Der Staat Buenos Aires (spanisch: Estado de Buenos Aires) existierte von September 1852 bis 1861 als de facto unabhängige politische Einheit im Gebiet des heutigen Argentinien. Nach dem Sturz des Diktators Juan Manuel de Rosas (Schlacht von Caseros, Februar 1852) lehnte die Provinz Buenos Aires das föderale Abkommen von San Nicolás (Mai 1852) ab und erhob sich am 11. September 1852 gegen die neue Bundesregierung. Die Eliten in Bueons Aires begründeten daraufhin einen eigenen Staatsverband und verabschiedeten 1854 eine Verfassung, womit Buenos Aires verfassungsrechtlich vom Status einer Provinz zum „Staat“ (Estado) wurde.
Diese Trennung war Teil der argentinischen Bürgerkriege (Unitarier vs. Föderalisten) und führte zu mehreren militärischen Auseinandersetzungen mit der übrigen Konföderation. Im Herbst 1859 wurden die Truppen von Buenos Aires in der Schlacht von Cepeda besiegt, was im Pakt von San José de Flores (11. Nov. 1859) die vorläufige Wiedereingliederung bedeutete. Nach der Entscheidungsschlacht von Pavón wurde die Provinz Buenos Aires zum dominierendes Mitglied des nun vereinten Argentinien.
Geschichte Nach Juan Manuel de Rosas Sturz 1852 kam es zum Machtkampf: Buenos Aires weigerte sich, die Herrschaft Urquizas zu akzeptieren, zumal zentrale Bundesbeschlüsse (z. B. Errichtung eines Einheitsstaats) abgelehnt wurden. Die Porteños formierten sich um die Verteidigung ihrer Souveränität: Sie lehnten das San-Nicolás-Abkommen ab und führten am 11. September 1852 erfolgreich einen Umsturz durch. Erste Versuche der Argentinischen Föderation, die Abspaltung rückgangig zu mach (u. a. ein Rückeroberungsversuch im Winter 1852/53), scheiterten an der überlegenen finanziellen und militärischen Stärke der Stadt Buenos Aires.La condición estatal de Buenos Aires en la década de 1850
Im April 1854 wurde eine eigene Verfassung verkündet, die Buenos Aires als souveränen Staat konstituierte. Mit der neuen Verfassung endete die althergebrachte Provinzordnung; die herrschende Elite von Buenos Aires definierte den Status explizit als „Estado“ und behielt den Hafenzoll fast ausschließlich für sich. Ausländische Mächte verlegten ihre Gesandtschaften nach Paraná, dem Sitz der Konföderation, und unterstützten Urquiza de facto gegen Buenos Aires. Die Konföderation versuchte ihrerseits, durch Gesetze über „differenzielle Zölle“ (1856/58) die Einnahmeverluste durch die Sezession der wichtigsten Provinz auszugleichen.ALGO MÁS SOBRE EL FRACASO DE LOS DERECHOS DIFERENCIALES Unter dem Gouverneur Pastor Obligado wurden in Buenos Aires ergeizige Entwicklungsprojekte umgesetzt, darunter der Ausbau des Bildungswesens, der Aufbau eines Leitungswassersystems und die Einweihung der ersten Eisenbahnlinie 1857.
Der Konflikt zwischen der Föderation und Buenos Aires kulminierte 1859 im Krieg. Urquiza erhielt vom Kongress das Mandat, Buenos Aires nötigenfalls militärisch zu integrieren. Im Herbst 1859 besiegte er die Truppen von Buenos Aires in der Schlacht von Cepeda. Im darauf folgenden Pakt von San José de Flores (11. Nov. 1859) verpflichtete sich Buenos Aires, wieder der Konföderation beizutreten und den Bundesvertrag zu respektieren, behielt jedoch weitgehende Autonomie. Die Versöhnung war aber brüchig. 1861 kam es zur erneuten Konfrontation: In der Schlacht von Pavón (17. Sep. 1861) errang Buenos Aires unter Bartolomé Mitre einen Sieg gegen Urquiza. Dies bedeutete faktisch das Ende der Konföderation und die endgültige Wiedervereinigung Buenos Aires’ mit dem Rest Argentiniens, mit der Stadt Buenos Aires als Hauptstadt.
