarken. Es gibt Leisten, wie sie beim Domino verwendet werden, damit die Spielsteine nicht umfallen. Manchen Spielen sind vier Platzsteine beigefügt, die mit den chinesischen Zeichen der vier Himmelsrichtungen bedruckt sind.

Die Spielregeln Allgemeines Mah-Jongg wird in unzähligen Regelvarianten von Chinese Traditional bis Jewish American gespielt. Die folgende Anleitung beschreibt die Hua Bao Rules, welche bis auf wenige Unterschiede den Regeln von Joseph P. Babcock entsprechen und den gemeinsamen Kern der mannigfaltigen Varianten darstellen. Diese ist die in Europa gängige Spielweise.

In der Standard-Variante wird mit 136 Steinen gespielt, die acht Ziegel der Hauptfarbe werden nicht verwendet.

Spielvorbereitungen Die Sitzordnung Vor Beginn einer Partie stehen die vier Spieler an den vier Seiten eines quadratischen Tisches. Der älteste Spieler mischt verdeckt die vier Platzsteine und stapelt sie aufeinander. Sodann wirft er zwei Würfel und zählt die Augensumme gegen den Uhrzeigersinn ab, wobei er bei sich selbst zu zählen beginnt. Der solcherart bestimmte Spieler nimmt den obersten Platzstein, der nächste den zweiten usw.

Die Spielfläche des Tisches wird als Himmelskarte interpretiert. Der Spieler, der den Platzstein Ostwind erhält, wird Spielleiter im ersten Spiel und bleibt an seinem Platz, Westwind setzt sich gegenüber, Südwind zur Rechten (!) von Ostwind und Nordwind zur Linken.

Die Mauer mini|200px|Die „Chinesische Mauer“, wie sie im Westen genannt wird Die Ziegel werden verdeckt auf dem Tisch gemischt. Anschließend baut jeder der vier Spieler eine Seite der Mauer, indem er 34 der Ziegel verdeckt nimmt und zu einer 17 Ziegel langen und zwei Ziegel hohen Mauer anordnet. Wird mit Blumen- und Jahreszeitenziegeln gespielt, so nimmt jeder Spieler 36 Ziegel und die Breite der Mauer beträgt 18 Stapel (siehe Blumen- und Jahreszeitenziegel). Die vier Mauerstücke werden zusammengeschoben, so dass sie sich an den Ecken berühren und ein Quadrat bilden. Außerhalb der asiatischen Länder wird dies manchmal Chinesische Mauer genannt.

Nun wirft Ostwind die zwei Würfel und zählt wie vorhin, bei sich selbst beginnend, die Augensumme gegen den Uhrzeigersinn an den Spielern ab. Der so bestimmte Spieler wirft ebenfalls beide Würfel und zählt die Augensumme beider Würfe zusammen. Ostwind zählt am rechten Ende der vor ihm befindlichen Mauer beginnend im Uhrzeigersinn der Gesamtsumme entsprechend Ziegelstapel ab. Eventuell setzt er die Zählung mit Ziegeln aus der Mauer seines linken Nachbarn fort. Den so bestimmten Stapel nimmt er heraus (Mauerdurchbruch) und stellt ihn auf den Stapel rechts neben der entstandenen Lücke.

Die herausgenommenen Steine heißen lose Ziegel und markieren das tote Ende der Mauer, das Ende links der Lücke ist das lebende Ende der Mauer. Gezogen werden die Steine regulär vom lebenden Ende der Mauer. Vom toten Ende werden dagegen nur Ersatzziegel (siehe unten) genommen, beginnend mit den beiden losen Ziegeln. Die Spieler nehmen dreimal reihum gegen den Uhrzeigersinn jeder zwei Stapel zu zwei Ziegel vom lebenden Ende der Mauer, wobei sich Ostwind als erster bedient. Zuletzt nimmt jeder Spieler noch einen weiteren, dreizehnten, und Ostwind außerdem einen vierzehnten Ziegel.

Das Ziel des Spiels mini|hochkant=1.5|Ein vollständiges Spielbild