Der Bahnhof Mörlenbach ist ein ehemaliger Bahnhof und heutiger Haltepunkt in der Gemeinde Mörlenbach im hessischen Landkreis Bergstraße und liegt an der Weschnitztalbahn zwischen Weinheim und Fürth im Odenwald. Mit dem Anschluss der Überwaldbahn 1898 war er bis 1983 Keilbahnhof, ansonsten Durchgangsbahnhof. Der einst wichtigste Bahnhof der Strecke wurde inzwischen zu einem einfachen eingleisigen Haltepunkt zurückgebaut.
Geschichte Die Idee, den vorderen Odenwald an das Eisenbahnnetz anzubinden, kam mit dem Bau der Main-Neckar-Bahn zwischen Heidelberg und Frankfurt am Main bereits in den 1860er Jahren auf. Die Errichtung einer Bahnstrecke folgte aber erst 30 Jahre später. 1895 fuhr der erste Zug zwischen Weinheim und Fürth im Odenwald.
Bereits 1898 wurde der Abzweig der Überwaldbahn nach Wahlen erbaut. Somit wurde der Bahnhof nur wenige Jahre nach seiner Eröffnung zum Keilbahnhof. Da die Weschnitztalbahn von der Main-Neckar-Eisenbahn-Gesellschaft betrieben wurde und diese eine Kondominalbahn war,Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter vom 2. März 1901. 5. Jahrgang, Nr. 9., Bekanntmachung Nr. 81, S. 51. stellte die Bahnstrecke für die Staatsbahn zunächst einen Inselbetrieb dar. Erst als 1902 das Kondominat der Main-Neckar-Bahn aufgelöst und diese in die Eisenbahndirektion Mainz integriert wurde, hatte die Infrastruktur der Überwaldbahn direkten Anschluss an das Staatsbahnnetz. Entsprechend wurden die Signale umgerüstet.
Der Personenverkehr auf der abzweigenden Überwaldbahn wurde 1983 eingestellt; zuletzt fuhren Uerdinger Schienenbusse auf der Strecke. Anschließend fand bis 1994 noch Güterverkehr statt, wobei vor allem die Coronet-Werke bedient wurden. Daraufhin wurde die Weiche im Bahnhof ausgebaut und der Bahnhof wieder zum Durchgangsbahnhof. Seit den 2000er Jahren war immer wieder eine Reaktivierung der Abzweigstrecke im Gespräch; seit 2013 beginnt in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof allerdings die Solardraisine nach Wald-Michelbach.
Der Bahnhofsvorplatz soll im Rahmen des ISEK der Gemeinde Mörlenbach umgestaltet werden. Fokus der geplanten Neugestaltung ist vor allem eine Entsiegelung des Platzes. Zudem ist eine Gastronomie mit Außenbereich geplant. 2025 fanden erste Bürgergespräche statt, wobei die Teilnehmer selbst Ideen und Wünsche einbringen konnten. Auf einem Teil des ehemaligen Gleisbereiches soll zudem ein Gewerbegebiet entstehen, dabei werden Teile des Bahnhofs zurückgebaut, insbesondere der Bahnhofsteil der Überwaldbahn. Der dafür aufgestellte Bebauungsplan wurde vom Fahrgastverband Pro Bahn scharf kritisiert, da er nicht im Sinne der Mobilitätswende gedacht sei und den ÖPNV nicht integriere. Dabei solle an einem derart wichtigen Standort ein guter Umstieg zwischen Bus und Bahn hergestellt werden und eine gute regionale Erreichbarkeit gewährleistet sein. Als Vorbild, an dem sich die Gemeinde orientieren solle, wird der Umweltbahnhof Grünstadt genannt.
Ferner gibt es Bestrebungen der Gemeinde, den Haltepunkt vom bisherigen Standort an einen neuen Standort in Ortsmitte zu verlegen. Davon erhofft sich die Gemeinde eine bessere Erreichbarkeit durch Pendler und Touristen sowie infolgedessen eine Steigerung der Fahrgastzahlen.
Bahnhofsgebäude und Bahnhofsumfeld Beim Bahnhofsgebäude handelt es sich um einen Einheitsbau der hessischen Nebenbahnarchitektur. Der Stil unterscheidet sich nur geringfügig von anderen Bahnhöfen, insbesondere im Odenwald. Es dient heute nicht mehr betrieblichen Zwecken, sondern ist im Privatbesitz.
An die herausragende Bedeutung des Mörlenbacher Bahnhofs als wichtigstem Bahnhof an der Weschnitztalbahn und seiner historischen Bedeutung als Verkehrsknoten erinnert heute nichts mehr. 1994 wurde der Bahnhof im Zuge der Sanierung der Strecke zum Haltepunkt zurückgebaut und verlor dadurch seine historische Bedeutung. Als Bahnhöfe für Zugbegegnung dienen seitdem nur noch die Bahnhöfe in Birkenau und Rimbach.
Auch das Stellwerk im Bahnhof ist stillgelegt. Zunächst war hernach das Stellwerk in Weinheim zuständig, seit 2025 wird die komplette Bahnstrecke vom Stellwerk in Groß-Umstadt Wiebelsbach aus ferngesteuert.
Der Bahnhof umfasste einst fünf Bahnsteiggleise. Zum Bahnhof gehörten auch einige Gütergleise, die jedoch inzwischen abgebaut sind. Die entsprechende Fläche wurde überbaut. Aktuell gibt es nur noch ein Bahnsteiggleis.
Eine Besonderheit des Bahnhofs war, dass er nur an den drei Einfahrten Flügelsignale besaß, die Ausfahrt wurde lediglich über Haltetafeln geregelt.
Sowohl die Überwaldbahn als auch die Weschnitztalbahn wurden vom Land Hessen unter Denkmalschutz gestellt. Aufgrund seiner Lage an beiden Bahnstrecken steht der Bahnhof daher auf der Liste der Kulturdenkmäler in Mörlenbach.
Trivia Der Bahnhof wurde in seinem Zustand in den Jahren 1965 bis 1975 als Modell im Rahmen des „Weschnitztal-Überwald-Projekt“ nachgebaut. Das „Weschnitztal-Überwald-Projekt“ ist das Jubiläums-Bauprojekt anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Zeitschrift MIBA. Initiiert wurde das Projekt von Horst Meier, der unter anderem als Autor für die MIBA tätig ist. Über Planung, Bau und Entwicklung der Modellbahnanlage wurde in allen zwölf Monatsausgaben des MIBA-Jahrgangs 2023 ausführlich berichtet.
Literatur Hans-Günther Morr: Mit Volldampf durch den Odenwald. Die Geschichte der Weschnitztal- und Überwald-Bahn im Wandel der Zeit. Edition Diesbach, Weinheim 2002, ISBN 3-936468-11-7. Volker Rödel, Heinz Schomann: Eisenbahn in Hessen. Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 2.2. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1917-6, S. 839 ff. (Strecke 0079).
Einzelnachweise
Morlenbach Morlenbach Morlenbach Kategorie:Kulturdenkmal in Mörlenbach Kategorie:Erbaut 1895