Claudia Keller (* 21. Oktober 1984 in Dielsdorf ZH) ist eine Schweizer Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Autorin, Dozentin und Referentin.

Leben und Wirken Keller studierte Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Zürich. Sie promovierte 2015 mit ihrer Dissertation Lebendiger Abglanz. Goethes Italien-Projekt als Kulturanalyse (erschienen 2018 beim Wallstein Verlag). Für ihre Dissertation erhielt sie 2019 den Zeno-Karl-Schindler-Preis für deutsche Literaturwissenschaft. Von 2015 bis 2017 war sie im Rahmen ihres Postdoktorats wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Klassik Stiftung Weimar, wo sie die Ausstellung «Winckelmann. Moderne Antike» im Neuen Museum Weimar ko-kuratierte. Von 2017 bis 2025 war sie Oberassistentin am Deutschen Seminar der Universität Zürich, und 2024/2025 lehrte sie an der Universität Genf. Seit Januar 2026 ist sie als SNF Starting Grant Professorin am Environmental Sciences and Humanities Institute der Universität Freiburg tätig.

Claudia Keller ist Expertin für die kulturelle Wahrnehmung von Natur und Biodiversität, insbesondere für Biodiversitätsnarrative sowie solidarische Landwirtschaft. Mit diesen Themen tritt sie auf Podien auf und wird von deutschsprachigen Medien als Expertin hinzugezogen. Sie organisiert und moderiert auch selbst Veranstaltungen zu diesen Themen und ist journalistisch tätig, unter anderem für Das Magazin des Tages-Anzeigers und für andere Magazine. Sie ist in wissenschaftlichen Gesellschaften und Netzwerken tätig, unter anderem als Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Kulturtheorie und Semiotik sowie des Netzwerks für Philosophie und Wissenschaften der Psyche «entresol». Als Kuratoriumsmitglied des Forums Biodiversität Schweiz der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz vertritt sie ihr Forschungsfeld, um die wissenschaftlichen Grundlagen zu Verständnis der Biodiversität sowie den Dialog zwischen Wissenschaft, Verwaltung, Naturschutzpraxis und Öffentlichkeit zu stärken.

Claudia Keller ist mit Jonas Landolt verheiratet, mit dem sie auch gemeinsame Vorträge hält. Die beiden haben einen Sohn und leben in Zürich.

Forschung Claudia Kellers Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Neueren Deutschen Literatur und Kulturtheorie vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, mit Publikationen, unter anderem zu Johann Wolfgang von Goethe, Johann Joachim Winckelmann, Gottfried Keller, Peter Handke und Ann Cotten. Sie hat zu ästhetischen Fragen und insbesondere dem Verhältnis von Literatur und Kunst geforscht und eine Monografie zum Schweizer Künstler Hans Josephsohn herausgegeben. Ihre neueren Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des Ecocriticism und der Environmental Humanities. Im Rahmen ihres SNF-Starting-Grant-Projekts Narrating Variety. Biodiversity as Paradigm of Transformation in Science and Literature untersucht sie, wie Biodiversität in Wissenschaft, Politik, Kultur und Literatur erzählt, dargestellt und gerechtfertigt wird. Zeitgleich ist sie Co-Leiterin des Projekts «Promoting Biodiversity by Addressing Environmental Disvalue Narrative», welches Teil des NFP 82 «Biodiversität und Ökosystemleistungen» ist. Das Projektteam sammelt Geschichten über Feuchtgebiete und den Biber aus Medien, Literatur und Interviews mit Stakeholdern und untersucht die darin vorkommenden negativen Bewertungen von Biodiversität. Dabei sollen gemeinsam mit dem WWF Schweiz praktische Instrumente entwickelt werden, die einen konstruktiven Diskurs über Biodiversität unterstützen.

Auszeichnungen

2019 Zeno-Karl-Schindler-Preis für deutsche Literaturwissenschaft

Schriften (Auswahl)

Monografien Lebendiger Abglanz: Goethes Italien-Projekt als Kulturanalyse, Wallstein, Göttingen 2018, ISBN 978-3-8353-1989-9.

Herausgegebene Sammelwerke zusammen mit Bärbel Küster: Gestundete Zeit – 100 Jahre Hans Josephson, Scheidegger & Spiess, Zürich 2020, ISBN 978-3-85881-687-0. zusammen mit Christoph Schmälze: Archäologien der Monderne. Winckelmann um 1900, Sonderheft der Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft, Felix Meiner, Hamburg 2021, ISBN 978-3-7873-4107-8. zusammen mit Elisabeth Décultot, Martin Dönike, Wolfgang Holler, Thorsten Valk, Bettina Werche: Winckelmann. Moderne Antike, Hirmer, München 2017, ISBN 978-3-7774-2756-0.

Beiträge in Handbüchern, Sammelbänden und Zeitschriften

Schreiben im Zeitalter des Aussterbens. Affektlogiken und Affektpoetiken im Instektenschutz, in: Giuriato, D.; Heller, A. (Hrsg.): Insektenpoesie. Grundzüge einer literarischen Entomologie (Reihe «Cultural Animal Studies»), Berlin 2025, S. 277–297. Dangerous Resonances in Charlotte McConaghy’s Once There Were Wolves, in: Plant Perspectives 1/2 (2024), S. 54–71. Vielfalt erzählen. Drei Thesen zur Bedeutung von Biodiversitätsnarration, in: GAIA. Ecological Perspectives for Science and Society, 33/2 (2024), S. 228–233. Fungimorphismus. Merlin Sheldrakes «Entangled Life» als Formexperiment zukünftiger Beziehungen, in: Transpositiones 2 (2023), S. 13–30. Bildende Kunst nach 1945, in: Rohde, C. et al. (Hrsg.): Faust-Handbuch – Konstellationen, Diskurse, Medien, Stuttgart 2018, S. 467–473. Hin und Her. Utopie lebendiger Gemeinschaft in Goethes «Märchen» und die Folgen («Wanderjahre», Keller, Handke), in: DVJS 94/2 (2020), S. 161–179. Zeitfiguren des Epischen. Peter Handkes «Die Obstdiebin» als eine Theorie des Erzählens im Erzählen, in: Zeitschrift für deutsche Philologie 139/4 (2020), S. 591–619.

Essays

Kleines Mausohr, du sollst nicht sterben, in: Das Magazin des Tages-Anzeigers, Nr. 21, S. 8–15 (25.05.2024). Birdwatching in Israel, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, 77 (2023), S. 90–97. Die Schweiz ist Mist, in: Das Magazin des Tages-Anzeigers, Nr. 27, S. 10–14 (09.07.2022). Völker, hört die Zucchetti-Signale, in: Das Magazin des Tages-Anzeigers, Nr. 48, S. 16–19 (04.12.2021).

Weblinks

Website von Claudia Keller

Einzelnachweise

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