Spuren im Schnee (englischer Originaltitel: Treasures of the Snow) ist ein 1950 veröffentlichter Kinder- und Jugendroman der britischen evangelikalen Schriftstellerin und Missionarin Patricia St. John. Im Laufe der Jahre wurde er in über 50 Fremdsprachen übersetzt und ist auch in Brailleschrift erhältlich.
Handlung Annette Burnier lebt mit ihrem Vater, ihrer betagten Großmutter und ihrem kleinen Bruder Daniel, genannt Dani, in dem Dorf Rossinière in den Schweizer Alpen. Als sie acht Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter kurz nach Danis Geburt am Kindbettfieber. Da die Familie sich kein Kindermädchen leisten kann, übernimmt Annette die Verantwortung und vereinbart in der Schule mit ihrem Lehrer, dass sie zu Hause von ihrer Großmutter unterrichtet werden darf. Als Dani alt genug ist, kann Annette wieder zur Schule zu gehen; dort ist sie sehr erfolgreich und erzielt oft Bestnoten. An Danis fünftem Weihnachtsfest stellt er seinen Hausschuh in den Schnee und hofft, dass der Weihnachtsmann ihm ein Geschenk bringt. Am Morgen findet er zur allgemeinen Überraschung ein winziges weißes Kätzchen in dem Hausschuh. Dani nennt es Klaus, und die beiden sind fortan unzertrennlich.
In einem benachbarten Chalet im gleichen Dorf wohnt Annettes Klassenkamerad Lucien Morel (in der deutschen Übersetzung „Lukas Morel“ genannt) mit seiner älteren Schwester Marie und seiner verwitweten Mutter. Lucien hat Schwierigkeiten in der Schule und ist frustriert, weil er oft zu den Schlechtesten gehört. Er ärgert sich auch darüber, im Haushalt und auf dem Bauernhof mithelfen zu müssen und all die Arbeiten zu erledigen, die sonst sein Vater gemacht hätte, weswegen seine Mutter und seine Schwester oft seine Faulheit anmahnen.
Annette und Lucien verbindet eine sehr gute Freundschaft miteinander. Diese wird jedoch eines Tages getrübt, als Lucien mit dem Schlitten zur Schule fährt und versehentlich mit Annettes Schlitten zusammenstößt, wodurch sie in einen Schneegraben geschleudert wird. Verbittert über ihren schulischen Erfolg, hält er nicht an, um ihr zu helfen, sondern rast stattdessen zur Schule. Als sie zu spät, durchgefroren, durchnässt und mit aufgeschürften Händen und zerrissenen Büchern ankommt, muss Annette ihrem Lehrer erklären, was passiert ist. Lucien wird vom Lehrer mit dem Rohrstock bestraft und von den anderen Schülern gemieden. Auf dem Heimweg lässt er seinen Frust an einem Schneemann aus, den Dani gebaut hat, woraufhin Annette ihn wütend zur Rede stellt, ihn anschreit und eine Ohrfeige gibt.
Luciens zunehmende Einsamkeit und sein tiefsitzender Schmerz richten sich gegen Annette, und er sucht nach Gelegenheiten zur Rache. Als er Dani eines Tages auf einer Wiese sieht, wie er Blumen für Annettes Geburtstag pflückt, greift er nach den Blumen und zertritt sie. Dann, aus Angst, Dani könnte ihn in Schwierigkeiten bringen, hebt Lucien dessen Kätzchen Klaus hoch und hält es über eine tiefe Schlucht. Er droht damit, das Kätzchen fallen zu lassen, falls Dani nicht verspricht, nichts zu verraten (ohne dies jedoch wirklich zu beabsichtigen). Klaus kratzt Lucien jedoch, und dieser lässt ihn versehentlich los. Dani rennt auf den Rand der Klippe zu und stürzt beim Versuch, sein Kätzchen zu retten, von der Klippe in die Schlucht. Lucien ist entsetzt und verzweifelt, überzeugt, dass Dani tot ist, und flieht nach Hause, um sich in der Scheune zu verstecken, unfähig, seiner Familie unter die Augen zu treten. Als die besorgten Familienmitglieder Lucien finden, gesteht er unter Tränen, was geschehen ist. Danis Vater klettert mit einem Seil die Schlucht hinunter und findet Dani unten noch lebend, aber mit einem gebrochenen Bein. Danis Bein heilt schlecht, sodass er dauerhaft nicht ohne Krücken gehen kann. Annette kündigt Lucien daraufhin endgültig die Freundschaft.
