mini|Plaque commemorating Sophia Louisa Jex-Blake's Medical School in Teviot Place, Edinburgh Die Edinburgh School of Medicine for Women war eine Bildungseinrichtung für Frauen im 19. Jahrhundert. Sie wurde im Oktober 1886 von Sophia Jex-Blake in Edinburgh, Schottland, gegründet mit der Unterstützung der National Association for Promoting the Medical Education of Women. Jex-Blake wurde sowohl zur Direktorin als auch zur Dekanin der Schule ernannt. Der erste Jahrgang der Edinburgh School of Medicine for Women umfasste acht Studentinnen, von denen die jüngste neunzehn Jahre alt war. Während ihres zwölfjährigen Bestehens kämpfte die Schule mit finanziellen Schwierigkeiten, um ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Eine konkurrierende Einrichtung, das Edinburgh College of Medicine for Women, gegründet von der Scottish Association for the Medical Education of Women, deren führende Mitglieder unter anderem John Inglis, der Vater von Elsie Inglis, waren, zog mehrere Studentinnen von Jex-Blake an, darunter Martha Cadell und Grace Cadell. Auch das St Mungo’s College und das Queen Margaret College in Glasgow nahmen Studentinnen der Medizin auf, und als auch noch die schottischen Universitäten Frauen aufnahmen, konnte die Edinburgh School of Medicine nicht mehr konkurrieren. Die Schule wurde 1898 geschlossen. Während ihrer zwölfjährigen Betriebszeit bildete die Edinburgh School of Medicine etwa achtzig Studentinnen aus. Von diesen achtzig Studentinnen absolvierten 33 das gesamte Medizinstudium an der Edinburgh School, während viele andere ihre Ausbildung an anderen Einrichtungen fortsetzten.
Hintergrund Jex-Blakes erster Schritt auf dem Weg zu einem Medizinstudium war die Bitte an Professor J. J. Balfour, den Dekan der Medizinischen Fakultät, an den Sommerkursen des Medizinischen College der Universität Edinburgh teilzunehmen. Im Anschluss stimmte die Fakultät über Blakes und die zukünftige Zulassung von Frauen zum Medizinstudium ab. Einerseits erhielt sie Unterstützung für ihr Vorhaben, solange Frauen ausschließlich in der Gynäkologie und Geburtshilfe ausgebildet wurden. Andererseits lehnten andere Fakultätsmitglieder ein Medizinstudium für Frauen aufgrund ihrer vermeintlichen intellektuellen Unterlegenheit ab. Einer von ihnen war Robert Christison, welcher der Ansicht war, dass die Zulassung von Frauen die Qualität des Medizinstudiums mindern würde, da Frauen nicht nur weniger intelligent, sondern auch zu “zerbrechlich” seien, um die anspruchsvollen Anforderungen des Berufs zu bewältigen. Trotz des Widerstands gegen Sophia Jex-Blakes Antrag stimmte die Fakultät schließlich für ihre Zulassung zum Studium.
Die Zulassung von Sophia Jex-Blake zum Medizinstudium an der Universität Edinburgh verlief nicht ohne Kontroversen und Unruhe unter den Studierenden. Nachdem Jex-Blake zunächst zum Studium zugelassen worden war, legte Claud Murihead, ein Mitarbeiter des Royal Infirmary, Berufung gegen die Entscheidung ein. Unterstützt von einer Petition mit rund 200 Unterschriften, führte Muriheads Berufung zur Aufhebung der Zulassungsentscheidung. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass Männer und Frauen getrennt ausgebildet werden sollten und die Bereitstellung von Kursen für eine einzelne Studentin daher ineffizient und finanziell nicht zumutbar („unconscionable“) sei.
Der Kampf war damit jedoch noch nicht beendet. Während des Berufungsverfahrens wurde Jex-Blake von David Masson vertreten, einem Freund und Unterstützer ihrer Sache. Masson argumentierte, dass die Kosten für die getrennte Ausbildung von Männern und Frauen durch eine Erhöhung der Studentinnenzahlen kompensiert werden könnten. Mit einer größeren Anzahl weiblicher Medizinstudentinnen hätte die Universität die nötigen Ressourcen, um separate Kurse für Frauen anzubieten, ohne finanzielle Schwierigkeiten zu verursachen. David Russel, Herausgeber der Lokalzeitung „The Scotsman“, war ein Freund von Jex-Blake und veröffentlichte den Artikel über die Zulassungsdebatte sowie Massons Lösungsvorschlag. Inspiriert von Jex-Blake bewarben sich mehr Frauen am Medizinischen College der Universität Edinburgh.
