Die FZe 6/6 2001 und 2002 der Montreux-Berner Oberland-Bahn (MOB) sind 1932 abgelieferte meterspurige Gepäck- und Posttriebwagen, die auf deren Bahnstrecken im Berner Oberland und in der Westschweiz eingesetzt wurden. Anfänglich wurden sie als FZe 6/6, ab 1962 als DZe 6/6 bezeichnet. Die Lokomotive DZe 6/6 2002 ist bei der Museumsbahn Blonay–Chamby betriebsfähig erhalten geblieben und wird dort wiederum als FZe 6/6 bezeichnet.

Geschichte Die Montreux-Berner Oberland-Bahn, an deren Bahnstrecke Touristen-Hotspots wie der Genfersee, Montreux, Château-d’Oex und Gstaad liegen, ist seit ihrer abschnittsweisen Eröffnung in den Jahren 1901 bis 1912 auch im Tourismusverkehr tätig und führte 1906 Speisewagen und 1914 Salonwagen ein. 1931 führte die MOB gemeinsam mit der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) den Golden Mountain Pullman Express ein, der mit eigens bestellten Pullmanwagen AB4ü 103–106 ausgestattet wurde. Die nur vom 15. Juni 1931 bis 10. oder 15.Carrozze CIWL a scartamento ridotto, parte 1: dal Golden Mountain Pullman Express al Goldenpass Classic. In: scalaenne.wordpress.com. 25. Juli 2015, abgerufen am 11. März 2025: «Sie hatten nicht mit der heftigen Krise gerechnet, die Europa nach dem tragischen Wall-Street-Crash von 1929 treffen würde. Am 15. September 1931, also nach nur einer Sommersaison, machte der Golden Mountain Pullman Express seine letzte Fahrt. Kaum drei Monate waren seit seinem ersten Auftritt vergangen, und die eigens dafür gebauten Triebwagen waren noch nicht eingetroffen…» September 1931 – es existieren hierzu verschiedene Angaben – verkehrenden Züge wurden in der Regel mit den 1912 abgelieferten Triebwagen BFZe 4/4 23–26 bespannt, dazu wurde der BFZe 4/4 24 in den Farben der CIWL lackiert. Nach anderen Angaben wurden sie mit den 1924 abgelieferten Triebwagen CFZe 4/4 27 und 28 bespannt.Albert Mühl: Internationale Luxuszüge. EK-Verlag, Freiburg im Breisgau 1991, ISBN 3-88255-673-0, S. 198 Um jedoch ausreichende Reserven zu haben, bestellte die MOB zudem zwei neue Triebwagen.

Die Triebwagen basierten konstruktiv auf den CFZe 4/4 27–28, doch wurde die Achsfolge von zwei zweiachsigen Drehgestellen mit der Achsfolge Bo’Bo’ auf drei zweiachsige Drehgestelle mit der Achsfolge Bo’Bo’Bo’ geändert und die stündliche Nennleistung von 423 kW auf 735 kWerhöht. Die anfängliche Stundenleistung von 1000 PS konnte später auf 1100 PS erhöht werden.Patrick Belloncle, Jürg Ehrbar, Tibert Keller: Das Grosse Buch der Montreux-Berner Oberland-Bahn. Edition Viafer, Kerzers 2009, ISBN 3-9522494-2-4, S. 242. Um auf gesonderte Gepäck- und Postwagen in den Zügen verzichten zu können, wurden sie als kombinierte Gepäck- und Posttriebwagen mit einem Frachtraum im Wagenkasten gebaut. Der Golden Mountain Pullman Express hatte sich jedoch als Misserfolg gezeigt; aufgrund der Weltwirtschaftskrise waren die erhofften wohlhabenden Fahrgäste weitgehend ausgeblieben, und die MOB entschied sich zusammen mit der CIWL, den Betrieb des Pullmanzugs bereits am 10. September 1931 wieder einzustellen, nicht ganz drei Monate nach der Einführung. Die 1932 gelieferten Triebwagen liefen daher vor normalen Personen- und Güterzügen. Vor den Wagen des Pullmanzugs kamen die neuen Triebwagen daher nur zu Fotozwecken zum Einsatz.

1962 änderte die MOB die Typenbezeichnung des Gepäckabteils von F auf D, so dass die Typenbezeichnung neu DZe 6/6 lautete. Bei den Triebwagen handelte es sich um leistungsstarke Fahrzeuge, die 150 t bei 72 Promille mit einer Nennzugkraft von 102 kN pro Stunde ziehen konnten, wobei SIG für die Herstellung des Wagenkastens, der Drehgestelle und der mechanischen Teile und Brown, Boveri & Cie. für die Hauptsteuerung, den Hauptelektromotor und die elektrische Ausrüstung verantwortlich waren.

Bis zur Einführung der ABDe 8/8 4001 bis 4004 im Jahr 1968 waren die beiden Triebwagen die leistungsfähigsten Triebfahrzeuge der Bahn, so dass sie häufig zum Ziehen von Güterzügen eingesetzt wurden. Nach Umbauten in den Jahren 1977 und 1979 zum Betrieb vor Rollbockzügen zogen sie vor allem Güterzüge mit aufgebockten normalspurigen Güterwagen sowie Züge zwischen Zweisimmen und Lenk.

