Die Kolonnade der Nataliequelle ist ein historischer Pavillon über der Nataliequelle im südöstlichen Parkgelände von Františkovy Lázně (deutsch: Franzensbad). Er wurde 1929 nach Plänen des Franzensbader Architekten Ingenieur Oskar Sgustav errichtet. Die Anlage verbindet schlichte funktionale Bauweise mit neuklassizistischen Stilmerkmalen und ist Teil der traditionsreichen Kurarchitektur des Böhmischen Bäderdreiecks.

Die Errichtung des Pavillons fällt in die Blütezeit der Kurarchitektur im sogenannten Böhmischen Bäderdreieck, zu dem neben Franzensbad auch Karlsbad und Marienbad gehören. Die westböhmischen Kurorte zählten seit dem 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten europäischen Heilbädern und wurden von zahlreichen prominenten Gästen besucht, darunter Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven. Auch in der Zwischenkriegszeit blieb der Ausbau der Kuranlagen ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, wozu Neubauten wie der Pavillon der Nataliequelle beitrugen.

Geschichte Die Nataliequelle war bereits vor dem Bau des heutigen Pavillons für Kurgäste zugänglich, die das Mineralwasser sowohl aus gesundheitlichen Gründen als auch als Tafelwasser konsumierten. Durch die steigende Zahl der Besucher erwiesen sich die vorhandenen Trinkanlagen als unzureichend, sodass die Kurverwaltung 1929 den Bau eines neuen Pavillons beschloss. anno.onb.ac.at

Die Errichtung des Quelltempels erfolgte unter der Leitung des Architekten Ingenieur Oskar Sgustav in Zusammenarbeit mit der Bauunternehmung von Ingenieur Prosch. Die Bauarbeiten dauerten lediglich zweieinhalb Monate. Der Neubau diente dazu, den zahlreichen Kurgästen einen wettergeschützten Zugang zur Quelle zu bieten und die Nutzung während der Hauptsaison zu erleichtern.

Architektur mini|Mittelteil des Gebäudes Der Quelltempel der Nataliequelle steht auf einem Holzrost, um den moorigen Boden und den hohen Grundwasserstand auszugleichen. Er ist als leichter Riegelbau mit Plattenverschalung ausgeführt; der zweifarbige Edelputz verleiht dem Gebäude eine massive Wirkung.Glassl, Horst: Kunst in Eger; Stadt und Land. Hrsg.: Lorenz Schreiner. Georg-Müller Verlag, 1992, S. 123–124.

Die Anlage verbindet schlichte Funktionalität mit neuklassizistischen Stilmerkmalen, ähnlich wie die gleichzeitig entstandene Glauberquellhalle und das neue Stadttheater von Franzensbad. Sie besitzt einen U-förmigen Grundriss mit einem zentralen achteckigen Quellentempel, zwei Eckpavillons und rechtwinklig anschließenden Wandelhallen, die einen Innenhof umschließen. Zwei symmetrisch angeordnete Wandelhallen mit verglasten Endpavillons bilden die seitlichen Flügel, während ein gedeckter Verbindungsgang die Wandelhallen mit dem Quellentempel verbindet. Die gärtnerische Gestaltung des Innenhofs wurde gleichzeitig geplant, um die harmonische Einordnung des Pavillons in die Parkanlage zu gewährleisten.

Die Eckpavillons sind durch ein hohes, gestuftes Gebälk unter flachen Faltdächern betont. Ihre Wände sind großflächig verglast, wobei das Betonskelett zusätzlich in stark vereinfachten Flachsäulen ohne Kapitell und Basis auf antike Vorbilder verweist. Die Wandelhallen öffnen sich zum Innenhof zwischen ebenso einfachen Flachsäulen und sind nach hinten verglast.

Die ursprüngliche Innendekoration der Quellhalle ist nicht erhalten. Sie bestand aus einem achteckigen Quellschacht, der mit weißen Glasplatten verkleidet und von einem schwarzen Granitsockel gerahmt war, sowie aus grau-weißen Bodenfliesen und grün-weißen Glasplatten an den unteren Wandflächen. Die obere Wandhälfte war traditionell mit Malereien versehen. Die Gestaltung zielte darauf ab, die reduzierte Formensprache der frühen Werkbundidee mit einer hochwertigen Materialwirkung zu verbinden.

Die gesamte Anlage ist bewusst in die umgebende Parklandschaft eingebettet und wurde über einen reizvollen Promenadenweg von der Stahlquelle aus zugänglich gemacht.

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Einzelnachweise

Kolonnade der Nataliequelle Kategorie:Pavillon Kategorie:Bauwerk des Neoklassizismus in Tschechien Kolonnade der Nataliequelle Kategorie:Säulenbau