Die “Edinburgh Seven” Nachdem die Universität Edinburgh über ein Jahrzehnt lang Frauen die Zulassung zum Medizinstudium verweigert hatte, nahmen einige Dozenten der Extramural School Frauen in ihre Kurse auf. Die “Edinburgh Seven,” Sophia Jex-Blake, Isabel Thorne, Edith Pechey, Matilda Chaplin, Helen Evans, Mary Anderson und Emily Bovell, waren die ersten Frauen, die 1869 in das medizinische Programm aufgenommen wurden. Die Zulassung zum Programm war jedoch erst der Anfang der Herausforderungen, denen sie sich stellen mussten. Aufgrund der kleineren Kursgrößen zahlten die Edinburgh Seven höhere Gebühren als ihre männlichen Kommilitonen. Obwohl die Universität ihren Dozenten die Erlaubnis erteilt hatte, Frauen zu unterrichten, war dies keine Pflicht. Professoren konnten die Lehre von Studentinnen ablehnen, wenn sie dies für notwendig erachteten. Daher mussten diese Frauen ihre Kurse selbst organisieren, anstatt vom Universitätsprogramm zugewiesene Kurse zu erhalten. Trotz gleichwertiger Kursinhalte und Vorlesungen wurden die reinen Frauenkurse zudem nach einem anderen Bewertungsmaßstab benotet als die Männerkurse. Dies verringerte die Chancen dieser Frauen, sich für Stipendien der Universität zu qualifizieren, die auf akademischen Leistungen und Erfolgen beruhen.
Die Benotungspolitik und die eingeschränkten Vorlesungs- und Ausbildungsmöglichkeiten waren nicht die einzigen Herausforderungen, mit denen diese Frauen konfrontiert waren. Die männlichen Studenten der Universität waren mit der Entscheidung der Hochschule, Frauen zum Studiengang zuzulassen, unzufrieden. Infolgedessen zeigten sie aggressives Verhalten und belästigten ihre Kommilitoninnen auf dem Campus. Die Spannungen zwischen den Studenten eskalierten zu Gewalt, und schließlich kam es zu einem Aufruhr. Als die Frauen zu einer Anatomieprüfung erschienen, wurden sie von protestierenden männlichen Studenten mit Schlamm beworfen. Der Aufruhr wurde von lokalen Zeitungen öffentlich gemacht, was die öffentliche Unterstützung für die Notlage der Studentinnen stärkte. Die Gewalt hatte jedoch an der Universität Angst ausgelöst und dazu geführt, dass die Entscheidung, Frauen die Teilnahme am Medizinstudium zu ermöglichen, überdacht wurde. Die Universität beschloss, die Zulassung der Frauen zu widerrufen, und sie wurden mitten im Studium vom Studiengang ausgeschlossen. 1874 gründete sich dann, auch unter Mithilfe von Jex-Blake die London School of Medicine for Women.
Gründung der eigenen Schule Da sich die Möglichkeit einer medizinischen Ausbildung für Frauen in Edinburgh und darüber hinaus zunehmend verbesserte, beschloss Jex-Blake, eine eigene medizinische Ausbildung für Studentinnen zu gründen. Jex-Blakes erster Schritt bestand darin, die National Association for Promoting the Medical Education of Women (NAPEW) über ihren Wunsch zu informieren, eine Schule zu eröffnen, die ausschließlich Frauen eine medizinische Ausbildung anbieten sollte. Bevor die NAPEW ihr jedoch die Genehmigung erteilte, begann Jex-Blake, potenzielle Studentinnen anzusprechen und ihr Studienprogramm bekannt zu machen. Sophia Jex-Blake wollte mit ihrer Einrichtung vor allem die lokale Bevölkerung in Edinburgh erreichen. Daher berücksichtigte sie die Kosten für Unterkunft und Verpflegung nicht in den veranschlagten Studien- und Bücherkosten, da sie davon ausging, dass die meisten Studentinnen in Edinburgh und Umgebung wohnen und bei ihren Eltern leben würden.
