Everybody Digs Bill Evans ist ein Filmdrama von Grant Gee. In der Filmbiografie, die auf dem Roman Intermission von Owen Martell basiert, verliert der von Anders Danielsen Lie gespielte Jazzpianist Bill Evans seinen Bassisten und Seelenverwandten LaFaro durch einen tragischen Autounfall und auch den Boden unter den Füßen. Weitere Hauptrollen wurden mit Bill Pullman, Laurie Metcalf und Katie McGrath besetzt. Der Film feierte im Februar 2026 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin seine Premiere, wo er im Hauptwettbewerb für den Goldenen Bären nominiert war und den Silbernen Bären für die beste Regie gewann.
Handlung Im Juni 1961 in New York City. Der legendäre Jazzpianist Bill Evans hat seine musikalische Stimme gefunden und das perfekte Trio gegründet, darunter Bassist Scott LaFaro, sein musikalischer Seelenverwandter. Während einem Engagement im New Yorker Village Vanguard entsteht eine Live-Aufnahme, die zu zwei der größten Jazzalben aller Zeiten werden soll, an einem einzigen Tag. Tage später stirbt LaFaro bei einem tragischen Autounfall. Betäubt vor Trauer hört Bill zum ersten Mal seit seiner Kindheit auf zu spielen. Er hat eine Vorliebe für harte Drogen. Das musikalische Genie muss erst lernen, dass zur Musik auch Pausen gehören.
Bill hat einen älteren Bruder namens Harry, der von dem Unfall aus der Zeitung erfährt. Gemeinsam mit seiner Frau Pat hat Harry eine siebenjährige Tochter namens Debby. Als Harry zur Wohnung seines Bruders fährt, um nach ihm zu sehen, ist seine heruntergekommene Bleibe für ihn ein Schock. Er findet den abgemagert wirkenden Bill in einer schlecht sitzenden Jacke, die sich, als er an sich herabblickt, als das Cordjackett seines verstorbenen Freundes erweist. Auch Harry ist Pianist, allerdings ein zweitklassiger und arbeitet als Musiklehrer. Bill lebt in einer On-Off-Beziehung mit Ellaine. Mit etwas Abstand versucht Bill zurück zur Musik finden. Einen Anfang macht seine Nichte Debby, als sie ihn dazu bringen kann, sich ans Familienklavier zu setzen und The Waltz for Me zu spielen, doch Bill kann das Stück nicht zu Ende spielen. Harry und Pat halten es nicht mehr aus und beschließen, Bill zu ihren Eltern nach Florida zu schicken, wo diese ihren Ruhestand verbringen. So verlässt Bill New York und fährt nach Florida, um Sonne zu tanken, sich zu erholen, zu entgiften und in das Leben seiner Eltern einzutauchen. mini|hochkant|Der Jazzpianist Bill Evans Mary Evans und Harry Evans Sr. haben ein hartes Leben als Arbeiter in New Jersey geführt, und obwohl das Leben in Florida vergleichsweise einfach ist, herrscht eine gewisse Langeweile und es gibt seit geraumer Zeit Ehekonflikte. Vom Moment an, als sie ihren traumatisierten Sohn sieht, spürt Mary intuitiv, was sie tun muss. Sie lassen alte Familienrituale wiederaufleben, Bill isst das Essen seiner Mutter und spielt Golf mit seinem Vater. Eines Abends begleitet Bill seinen Vater zu einem geselligen Abend mit anderen Rentnern in einer Bar. Bills aufkeimender Ruhm hat sogar die Rentner erreicht, die mehr über sein Leben als New Yorker Jazzstar erfahren wollen.
Eines Nachts liegen Harry und Mary im Bett und hören Bill leise und wunderschön Klavier spielen. Ihr junges Genie ist wieder erwacht. Und plötzlich taucht Bills Partnerin Ellaine im Auftrag der Plattenfirma in Florida auf. Bill solle sofort zurück nach New York ziehen, was er nach einiger Bedenkzeit auch tut. In seiner Wohnung findet Bill eine Nachricht von Ellaine und etwas Bargeld, einen Vorschuss seiner Plattenfirma.
Im Jahr 1971 wirft sich Ellaine vor eine New Yorker U-Bahn nachdem Bill ihr eine Affäre gebeichtet und vom Wunsch nach einer Familie mit der neuen Frau erzählt hat.Everybody Digs Bill Evans. In: berlinale.de. Abgerufen am 27. Januar 2026.https://www.berlinale.de/de/presse/pressematerial/presseheft-download-action.html?file=Wettbewerb/Alle_Filme/202606467_en_1_EVERYBODY%20DIGS%20BILL%20EVANS_Berlinale%20Press%20Kit_ENG.pdfKamil Moll: Everybody Digs Bill Evans. In: filmdienst.de, 15. Februar 2026.
