Die im Dezember 2025 durch das US-Heimatschutzministerium (DHS) und United States Immigration and Customs Enforcement (ICE) unter Präsident Trump angekündigte Operation Metro Surge startete ursprünglich unter dem Vorwand von Betrugsermittlungen, weitete sich aber schnell zu einer der bisher umfangreichsten Deportationsmaßnahme konzentriert auf einen Bundesstaat aus. In dem bis in den Februar 2026 andauernden Einsatz wurden Durchsuchungs-, Festnahme- und Abschiebemaßnahmen im Großraum Twin Cities im US-Bundesstaat Minnesota durchgeführt. Die Maßnahmen sind Teil einer Serie von Operationen zur Deportation undokumentierter Einwanderer in urbanen Regionen entgegen dem sonst üblichen Einsatzgebiet an den Grenzen der USA. An dem ursprünglich deklarierten Zweck des Einsatzes kamen aus verschiedenen Gründen Zweifel auf, als die US-Justizministerin Pam Bondi am 24. Januar 2026 einen Brief an Tim Walz sandte, in dem sie unter anderem die Herausgabe der Wählerdatenbank des Bundesstaats Minnesota an die US-Bundesregierung verlangte. Im Gegenzug würden dann die eingesetzten US-Bundesbeamten abgezogen. Lokale Behörden sehen sich einer Besatzung ausgesetzt. Der Senator von Connecticut Chris Murphy unterstellte der Bundesregierung anhand dieser Datenbank die für den Herbst 2026 bevorstehenden Midterm-Wahlen manipulieren zu wollen. Auch die Gewalt gegen US-Bürger sowie der Versuch, mittels systematischer propagandistischer Kommunikationsmethoden die Erzählung über die Wirklichkeit zu bestimmen, stützen diese Zweifel. Infolge der Operation sind zwei durch US-Bundesbeamte erschossene US-Bürger, Renée Nicole Good, sowie Alex Pretti, zu beklagen sowie eine Person, die nach der Verhaftung in einem Abschiebegefängnis in Texas verstorben ist. In Folge der gewaltsamen Vorgehensweise der US-Bundesbehörden gab es umfangreiche Proteste. Die Stadt Minneapolis hatte während der Operation einen Krisentab unter der Leitung von Rachel Sayre eingesetzt und schätzte den durch die Operation entstandenen Schaden auf 203 Millionen US-Dollar.

Ausgangssituation

Situation in Minnesota Der Bundesstaat Minnesota ist trotz teils knapper Wahlausgänge über mehrere Legislaturperioden hinweg demokratisch regiert und ist für seine Diversität und sein umfassendes Sozialsystem bekannt. Bei der Stadt Minneapolis handelt es sich dem Jahr 2003 um eine der 200 Sanctuary Cities in den USA, welche in Hinblick auf die föderale Einwanderungspolitik insofern nicht mit den US-Bundesbehörden kooperiert, dass die lokalen Behörden nicht bei der Suche nach illegalen Einwanderern helfen, sofern es nicht auch um Strafverfolgung geht. Der Bundesstaat Minnesota hatte bis November 2025, also kurz vor Beginn der Operation Metro Surge eine relativ zu den gesamten Vereinigten Staaten unterdurchschnittliche Kriminalitätsrate und keine außerordentliche Gewalteskalation zu verzeichnen, so gingen die Zahl der Tötungsdelikte 2025 deutlich zurück und die Gewaltkriminalität insgesamt ist seit 2021 nachweislich rückläufig. Außer teils friedlichen Protesten der Opposition gegen Trumps Politik im Jahr 2025 gab es keinerlei außergewöhnliche Unruhen oder Gewaltausbrüche in Minnesota. Minnesota hat einen zudem einen unterdurchschnittlichen Anteil an Einwanderern in den USA. Allerdings ist die somalische Gemeinschaft im Bundesstaat Minnesota seit dem Bürgerkrieg in Somalia stark vertreten, die in den einsatzmotivierenden Narrativen der US-Bundesregierung eine Rolle spielten. Anhand von Veröffentlichungen über Verurteilungen einiger somalischstämmiger Personen in einem großen Betrugsfall durch die Nichtregierungsorganisation Feeding Our Future wurde eine Begründung für ein Hochfahren der ICE-Aktivitäten in dieser Gemeinschaft von Minneapolis konstruiert. Es waren jedoch weniger als 80 Personen aus dieser Gemeinschaft an diesem Betrugsfall beteiligt, während etwa 80000 somalischstämmmige Personen in Minneapolis leben. Vertreter dieser Gemeinschaft sahen sich einer rassistischer Anschuldigung ganzer Gruppen auf Grundlage von Handlungen einzelner Personen ausgesetzt, welche als Ablenkung von anderen Motiven dienen würde. In Erwartung einer Ausweitung der ICE-Einsätze betonte die Stadtverwaltung am 2. Dezember 2025, dass diese die Stadt nicht sicherer machen würde.