Geschichte Zehn Jahre waren vergangen, seit die ersten Ärztinnen in Großbritannien die Approbation erhalten hatten, und weitere sechs Jahre sollten vergehen, bis schottische Universitäten Studentinnen zuließen. Jex-Blake hatte in Edinburgh sowohl Freunde als auch Gegner aus ihrer früheren, erfolglosen Kampagne, die Universität Edinburgh zur Ausbildung von Frauen im Medizinstudium zu bewegen. Die Vorlesungen fanden in den Räumlichkeiten der Fakultät am Surgeons’ Square statt. Die Royal Infirmary, das wichtigste Lehrkrankenhaus, verweigerte Studentinnen weiterhin die Zulassung. Es argumentierte, dass die besonderen Vorkehrungen für die Studentinnen eine unzumutbare Belastung für das Krankenhauspersonal darstellen würden, da es der Hauptort für die klinischen Praktika der männlichen Studenten sei. Daher war Jex-Blake gezwungen, eine andere Einrichtung für die Ausbildung ihrer Studentinnen zu suchen und organisierte schließlich deren klinische Ausbildung im Leith Hospital.
Schließung Jex-Blakes kompromissloser Disziplinarstil führte zu Problemen. Sie setzte die Regeln streng durch und hatte hohe Erwartungen an ihre Studentinnen. Sie etablierte strenge Verhaltensrichtlinien für Vorlesungen, Prüfungen und die Ausbildung im Krankenhaus. Die akademischen Anforderungen, die Jex-Blake an ihre Studentinnen stellte, und ihr disziplinarisches Auftreten erzeugten Spannungen zwischen ihr und den Studentinnen. Diese Spannungen eskalierten, als Jex-Blake zwei Studentinnen ohne triftigen Grund von der Schule verwies. Nachdem die beiden Schwestern – Ina (Martha Georgina) und Grace Cadell – den Prozess gegen ihren Ausschluss gewonnen hatten, führte die negative Berichterstattung dazu, dass sowohl die Schule als auch Jex-Blake selbst an Unterstützung verloren. Einige Studentinnen zogen nach Glasgow, London und Dublin; die einzigen anderen Orte in Großbritannien und Irland, an denen Frauen damals Medizin studieren konnten.
Ina und Grace Cadell verließen die Schule zusammen mit Elsie Inglis, deren Vater John Inglis ein führendes Mitglied des Vereins war, der in der Nähe eine alternative medizinische Hochschule für Frauen gründete: das Edinburgh College of Medicine for Women. Auch Jex-Blake wollte sich dort engagieren, stieß aber auf Widerstand, während sich ihre Beziehungen zum Leith Hospital zunehmend verschlechterten. Den Studentinnen wurde bald gestattet, im Edinburgh Royal Infirmary praktische Erfahrungen zu sammeln.
1892 öffneten die schottischen Universitäten ihre Pforten für Frauen. Die ESMW bestand noch einige Jahre weiter und warb um Studentinnen.
Die Schule hatte stets mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Jex-Blake beantragte Stipendien zur Unterstützung der Einrichtung, und die National Association for the Promoting of Medical Education for Women sowie einige Missionsorganisationen halfen bei der Finanzierung. Der Wettbewerb mit dem von Inglis und den Cadell-Schwestern gegründeten College of Medicine war jedoch hart, und 1897 litt Jex-Blake selbst unter Erschöpfung. Im folgenden Jahr wurde die Schule geschlossen, nachdem sie etwa 80 Frauen aus Großbritannien, Indien und anderen Ländern ausgebildet hatte, von denen 33 den gesamten Studiengang absolvierten.
Jessie Macgregor gehörte zu denjenigen, die den gesamten Studiengang absolvierten und ihre Prüfungen mit Auszeichnung abschlossen. Viele Jahre lang praktizierte sie gemeinsam mit Elsie Inglis als Ärztin und war später als Oberärztin am Edinburgh Hospital and Dispensary for Women and Children (Bruntsfield Hospital) tätig.
Persönlichkeiten Dozenten John William Ballantyne, Geburtshelfer 1890–1916
Studentinnen Margaret Ida Balfour: Doktorin und Kämpferin für Frauengesundheit in Indien Mona Chalmers Watson: erste Frau die mit einem M.D. an der University of Edinburgh graduierte; erste Chief Controller des Women’s Army Auxiliary Corps Jessie MacLaren MacGregor: zweite M.D. der University of Edinburgh; zusammen mit Elsie Inglis Gründerin der Muir Hall of Residence for Women Students in Edinburgh und des Hospice Annie Wardlaw Jagannadham: erste indische Frau die für den Arztberuf in Schottland zugelassen wurde
Einzelnachweise
Literatur The Oxford Dictionary of National Biography 2006.
Weblinks Somerville, JM Dr Sophia Jex-Blake and the Edinburgh School of Medicine for Women, 1886–1898 (2005). rcpe.ac.uk Archivlink The Scotsman. archive.scotsman.com