mini|Ehemalige Bodenbacher Brauerei als heutiges Einkaufszentrum (2018) Die Brauerei Bodenbach ist eine historische Brauerei in der Stadt Děčín (deutsch: Tetschen) im Norden Böhmens. Der traditionelle Braubetrieb im Stadtteil Podmokly (deutsch: Bodenbach) bestand offiziell von 1707 bis zur Einstellung der Produktion Mitte der 1990er Jahre. Die historische Anlage ist heute als Baudenkmal erhalten und wurde 2014 in ein multifunktionales Einkaufszentrum umgewandelt.

Geschichte Bereits 1511 wurde im Tetschener Schloss eine Schlossbrauerei betrieben, was die lange Tradition des Bierbrauens in der Region hervorhebt. In diesem Jahr übernahm die städtische Braukommune das herrschaftliche Bräuhaus gegen Zahlung eines jährlichen Zinses von 6 Schock Groschen. Gleichzeitig wurde vermutlich auf dem Schloss ein kleines Malz- und Brauhaus für den Eigenbedarf der Herrschaft und ihrer Bediensteten eingerichtet. Fast drei Jahrhunderte später im Jahr 1792, wurde dem Bräuhaus zusätzlich eine Mälzerei angeschlossen. Ab 1816 verpachtete die Braukommune die Anlage an sieben brauberechtigte Bürger, die daraus einen kontinuierlichen Braubetrieb machten.

Aufgrund der starken Konkurrenz durch die 1707 gegründete herrschaftliche Brauerei in Bodenbach, übergab die Braukommune 1867 die Anlage der Thun’schen Domänenverwaltung, die den Betrieb ab 1886 einstellte und die Gebäude nur noch als Lagerräume nutzte. Die Erben der ursprünglichen brauberechtigten Tetschener Bürger konnten auch nach der Vertreibung ab 1950 ihre Anteile an der Kommune bzw. an der Brauerei Bodenbach im Rahmen des Lastenausgleiches geltend machen.

Die Ursprünge der Bodenbacher Brauerei liegen im frühen 18. Jahrhundert. Der Braubetrieb in Bodenbach wurde von Graf Maximilian von Thun-Hohenstein initiiert. Im Jahr 1703 wurde dort die erste Charge Bier gebraut und die Anlage bis 1707 unter dem Namen Fürstlich Thun-hohenstein'sche Brauerei fertiggestellt. Die Brauerei selbst bezog sich bei ihrem Gründungsdatum allerdings auf das Jahr 1707 und nicht auf das Jahr 1703, wie mehrere historische Bierdeckel der Brauerei zeigen („Gegr. 1707“). Sie nutzte das Wappen der Familie Thun-Hohenstein als Logo (ein großes Wappen mit mehreren kleineren Wappen in der Mitte sowie einer Krone darüber, sowie links und rechts jeweils ein Einhorn), wie das ehemalige Brauereigebäude sowie mehrere Bierdeckel beweisen. Unter anderem errichtete man in den 1760er Jahren eine „Böhmische Bierhalle“ in der damals kursächsischen Handels- und Messestadt Leipzig.

Im Jahr 1848 wurde der ursprüngliche Brauereikomplex im Zuge des Neubaus der Bahnstrecke Tetschen–Dresden-Neustadt abgerissen. Im darauffolgenden Jahr 1849, errichtete Franz Anton Graf Thun einen neuen Brauereibetrieb an anderer Stelle in Bodenbach. Der Komplex wurde nahe der Elbe errichtet, mehrfach erweitert und in einem stilprägenden Jugendstil gebaut, wovon weite Teile der Gebäude bis heute erhalten sind.

Im Jahr 1880 produzierte die Brauerei 32.700 hl Bier. Am 28. August 1906 kamen Brauereifachleute aus ganz Österreich und Deutschland zur Bodenbacher Brauerei, da diese als erstes die „Weigelsche Maischefilteranlage“ einführte. Am 14. Oktober 1908 erwarb die Brauerei das Hotel „Silberner Stern“ in Tetschen für 120.000 Kronen.

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel das mehrheitlich deutschsprachige Sudetenland ohne Volksabstimmung an die Tschechoslowakei. 1926 erwarb eine größere Brauereigesellschaft den Betrieb von der Familie Thun. Danach diente der Standort auch zum Abfüllen von Bier weiterer Brauereien, wie beispielsweise der 1566 gegründeten Brauerei im nahegelegenen Rumburg. In der Zwischenkriegszeit firmierte die Brauerei unter dem Namen Brauerei Bodenbach G.m.b.H. und exportierte ihr Bier u. a. bis in die USA.

Nach der Annexion des Sudetenlandes im Jahr 1938 durch das Nationalsozialistische Deutschland, wurde weiterhin Bier gebraut. Zu dieser Zeit bezog sich die Brauerei auf die kulturelle sowie politische Zugehörigkeit zum sogenannten Reichsgau Sudetenland, wie historische Bierdeckel zeigen („aus dem Sudetengau“). 1942 wurden die bereits seit langem faktisch zusammengewachsenen Städte Tetschen und Bodenbach auch offiziell zusammengelegt – es entstand die Doppelstadt Tetschen-Bodenbach, die 1945 in Děčín umbenannt wurde. Von 1942 bis 1945 hieß die Brauerei auch weiterhin Bodenbacher Brauerei und nicht Tetschen-Bodenbacher Brauerei oder Tetschener Brauerei. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich der Name, und man bezog sich nunmehr auf den Gesamtnamen der nun tschechischen Stadt: Děčín.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Brauerei – im Gegensatz zu den allermeisten anderen ehemaligen von Deutschen geführten Brauereien im heutigen Polen und der heutigen Tschechischen Republik – in Betrieb und firmierte nacheinander als Severočeské pivovary n.p., závod Děčín, anschließend als Pivovary Louny s.p., závod Děčín und schließlich als Pivovar Děčín s.p.

1993 wurde der Betrieb privatisiert. 1995 endete die Bierproduktion endgültig. Danach wurde der Komplex (unter Wahrung seines Denkmalschutzes) in verschiedene Nutzungen überführt.

Sortiment Die Bodenbacher Brauerei hatte bis 1945 unter anderem folgende Biersorten im Sortiment:

(Helles) Lagerbier Schankbier (Helles) Exportbier Helles alkoholarmes Exportbier mit 3,2 Vol.-% (für den Export aus der Tschechoslowakei in die USA, an die damalige Alkoholgrenze der US-Nachprohibitionszeit angepasst) Spezialbier (stärkeres Vollbier mit mindestens 12,5 % Stammwürze nach österreichischer Klassifikation. Für deutsche Verhältnisse wäre es am ehesten mit einem starken Lager-, Export- oder Märzenbier vergleichbar) Doppelbier (In zeitgenössischen Zeitungsartikeln wird „Doppelbier“ erwähnt, womit ein stärker eingebrautes Lagerbier gemeint war, das dem Stark- bzw. Bockbier entspricht)

Weblinks

Centrum Pivovar Website des Einkaufs- und Veranstaltungszentrums

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemalige Brauerei (Tschechien) Kategorie:Bauwerk in Děčín