Das ganze Dorf erfährt von Luciens Beteiligung an Danis Unfall, und er wird zum Außenseiter. Harte Arbeit im Haus und auf dem Hof hilft ihm, seine Grübeleien für eine Weile zu vergessen, und seine Mutter lobt ihn dafür, während seine Schwester ihm gegenüber freundlicher wird. Seinen wahren Trost findet er jedoch im Wald, wo er allein kleine Holzfiguren schnitzt, wofür er ein echtes Talent entdeckt. Dort trifft er einen alten Mann, der allein in einer kleinen, einsamen Hütte hoch über dem Dorf lebt und seinen Lebensunterhalt ausschließlich mit dem Verkauf seiner Holzschnitzereien verdient. Er nimmt Lucien unter seine Fittiche und lässt ihn seine Werkzeuge benutzen, wodurch er seine Fähigkeiten verbessert. Er vertraut Lucien auch seine Lebensgeschichte an. Als junger Mann war er glücklich verheiratet, hatte zwei kleine Söhne und eine gute Stelle bei einer Bank, geriet dann aber durch schlechte Gesellschaft in Versuchungen und wurde alkohol- und spielsüchtig. Um die dadurch entstandenen Schulden seiner Familie zu begleichen, beging er einen Banküberfall und landete dafür im Gefängnis. Seine Frau starb in seiner Abwesenheit, aber seine Söhne wurden von ihren Großeltern adoptiert und wurden sehr erfolgreich. Nach seiner Haftentlassung brach er den Kontakt zu seinen Söhnen ab, um deren Zukunft und guten Ruf nicht zu gefährden, und ließ sie daher annehmen, er sei tot. Er hat viele Jahre allein in den Bergen gelebt, durch den Verkauf seiner Holzschnitzereien viel Geld gespart und hofft darauf, mit diesem Geld jemandem in Not helfen zu können.
Durch den guten Kontakt und die Freundschaft mit dem alten Mann wird Lucien wieder fröhlicher und umgänglicher, aber wegen Danis Unfall wird er immer noch ständig von Schuldgefühlen geplagt. Annettes Hass auf ihn macht es ihm zusätzlich unmöglich, etwas zu unternehmen, um seine Schuld wiedergutzumachen. Er schnitzt für Dani eine Arche Noah voller kleiner Tiere, doch als er sie ihm bringen will, wird er von Annette abgepasst, die seine Holzarbeit auf einen Holzstapel wirft und Lucien jeglichen Kontakt zu Dani verwehrt. Lucien beschließt außerdem, eine seiner Schnitzereien bei einem Schulbastelwettbewerb einzureichen. Kurz vor dem Wettbewerb zerschlägt Annette jedoch heimlich aus Bosheit das geschnitzte Pferd und gewinnt den Wettbewerb anschließend selbst. Wegen ihrer Schuldgefühle und ihrer Bitterkeit finden weder Annette noch Lucien inneren Frieden oder Glück.
Eines Abends unternimmt Annette einen Spaziergang allein, rutscht dabei unglücklich auf einem vereisten Weg aus und verstaucht sich den Knöchel. Sie schleppt sich zur nächsten Hütte, doch deren Bewohner sind außer Haus. Da es ihre Verletzung ihr erschwert, nach Hause zu laufen, droht sie zu erfrieren. Zu ihrer Erleichterung kommt Lucien auf Skiern vorbei, der gerade von einem Besuch bei dem alten Mann nach Hause fährt. Sie ruft um Hilfe, und er gibt ihr seinen Mantel, während er einen Schlitten holt. Als er zurückkommt, gesteht Annette ihm, dass sie sein geschnitztes Pferd beschädigt hat. Doch anstatt wütend zu sein, verzeiht Lucien ihr und ist erleichtert, dass er nicht der Einzige ist, der aus Bosheit verletzende Dinge getan hat. Er nimmt sie auf seinem Schlitten mit zu ihrer Hütte, wo sie ihn einlädt. Später beichtet Annette dem Schulmeister alles, und sie vereinbaren, dass er Lucien ihren Preis überreichen soll.
