mini|Cristino Martos Cristino Martos y Balbí (* 13. September 1830 in Granada; † 17. Januar 1893 in Madrid) war ein spanischer Jurist und Politiker. Er war u. a. Bürgermeister von Madrid, dreimal Staatsminister und zweimal Präsident des Unterhauses des spanischen Parlaments (Congreso de los Diputados).
Leben Cristino Martos studierte an den Universitäten von Granada und Madrid und nahm 1851 an den gegen Juan Bravo Murillo gerichteten Studentenunruhen teil. Auch an anderen Demonstrationen gegen die Regierungen der Königin Isabella II. beteiligte er sich und entging deshalb nur knapp dem Ausschluss von der Hochschule. Er zeichnete sich als Journalist bei der Zeitung El Tribuno aus. 1854 schloss er sich Leopoldo O’Donnell und Baldomero Espartero im Kampf gegen ein revolutionäres Kabinett an. Bald danach wandte er sich aber gegen O’Donnell, um die Demokraten und Progressisten unter Juan Prim, Rivero, Emilio Castelar und Práxedes Mateo Sagasta in den erfolglosen aufständischen Bewegungen von 1866 zu unterstützen und musste Spanien verlassen. Er war bis dahin vor allem als Redner und Schriftsteller in den vordersten Reihen der Progressisten hervorgetreten. Trotz seiner unruhigen politischen Karriere war er auch 40 Jahre lang erfolgreich als Anwalt tätig.
Nach dreijährigem Aufenthalt im Ausland kehrte Martos nach Spanien zurück und nahm nach der Revolution von 1868, die zum Sturz Königin Isabellas II. führte, seinen Sitz in den Cortes von 1869 ein. Während der ganzen Revolutionszeit vertrat er als Mitglied der Kabinette von Prim, Francisco Serrano Domínguez, Manuel Ruiz Zorrilla und zuletzt unter König Amadeus I. die radikalen Tendenzen jener Männer, die Spanien in eine demokratischere Monarchie umwandeln wollten. Er amtierte u. a. von November 1869 bis Januar 1870, von Januar bis Juli 1871 und von Juni 1872 bis Februar 1873 als Staatsminister (d. h. Außenminister). Nach der Abdankung von König Amadeus I. (Februar 1873) spielte er eine hervorragende Rolle bei der Ausrufung der Republik und war von Februar bis März 1873 Präsident des Congreso de los Diputados. Als radikalere Republikaner vorläufig den Sieg davontrugen, ging Martos ins Exil und zog sich bald darauf ins Privatleben zurück. Nach dem Staatsstreich des Generals Manuel Pavía betrat er wieder die politische Bühne und führte von Januar bis Mai 1874 das Ministerium der Gnade und Justiz in den Kabinetten von Francisco Serrano und Juan Zavala de la Puente.
Im Mai 1874 nahm Martos wieder seinen Anwaltsberuf auf und verfolgte stillschweigend die im Dezember 1874 mit der Thronbesteigung von König Alfons XII. erfolgte Restauration der Monarchie in Spanien. Er hielt einige Jahre an seinen demokratischen Idealen fest und reiste 1881 nach Biarritz, um am republikanischen Kongress unter dem Vorsitz von Ruiz Zorrilla teilzunehmen. Bald darauf schloss sich Martos der dynastischen Linken an, die von Marschall Serrano, General José López Domínguez, Moret, Becerra, Balaguer und anderen ehemaligen Revolutionären organisiert wurde. Er war Mitglied mehrerer Parlamente während der Regierungszeit von Alfons XII. und der Regentschaft Maria Christinas und trat den Liberalen unter Sagasta bei. Von Mai 1886 bis Juni 1889 war er auf Initiative Sagastas wieder Präsident des Congreso de los Diputados, bereitete diesem dabei aber einige Schwierigkeiten. Er vermochte keine Gegenpartei zu Sagasta zu formieren und verschwand daher trotz seines Redetalents in der politischen Versenkung. Am 17. Januar 1893 starb er im Alter von 62 Jahren in Madrid.
Literatur Martos, Christino, in: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage, 1910–11, Bd. 17, S. 803 f.
José Manuel Cuenca Toribio: Martos y Balbi, Cristino. In: Diccionario biográfico español. Madrid 2009–2013 (Online-Version).
Kategorie:Außenminister (Spanien) Kategorie:Parlamentspräsident (Spanien) Kategorie:Spanier Kategorie:Geboren 1830 Kategorie:Gestorben 1893 Kategorie:Mann