mini|hochkant=1.4|Die Petersvorstadt um 1850 – die Keimzelle des Ortsteils Zentrum-Süd. Deutlich erkennbar die Wasserflächen im Bereich des später errichteten Musikviertels und rechts oben die Fläche des heutigen Wilhelm-Leuschner-Platzes. mini|1905 gelaufene Ansichtskarte mit Reichsgericht und Schmuckplatz (heute Fritz-von-Harck-Anlage) Zentrum-Süd ist einer der 63 Ortsteile, in die Leipzig 1992 administrativ gegliedert wurde. Er gehört zum Stadtbezirk Mitte und hat die Ordnungsnummer 03. Der Ortsteil Zentrum-Süd setzt sich, von Ost nach West, aus der Inneren Südvorstadt, dem Musikviertel und einem Teil des Clara-Zetkin-Parks zusammen.
Lage und Abgrenzung Folgende Ortsteile grenzen an Zentrum-Süd:
Mit Beginn an der Sachsenbrücke, die an der nordwestlichen Ecke des Ortsteiles liegt, verläuft die Ortsteilgrenze im Uhrzeigersinn wie folgt: auf der Anton-Bruckner-Allee durch den Park nach Osten, geradeaus weiter auf der Karl-Tauchnitz-Straße und dann auf dem Innenstadtring. Hinter dem Wilhelm-Leuschner-Platz, der zum Ortsteil gehört, knickt die Ortsteilgrenze nach Süden ab und geht über die Grünewaldstraße und die Windmühlenstraße zum Bayrischen Platz und von hier weiter nach Süden auf der Arthur-Hoffmann- und der Kohlenstraße bis zur Körnerstraße. Letztere bildet die Südgrenze des Ortsteils und geht in Verlängerung der Körnerstraße auf der Mahlmannstraße weiter in Richtung Westen. Die Mahlmannstraße hat Anschluss an das südliche Ende der Karl-Tauchnitz-Straße, auf der die Ortsteilgrenze verläuft, bevor sie auf dem Rennbahnweg durch den Clara-Zetkin-Park bis zum Rennbahnsteg entlanggeht. Von hier sind es noch rund 500 Meter nach Norden, bis der Ausgangspunkt, die Sachsenbrücke, erreicht wird. Ortscharakteristik Der östliche Bereich mit der Inneren Süvorstadt wird durch den Pleißemühlgraben vom westlich liegenden Musikviertel und dem Park getrennt. Der Pleißemühlgraben liegt nur in seinem nördlichen und seinem südlichen Abschnitt frei, im mittleren Abschnitt ist er überwölbt. Eine Offenlegung ist beabsichtigt. Die östliche Hälfte des Ortsteils liegt höher als die westliche. Im Osten verliefen historisch die hochwassersicheren Fernverbindungen über den Peterssteinweg nach Süden und über die Windmühlenstraße nach Südosten, während der westliche Bereich Bestandteil der tiefer liegenden Auenlandschaft war. Heute ist der Ortsteil mit Ausnahme des Parks dicht bebaut, die Bebauung ist vor allem gründerzeitlich geprägt, auch wenn die Luftangriffe auf Leipzig im Zweiten Weltkrieg Lücken gerissen haben. Der Wilhelm-Leuschner-Platz blieb bis in das 21. Jahrhundert eine Kriegsbrache, die sukzessive wieder bebaut wird. Der Ortsteil wird von repräsentativen öffentlichen Bauten geprägt wie beispielsweise die Stadtbibliothek, das Bundesverwaltungsgericht, die Universitätsbibliothek oder die Hochschulen für Grafik und Buchkunst und für Musik und Theater. Gleichzeitig gibt es viele Wohnhäuser. Die Innere Südvorstadt, in deren Hofbereichen auch Werkstätten und kleine Fabriken betrieben wurden, ist historisch eher ein Arbeiterviertel, während das Musikviertel mit seinem gehobenen Standard im Volksmund „Protzendorf“ genannt wurde. Das Musikviertel steht heute wegen seines geschlossenen Ortsbildes als Bauensemble unter Denkmalschutz.
