Die Bapticostal movement (Bapticostal-Bewegung; ein Kofferwort aus den englischen Begriffen Baptist und pentecostal) bezeichnet eine Strömung innerhalb baptistischer Kirchen, die Elemente der Pfingstbewegung beziehungsweise der Charismatischen Erneuerung übernimmt.

Merkmale und Praktiken Der Begriff wird in unterschiedlicher Intensität verwendet:

Gottesdienstgestaltung: Er beschreibt einen lebhaften Ansatz der christlichen Popmusik, der oft durch spontane Ausrufe, Klatschen und das Heben der Hände geprägt ist. Charismata: In einem engeren Sinne bezieht er sich auf Gemeinden, in denen die Ausübung geistlicher Gaben (Charismen) praktiziert wird. Dazu zählen unter anderem die Glossolalie (Zungenrede), das „Ruhen im Geist“ sowie Prophetie oder „Worte der Erkenntnis“.

Verbreitung Die globale Verbreitung dieser Strömung innerhalb des Baptismus ist nicht einheitlich erfasst. Während sie in einigen Regionen, wie etwa in Osteuropa, kaum präsent ist, zeigt sie in anderen Gebieten eine signifikante Präsenz: Ozeanien: In Australien und Neuseeland ist die Bewegung weit verbreitet. Eine Studie aus dem Jahr 1989 ergab, dass sich 69 % der Gemeinden der Baptist Union of New Zealand positiv mit der charismatischen Bewegung identifizierten. USA: Schätzungen zufolge können etwa 5 % der Gemeinden der Southern Baptist Convention als „bapticostal“ klassifiziert werden, wobei die Tendenz als steigend gilt.

Position der Southern Baptist Convention (SBC) Innerhalb der Southern Baptist Convention stieß die wachsende „Bapticostal“-Strömung auf unterschiedliche Reaktionen, die von lokaler Ausgrenzung bis hin zu einer differenzierten Akzeptanz auf nationaler Ebene reichen.

Institutionelle Maßnahmen und Richtlinien Die Haltung der SBC gegenüber charismatischen Praktiken manifestierte sich in der Vergangenheit durch kirchenrechtliche und administrative Entscheidungen:

Ausschluss von Gemeinden: 1999 schloss ein regionaler Verband der Southern Baptists die Calvary Baptist Church in Marshfield, Missouri, aus. Als Grund wurden die Lehre und Praxis des Zungenredens sowie das Phänomen des „Ruhens im Geist“ angeführt. Anforderungen für Missionare: Das International Mission Board (IMB) verschärfte 2006 die Kriterien für Missionare. Bewerber konnten disqualifiziert werden, wenn sie traditionelle Lehren wie die Heilsgewissheit (eternal security) ablehnten oder Praktiken wie das Zungenreden sowie das Gebet in einer „privaten Gebetssprache“ ausübten.

Kontroversen an Bildungseinrichtungen Die Einführung der IMB-Richtlinien führte zu internen Debatten. Der Geistliche Dwight McKissic thematisierte 2006 in einer Predigt am Southwestern Baptist Theological Seminary seine eigene Praxis des Zungenredens und kritisierte eine streng zessationistische Sichtweise (die Lehre, dass charismatische Gaben mit der Zeit der Apostel endeten).

Das Seminar distanzierte sich daraufhin von McKissics Ausführungen. In einer Stellungnahme betonte die Leitung zwar das Recht auf Religionsfreiheit und die individuelle Überzeugung McKissics, erklärte jedoch, man werde Ansichten, die als potenziell schädlich für die Gemeinden eingestuft werden, keine offene Plattform bieten.

Entwicklung zur „Big Tent“-Strategie Unter der Präsidentschaft von Frank Page deutete sich eine Öffnung an. Page vertrat die Ansicht eines „breiten Zeltes“ (big tent) für die SBC: Autonomie der Gemeinden: Er betonte, dass die Entscheidung über den Umgang mit charismatischer Theologie bei den autonomen Einzelgemeinden liege. Integration: Laut Page könnten Charismatiker erfolgreich in traditionellen Baptistengemeinden mitwirken, solange dies nicht zu Störungen des Gemeindelebens führe. Diese informelle Vermischung der Traditionen wurde auch von Personen des öffentlichen Lebens aufgegriffen; so bezeichnete Mike Huckabee seine Heimatgemeinde im Jahr 2007 in einer Predigt als „ein wenig bapticostal“.

National Baptist Convention, USA, Inc.

Liturgie und charismatische Einflüsse Die National Baptist Convention (NBC) verfügt über keine zentral vorgegebenen Lehrsätze oder Richtlinien bezüglich pfingstlich-charismatischer Elemente im Gottesdienst. Aufgrund der Autonomie der Einzelgemeinde, einem Kernprinzip baptistischer Ekklesiologie, obliegt die Gestaltung der Anbedienung sowie der Umgang mit charismatischen Ausdrucksformen den jeweiligen lokalen Kirchengemeinden.

In der Praxis finden sich in zahlreichen Mitgliedsgemeinden sowie auf regionalen und nationalen Treffen Elemente, die auch im Pfingstlertum verbreitet sind. Dazu gehören:

Die Ausübung charismatischer Gaben (wie Glossolalie oder das „Ruhen im Geist“). Eine musikalische Gestaltung, die stark durch traditionellen Black Gospel und zeitgenössische christliche Musik (CCM) geprägt ist.

Lehre zur Heiligung Obwohl viele pfingstlich-charismatische Denominationen ihre Wurzeln in der Heiligungsbewegung (Holiness Movement) haben, vertritt auch die National Baptist Convention eine Lehre der christlichen Vollkommenheit. Diese wird innerhalb der Denomination – analog zu vielen pfingstlichen Gruppen – als „Sanctification“ (Heiligung) bezeichnet.

Weblinks

Pentecostal Free Will Baptist Church Holiness Baptist Association Full Gospel Baptist Church Fellowship Continuationism Finished Work Pentecostalism Holiness Pentecostalism William Howard Durham

"Fire in My Bones: Confessions of a Bapticostal" in Charisma Magazine

Einzelnachweise

Kategorie:Kofferwort Kategorie:Baptismus Kategorie:Pfingstbewegung Kategorie:Christliche Bewegung