Die Schlacht bei Les Avins fand am 20. Mai 1635 vor der Stadt Les Avins in der Nähe von Huy im heutigen Belgien, damals Teil des Hochstifts Lüttich, statt. Es handelte sich hierbei um das erste größere Zusammentreffen des französisch-spanischen Krieges, der wiederum Teil des Dreißigjährigen Krieges wurde.

Vor 1635 hatte Frankreich die Niederländische Republik in ihrem Unabhängigkeitskrieg gegen das habsburgische Spanien nur finanziell und diplomatisch unterstützt und hielt sich von einer direkten Beteiligung fern. Im Februar 1635 einigte sich Frankreich mit den Niederlanden jedoch auf eine Aufteilung der Spanischen Niederlande, und nach einer formellen Kriegserklärung an Spanien marschierte im Mai eine französische Armee von 27.000 Mann in Lüttich ein.

Mit der Absicht, sich bei Maastricht mit den Niederländern zu vereinigen und Löwen anzugreifen, stießen sie außerhalb von Les Avins auf eine spanische Streitmacht von etwa 16.000 Mann. Die Franzosen führten eine Reihe von Frontalangriffen durch, überrannten schließlich die spanischen Stellungen und zwangen sie zum Rückzug.

Hintergrund Das Europa des 17. Jahrhunderts war beherrscht vom Kampf um die Vormachtstellung zwischen den französischen Bourbonen und den in Spanien und dem Heiligen Römischen Reich herrschenden Habsburgern. Der Historikerin Cicely Veronica Wedgwood zufolge waren der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) und der Achtzigjährige Krieg (1568–1648) Teil eines umfassenderen, andauernden europäischen Machtkampfes, in dessen Zentrum der Habsburg-Bourbonen-Konflikt stand. Diese Sichtweise wird heute von modernen Historikern weitgehend anerkannt und macht den Französisch-Spanischen Krieg zu einem damit zusammenhängenden Konflikt, der für das Verständnis der strategischen Ziele unerlässlich ist.N.M. Sutherland: The Origins of the Thirty Years War and the Structure of European Politics, English Historical Review 107, 1992, S. 588ff. Habsburgische Territorien in den Spanischen Niederlanden, der Franche-Comté und die Pyrenäen verhinderten eine weitere französische Expansion und waren so ein lohnenswertes und leichtes Ziel für eine Invasion. Da Frankreich zwischen 1622 und 1630 durch die Hugenottenaufstände gebunden war, wurde nach Wegen gesucht, um die Habsburger ohne direkte Konfrontation zu schwächen, um einen direkten Angriff vorzubereiten.J. Michael Hayden: Continuity in the France of Henry IV and Louis XIII: French Foreign Policy, 1598–1615, in The Journal of Modern History, 45. Jahrgang, 1973, S. 1–23 (englisch). So unterstützten die Franzosen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Niederländer gegen Spanien und leisteten dem schwedischen Reich finanzielle Hilfe, als Gustav II. Adolf 1630 begann, sich im Heiligen Römischen Reich zu engagieren und in Pommern einfiel.C. V. Wedgwood: The Thirty Years War, New York 1938 (englisch).

lang=de|mini|links|Die Hauptkampfhandlungen fanden entlang der Spanischen Straße, die für die Nachschubwege der spanischen Truppen in Flandern maßgeblich war, statt. Violett: spanische Dependancen Grün: von Österreich kontrolliert Orange: von Spanien kontrolliert Als die Kampfhandlungen in den Niederlanden nach dem Zwölfjährigen Waffenstillstand 1621 wieder aufgenommen wurden, erzielten die Spanier anfänglich noch einige Erfolge, befanden sich aber bis 1633 schon auf dem Rückzug. Die einflussreiche Amsterdamer Kaufmannschaft sah darin eine Chance, den Krieg zu für sie günstigen Bedingungen zu beenden, und obwohl die Verhandlungen ergebnislos blieben, gewann die niederländische Friedenspartei an Gewicht.Jonathan Israel: Spain in the Low Countries, (1635-1643) in Spain, Europe and the Atlantic: Essays in Honour of John H. Elliott, Cambridge University Press, 1995. ISBN 978-0-521-47045-2, S. 521–523 (englisch). Gleichzeitig zwang die Niederlage bei Nördlingen im September 1634 die Schweden zum Rückzug, während die meisten ihrer deutschen Verbündeter nach dem Prager Frieden 1635 aus dem Krieg ausschieden.Bill Knox: The 1635 Treaty of Prague; a failed settlement? in Spencer Tucker (Hrsg.): Enduring Controversies in Military History, Volume I: Critical Analyses and Context, Greenwood Press 2017, ISBN 978-1-4408-4119-4, S. 182–183 (englisch).