Umbau der ICE-Behörde im Jahr 2025 Im Jahr 2025 begann ein massiver Umbau der ICE-Behörde, für den als Grundlage mittels des Big-Beautiful-Bill einer präzedenzlos hohe Finanzierung geschaffen wurde. Die Behörde startete damit ein massiven Personalaufwuchs, unterstützt mit einer Werbekampagne für ein Budget in der Größenordnung von 100 Millionen US-Dollar. Neuen Rekruten wurden Einstiegsboni in Höhe von 50.000 US-Dollar sowie der Erlass ihrer Studiengebühren geboten. Damit erfolgte ein schneller Personalaufwuchs von 10.000 auf 22.000 Beschäftigte. Dazu trug auch die Erweiterung des Rekrutierungsalters von bisher 21 bis 37 Jahren auf 18 bis 40 Jahre bei. Die gesenkten Anforderungen führten zur Reduktion der Standards, so sollen nur noch die Hälfte der ICE-Absolventen einfache Open-Book-Prüfungen bestanden haben. Nach einem Artikel des Atlantic gäbe es auch bei Sporttests Defizite. Ein Medienbericht von Slate deckte auf, dass Hintergrundüberprüfungen nicht durchgeführt wurden. Die Ausbildung wurde von 13 auf 6 Wochen reduziert. Der für alle ICE-Beschäftigten vormals obligatorische 5-wöchige Spanischkurs wurde im August 2025 aus dem Ausbildungsprogramm gestrichen. Rechtliche Grundlagen wurden somit nur rudimentär vermittelt. Unter Stephen Miller und Kristi Noem sollte mit einem Quotenziel von 3.000 Festnahmen pro Tag insgesamt eine Million Verhaftungen jährlich erreicht werden. Auch die Haftkapazitäten der Abschiebegefängnisse wurden erweitert.

Verlauf

Ereignisse im Vorfeld der Operation Schon im Vorfeld der Operation gab es größere Einzeleinsätze, aber die Anzahl der im Vorfeld inhaftierten Personen belief sich auf ungefähr 250. Die Ministerin für Heimatschutz Kristi Noem kündigte bereits anlässlich eines Besuchs des Whipple Federal Buildings in Minneapolis am 24. Oktober 2025 eine Ausweitung der generellen Aktivitäten von ICE und im Besonderen auch in Minnesota an.

