mini|Pferdebahnen vor der Kathedrale von Mexiko-Stadt Die Straßenbahn Mexiko-Stadt war ein umfangreiches Nahverkehrssystem in der mexikanischen Hauptstadt. Die meisten Linien nahmen ihren Ausgangspunkt an der Plaza de la Constitución (bekannt als Zócalo) und verbanden diesen mit zahlreichen Stadtteilen. Bis Ende der 1970er Jahre schrumpfte das Netz stark. Lediglich eine Linie überlebte bis zu ihrem Umbau in eine Stadtbahnlinie.

Geschichte

Anfänge Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestand in Mexiko-Stadt ein wachsender Bedarf an neuen Verkehrsmitteln. Seit den 1830er Jahren wurden mehrere Projekte zum Bau innerstädtischer Eisenbahnen diskutiert, jedoch zunächst ohne Erfolg.

1834 erhielt der aus Texas stammende George Louis Hammeken eine Konzession für eine mit tierischer Traktion betriebene Straßenbahn von der Plaza de la Constitución nach Tacubaya. Diese Strecke wurde am 1. Januar 1858 als Ferrocarril de Tacubaya eröffnet.

Ausbau im 19. Jahrhundert 1856 eröffnete das Unternehmen Ferrocarril de Chalco eine zweite Linie über die heutige Avenida Chapultepec, die später bis San Ángel und Tlalpan verlängert wurde.

Am 4. Juli 1857 weihte Präsident Ignacio Comonfort die erste Eisenbahnlinie des Landes zwischen Mexiko-Stadt und dem im Norden liegenden Stadtviertel La Villa de Guadalupe ein. Diese diente vor allem dem Pilgerverkehr.

1878 entstand die Compañía de Ferrocarriles del Distrito Federal.Eisenbahngesellschaft des Distrito Federal (Bundesbezirk). Bis zum Jahr 2016 trug Mexiko-Stadt in amtlicher Schreibweise den Zusatz Distrito Federal. Um 1890 verfügte das Netz über rund 200 km Gleise, 3.000 Zugtiere und mehr als 600 Personenwagen. Die Linien reichten unter anderem nach Tlalnepantla, Tlalpan und zum Peñón de los Baños.

Elektrischer Betrieb mini|Eröffnung des elektrischen Betriebes 1896 genehmigte die Stadtverwaltung die Umstellung auf elektrischen Betrieb.

Im Jahr 1897 berichtete das Street Railway Journal, die C. E. Loss & Company, Chicago, Ill., wäre beauftragt worden, die erste elektrifizierte Strecke zu betreiben. Die zwischen Chapultepec und Tacubaya errichtete Strecke nahm am 15. Januar 1900 den Betrieb auf. Im gleichen Jahr trat die Compañía de Ferrocarriles del Distrito Federal der American Street Railway Association als Mitglied bei.

Am 1. März 1901 übernahm die Compañía de Tranvías Eléctricos de MéxicoGesellschaft der elektrischen Straßenbahnen in México das Straßenbahnsystem. 1904 wurde berichtet, das Straßenbahnunternehmen beabsichtige, sein Streckennetz erheblich auszubauen. Im gleichen Jahr kündigte die J. G. Brill Company an, man werde 56 Vierachser vom Typ 27-G nach Mexiko-Stadt liefern.

Ebenfalls im gleichen Jahr war in einem Artikel mit dem Titel Mexico City Traction Merger zu lesen, dass die Compañía de Ferrocarriles del Distrito Federal de Mexico, S. A. durch die Mexico Electric Tramways, Limited (MET), in London, also durch britisches Kapital dominiert würde.

Im Jahr 1907 erschien im Street Railway Journal eine Erwähnung, dass die St. Louis Car Company im Jahr 1906 eine Bestellung von vier "first class funeral carsDer englische Begriff funeral car bezeichnet im Straßenbahn- und Eisenbahnwesen einen speziell für den Transport von Särgen eingerichteten Wagen. In der deutschsprachigen Fachliteratur werden hierfür u. a. die Bezeichnungen „Bestattungswagen“, „Begräbniswagen“ oder „Leichenwagen“ verwendet. " erhalten habe.

