mini|hochkant|Wasserturm Neue Mühle (2021) mini|hochkant|Im obersten Stockwerk des Turmes Der historische Wasserturm Neue Mühle () steht im Petrská-Viertel in der Prager Neustadt am rechten Moldauufer, an der Stelle der ehemaligen „Neuen Mühlen“. Von Mitte des 15. bis ins 19. Jahrhundert versorgte er die untere Prager Neustadt mit Wasser. Die heutige Gestalt stammt aus dem Barockumbau des Jahres 1658.
Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde im obersten Stockwerk ein Lusthaus eingerichtet; es war ein reich ausgestatteter Raum mit je drei Fenstern an jeder Seite, in dem wohlhabende Prager Bürger große Feste feierten. Der Turm gilt deshalb auch als der älteste Prager Aussichtsturm. Der Wasserturm Neue Mühle ist der einzige öffentlich zugängliche Wasserturm in Prag. In seinem Inneren befindet sich die Ausstellung Praha hoří (Prag brennt).
Der Wasserturm ist seit 1958 als Kulturdenkmal geschützt und wird seit 2020 von Prague City Tourism betrieben.
Geschichte An der Stelle des heutigen Wasserturms standen bereits im 14. Jahrhundert Wassermühlen. Im Jahr 1484 wurde erstmals ein hölzerner Wasserturm schriftlich erwähnt, der die Prager Neustadt mit Wasser versorgte. Neben dem Wasserturm stand eine Gruppe Mühlen, die schon im 14. Jahrhundert als „Neue Mühlen“ bezeichnet wurde, und das Wasser wurde von zwei Mühlrädern gepumpt. Der hölzerne Turm wurde im Verlauf des nächsten Jahrhunderts mehrmals durch Brände beschädigt; Brände in Wassertürmen waren vor allem im Winter durch das Auftauen gefrorener Wasserleitungen recht häufig.
Zwischen 1602 und 1604 ersetzte man den hölzernen Turm durch einen steinernen Turm im Stil der Spätrenaissance. Er war acht Stockwerke hoch und reich verziert. Das oberste Stockwerk bildete eine überdachte Aussichtsplattform, ein sogenanntes Lusthaus. Es war ein großer, repräsentativ ausgestatteter Raum, mit je drei Fenstern an jeder Seite. Von dort bot sich ein ungewöhnlicher Blick auf das Panorama der Stadt und auf die Königsresidenz. Das Innere schmückten Gemälde von tschechischen Herrschern von den Přemysliden bis Kaiser Rudolf II. Die Ratsherren der wohlhabenden Prager Neustadt folgten damit der damaligen Mode, Lusthäuser auf Dachterrassen zu errichten, und bauten ihr eigenes auf dem Wasserturm, einem der höchsten städtischen Gebäude.
Am 6. Februar 1655 wurde der Turm bei einem Hochwasser der Moldau schwer beschädigt und stürzte teilweise ein. Auf den Ruinen entstand 1658 der heutige Turm im Barockstil. Er war sechs Stockwerke hoch und wurde, wie sein Vorgänger, im obersten Geschoss mit einem Lusthaus ausgestattet. Mit dem Wiederaufbau des Wasserwerks wurde Jan Decapauli beauftragt, der unversehrte Steine des alten Turms sowie das Eingangsportal aus Sliwenetzer Marmor wiederverwendete.
Das Wasser des Flusses wurde mithilfe von Kolbenpumpen, die von zwei Mühlenrädern angetrieben wurden, in ein 33 Meter hoch gelegenes Reservoir im oberen Teil des Turms gefördert. Von dort floss es durch die Schwerkraft über hölzerne Leitungen ins Erdgeschoss und wurde anschließend über ein verzweigtes Rohrsystem zu den städtischen Brunnen und Häusern weitergeleitet. Im Winter schützte man die Rohrleitungen vor dem Einfrieren, indem sie zunächst mit offenem Feuer und später mit Öfen beheizt wurden. Reste der dabei genutzten Brennkammer, die bei jüngsten Ausgrabungen freigelegt wurden, sind heute im Bereich der Kasse zu sehen. Im Erdgeschoss haben sich zudem die Überreste eines Stollens erhalten, durch den einst die Leitungen verliefen, die das Wasser aus dem Turm in die Stadt führten.
Ursprünglich stand der Turm direkt am Ufer der Moldau. Heute befindet er sich etwa 100 Meter vom Fluss entfernt, in der Straße Nové mlýny 827/3a, was sowohl auf natürliche Veränderungen des Flussbetts als auch auf die Regulierung des Ufers und den Bau von Uferböschungen zurückzuführen ist. Er hat einen quadratischen Grundriss von etwa 9,5 × 9,5 Metern und ist 42 Meter hoch. Das tragende Kernmauerwerk besteht aus Bruchstein, die Fassade ist mit Sandsteinquadern verkleidet und das Dach über dem reich profilierten Gesims ist mit Schindeln gedeckt. Der Turm erfüllte seine ursprüngliche Funktion bis 1877. Die Schließung und Überdachung der Kammern in den einzelnen Stockwerken ist neuzeitlich und stammt aus der Zeit, als der Turm seine Funktion bereits verloren hatte.
Der Wasserturm Neue Mühle wurde zwischen 2015 und 2017 umfassend saniert und ist seitdem für die Öffentlichkeit zugänglich.
Ausstellung „Prag brennt“ Im Inneren des Turms befindet sich die multimediale Ausstellung Praha hoří (Prag brennt), die die Geschichte der Prager Feuerwehr sowie bedeutende Brände der Stadt dokumentiert. Der Rundgang führt die Besucher über mehrere Etagen. Er beginnt mit einer Einführung in die Geschichte des Turms und in das historische Wasserversorgungssystem. Danach werden in Animationen und historischen Aufnahmen fünf Beispiele der Brandbekämpfung präsentiert. In den oberen Stockwerken erwarten die Besucher ein kleiner Kinosaal und ein Raum mit Feuerszenen. Im obersten Stockwerk befindet sich das renovierte Lusthaus, in dem große Prager Brände auf einer Zeitachse dargestellt werden. An den Fenstern zeigen Virtual-Reality-Stationen Visionen der Brandbekämpfung der Zukunft. Die Fenster im obersten Stockwerk bieten zudem einen einmaligen Ausblick auf die Moldau und Teile der Altstadt und Neustadt.
Weblinks
Novomlýnská vodárenská věž auf dem Prager Stadtplan
Einzelnachweise
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