Geschichte Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts Das Gebiet des heutigen Ortsteils Zentrum-Süd lag vor den Mauern der Stadt Leipzig, dem heutigen Ortsteil Zentrum. Direkt vor den Mauern lag die EsplanadeRingel, Sebastian (2022), S. 11. An der Straße, die aus dem Peterstor herausführte, dem Peterssteinweg, entwickelte sich im 18. Jahrhundert eine Bebauung, die auch Manufakturen mit umfasste.Ringel, Sebastian (2022), S. 12 Einige stattliche Barockbauten wurden besonders am Roßplatz und der Esplanade errichtet,Ringel, Sebastian (2022), S. 15 das Hôtel de Prusse innerhalb und das Café Bauer knapp außerhalb des heutigen Ortsteils. Am Pleißemühlgraben, der zu jener Zeit auch für die Trinkwasserversorgung der Stadt von Bedeutung war, befanden sich die Leipziger WasserkünsteRingel, Sebastian (2022), S. 22. Westlich davon, im Gebiet des heutigen Musikviertels, waren Wasserflächen einiger markanter Seen und TeicheRingel, Sebastian (2022), S. 27 und auf einer Insel das Ausflugslokal Buen Retiro. Im 18. Jahrhundert entstanden GärtenRingel, Sebastian (2022), S. 30 wie Schwägrichens Garten und Triers Garten. In der Wachstumsphase ab den 1840er Jahren wurden die Windmühlenstraße und das Gebiet am neu entstandenen Bayerischen Bahnhof bebaut, unter anderem mit Fabriken.Ringel, Sebastian (2022), S. 37 Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde die Innere Südvorstadt auf ganzer Fläche erbaut. Voraussetzung für die Entstehung des Musiviertels am Ende des 19. Jahrhunderts war die Flussregulierung im Leipziger Gewässerknoten und die Auffüllung des Bodens. Als herausragende Einzelbauten, die im Gebiet des heutigen Ortsteils Zentrum-Süd errichtet wurden, sind der Justizblock (1878), das Panorama (1884), das zweite Gewandhaus (1884), das Neue Konservatorium (1885), die Peterskirche (1885), die Universitätsbibliothek Albertina (1889), die Polizeidirektion (1890), die Markthalle (1891), das Reichsgerichtsgebäude (1895), das Volkshaus (1906) und das Wünschmann-Haus (1912) als Haus der Handlungsgehilfen zu nennen.
20. und 21. Jahrhundert mini|Wohngebäude im Stil des Sozialistischen Klassizismus in der Windmühlenstraße Durch die Luftangriffe auf Leipzig wurden in der Inneren Südvorstadt 52 % der Bausubstanz zerstört, darunter eine Reihe der oben genannten Gebäude.Ringel, Sebastian (2022), S. 199 In der Windmühlenstraße wurde im Rahmen des „Nationalen Aufbauprogramms“ der DDR 1953 mit der Enttrümmerung begonnen. Die Wohnungsneubauten an dieser Stelle wurden im Stil des in dieser Zeit „verordneten“ Sozialistischen Klassizismus gestaltet. Später änderte sich das städtebauliche Leitbild in das einer autogerechten, aufgelockerten Stadt der großzügigen Raumstrukturen und imposanten Bildzeichen, die in industriellen Bauweisen realisiert wurden.Topfstedt, Thomas (1992), S. 196 Unter diesen Vorzeichen wurden Wohnscheiben in Plattenbauweise im Musikviertel errichtet. Zu nennen sind außerdem das Gästehaus am Park und eine Plattenbauschule in der Telemannstraße. Die Westtangente, die große Teile des Clara-Zetkin-Parks zerstört hätte, wurde nur gezeichnet, aber nicht realisiert. Nach 1989 wurde nur die verkehrliche Planung des City-Tunnels wieder aufgegriffen, nicht die der Schnellstraßen. Die vorhandenen Gebäude wurden vorrangig im Bestand saniert. An Neubauten im Ortsteil sind das Gebäude der Leipziger Volkszeitung (1999), das KPMG-Gebäude (1998)Hocquél, Wolfgang (2023), S. 219, das Geisteswissenschaftliche Zentrum der Universität (2002)Hocquél, Wolfgang (2023), S. 215–216, die Katholische Propsteikirche St. Trinitatis (2015)Hocquél, Wolfgang (2023), S. 200 und die Gerda-Taro-Schule (2017) zu nennen. Zum beabsichtigten Bau einer neuen zentralen Markthalle auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz kam es indes bis 2026 noch nicht.