Die Freundschaft zwischen Annette und Lucien ist damit wiederhergestellt, doch Lucien plagen weiterhin Schuldgefühle wegen Danis Behinderung. Eines Abends kommt Luciens Schwester Marie, die mit dem Zug zur Arbeit in einem Hotel in Montreux pendelt, mit einem großzügigen Trinkgeld von Monsieur Givet nach Hause, einem berühmten Orthopäden, der im Hotel wohnt. Aufgeregt fragt Lucien, ob er Dani heilen könne, doch Marie teilt ihm mit, dass der Arzt am nächsten Morgen früh abreisen müsse und seine Honorare ohnehin viel zu hoch seien. Unbeirrt schleicht sich Lucien in dieser Nacht im Schneesturm aus dem Haus und spricht mit seinem Freund, dem alten Mann. Er erzählt ihm von Monsieur Givet und dass dieser Dani vielleicht heilen könne. Der alte Mann gibt Lucien einen Strumpf voller Geldscheine, um die Behandlung zu bezahlen, lässt ihn aber versprechen, dem Arzt nicht zu verraten, woher das Geld stammt, und ihm einfach zu sagen, es sei die Begleichung einer Schuld. Lucien versucht, Montreux zu Fuß und mit Skiern zu erreichen, wofür er einen hohen Gebirgspass überqueren muss. Trotz des miserablen Wetters erreicht er das Hotel gegen fünf Uhr morgens. Nach einem Gespräch begleitet Givet Lucien zu Dani und bietet ihm an, ihn in seinem Krankenhaus zu behandeln. Bevor er das Dorf verlässt, fragt er Luciens Schwester Marie nach dem Wohnort des alten Mannes, den Lucien kennt, und besucht ihn. Er erkennt den alten Mann als seinen Vater wieder, sagt ihm, wie sehr er ihn vermisst hat, und lädt ihn ein, nach Hause zu kommen.
Annette begleitet Dani ins Krankenhaus. Sein gebrochenes Bein wird erneut gebrochen und richtig gerichtet. Dani kehrt nach Hause zurück und kann wieder laufen und rennen. Lucien wird von den Dorfbewohnern nun als Held gefeiert und alle seine Sünden sind vergeben.
Hintergrund Spuren im Schnee war Patricia St. Johns zweites Buch nach ihrem Debütroman Das Geheimnis von Wildenwald (1948). Mit der Arbeit an Spuren im Schnee begann sie kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Thema dieses Romans sollte Vergebung sein – wie sie in ihrer Autobiografie schrieb: „Die Welt beruhigte sich nach dem Krieg, doch als die Gräueltaten ans Licht kamen, gab es so viel Wut und Hass. Ich erinnerte mich an die jungen Männer, die im Krieg als Soldaten kämpften und von ihren Frauen nach ihrer Rückkehr verlassen wurden. Ich erinnerte mich an die Gesichter derer, die die erste Fotoausstellung über die Schrecken von Bergen-Belsen und den Zustand der zerbombten Städte Europas gesehen hatten; den Groll derer, die anderen nicht vergeben konnten, die Reue derer, die sich selbst nicht vergeben konnten. Mir wurde klar, dass diese Generation vor allem die Bedeutung von Vergebung lernen musste.“https://books.google.de/books?id=YvSzV4rRUy8C&pg=PA7&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false
Schauplatz der Geschichte ist das Dorf Rossinière in der französischsprachigen Schweiz, wo die Autorin einen Teil ihrer Kindheit verbrachte. Die Geschichte thematisiert Liebe, Hass, Tod, Behinderung, Reue, Selbstaufopferung, Vergebung und Versöhnung. Die Geschichte ist durchwoben von einer offenen Schilderung der Gedanken, Motive, Kämpfe, Gefühle und Ängste der Kinder sowie ihrer Gebete und ihres wachsenden christlichen Glaubens.https://www.truelightacademy.com/NovemberDecember2002.html
Verfilmungen Der britische Filmregisseur Mike Pritchard verfilmte den Roman im Jahr 1980, ebenfalls unter dem Titel Spuren im Schnee. Die Dreharbeiten fanden in Rossinière, dem Original-Schauplatz der Romanhandlung, sowie in umliegenden Orten in der Schweiz statt.
Das japanische Zeichentrickstudio Nippon Animation produzierte im Rahmen ihrer Literaturverfilmungen der Reihe World Masterpiece Theater eine auf dem Roman basierende, 48-teilige Animeserie, bei der Kōzō Kusuha Regie führte. Zwischen dem 9. Januar und dem 25. Dezember 1983 wurde sie erstmals unter dem Titel Arupusu Monogatari: Watashi no Annette (アルプス物語 わたしのアンネット, dt. „Geschichten der Alpen: Meine Annette“) auf dem japanischen Fernsehsender Fuji TV gezeigt. Die Kinder vom Berghof, die deutschsprachige Fassung dieser Serie, wurde erstmals zwischen dem 26. Mai und dem 2. August 1994 auf RTL II ausgestrahlt.
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Kinderliteratur Kategorie:Jugendliteratur