Verwaltung und Regierungssystem Die Verfassung von 1854 organisierte Buenos Aires nach dem Prinzip der Gewaltenteilung. Sie erklärte ausdrücklich, dass Buenos Aires ein freier Staat mit innerer und äußerer Souveränität sei. Souveränitätsgrundlage war der Volkswille (Artikel 15: „Die Souveränität geht vom Volk aus und wird auf Legislative, Exekutive und Judikative übertragen“). Die Gesetzgebung übte eine „Asamblea General“ aus, die sich aus zwei Kammern zusammensetzte – einer Abgeordnetenkammer und einem Senat. Die Abgeordneten wurden direkt gewählt (jeweils etwa ein Abgeordneter pro 6.000 Einwohner), die Amtszeit betrug zwei Jahre (mit jährlicher Erneuerung von je der Hälfte des Abgeordnetenhauses). Das Staatsoberhaupt war der Gouverneur („Gobernador“): Er wurde von der gesamten Legislatur (Asamblea General) gewählt, übte die exekutive Gewalt aus und war Oberhaupt der Verwaltung. Der Gouverneur hatte eine Amtszeit von drei Jahren (Wiederwahl erst nach dreijähriger Pause möglich). Ihm standen bis zu drei Minister (Ministersekretäre) zur Seite, die ihm untergeordnet waren.
Der Gouverneur hatte weitreichende Befugnisse: Er ernannte das Kabinett, veranlasste öffentliche Ausgaben und war Oberbefehlshaber der Landesarmee (allerdings nur mit Zustimmung der Asamblea General). Außenpolitisch trat Buenos Aires formal wie ein souveräner Staat auf: Gemäß Verfassung konnte der Gouverneur eigene Diplomaten und Konsuln entsenden. In der Praxis hielt sich die internationale Anerkennung jedoch in Grenzen – die meisten ausländischen Gesandten und Kaufleute arbeiteten über die Konföderation in Paraná. Staatliche Organe waren weiter eine unabhängige Justiz (Mitglieder des obersten Gerichtshofs wurden auf Vorschlag des Senats ernannt) und eine gesetzlich verankerte katholische Staatsreligion.
Liste der Gouverneure
Manuel Guillermo Pinto (1852) Valentín Alsina (1852) Manuel Guillermo Pinto (1852–1853) Pastor Obligado (1853–1858) Valentín Alsina (1858–1859) Felipe Llavallol (1859–1860) Bartolomé Mitre (1860–1862)
Staatsgebiet und Bevölkerung Der Staat Buenos Aires umfasste geographisch im Wesentlichen Teile der heutigen Provinz Buenos Aires und den gesamten heutigen Bundesdistrikt Buenos Aires. Laut Verfassung erstreckte sich das Territorium von Arroyo del Medio (an der Grenze zu Santa Fe) im Norden bis zu den Andenausläufern im Westen, und im Süden begrenzten ihn die Flüsse Paraná, Río de la Plata und der Atlantik. Er beanspruchte auch die benachbarten Inseln (z. B. Martín García). Tatsächlich kontrolliert wurde jedoch nur das Gebiet bis zum Río Salado del Sur. Die Hauptstadt war die Stadt Buenos Aires, Sitz der Regierung und der Asamblea General. Eine Volkszählung vom 17. Oktober 1855 ergab eine Einwohnerzahl von 248.498 für den Staat Buenos Aires, von denen 71.438 in der Hauptstadt lebten.
Einzelnachweise
Buenos Aires Buenos Aires Kategorie:Argentinische Geschichte (19. Jahrhundert) Kategorie:Buenos Aires Buenos Aires Kategorie:Aufgelöst 1861