Produktion Literarische Vorlage und Drehbuch mini|hochkant|Mark O'Halloran Everybody Digs Bill Evans basiert auf dem Roman Intermission von Owen Martell, in dem dieser einen kurzen Abschnitt aus Bill Evans’ Leben im Jahr 1961 vorstellt, nach dem Tod des Bassisten seines ersten Trios, Scott LaFaro. Es handelt sich um ein Werk der Fiktion, das sich Martell dessen Leben über eine Phase, in der sich dieser für einige Monate aus der Öffentlichkeit zurückzog, um den für ihn traumatisierenden Tod LaFaros verarbeiten zu können, ausdachte. Der Autor lehrte an der Sorbonne und schreibt überwiegend in Walisisch.
Der Roman wurde von Mark O’Halloran für den Film adaptiert. Der überwiegend als Schauspieler tätige O’Halloran war in der Vergangenheit immer wieder auch als Drehbuchschreiber tätig, unter anderem für die Tragikomödie Adam & Paul, für die er im Rahmen der Evening Standard British Film Awards ausgezeichnet wurde. Die Figur Ellaine war in Martells Roman nicht enthalten.
Regie und Filmtitel Regie führte Grant Gee. Es handelt sich bei Everybody Digs Bill Evans um das Spielfilmdebüt des britischen Dokumentarfilmregisseurs.Everybody Digs Bill Evans. In: berlinale.de. Abgerufen am 13. Februar 2026. Er beschäftige sich bereits in seinen früheren Filmen mit Musikern, unter anderem in Joy Division mit der britischen Post-Punk-Band Joy Division oder in Judith mit dem ungarischen Komponisten Béla Bartók. Gee ist Mentor des Masterstudiengangs Dokumentarfilm am University College in London und arbeitet regelmäßig mit der Theaterregisseurin Katie Mitchell zusammen. Er realisierte Filme und Live-Cinema-Projekte an renommierten europäischen Theatern und Opernhäusern, unter anderem bei, „Der Kirschgarten“ für das Deutsche Schauspielhaus.
Auf Bill Evans war Gee durch ein Foto aufmerksam geworden, das Anfang der 1960er Jahre gemacht wurde. Der Pianist habe auf den zweiten Blick ausgesehen, als hätte er einen Geist gesehen, was bei Gee den Wunsch weckte herauszufinden, welche Art von Musik dieser Mann machte, und als er diese hörte, sei er wie verzaubert gewesen. Neben Martells Roman war auch Peter Pettingers Biografie How My Heart Sings eine wichtige Quelle für seine weiteren Recherchen. Hierbei erfuhr er nicht nur vom tragischen Autounfall seines musikalischen Seelenverwandten Scott LaFaro nur zwei Wochen nach den Aufnahmen der bahnbrechenden Meisterwerke des Bill Evans Trios und den Selbstmorden seines geliebten Bruders Harry und seiner Lebensgefährtin Ellaine Schultz, sondern auch von Evans' außergewöhnlich hohem Drogenkonsum. Dennoch sei er ein bescheidener, nachdenklicher, musikalisch disziplinierter und anständiger Mensch geblieben, so Gee.
Der Titel des Films ist dem gleichnamigen Album entliehen, das im Dezember 1958 aufgenommen und im folgenden Jahr bei Riverside Records veröffentlicht wurde. Am Ende des Films spielt Evans auch ein Stück aus diesem Album.