Besorgt über die Aussicht, dass die Habsburger nun einen für das Reich und die Niederlande günstigen Frieden schließen könnten, entschlossen sich Ludwig XIII. und sein Erster Minister Kardinal Richelieu zur direkten Intervention. Im Februar 1635 unterzeichneten sie einen Bündnispakt mit den Niederländern, in dem sie der Teilung der Spanischen Niederlande zustimmten. Diesem Pakt folgte im April 1635 mit dem Vertrag von Compiègne der Friede mit Schweden, um Kräfte freizubekommen.Anton Poot: Crucial years in Anglo-Dutch relations (1625–1642): the political and diplomatic contacts, Uitgeverij Verloren 2013, ISBN 978-90-8704-380-3, S. 120–122 (englisch).

Der Großteil der Kämpfe fand an der Spanischen Straße statt, der Hauptversorgungsroute zwischen den spanischen Besitzungen von Norditalien bis nach Flandern. Nach 1601 wurde hier zwar kaum noch Soldaten bewegt, doch blieb die Route eminent wichtig für den Gütertransport. Dabei führte die Straße durch Gebiete, die für die Sicherheit der französischen Gebiete entscheidend waren. Zu Beginn des Jahres 1635 hatte Frankreich insgesamt etwa 100.000 Mann unter Waffen, darunter die 27.000 Mann unter dem Befehl von Urbain de Maillé in der Picardie sowie weitere Armeen in der Champagne, Lothringen, dem Département de la Sarre sowie im Veltlin.Stephane Thion: French Armies of the Thirty Years War (Soldiers of the Past). Histoire et Collections 2013, ISBN 978-2-917747-01-8, S. 20 (englisch). Die Truppenpräsenz ermöglichte es den Franzosen, die Spanische Straße an zahlreichen Stellen zu bedrohen; allerdings zeigte sich im Feldzug von 1635, dass die französische Nachschublogistik eine derart große Zahl an Soldaten nicht versorgen konnte, während das Vorgehen zwischen den einzelnen Kriegsschauplätzen auch wenig koordiniert war.Charles Wilson: Transformation of Europe, 1558-1648. Littlehampton Book Services 1976; ISBN 978-0-297-77015-2, S. 259 (englisch).

Schlacht Im Mai erklärte Ludwig XIII. Spanien den Krieg mit der Begründung, er reagiere auf ein Hilfegesuch von Philipp Christoph von Sötern, dem Kurfürsten von Trier, dessen Territorien ein wichtiger Teil der Spanischen Straße waren und von spanischen Truppen besetzt worden waren.Anna Maria Forsberg: Story of War: Church & Propaganda in France & Sweden in 1610–1710, Nordic Academic Press 2016, ISBN 978-91-88168-66-5, S. 73 (englisch) Die Franzosen drangen am Ende der Spanischen Straße mit zwei Divisionen, eine unter dem Kommando von Maillé-Brézé und die andere unter Châtillon, in das Hochstift Lüttich ein. Damit verfolgten sie den Zweck, sich mit den niederländischen Truppen, die unter dem Befehl von Friedrich Heinrich von Oranien bei Maastricht stationiert waren, zu verbinden und sodann Löwen anzugreifen. Außerhalb von Les Avins trafen die Franzosen jedoch vorher auf eine spanische Streitkraft mit einer Mannstärke von etwa 16.000 Mann unter dem Befehl von Thomas Franz von Savoyen-Carignan und dessen Stellvertretern, Karl Albert de Longueval und dem Grafen Feria.Hardÿ de Périni: Batailles françaises, Band 3, Ernest Flammarion 1896 (französisch), S. 177ff.

