Eine gute Schule (Originaltitel: A Good School) ist ein 1978 erschienener autobiographischer Roman des amerikanischen Schriftstellers Richard Yates über seine Schulzeit auf einem Privatinternat.

Handlung Vorwort Ein Ich-Erzähler berichtet von seiner Jugend in den 1930er Jahren im Bundesstaat New York als Kind einer alleinerziehenden Mutter. Seine Eltern, die einst beide einen künstlerischen Beruf anstrebten, hatten sich früh scheiden lassen, der Junge wächst mit seiner Schwester in finanziell einfachen Verhältnissen auf. Sein Leben ändert sich, als er mit fünfzehn Jahren dank vergünstigten Schulgeldes die Möglichkeit erhält, auf die ihm vollkommen unbekannte private Internatsschule „Dorset Academy“ zu gehen.

Hauptteil Die Gründung der Dorset Academy im ländlichen Connecticut erfolgte vor nicht langer Zeit durch eine Stiftung der wohlhabenden, exzentrischen Abigail Church Hooper, die sich zum Ziel gesetzt hatte, eine Privatschule für Jungen zu gründen, die anders als vergleichbare Privatschulen ist und insbesondere die Individualität der Schüler achten soll. Die kleine Schule kämpft ständig mit ihrem relativ geringen Ansehen, da sie recht neu ist, auch anderswo gescheiterte Schüler aufnimmt und einen unüblichen Ansatz befolgt. Lehrpersonal, Eltern und Schüler betonen jedoch bei jeder Gelegenheit, es sei eine gute Schule.

Ein auktorialer Erzähler beschreibt nun Leben und Verhältnisse in der Dorset Academy, indem er eine größere Zahl verschiedener Schüler und Lehrpersonen vorstellt. Auf Seiten des Lehrkörpers sind dies unter anderen der Schuldirektor Alcott Knoedler, der die meiste Zeit zur Anwerbung von Schülern und Spendern unterwegs ist, der durch eine Polio-Erkrankung gelähmte Chemielehrer Draper, dessen Frau ein Verhältnis mit dem attraktiven Französischlehrer La Prade unterhält, sowie die Englischlehrer Driscoll und Dr. Stone. Gleichfalls wird eine ganze Reihe von Schülern in die Erzählung eingeführt, wobei erst nach und nach deutlich wird, dass der Schüler William „Bill“ Grove die Hauptperson des Romans und mit dem Erzähler des Vorworts identisch ist. Bill, der schmächtige, unsportliche Neuankömmling, ist zunächst Außenseiter und wird entweder ignoriert oder von den Arrivierten gehänselt. Durch einen guten Englischaufsatz erhält er eine Position in der Schülerzeitschrift Dorset Chronicle. Mit Fleiß, Schreibtalent und den Kontakt zu den etablierten Redakteuren steigt er Zug um Zug zum Chefredakteur der Zeitung auf. Somit und durch die allmähliche charakterliche Reifung seiner Mitschüler wird er zu einem akzeptierten Mitglied der Schulgemeinschaft.

Zwei Dinge bedrohen jedoch das Schulleben. Erstens bedeutet der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg, dass die Schüler, sofern sie sich nicht schon vorher freiwillig gemeldet haben, nach Beendigung der Schule in den Krieg werden ziehen müssen. Zweitens spitzen sich die langjährigen finanziellen Schwierigkeiten der Schule so weit zu, dass sie mit dem Ende von Bills Abschlussjahrgang 1944 ihren Betrieb einstellen muss. Am Ende des Hauptteils steht ein Besuch des (Rumpf-)Jahrgangs 1944 bei der bereits deutlich senilen Stifterin.

Nachwort Wieder in der Ich-Perspektive erzählt Bill Grove dreißig Jahre später von seiner verpassten Aussprache mit seinem früh verstorbenen Vater, vom Schicksal einiger seiner Mitschüler und davon, dass die Zeit in der Dorset Academy bzw. im Chronicle eine gute Schule für seine spätere Schriftstellertätigkeit gewesen sei.

Hintergrund und Motive Zumindest der Rahmen der Erzählung einschließlich der Familiengeschichte ist autobiographisch. Yates besuchte 1941–1944 das Privatinternat Avon Old Farms in Avon, Connecticut, welches 1927 von der Architektin Theodate Pope Riddle gestiftet wurde. Es musste 1944 seinen Betrieb einstellen, konnte aber nach einer Zwischennutzung als Veteranenhospital im Jahr 1948 wieder neu eingerichtet werden.

Yates stellt das Sozialleben auf dem Campus ausgiebig und schnörkellos dar, auch dessen starke sexuellen Komponenten. Auf Seiten der Schüler ist dies die ausgeprägte, sich an äußerlichen Merkmalen und Habitus orientierende Hierarchie, besonders in den mittleren Klassen, sowie die aufgestaute sexuelle Energie und sexuelle Unerfahrenheit der von Mädchen getrennt lebenden Heranwachsenden. Zweimal wird dargestellt, wie Außenseiter von ihren Mitschülern festgehalten und zwangsweise masturbiert werden. Auf Seiten der Lehrer wird auch das Privatleben der auf dem Campus lebenden Lehrerehepaare und -familien ohne Rücksicht auf Konventionen der Zeit skizziert.

Ausgaben Originalausgabe: A Good School. Delacorte Press/S. Lawrence 1978, ISBN 0-440-03246-6. Deutsche Erstausgabe: Eine gute Schule. Aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeld. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2012, ISBN 978-3-421-04394-8. Deutsche Taschenbuchausgaben hiervon bei btb (2014, ISBN 3-442-74705-8) und Penguin (2021, ISBN 3-328-10586-7)

Weblinks Rezensionsnotizen zu „Eine gute Schule“ bei Perlentaucher.de

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