Der Triebwagen 2001 wurde 1988 ausgemustert und in Montbovon abgestellt, wo er unter anderem als Ersatzteilspender diente, bevor er 2007 verschrottet wurde. Der Triebwagen 2002 wurde im Jahr 2002 aus dem Betrieb genommen und in der Wagenremise in Gstaad abgestellt; 2008 wurde er an die Museumsbahn Blonay–Chamby (BC) abgegeben.

Technik Wagenkasten Die Wagenkästen bestehen aus einer Holz-Eisen-Verbundkonstruktion ähnlich den Triebwagen CFZe 4/4 27 und 28, mit einem 26 mm dicken, aus Stahl zusammengenieteten Grundrahmen, auf dem der hölzerne Wagenkastenrahmen und das Dach montiert waren, wobei die vorderen und seitlichen Aussenverkleidungen aus mit dem Holz verschraubten Stahlplatten bestanden, das Dach mit Stoff bespannt war und der Boden und die Inneneinrichtung aus Holz bestanden. Der Aufbau entspricht einer Gelenklokomotive, mit zwei miteinander verbundenen Wagenkästen, die an den Führerstandsenden leicht nach innen verschmälert sind. In den beiden miteinander verbundenen Innenräumen sind ausser den beiden Führerständen ein Postraum mit einer Fläche von 8 m², ein Geräteraum, ein Raum mit den Widerständen, eine Toilette und ein 10 m² grosser Gepäckraum untergebracht.

Auf dem Dach befinden sich an jedem Ende ein Stromabnehmer und dazwischen die Widerstände.

Die Triebwagen erhielten die für den Golden Mountain Pullman Express vorgesehene Farbgebung. Die untere Hälfte der Wagenkästen wurde dunkelblau und die obere Hälfte crèmefarben lackiert, mit einer gelben Zierlinie am oberen Ende des dunkelblauen Teils. Am linken Wagenende unten an der Seite ist die Typenbezeichnung angebracht, der MOB-Schriftzug und die Maschinennummer stehen an der rechten Seite. Der Wagenkastenrahmen, die Unterflureinrichtung und die Drehgestelle sind schwarz lackiert, während das Dach und die dort untergebrachten elektrischen Einrichtungen grau sind.

Die Lackierung wurde beim erhalten gebliebenen Triebwagen 2002 bis heute unverändert beibehalten, aber die Beschriftung wurde geändert und umfasst nun die Typenbezeichnung und die Nummer am linken Ende der unteren Hälfte des Wagenkastens sowie den Schriftzug MOB links von der Mitte.

Elektrische Ausrüstung Als erstes Fahrzeug der MOB verfügten die Fahrzeuge über eine elektrische Bremse mit einer Nutzbremsfunktion sowie über eine Vakuumbremse, eine Handbremse und eine elektromagnetische Bremse in der unteren Mitte jedes Drehgestells. Bei 650 V erzeugt die Lokomotive eine Bremskraft von 39 bis 40 t. Die Nutzbremsschaltung mit separater Erregung wurde mit einer Widerstandsbremsschaltung ergänzt.75 Ans/Jahre MOB 1901–1976. Achevé d’imprimer sur le presse, de L’Imprimerie Corbaz S.A. à Montreux, 2e Édition, 1983, S. 112–113. Die Bremswiderstände befinden sich auf dem Dach des Triebwagens und nicht – wie zu der Zeit bei der MOB üblich – unter dem Wagenkasten.Patrick Belloncle, Jürg Ehrbar, Tibert Keller: Das Grosse Buch der Montreux-Berner Oberland-Bahn. Edition Viafer, Kerzers 2009, ISBN 3-9522494-2-4, S. 243. Es gab einen zentralen Nockenschalter mit elektropneumatischer Steuerung.

Das Drehgestell ist ein Stahlnietendrehgestell mit einem Achsabstand von 2300 mm und einem Raddurchmesser von 945 mm.

Umbauten

Bei beiden Triebwagen wurden 1977 (2002) und 1979 (2001) die Toiletten entfernt.

Vakuumgesteuerte Druckluftbremse Um auf Rollböcken beladene Normalspurwagen zwischen Zweisimmen und Lenk zu ziehen, wurde beim Triebwagen 2001 1977 eine vakuumgesteuerte Druckluftbremsanlage eingebaut. Der Triebwagen 2002 erhielt die entsprechende Bremsausrüstung 1979.

Literatur Patrick Belloncle, Jürg Ehrbar, Tibert Keller: Das Grosse Buch der MOB Montreux–Berner Oberland-Bahn / Le grand livre du MOB Montreux–Oberland bernois. Edition Viafer, Kerzers 2009, ISBN 3-9522494-2-4, S. 243–245. MOB FZe 6/6 später DZe 6/6 2001 und 2022. Auszug aus der BBC Revue. Nr. 4, 1933.

Weblinks

Beschreibung FZe 2002 mit Bilder und Typenskizze in blonay-chamby.ch Bilder und Typenskizze in trainsdepot.org Beschreibung mit Bildern DZe 6/6 2001 in xrail.ch Beschreibung mit Bildern DZev6/6 2002 in xrail.ch

Einzelnachweise

Kategorie:Museumsbahn Blonay–Chamby FZe 6 6 Kategorie:Elektrotriebwagen für Gleichstrom 840 V Kategorie:Schienenfahrzeug (Brown, Boveri & Cie.) Kategorie:Schienenfahrzeug (Schweizerische Industrie-Gesellschaft)