Den Spaniern war befohlen worden, lediglich als Sperrverband zu agieren,William Guthrie: The Later Thirty Years War: From the Battle of Wittstock to the Treaty of Westphalia, Greenwood Press 2003, ISBN 0-313-32408-5, S. 190. doch Carignano ließ sich in eine Schlacht gegen die größere französische Armee verwickeln. Denn obwohl die spanischen Kräfte zahlenmäßig unterlegen waren, hatten sie den Vorteil der Stellung und höherer Kampferfahrung auf ihrer Seite. Zudem war die Infanterie vorteilhaft hinter Hecken geschützt und die Artillerie hatte freies Schussfeld auf die sich nähernden Franzosen. Im französischen Lager wurde darüber beraten, ob besser zum Angriff oder Rückzug geblasen werden solle, bevor die Entscheidung getroffen wurde, dass ein Rückzug hier gefährlicher sei. Der französische Artilleriekommandant Charles de La Porte ließ seine Kanonen so in Stellung bringen, dass er den Vormarsch der Franzosen mit Unterstützungsfeuer decken konnte; Châtillon und Maillé-Brézé stellten ihre Truppen in Standardformation auf, also mit der Infanterie im Zentrum und der Kavallerie an den Flügeln, bevor sie einen Frontalangriff starteten.

Auf der rechten Flanke wurde Maillé-Brézé unter schweren Verlusten zunächst zurückgeschlagen, bevor er sich sammeln und erneut angreifen konnte. Auf der linken Flanke und im Zentrum griff Châtillon mit 4.000 Mann die spanische Artillerie an und konnte die Stellungen schließlich durch die schiere Masse seiner Männer überrennen. Unter dem Eindruck dessen griff nun auch die französische Reserve mit einer Stärke von 5.000 Mann in den Kampf ein. Carignano hielt diese Männer für eine weitere Armee und befahl einen vollständigen Rückzug. In dieser Schlachtphase erlitten die Spanier schwere Verluste: sie werden auf 4000 bis 5000 Mann geschätzt, unter den Gefangenen befand sich ein Neffe des heilig-römischen Kaisers, Ferdinand Karl von Österreich und der Graf Feria. Die französischen Verluste betrugen etwa 3000 Mann und ereigneten sich im Wesentlichen während ihres Angriffs.

Nachspiel mini|links|Urbain de Maillé-Brezé (1597–1650), der französische Kommandant Die Nachricht vom Sieg wurde in Paris mit Begeisterung aufgenommen und ließ eine unrealistische Euphorie für den Ausgang der kompletten Kampagne aufkommen. Allerdings kam es auch zu Spannungen innerhalb der französischen Armeeführung, da Châtillon behauptete, er sei ins Abseits gedrängt worden, damit Maillé-Brézé den Ruhm einheimsen könne.David Parrott: Richelieu's Army: War, Government and Society in France, 1624–1642. Cambridge University Press, 2001, ISBN 978-0-521-79209-7 (englisch).

Nachdem die Verbindung mit den Niederländern gelungen war betrug die Gesamtstärke der Streitkraft etwa 45.000 Mann. Friedrich Heinrich von Oranien bestand indes darauf, Tienen einzunehmen, obwohl dem nur geringer strategischer Wert zukam. Ferdinand von Spanien, der Gouverneur der Spanischen Niederlande, zog sich mit seinen Männern nach Löwen zurück und hinterließ in Tienen eine Garnison von 1200 Mann. Nach der Einnahme von Tienen am 10. Juni wurde die Stadt geplündert, mehr als 200 Zivilisten getötet, zahlreiche Gebäude zerstört, darunter katholische Kirchen und Stifte. Diese Gräueltaten untergruben die Bemühungen, die hauptsächlich katholische Bevölkerung der südlichen Niederlande für Unabhängigkeitsbestrebungen zu gewinnen und war insbesondere für Richelieu als Kardinal der katholischen Kirche peinlich.Randall Lasaffer: Siege Warfare and the Early Modern Laws of War, Tilburg Working Paper Series on Jurisprudence and Legal History 2006 (englisch).

Bis zur Etablierung der Eisenbahn im 19. Jahrhundert war der Wasserweg das Haupttransportmittel für Güter. So war die Einnahme von Löwen an der Dijle essentiell für das weitere Vordringen der Offensive nach Brabant. Am 24. Juni wurde daher die Belagerung von Löwen begonnen. Die durch Desertionen, Krankheiten und Nahrungsmangel dezimierte französische Belagerungstruppe wurde aber bald von einer spanischen Entsatzarmee vertrieben.

Literatur

Einzelnachweise

Les Avins Les Avins Kategorie:Konflikt 1635 Kategorie:Spanische Niederlande