Die Brücke von Alcántara ist ein historischer Roman vom Frank Baer, der die Schicksale von Christen, Mauren und Juden im mittelalterlichen Andalusien miteinander verknüpft.Susanne Lipps, Oliver Breda: Andalusien. Dumont Reiseverlag, 2012, ISBN 978-3-7701-7678-6, S. 63. Der Roman erschien erstmals 1988 im Münchner Albrecht Knaus Verlag.Die Brücke von Alcántara : Roman / Frank Baer d-nb.info
Das Buch ist in drei Abschnitte, Bücher genannt, strukturiert. Das erste Buch „MUSADDAR“ spielt 1063 bis 1064. Das zweite Buch „Quazida“ spielt 1070 bis 1071. Das dritte Buch „Barwal – Finale“ handelt von den Jahren 1082 bis 1086. Sogenannte Zwischenspiele behandeln die jeweils dazwischen liegenden Jahre.
Nach dem Roman „Die Magermilchbande“, der auch als Serie verfilmt wurde und dem Jugendbuch „Kein Grund zur Panik“ nahm sich Baer sechs Jahre Zeit für seinen nächsten Roman. Nach umfangreichen Recherchen veröffentlichte Frank Baer dann diesen historischen Roman, der zu einem Bestseller wurde.
Geschichtlicher Hintergrund In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts zersplitterte das ehemals mächtige muslimische Herrschaftsgebiet al-Andalus auf der iberischen Halbinsel infolge der Reconquista in eine Reihe von Kleinfürstentümern. Im Norden dagegen hatte das Königreich Kastilien 1037 das Königreich León erobert und seine Macht verstärkt. Mit dem Beginn der zweite Phase der Reconquista und der Belagerung von Barbastro 1064 beginnt die Handlung.
Handlung Das Buch beginnt im Jahr 1063 mit der jeweiligen Beschreibung der Lebensumstände der drei Hauptakteure Yunus Ibn al-Aʿwar in Sevilla, Lope in Sabugal und Muhammad Ibn Ammar in Murcia.
Die eigentliche Handlung des Buches beginnt 1064, als sich die drei Hauptakteure erstmals vor der im Rahmen eines christlichen Feldzugs gegen die Mauren in Spanien belagerten Stadt Barbastro treffen. Diese sind Muhammad Ibn Ammar, ein verbannter andalusischer Dichter und Politiker arabischer Abstammung, sowie die fiktiven Figuren Yunus Ibn al-Aʿwar, ein jüdischer Arzt, der mit seinen Töchtern in Sevilla lebt, und Lope, ein 15-jähriger galicischer Waisenjunge in Obhut eines spanischen Edelmannes aus der Dueroregion, der davon träumt ein Ritter zu werden. Die drei schließen dort Freundschaft. Mit dem Tod von Abbad II. al-Mu'tadid kann Ibn Ammar nach Sevilla zurückkehren. Lope besucht verletzt Yunus und verliebt sich in dessen Tochter Karima. Als sich die drei nach Jahren in Sevilla wiedertreffen, ist der Dichter zum Großwesir ernannt worden und Lope ein Ritter. Sie erkennen, dass sich die kulturelle Hochblüte Andalusiens – verbunden mit dem friedlichen Zusammenleben von Christen, Juden, Mauren – dem Ende neigt.Die Brücke von Alcántara histo-couch.de Diese Verbindung wird trotz der Freundschaft mit Muhammad und Lope von Yunus nicht unterstützt und er bringt die beiden mit Unterstützung von Ibn Ammar wieder erst mal auseinander.
Bei beiden bleiben in Kontakt und Karima begleitet die Gruppe, die die maurische Verlobte von Lopes Grafen eskortiert. Durch Bestechung wird der Falke des Grafen freigelassen und der Graf und Lope versuchen den Falken wieder einzufangen, während die Eskorte weiterzieht. Diese wird auf der namensgebenden Brücke von Alcántara überfallen und die Verlobte in den Abgrund gestürzt. Alle Mitglieder der Eskorte wurden getötet, aber Karima überlebte als Einzige den Überfall schwer verletzt. Lope nimmt die Verfolgung auf und will Rache üben. Dazu schließt er sich Rodrigo Díaz de Vivar, genannt El Cid, einem kastilischen Ritter und Söldnerführer an. In dessen Gefolge findet er einige der Attentäter des Anschlags an der Brücke. Es gelingt ihm, sich an den Beteiligten des Überfalls zu rächen. Seinen Frieden findet er jedoch nicht und lässt sich, statt weiter als Ritter zu leben, mit Karima in Toledo nieder. Ibn Ammar gerät in Gefangenschaft und wurde im Gefängnis getötet.
Rezeption Das Werk gilt bis heute als Meilenstein der historischen Fiktion. Für die spanische Online-Zeitung El Independiente gilt der Roman als einer der 10 besten historischen Romane aller Zeiten, „weil die miteinander verwobenen Schicksale dreier Charaktere, die jeweils einer der drei großen Religionen angehören, die damals in Spanien koexistierten“ ein „ein lebendiges Bild von Andalusien im 11. Jahrhundert“ entfalten würden. Auch El Confidencial zählt das Werk zu den 10 größten historischen Romane aller Zeiten. Schriftsteller Frank Baer würde die Ära beschreiben, „in der sich das heutige Spanien von einer pluralistischen und weitgehend toleranten Landschaft in die Unnachgiebigkeit und Homogenität wandelte, die seine weitere Entwicklung prägen sollte“. Hans-Joachim Lope spricht in einer Festschrift auf Ernst Theodor Voss davon, dass der Roman ein „reichhaltiges und unerwartet fundiertes Bild des spanischen Mittelalters entwirft“ und „als Träger einer unüberhörbaren kritischen Botschaft an die westeuropäischen Gesellschaften gelesen“ werden kann.
Ausgaben Die Brücke von Alcántara. Roman. Knaus, München/Hamburg 1988, ISBN 3-8135-0619-3 (3. Aufl. 1989). spanisch: El puente de Alcántara. 29. Auflage. Edhasa, Barcelona 2012, ISBN 978-84-350-0558-6 (übersetzt von José Antonio Alemany).
Literatur
Weblinks Beschreibung des Romans beim Penguin Verlag Beschreibung "El puente de Alcántara" (Die Brücke von Alcántara) in der Spanischen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Deutschland) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Historischer Roman Kategorie:Ersterscheinen 1988