mini|«Madonna der geschlossenen Brücke»: Chorflankenturm mit nach oben grösser werdenden Schallöffnungen mini|Kirche «Madonna der geschlossenen Brücke», Blick von Westen Die römisch-katholische Kirche Madonna der geschlossenen Brücke (), heute auch S. Anna, ist ein barocker Kirchenbau in Roveredo im schweizerischen Kanton Graubünden, im Tal des Misox (italienisch Val oder Valle Mesolcina). Zusammen mit zwei Steinbogenbrücken und einem ehemaligen Hospiz für Pilger steht sie als eine Baugruppe an der alten Strasse zum St. Joriopass und am Eingang zur Traversagnaschlucht und ist zusammen mit diesen unter der Nummer 03184 als A-Objekt als Kulturgut von nationaler Bedeutung klassifiziert.Schweizer Kulturgüterschutzinventar mit Objekten von nationaler und regionaler Bedeutung, Stand vom 2. Oktober 2023, als PDF je Kanton downloadbar, Seite 10 der 15-seitigen Liste für Graubünden, abgerufen am 1. März 2026.

Geschichte Erstmals gesichert erwähnt wird die Kirche 1524. Der Neubau wurde 1656 geweiht und bis zum Ende des 17. Jahrhunderts weiter ausgestattet. Als Baumeister wird Giovanni Serro vermutet, dessen Wirkungskreis über St. Gallen und Pfäfers bis nach Kempten im Allgäu reichte. Eine Renovierung fand 1941 statt, dann nochmals im Jahr 2000 eine Restaurierung aussen.

Eine Legende besagt, dass ein unbekannter Herr in Rom einen Emigranten namens Zanetto aus Roveredo beauftragt habe, in seinem Heimatort auf dem Pons clausus (deutsch «geschlossene Brücke») eine Kapelle zu errichten, die der Madonna von Loreto geweiht werden sollte, wobei Zanetto erklärt habe, dieser Ort sei ihm unbekannt. Anschliessend habe er in einem Traum erfahren, dass dieser Auftrag der Wille Gottes sei – und Zanetto führte dies so aus. Am 24. August 1524 weihte der Weihbischof von Chur die Kirche.Beschreibung der Kirche auf der Website des Ente Turistico Regionale del Moesano (ETRM), abgerufen am 20. Februar 2026.

Bereits vor dem Bau der Kirche wurde die mittelalterliche Brücke, die den Kirchplatz mit der Kapelle von San Carlo Borromeo verbindet, «geschlossene Brücke» genannt. Zuvor stand dort eine Kapelle, die ebenfalls besagter Madonna von Loreto gewidmet war.Barbara Raveglia: I dipinti interni della Chiesa della Madonna del Ponte Chiuso a Roveredo - Die Innenmalereien der Kirche Madonna der geschlossenen Brücke, Beitrag im Almanacco del Grigioni italiano 2008 - Almanach des italienischen Graubünden, 90. Jahrgang, Seite 189, abgerufen am 1. März 2026

Äussere Gliederung mini|hochkant|Statue der Unbefleckten Empfängnis über dem Portal Auf der breit angelegten Fassade, die das dreischiffige Innere mit flachen Lisenen andeutet und mit Fenster und Türen andeutenden Sgraffiti verziert ist, steht über dem noch erhaltenen Renaissance-Rundbogen-Portal in einer Nische eine Statue der Immaculata. Das Portal selbst mit seinen kannelierten Pilastern wurde aus dem Altbau übernommen. Die Statue stammt von Simone Giuliani aus den Jahren 1691/92. Markant ist ausserdem der Glockenturm nördlich am Chor durch seine nach oben hin über drei Geschosse breiter werdenden Fenster- bzw. Schallöffnungen.

mini|Drohnenflug-Aufnahme der Kirche und der beiden Rundbogenbrücken

Innerer Aufbau und Ausschmückung Der Längsbau weist einen Rechteckchor auf und im Hauptschiff ein Kreuzgewölbe mit Strebepfeilern, die in die tonnengewölbten Seitenkapellen reichen. Die Kapellen selbst sind mit Durchgängen miteinander verbunden, was als früher Typus des sog. Wandpfeilerschemas gilt – hier durch Vorarlberger Baumeister zusammen mit Misoxer Architekten weiterentwickelt. Ähnliches findet sich z. B. auch im Kloster Disentis, wo die hallenartige Gesamtwirkung noch gesteigert wurde.