Bevölkerung Die Zahl der Einwohner mit Hauptwohnsitz im Ortsteil Zentrum-Süd entwickelte sich seit 2000 wie folgt: Jahr Einwohner 2000 8.331 2005 9.375 2010 10.898 2015 12.617 2020 13.438 2025 14.647 Die Bevölkerungsdichte ist seit 2000 zwar stark angewachsen, erreicht aber nicht die Werte des 19. Jahrhunderts. Nach den Angaben bei Sebastian Ringel belief sich die Einwohnerzahl der Südvorstadt 1875 auf 41.030.Heutige Innere Südvorstand, wahrscheinlich mit Teilen der Äußeren Südvorstadt. Die Einwohnerzahl des Musikviertels wird in den von Ringel genannten Zahlen nicht gesondert ausgewiesen und ist für 1895 in der Einwohnerzahl der „Äußeren Westvorstadt“ (Bachviertel und Musikviertel) von 9.565 mit enthalten, während für die Innere Südvorstadt zum gleichen Zeitpunkt eine Zahl von 31.557 genannt wird.Ringel, Sebastian (2022), S. 91
Kulturdenkmale mini|Eingangsbauwerk des derzeit (2026) leer stehenden Bowlingtreffs Leipzig, das für das Naturgeschichtliche Museum reaktiviert werden soll. Liste der Kulturdenkmale in Leipzig-Zentrum-Süd Ausgewählte Kulturdenkmale: Münzblock Harkortstraße 10 (Leipzig) Hohe Straße 51 (Leipzig) Löffelfamilie Gästehaus des Ministerrates der DDR Bowling-Treff Wissenschaft und Bildung mini|Gerda-Taro-Schule, 2017 fertiggestellt Schulen Der Ortsteil verfügt neben 2 Grundschulen über die Petrischule als Oberschule und die Gerda-Taro-Schule als Gymnasium sowie das Evangelische Schulzentrum. Hochschulen Im westlichen Teil befinden sich Hochschulen und Einrichtungen der Universität, darunter die Universitätsbibliothek, die Hochschulen für Grafik und Buchkunst, die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“, eine Außenstelle der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur, das Deutsche Literaturinstitut, das Geisteswissenschaftliche Zentrum der Universität Leipzig, ein Zentrum für Globalisierungsforschung, das Leibniz-Institut für Länderkunde. Museen Galerie für Zeitgenössische Kunst (seit 1990), Naturkundemuseum Leipzig geplant am Wilhelm-Leuschner-Platz.
Das Georgi-Dimitroff-Museum bestand von 1952 bis 1991 im Reichsgerichtsgebäude. Grünanlagen mini|Mendelssohn-Ufer am Pleißemühlgraben, hinten das Geisteswissenschaftliche Zentrum der Universität Neben dem Clara-Zetkin-Park, der den westlichen Teil des Ortsteils prägt, und dem Pleißemühlgraben befinden sich in Zentrum-Süd folgende Grünanlagen: die Fritz-von-Harck-Anlage, der Floßplatz, das Mendelssohn-Ufer.
Auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz soll der grün gestaltete Entwurf Banner, Fahnen, Transparente des Freiheits- und Einheitsdenkmals gebaut werden.
Verkehr Der City-Tunnel Leipzig führt unter dem Ortsteil hindurch. Die Züge der S-Bahn Mitteldeutschland sind von Zentrum-Süd aus in den beiden Tunnelstationen Leipzig Wilhelm-Leuschner-Platz und Leipzig Bayer Bf (tief) erreichbar.
Straßenbahnhaltestellen befinden sich auf dem Innenstadtring am Wilhelm-Leuschner-Platz und dem Roßmarkt sowie im Straßenzug Peterssteinweg / Karl-Liebknecht-Straße. Die parallele Straßenbahn in der Harkortstraße wurde Ende der 1990er Jahre stillgelegt. Das Musikviertel wird durch die Buslinie 89 erschlossen.
Politik Die Bundestagswahl am 23. Februar 2025 hatte im Ortsteil Zentrum-Süd der Stadt Leipzig bei einer Wahlbeteiligung von 88,8 % folgendes Ergebnis nach Zweitstimmen: Partei Zentrum-Süd Stadt Leipzig SPD 12,8 % 10,7 % Bündnis 90/Die Grünen 21,7 % 13,6 % Die Linke 24,8 % 22,5 % AfD 11,2 % 21,9 % CDU 16,0 % 16,6 % FDP 4,1 % 3,2 % BSW 6,1 % 7,4 % Sonstige 3,3 % 4,1 % Bei den Wahlen zum Sächsischen Landtag gehört Zentrum-Süd zum Wahlkreis Nr. 25 (Wahlkreis Leipzig 1).
Siehe auch Musikviertel Innere Südvorstadt
Weblinks
Einzelnachweise
Ortsteile Leipzig