Thomas Oelzner (* 21. Februar 1939 in Steinach; † 2025) war ein deutscher Glaskünstler und Fotograf.

Leben und Werk Oelzner war der Sohn des Bildhauers Rudolf Oelzner und wuchs in Leipzig inmitten dessen künstlerischer Arbeit in der Lutherstraße 24 auf. Nachdem die Familie bei den Luftangriffen auf Leipzig ausgebombt wurde, lebte sie bis 1947 in Schmannewitz, bis sie in Leipzig wieder eine kleine Wohnung erhielt. Oelzner besuchte die Thomasschule und ließ sich abends von einem befreundeten Kunsthandwerker die Arbeit eines Korpus-Gürtlers zeigen. Von 1957 bis 1959 absolvierte er bei Alfred Schäfter eine Lehre als Facharbeiter für Metallbearbeitung und bis 1960 das Gesellenjahr. Von 1960 bis 1965 studierte er an der Hochschule für industrielle Formgestaltung in Halle bei Karl Müller Schmuck/Metall, bei Irmtraud Ohme Email und bei Gerhard Lichtenfeld Skulptur. 1962 heiratete er seine Kommilitonin Ulrike Luthardt.

Nach dem Diplom als Werkkünstler und Formgestalter arbeitete er ab 1965 mit seiner Frau freischaffend in einem gemeinsamen Atelier in Leipzig. Sie schufen Gold- und Silberschmiedearbeiten, plastische Arbeiten in Beton und Stahl und Email-Malereien. Vor allem mit plastischen Arbeiten für den öffentlichen Raum wie Wasserspiele und Raumteiler – in damals neuartigen Materialkombinationen wie Beton und Metall – machten sie auf sich aufmerksam.

Ab 1972 erlernte Oelzner das Glasmachen, und ab 1973 fertigte er mit seiner Frau aus Glas Vasen, Becher und Flaschen. Ab Mitte der 1970er Jahre schufen sie Skulpturen und Objekte, auch diese in der traditionellen Technik des Glasblasens am Hüttenofen. Beide arbeiteten regelmäßig auch in Thüringer und Lausitzer Glashütten. Von 1977 bis 1979 leiteten sie als Artists in Residence das Glasstudio Franzensbad der Galerie J. & L. Lobmeyr in Baden bei Wien. 1977 und 1985 beteiligten sie sich am Coburger Glaspreis für moderne Glasgestaltung in Europa. Ab 1981 hatten sie in Leipzig zusätzlich zum Atelier am Roßplatz ein eigenes Glasstudio am Rosental speziell für kalte Veredelungstechniken (Hüttenglas).

Oelzner war von 1968 bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und ab 1973 Vorsitzender dessen Sektion Kunsthandwerk/Industrieformgestaltung des Bezirks Leipzig. 1981 wurden er und seine Frau mit dem Kunstpreis der Stadt Leipzig geehrt. Beide gehörten „zu den bedeutendsten Gestaltern von Studioglas im deutschen Sprachgebiet.“Jens Uwe Brinkmann im Vorwort des Katalogs der Ausstellung Skulpturen in Glas 1983 im Städtischen Museum Göttingen.

Ab 1988 hielt Oelzner an der Karl-Marx-Universität Leipzig Gastvorlesungen über schöpferische Arbeit. Oelzner war mit seiner Frau auf internationalen Fachkonferenzen und Workshops vertreten, so u. a. 1980 auf dem Glasworkshop der internationalen Konferenz des World Crafts Council in Wien sowie 1982, 1985, 1988 und 1991 als Gastkünstler auf dem internationalen Glassymposium in Frauenau. Er hatte mit seiner Frau im In- und Ausland eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen. Schon 1979 wurden Arbeiten der beiden in Wien in der Ausstellung Glas aus Wien. J. & L. Lobmeyr. Vom Biedermeier bis zur Gegenwart gezeigt. In der DDR waren sie u. a. von 1977 bis 1989 auf der VIII. bis X. Kunstausstellung der DDR in Dresden vertreten.