Die vollständige Elektrifizierung zog sich über mehrere Jahrzehnte hin; Pferdebahnen verkehrten noch bis in die 1930er Jahre. Ab 1901 wurde das gesamte Netz von der Compañía de Tranvías de MéxicoStraßenbahngesellschaft von México betrieben.

In den 1920er-Jahren erreichte das Straßenbahnsystem seine größte Ausdehnung. Im November 1925 berichtete das Straßenbahn Magazin Electra – das Monatsmagazin des Straßenbahnbetreibers – man verfüge über 321 Triebwagen, 20 zweiachsige und 82 vierachsige Beiwagen, 43 Arbeitstriebwagen, 60 Güterbeiwagen. Als Besonderheit wurden 29 "funeral Cars", 27 "funeral trailers" und vier "special cars" angegeben, die auf 348,61 km Streckenlänge verkehrten. Das Unternehmen beschäftige 4012 Mitarbeitende.

1927 veröffentlichte das Electric Railway Journal einen Artikel über die wirtschaftliche Gebarung und nannte auch Betriebszahlen. Darin wurde erwähnt, dass der Jahresgewinn im Jahr 1926 $78.504 nach Steuern betragen habe – also deutlich weniger als 1 % des Jahresumsatzes.

+ Erträge der Straßenbahn Mexiko-Stadt Ertragsart 1926 1925 Fahrgäste US-$ 7.483.549 US-$ 7.635.801 Monatskarten US-$ 1.586.366 US-$ 1.415.932 Fahrzeugvermietung US-$ 39.378 US-$ 49.251 Gütertransport US-$ 371.576 US-$ 399.050 Gepäck und Pakete US-$ 110.495 US-$ 107.628 Bestattungsfahrten US-$ 182.887 US-$ 211.723 Omnibus – US-$ 78.081 Summe US-$ 9.774.253 US-$ 9.837.468 Sonstige Erträge US-$ 157.026 US-$ 159.564 Gesamtsumme US-$ 9.931.280 US-$ 9.997.053 Daten lt. Electric Railway Journal, Seite 1043/1927

Im Jahr 1928 lieferte J. G. Brill 20 Triebwagen für Einrichtungsbetrieb mit 49 Sitzplätzen nach Mexiko-Stadt. Deren Motoren stammten von General Electric. Die Fahrzeuge verfügten über Front- und Mitteleinstieg, nicht aber über Heckeinstieg.

Verstaatlichung und PCC-Wagen mini|PCC 21451952 wurden die privaten Gesellschaften enteignet und der öffentliche Betrieb Servicio de Transportes Eléctricos del Distrito FederalElektrische Eisenbahndienste des Distrito Federal (Bundesbezirk) (STE) gegründet.

In den folgenden Jahren beschaffte man Gebrauchtfahrzeuge aus den USA. Aufgrund der Stilllegung von Straßenbahnsysteme, maßgeblich mit verursacht durch den Großen Amerikanischen Straßenbahnskandal, waren dort moderne Fahrzeuge preiswert zu bekommen. SET kaufte PCC-Wagen, die zuvor in Detroit und der Twin City Rapid Transit Company (TCRTC, Minneapolis) eingesetzt worden waren und sich durch hohen Fahrkomfort auszeichneten.

Es wird erwähnt, dass diese PCC-Fahrzeuge für Städte mit kaltem Klima ausgelegt waren und in dieser Hinsicht für Mexiko-Stadt wenig geeignet waren. Zu den TCRTC-Fahrzeugen wurde veröffentlicht, dass die Fahrzeuge 299, 300-319, 365-389, 390-414 von Westinghouse stammten, 20 weitere von General Electric.

Die nächsten Betriebsjahrzehnte wurde der Straßenbahnbetrieb fast ausschließlich durch PCC-Fahrzeuge geprägt.

Stilllegung und Umstellung auf U-Bahn Ab den 1950er Jahren begann der schrittweise Rückbau des Netzes. Ein schwerer Unfall im Jahr 1953 führte zur Aufgabe mehrerer Linien. Mit dem Bau des U-Bahn-Netzes ab 1969 verloren weitere Straßenbahnstrecken ihre Bedeutung.