Kurzchronik herausragender Ereignisse Die Operation Metro Surge begann am 4. Dezember 2025. Gemäß der eigenen Angaben des US-Heimatschutzministeriums handele es sich um die bisher größte Operation dieser Art mit dem erklärten Ziel Betrugsfälle innerhalb der somalischen Community der Stadt aufzuklären und undokumentierte Einwanderer aus dem Land auszuweisen. Nach einem anfänglichen Personalbestand von 200 Bundesbeamten, die anfänglich eingeflogen wurden, stockten die US-Bundesbehörden die Operation zum 6. Januar 2026 auf mehr als 3000 Bundesbeamte auf, davon 2000 von der Behörde United States Immigration and Customs Enforcement (ICE). Das zentral am Flughafen von Minneapolis gelegene föderale Verwaltungsgebäude Whipple Federal Building wurde zur Einsatzzenrale mit provisorischen Abschiebegefängnis umfunktioniert. Im Zuge dieser Einsätze kam es am 7. Januar 2026 zur Tötung von Renée Nicole Good durch Schusswaffengebrauch der Einsatzkräfte. Nach Protesten, die bis zu einem Generalstreik am 23. Januar 2026 führten, kam es am 24. Januar 2026 mit der Erschießung des 37-jährigen Alex Pretti zum zweiten tödlichen Schusswaffeneinsatz. In der Reaktion fand am darauf folgenden Wochenende um den 31. Januar 2026 erneut ein Generalstreik statt. Nach einem Telefonat zwischen dem US-Präsidenten und dem Gouverneur Tim Walz am 26. Januar 2026 zog die US-Bundesregierung am 5. Februar 2026 zunächst 700 Beamte von der Operation ab und verkündete am 12. Februar 2026, die Operation vollständig beenden zu wollen und das gesamte eingesetzte Personal abzuziehen. Noch am selben Tag erließ ein Bundesgericht eine Anordnung, die Verlegungen aus Minnesota in den ersten 72 Stunden nach der Verhaftung untersagte. Weil Festgenommene dadurch länger vor Ort verbleiben mussten, wurde die Kapazität im Whipple Federal Building zum operativen Flaschenhals, was die Möglichkeiten des schnellen Ausfliegen der Inhaftierten, beispielsweise nach Texas, und damit die Skalierbarkeit der Einsätze deutlich reduzierte. Kritiker bezeichneten diese schnellen Transfers nach Texas als Texas-Pipeline und warfen der US-Bundesregierung vor, damit den Gerichtsstand faktisch zu verschieben, um Verfahren in eine aus Sicht des DHS günstigere Jurisdiktion zu verlagern, ein Muster, das in Analysen und Gerichtsakten als Forum Shopping beschrieben wurde. Bis Mitte Februar 2026 habe die US-Bundesregierung weiterhin die Ermittlungen der lokalen Behörden in den tödlichen Vorfällen blockiert.

Überblick Vorangegangene ähnliche Einsätze waren die Operation Midway Blitz im September 2025 im Großraum Chicago sowie Einsätze in den Städten Los Angeles, Washington D.C. und Portland. Nach eigenen Angaben habe das DHS bis zum 13. Dezember 2025 etwa 400 Verhaftungen von undokumentierten Einwanderern vorgenommen. Insgesamt soll das DHS nach Presseauskunft des Weißen Hauses zwischen Dezember 2025 und dem 4. Februar 2026 bis zu 4000 Verhaftungen vorgenommen haben, darunter waren auch zahlreiche US-Bürger und Kinder.

Begleitende Narrative

Schon im Vorfeld der Operation hat die US-Bundesregierung ein Bild auf das Thema Migration gezeichnet, was von Kriminalität geprägt sei und die Sicherheit und Ordnung der Städte bedrohen würde. Dies wurde mit Leitsprüchen, wie „worst of the worst“ hinterlegt, derer sich die föderalen Sicherheitsbehörden, also das DHS und insbesondere die ICE-Behörde und das CBP annehmen würde. Weiterhin hat die US-Bundesregieirung eine mediale und politische Kampagne gegen die Sanctuary Cities veranstaltet, da in solchen Städten die lokalen Behörden bei der Verfolgung von Einwanderern ohne kriminellen Kontext nicht mit den föderalen Behörden kooperieren. Entsprechend zeichnete die US-Bundesregierung die Operation Metro Surge explizit als Maßnahme zur Bekämpfung „krimineller Illegaler Einwanderer“, die eine Bedrohung für öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellten würden. Fokussiert wurde zu Beginn der Operation im Dezember 2025 dann auf die somalische Bevölkerung in Minnesota, wobei an tatsächlich stattgefundene Betrugsfälle als Begründung für diesen Fokus angeknüpft wurde, die sich rund um die Nichtregierungsorganisation Feeding Our Future zugetragen hatten, bei denen es jedoch bereits zu Verurteilungen gekommen war. Doch die offiziellen durch das DHS veröffentlichten Statistiken zeigten, dass lediglich 23 Personen aus der somalischen Bevölkerung inhaftiert wurden. Daraufhin verschwand diese Erzählung aus der öffentlichen Debatte weitgehend bis in den Februar 2026. Zudem wurden die meisten Einwanderer für die Vorstrafen vorlagen aus den Gefängnissen des Bundesstaates überstellt, wozu keine tausende US-Bundesbeamte in paramilitärischer Ausstattung benötigt worden wären.

Einordnung und Wirkungen auf Minnesota Presseberichte stellen auf die Unverhältnismäßigkeit des Umfangs und der Vorgehensweisen der US-Bundesregierung ab und argumentieren, dass dieser Einsatz die Stadt Minneapolis und den Bundesstaat Minnesota nicht sicherer machen würden.