Die polygonale Kanzel mit ihrem tabernakelartigen Schalldeckel datiert von 1680. Das Chorgestühl stammt ebenfalls aus dieser Anfangszeit nach dem Neubau, geschätzt wird es auf die Zeit um 1695.

Im kreuzgewölbten Chor finden sich Rokoko-Stuckaturen von Rocco Pisone aus Germignaga aus dem Jahr 1731 und ein Medaillongemälde von Giuseppe Chicherio mit der Himmelfahrt Mariä. Die Wandbilder wurden rund 120 Jahre später von Giovanni Andriazzi geschaffen. Aus dieser Zeit stammen auch die gemalten Scheinstuckaturen im Schiff.

Der Hochaltar mit Stuck-Retabel, das in die Wandgliederung einbezogen ist, stammt ebenfalls von Pisone. Des Weiteren nimmt ein Immakulatagemälde von Chicherio das Eingangsthema des Portals auf. Für die Reliquien des Katakombenheiligen Doreto wurde 1815 ein klassizistischer Schrein angefertigt und aufgestellt. Eine Besonderheit in der Anordnung stellen die Altäre der beiden ersten Seitenräume dar: Sie sind zum Langhaus hin gerichtet, was dessen hallenartigen Charakter hervorhebt.

Die Orgel wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und 1999 ebenfalls restauriert.

Die mit Quertonnen überwölbten Seitenräume mit den Kapellen sind annähernd gleich hoch wie das Hauptschiff. Im Einzelnen sind sie wie folgt gewidmet und ausgestattet: Josephs-KapelleEin klassizistischer Altar von 1815 zeigt die Rückkehr der heiligen Familie aus Ägypten nach Peter Paul Rubens um 1660 bis 1670. Die Rückwand schmückt das Gemälde der Vermählung Mariä, von Franz Georg Herrmann dem Älteren um 1670 bis 1680. Etwa 1700 entstand die Abbildung der heiligen Familie an der linken Seitenwand, in das ein unbekannter Maler links unten die Kapelle S. Anna mit ihren beiden Brücken über Traversagne einfügte. Im Gewölbe sind der Traum Josephs und die Flucht nach Ägypten zu sehen. Lucia-KapelleSimone Giuliani errichtete 1691/92 den aufwendigen Stuckaltar mit seinen gewundenen Säulenpaaren; das Gemälde der Titelheiligen stammt von Pietro Toscano im Jahr 1694. Drei Szenen aus dem Leben der heiligen Lucia, gestaltet von Nicolao Giuliani, sind im Gewölbe zu sehen, datiert auf 1695, die in der Bogenlaibung gemalten Putti werden auch auf das 17. Jahrhundert geschätzt. Thomas-KapelleDer Stuckaltar ist dem Ungläubigen Thomas gewidmet und zeigt sein Bildnis, 1700 entstanden durch Nicolao de Giuliani nach Caravaggio. Malereien der Gebrüder Calgari zieren das Gewölbe dieser Kapelle sowie ein Gemälde, das den heiligen Johannes Evangelist zeigt (um 1670), und ein Votivbild der Gottesmutter mit Kind (1669). Kapelle der Madonna von LoretoIn dieser Kapelle sind aus der Zeit des Altbaus kurz vor 1524 stuckgerahmte Apsidiole mit Wandgemälden des Gnadenbildes erhalten, die 1731 und 1880 überarbeitet wurden. Im Gewölbe finden sich Christi Geburt und wieder Mariä Himmelfahrt, die Wände zeigen ihre Geburt und ihre Heimsuchung. Kapelle S. Anna (vormals S. Francisco)Diese Kapelle schmückt ein Stuckaltar mit Annastatue aus dem 20. Jahrhundert. Muschelartig angelegte Nischen enthalten um 1700 entstandene Gemälde der beiden Heiligen Johannes und (vermutlich) Luzius. Das Gewölbe zieren Szenen mit Lebensstationen des heiligen Franziskus, die um 1680 entstanden sind. Kapelle St. Antonius von PaduaIhren Altar ziert ein Gemälde des namensgebenden Heiligen. Zu seiner linken Seite findet sich ein Gemälde der Stigmatisation des heiligen Franziskus. Kleinere Ölbilder darüber zeigen seinen Besuch bei den Edelleuten von Celano (ca. 1660). Die rechte Seite stellt den heiligen Antonius dar.

Literatur Kunstführer durch die Schweiz. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. GSK, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 291–293. Gabriel Peterli, Gerhard Schlichenmaier: Barocke Kirchen in Graubünden. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 2003, ISBN 3-905342-18-9, S. 113–116.

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Einzelnachweise

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