Besetzung, Dreharbeiten und Filmschnitt mini|hochkant|Gespielt wird Evans von dem Norweger Anders Danielsen Lie mini|hochkant|Bill Pullman spielt seinen Vater Der Norweger Anders Danielsen Lie, bekannt aus Filmen wie Der schlimmste Mensch der Welt und Sentimental Value, spielt Bill Evans. Der Regisseur hatte ihn in Joachim Triers Oslo, 31. August gesehen, in dem er einen Drogensüchtigen spielte. In diesem Film spielt Anders Danielsen Lie selbst Klavier. Auch in Everybody Digs Bill Evans spielte er alle Klavierparts selbst.David Rooney: 'Everybody Digs Bill Evans' Review: Anders Danielsen Lie, Laurie Metcalf and Bill Pullman in a Portrait of a Jazz Legend That Hits Every Note. In: The Hollywood Reporter, 13. Februar 2026. Bei einem ersten Treffen mit Gee erzählte ihm der Schauspieler, das er viel über Bill Evans weiß und wie wichtig der Pianist für ihn sein ganzes Leben lang gewesen war. Bill Pullman spielt seinen alkoholkranken Vater Harry Evans Senior, Laurie Metcalf seine Mutter Mary und Barry Ward seinen älteren Bruder Harry Evans Junior. Katie McGrath ist in der Rolle von dessen Ehefrau Pat zu sehen. Valene Kane spielt Ellaine Schultz, mit der Evans eine On-Off-Beziehung pflegt.Daniel D'Addario: Docmaker Grant Gee Changes Tune for Berlin Competition Pic 'Everybody Digs Bill Evans'. In: Variety, 12. Februar 2026. Scott LaFaro und Paul Motian, mit denen Evans zu Beginn des Films 1961 gemeinsam im Village Vanguard in New York auftritt, werden von dem Kontrabassisten Will Sach und dem Drummer und Jazzmusiker Boz Martin-Jones gespielt.https://www.berlinale.de/en/press/press-material/presskit-download-action.html?file=Wettbewerb/Alle_Filme/202606467_en_1_EVERYBODY%20DIGS%20BILL%20EVANS_Berlinale%20Press%20Kit_ENG.pdfWill Sach. In: willsach.com. Abgerufen am 17. Februar 2026.Boz Martin-Jones. In: encoremusicians.com. Abgerufen am 17. Februar 2026.
Die Dreharbeiten fanden in West Cork in Irland statt. In den West Cork Studios entstanden die Fahrszenen und die Außenaufnahmen von Manhattan und Florida. Ein viktorianisches Kloster wurde zu New Yorker Stadthäusern, ein stillgelegter Bahnhof zu Bills Wohnung und die Kugellagerfabrik neben dem Filmstudio zum Flughafen Newark, einem Diner in Florida und einem Motel. Das Szenenbild gestaltete Ellen Kirk. Die Szenen im Jahr 1961 wurden in Schwarz-Weiß gedreht, später spielende in Farbe. Als Kameramann fungierte Piers McGrail, dessen bekannteste vorherige Arbeit Saipan von Glen Leyburn und Lisa Barros D’Sa ist, der sowohl beim London Film Festival als auch beim Toronto Film Festival gezeigt wurde.
Der britische Filmeditor Adam Biskupski arbeitete zuvor für Filme wie England Is Mine von Mark Gill, Mogul Mowgli von Bassam Tariq und Archive von Gavin Rothery.
Filmmusik und Veröffentlichung Die Filmmusik komponierte Roger Goula. Die minimalistische Arbeit des in London lebende katalanische Komponisten und Multiinstrumentalisten ist von Renaissance- und Barockmusik inspiriert. Er verbindet dabei elektronische Musik und klassische Kammer- und Orchestermusik. In der Vergangenheit war Goula für eine Reihe preisgekrönter Filme tätig, unter anderem für den Oscar-nominierten Dokumentarfilm All That Breathes von Shaunak Sen, den BIFA-prämierten Dokumentarfilm Next Goal Wins – Das Spiel ihres Lebens von Mike Brett und Steve Jamison und Killers Anonymous – Traue niemandem von Martin Owen. Neben seiner Filmmusik hat sich Goula auch im Theater und im zeitgenössischen Tanz einen Namen gemacht. Im Jahr 2016 veröffentlichte er sein Debüt-Soloalbum Overview Effect.
Die Premiere des Films war am 13. Februar 2026 im Hauptwettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Am 21. Februar war die Premiere beim Dublin International Film Festival.Discover Irish film at the 2026 Dublin International Film Festival. In: screenireland.ie, 11. Februar 2026. Im April 2026 wurde der Film beim International Istanbul Film Festival und beim Lichter Filmfest Frankfurt International gezeigtEverybody Digs Bill Evans. In: hkiff.org. Abgerufen am 12. März 2026.Everybody Digs Bill Evans. In: lichter-filmfest.de. Abgerufen am 28. März 2026. und im Juli 2026 beim Internationalen Filmfestival Karlovy Vary.Everybody Digs Bill Evans. In: kviff.com. Abgerufen am 3. Juli 2026. Im Oktober 2026 sind Vorstellungen beim Adelaide Film Festival geplant.Adelaide Film Festival Announces first 10 films for 2026. In: filmink.com. Abgerufen am 22. Juli 2026.
Rezeption Kritiken Der Film konnte alle der bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiker überzeugen bei einer durchschnittlichen Bewertung mit 7,3 von 10 möglichen Punkten.Everybody Digs Bill Evans. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 10. August 2026. mini|hochkant|Regisseur Grant Gee