1979 wurden alle verbliebenen Linien bis auf Taxqueña – Xochimilco eingestellt. Diese letzte Strecke wurde noch einige Jahre als Straßenbahn betrieben, 1986 aber in die Stadtbahnlinie Tren ligero de la Ciudad de México (Xochimilco Light Rail) umgebaut.

Gescheiterter Wiederaufbau mini|Demonstrationsfahrzeug (2008) 2008 stellte die Stadtregierung unter Marcelo Ebrard ein modernes Straßenbahnprojekt für das historische Zentrum vor. Im Stadtzentrum wurde ein Demonstrationsfahrzeug präsentiert. Es handelte sich dabei nicht um ein echtes Fahrzeug, sondern um ein Mock-up von Alstom, das auch in anderen Städten verwendet wurde.

Das Vorhaben eines neuen Straßenbahnsystems wurde 2010 zugunsten der Metrobús-Linie 4 aufgegeben.

Erinnerungskultur mini|Tranvía cero (1978)Bereits im Jahr 1971 etablierte die STE die Rundfahrtlinie circuito históricoHistorische Runde. Dafür wurde ein originaler Brill-Triebwagen aus dem Jahr 1899 restauriert und betrieblich verwendet. Das Fahrzeug wurde als tranvía cero (Straßenbahn Null) bezeichnet. Die Fahrstrecke begann an der Avenida Cuauhtémoc, folgte der Avenida Obregón, wendete sich dann südlich auf die Avenida Insurgentes zum Kreisverkehr Glorieta Chilpancingo nahe der Avenida Baja California.mini|Museo de Transportes Eléctricos del Distrito Federal: PCC 2784mini|Museo de Transportes Eléctricos del Distrito Federal: Zweiachser tranvía cero mini|PCC 2434 als Museumsfahrzeug in Freiluftaufstellung Das Museo de Transportes Eléctricos del Distrito FederalMuseum des elektrischen Transportes des Distrito Federal (Bundesbezirk) zeigt zahlreiche Materialien zur Straßenbahn, besitzt aber auch einige Originalfahrzeuge, u. a. den PCC 2784 und den Zweiachser tranvía cero von Brill der ehemaligen Rundfahrtlinie. Ebenfalls erhalten blieb der PCC 2434. mini|Triebwagen 1072 in San Francisco In San Francisco betreibt der Verein Market Street Railway eine Flotte historischer Straßenbahnwagen. Die dort vorhandenen PCC verkehren in der Lackierung von diversen Städten, die Fahrzeuge dieses Typs verwendeten. Der im Jahr 1946 von der St. Louis Car Co hergestellte und ursprünglich an die Twin City Rapid Transit Co., Minneapolis-St. Paul gelieferte Triebwagen 1072 erhielt die Lackierung der STE, ausdrücklich auch, um an die mexikanische Geschichte vo San Francisco zu erinnern. Spielfilm von Buñuel Ein besonderes Denkmal erhielt die Straßenbahn durch den mexikanischen Regisseur Luis Buñuel. Sein Spielfilm Die Illusion fährt mit der Straßenbahn aus dem Jahr 1953 spielt nahezu ausschließlich in Straßenbahnwagen oder in Betriebseinrichtungen und bezieht sich auch thematisch ausschließlich auf die Straßenbahn. Er kann als Liebeserklärung an die Straßenbahn verstanden werden.

Literatur Allen Morrison – Latin America by Streetcar: A Pictorial Survey of Urban Rail Transport South of the U.S.A. (Bonde Press, New York, 1996), ISBN 0-9622348-3-4 Héctor Manuel Romero: El tranvía en la Ciudad de México. In: Historia del transporte en la Ciudad de México: de la trajinera al metro. Museo de la Ciudad de México, Mexiko-Stadt 1985 (spanisch). Bernardo Quintana Arrioja: Los Transportes Eléctricos en el Distrito Federal. Editorial ICA, Mexiko-Stadt 1987 (spanisch).

Weblinks

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Spurweite 1435 mm Mexiko Stadt Kategorie:Verkehr (Mexiko-Stadt)