Die Burg Wichdorf ist eine abgegangene Kemenate in Wichdorf, einem Stadtteil von Niedenstein im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis, auf deren Resten seit 1574 ein seitdem wiederholt umgebautes ehemaliges Herrenhaus steht, der sogenannte „Hessenhof“.Auch „Hessesches Herrenhaus“ genannt. Das Gebäude steht im alten Ortskern unweit westlich der Dorfkirche in der Burgstraße 4 und ist dort Teil einer größeren Hofanlage. Es befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Geschichte Im 12. oder 13. Jahrhundert errichteten Ortsadelige in Wichdorf eine Kemenate. Zu deren Baugeschichte ist nichts bekannt, und wer sie erbaute, ist ebenfalls unklar: eine Familie von Schartenberg (1387 ausgestorben) oder Angehörige der im 13. Jahrhundert und danach mehrfach verzweigten Herren von Wichdorf.Siehe z. B. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstentums Hessen, Vlg. Fischer, Kassel 1842, S. 244 Nach 1448 waren die Hess von Wichdorf alleinige Besitzer der kleinen Burg. Daniel Wilhelm Hess von Wichdorf, Rittmeister in Württembergischem Dienst, ersetzte einen Teil der Anlage 1574 durch den Neubau eines Herrenhauses. Mit seinem Tod im Jahre 1594Sein Epitaph befindet sich in der Dorfkirche von Wichdorf. erlosch der in Wichdorf residierende Zweig des Geschlechts in der männlichen Linie.Das mancherorts genannte Datum 1631 für den Tod eines (zweifelhaften) gleichnamigen Sohnes und das Erlöschen des Geschlechts wird bezweifelt, siehe: Gustav Rabe von Pappenheim: Die neuen Hess von Wichdorff: Geschichte einer Fälschung, Vlg. Elwert, Marburg 1899

Danach erfolgten zahlreiche Besitzerwechsel der Anlage. Der Bau wurde 1631 im Dreißigjährigen Krieg von Kroatischen Reitern des Generals Tilly fast vollständig zerstört und erst 1642 ohne die zuvor vorhandenen Ecktürme wieder aufgebaut. Nur der halbrunde Treppenturm wurde von der alten Anlage übernommen. 1690 wurden erneut bauliche Veränderungen durchgeführt, und eine weitere Renovation erfolgte im Jahr 1802.

Die heutige Anlage Heute ist von der ehemaligen Burganlage nur noch das Burghaus vorhanden, der sogenannte Hessenhof. Auf dem steinernen Untergeschoss befinden sich zwei Fachwerkobergeschosse und ein mit steilem Krüppelwalmdach gedecktes Dachgeschoss. Auf der westlichen Traufseite steht der halbrunde Treppenturm, der die Zerstörung von 1631 überstand. Ein Hessenmann ziert die Mitte der nördlichen Giebelseite im zweiten Obergeschoss. Die ursprünglichen Befestigungsanlagen – Mauern, Wälle und Gräben – verschwanden im Zuge der neueren Dorfbebauung.

Fußnoten

Weblinks

Literatur Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen, Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 1995, ISBN 3-86134-228-6. S. 104. Carl Alhard von Drach (Bearb.): Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, Band II, Kreis Fritzlar. Marburg 1909, S. 205–206, Tafel 241 Rudolf Haarberg: Der alte Burgsitz in Wichdorf. In: Hessischer Gebirgsbote, Bd. 69, Heft 2, Melsungen 1968, S. 35 Werner Ide: Von Adorf bis Zwesten: Ortsgeschichtliches Taschenbuch für den Kreis Fritzlar-Homberg. Bernecker, Melsungen 1972, S. 413–415 Folkhart Cremer (Hrsg.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Georg Dehio, Begr.), Band Hessen I: Reg.-Bez. Gießen und Kassel, Dt. Kunstverlag, München 2008, ISBN 978-3-422-03092-3. S. 965 B. Otto: Die neuen Heß von Wichdorf. Bericht über den Versuch einer Geschichtsfälschung. In: Niedensteiner Heimatbuch, 1954 Ernst Wolfgang Heß von Wichdorf: Beiträge zur Geschichte des Städtchens Niedenstein und der Familie Heß v. Wichdorf, in: Hessenland: Zeitschrift für die Kulturpflege des Bezirksverbandes Hessen, No. 8, Kassel 15. April 1888, S. 114–116, und No. 9, Kassel 1. Mai 1888, S. 130–133

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