Da nach der deutschen Wiedervereinigung die Ateliermieten in Leipzig nicht mehr erschwinglich waren, baute Oelzner mit seiner Frau ihr Landhaus in Schmannewitz aus, und sie wohnten dort ab 1991, bis sie 2008 nach Neundorf in Franken zogen, woher Vorfahren Ulrike Oelzners stammten. Dort bauten sie ihre Glaswerkstatt wieder auf. 1992/1993 war Oelzner leitender Metallrestaurator am Museum für Völkerkunde Dresden und 1994/1995 neben seiner freiberuflichen Tätigkeit Dozent für Materialkunde an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig.

Die intensive Arbeit am offenen Feuer hatte bei Oelzner zu einer hohen Schwermetallbelastung geführt. Die sich daraus ergebende lebensbedrohliche Allergie konnten die Ärzte nicht heilen. Deshalb machte er von 1995 bis 2002 eine neurobiologische Ausbildung am Institut für Neurobiologie nach Dr. Klinghardt in Stuttgart, die ihn befähigte, sich von der Allergie zu befreien. Die dabei gewonnenen Einsichten in die Systemwissenschaft der Stoffwechselregulation setzte Oelzner in seine künstlerische Arbeit um. 

Oelzner hatte sich neben seiner beruflichen Tätigkeit schon früh der Fotografie gewidmet, insbesondere den technisch und künstlerisch anspruchsvollen Aufnahmen der eigenen Glasplastiken. Nachdem Ulrike Oelzner 2012 gestorben war, beendete er das Projekt einer eigenen Glashütte und betätigte sich ausschließlich in der künstlerischen Fotografie, wobei er von einem Coburger Fotografen Unterstützung erhielt. Er wandte sich ganz der digitalen Fotografie zu. Dabei legte er besonderen Wert auf den Druck, u. a. indem er hochwertiges Hahnemühle-Bütten als Trägerpapier und japanische Spezialfarben verwendete.

Rezeption

Zur glasgestalterischen Arbeit

Zur Arbeit als Fotograf

Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Thomas und Ulrike Oelzners (unvollständig)

Dresden: Kunstgewerbemuseum Hamburg: Achilles-Stiftung Glasmuseum Hamburg Lauscha: Museum für Glaskunst Lauscha Leipzig: Grassi Museum für Angewandte Kunst

Weitere Werkbeispiele

Altarkreuz (Metall/Glas; Schloßkirche Leipzig-Lützschena; mit Ulrike Oelzner) Vierarmiger Leuchter (1971; Schloßkirche Lützschena) Kosmische Botschaft II (1987; Glas; 32 × 25 cm; mit Ulrike Oelzner; auf der X. Kunstausstellung der DDR)

Ausstellungen seit der deutschen Wiedervereinigung

1993: Göttingen, Städtisches Museum („Skulpturen in Glas“; mit Ulrike Oelzner) 2018: Leipzig, Galerie im Neuen Augustäum („Faszination des Schöpferischen – Arbeiten von Thomas und Rudolf Oelzner“)

Literatur

Fritz Kämpfer, Klaus G. Beyer: Kunsthandwerk im Wandel. Aus dem Schaffen dreier Jahrzehnte in der Deutschen Demokratischen Republik. Verlag der Nation, Berlin, 1984 Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 677/678 Uwe Classen: Glas…Kunst aus Sand und Feuer. Modernes Glas, Studioglas, neues Glas des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Sammlung der Barbara Achilles-Stiftung. Barbara Achilles-Stiftung, Hamburg 2016, 1. Band, ISBN 978-3-00-052963-4, S. 215 ff. Rudolf Hiller von Gaertringen (Hrsg.), Claus Baumann (Text): Thomas Oelzner. Faszination des Schöpferischen. Fotografie. Passage-Verlag, Leipzig 2018

Weblinks

Ulrike & Thomas Oelzner – Achilles-Stiftung

Einzelnachweise

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