My Foolish Heart ist ein Musikalbum von Ralph Towner. Die im Februar 2016 im Auditorio Stelio Molo der Radiotelevisione Svizzera in Lugano entstandenen Aufnahmen erschienen 2017 auf ECM Records.
Hintergrund Nachdem sich der Gitarrist Ralph Towner in den 2010er-Jahren auf kleine Besetzungen konzentriert hatte – darunter das Trio mit Wolfgang Muthspiel und Slava Grigoryan (Travel Guide) – und 2016 sogar mit dem argentinischen Ensemble Aires Tango für das Album Duende zusammengearbeitet hatte, kehrte er mit seinem Album My Foolish Heart zum Solo-Gitarren-Format zurück. Das Album besteht ausschließlich aus klassisch angehauchten Eigenkompositionen von Towner, abgesehen von der Interpretation des Titelstücks „My Foolish Heart“ von Victor Young und Ned Washington. Es handelte sich um Towners sechstes Soloalbum seit Diary (1973).
Die Titelauswahl umfasst einige Klassiker aus Towners frühen Tagen mit Oregon und eine subtil verschlungene, spanisch angehauchte Hommage („Blue As in Bley“) an seinen guten Freund Paul Bley, der zwei Wochen vor der Aufnahmesession verstorben war.
Titelliste Ralph Towner: My Foolish Heart (ECM Records ECM 2516, ECM Records 571 4582) Pilgrim 4:31 I’ll Sing to You 4:32 Saunter 5:01 My Foolish Heart (Ned Washington, Victor Young) 3:51 Dolomiti Dance 4:24 Clarion Call 4:40 Two Poets 2:04 Shard 0:54 Ubi Sunt 1:20 Biding Time 1:29 Blue As in Bley 3:53 Rewind 3:43
Wenn nicht anders vermerkt, stammen die Kompositionen von Ralph Towner.
Rezeption Matt Collar verlieh dem Album in Allmusic vier Sterne und schrieb, My Foolish Heart sei eine virtuose und zugleich intime Session. Auf früheren Soloalben wie Diary (1973) und dem stimmungsvollen Blue Sun (1982) habe Towner gekonnt den Einsatz von Overdubs genutzt, um seine atmosphärischen Harmonien zu erzeugen. Hier, unter der Regie des Produzenten Manfred Eicher, bevorzuge er den Minimalismus und spiele einfach seine holzigen, akustischen Konzert- und zwölfsaitigen Gitarren in ein Mikrofon. Dennoch würde es hier Momente wie das unheilvolle „Clarion Call“ geben, in dem Towner erstaunlicherweise wie zwei Musiker im Duett klinge, dessen Bassfiguren sich mit seinen kristallklaren Höhen verweben. Letztendlich sei es Towners immenses Talent, solch romantischen Dramen wie das melancholische „I’ll Sing to You“ darzustellen, das My Foolish Heart zu einem so eindringlichen Hörerlebnis mache.
Nach Ansicht von Geno Thackara, der das Album in All About Jazz rezensierte, würde wie schon sein vorheriges Soloalbum Time Line (ECM, 2006) auch dieses Werk das gesamte Spektrum seiner Einflüsse abdecken (z. B. Klassik, spanische Musik, Folk und jene schwer fassbare Kategorie, die man fälschlicherweise als „Weltmusik“ bezeichne), mit einem kurzen Ausflug in die Geschichte des Jazz. Das Titelstück repräsentiere seine Wurzeln, sei aber keine Sammlung „alter Bekannter“; er sei sogar das einzige Stück, das nicht von Towner stammt. Er würde vielmehr als thematischer Bezugspunkt für den Rest des Programms dienen, mit dem er, wie er selbst sagt, „das Gefühl, in einem so ehrfurchtgebietenden musikalischen Raum zu sein“, wiedergeben wollte, als ihn das Lied zum ersten Mal tief berührte.
Niemand würde die sechs und zwölf Saiten so wie Ralph Towner spielen, meint Hans-Jürgen Schaal in Jazz thing. Das habe viel mit seinem persönlichen Entwicklungsweg zu tun: „swingendes Jazzpiano, klassische Gitarre, World-Sounds“. Aus der Verschmelzung dieser Einflüsse sei dieser ganz eigene Gitarrenstil entstanden, den man am dichtesten und konzentriertesten hören könne, wenn er als unbegleiteter Solist agiere. Towners Spiel habe nie entschlossener, seine Vision nie kraftvoller, seine Haltung nie positiver geklungen. Der einzige Standard im Programm sei eine zeitlose Verbeugung vor dem Bill-Evans-Trio.
Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Ralph Towner Kategorie:Album 2017