Marta Margnetti (* 21. Januar 1989 in Mendrisio) ist eine Schweizer Künstlerin, deren Arbeit sich zwischen angewandter Kunst und Handwerk bewegt.
Leben Marta Margnetti absolvierte 2012 einen Bachelor in Bildender Kunst an der Genfer Hochschule für Kunst und Design in Genf. 2016 folgte ein Master in Praxis der zeitgenössischen Kunst an der Hochschule der Künste Bern. Von 2013 bis 2018 war Margnetti Mitgründerin und Co-Direktorin der Galerie Sonnenstube in Lugano. Seit 2018 ist sie Co-Direktorin des unabhängigen Spazio Morel Lugano. Margnetti lebt und arbeitet in Lugano.
Werk Margnettis Werk besteht aus Skulpturen, Drucktechniken, Performance und Installationen. Ihre Arbeiten stehen in Beziehung zur umgebenden Architektur und treten mit ihr und den Betrachtenden in Interaktion. Charakteristisch für ihr Werk ist eine modulare, dem Minimalismus nahestehende Formensprache, deren Geometrie in ein Spannungsfeld zu den manuellen Eingriffen der Künstlerin tritt, die von den Betrachtenden als kleine zufällige Unregelmäßigkeiten wahrgenommen werden.
Margnetti arbeitet mit zahlreichen Materialien und Texturen. Glasierte Keramik, traditionelle Materialien aus der Bauindustrie wie Beton, Eisen, Bronze oder Holz, filigrane Bronzen, raumgreifende Soundarbeiten und gefundene Objekte ziehen sich durch ihr Werk.
Margnettis Skulpturen sind oft zweidimensional. Um die Strenge ihrer Strukturen auszugleichen, setzt Margnetti kleine Details wie Seife, Wachs, getrocknete Blumen, flackernde Kerzen, Magnete, Radierungen, Knoten, Glasscherben und Staub ein, um ein Gleichgewicht zwischen Stabilität und flüchtigen Details herzustellen.
Selfportrait with mom (2024) Bei diesem Werk handelt es sich um ein digitalisiertes analoges Video von 5:49 Minuten, das in einer Schleife abgespielt wird. Es ist eine persönliche Klangarbeit, deren Grundlage ein Gespräch der Künstlerin mit ihrer Mutter ist. Auf der Grundlage familiärer Erinnerungen untersucht Margnetti die Selbst- und Weltbilder der Frauen ihrer Familie. Dabei greift sie auf gesammelte Fragmente wie Klänge, Stimmungen und Erinnerungen zurück, die sie in unterschiedlichen materiellen Elementen zusammenführt. So werden sowohl die visuell erfahrbare Umgebung des familiären Alltags als auch immaterielle Räume von Erinnerung und Imagination thematisiert.
Le invisibili (woven) (2025) Bei diesem suggestiven Bild handelt es sich um einen Prägedruck, der ohne Farbauftrag durch Blindprägung auf einer mit salzhaltigem Ätzmittel gravierten Zinkplatte und handgeschöpftem Baumwoll- und Leinenpapier realisiert wurde. Die angewandte Technik hebt die Oberflächenstruktur des handgeschöpften Baumwoll- und Leinenpapiers hervor und macht Details durch das Zusammenspiel von Licht und Schatten sichtbar. Im Zentrum der Komposition sind zwei kleine Hände mit einem Geflecht aus Spinnweben und botanischen Motiven verschränkt. Das Bild thematisiert die Verbindung von Natur und privatem Erfahrungsraum. In Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Post entstand auf Grundlage dieses Werks eine künstlerische Briefmarkenedition, die auf die Wahrnehmung von Artenvielfalt und auf sonst verborgene Aspekte der Umwelt aufmerksam machen soll.
Weitere Werke (Auswahl)
2020: Love so deeply, Ätzung auf Eisen, Keramik, Fliesenkleber, Lack 2020: Ritornello, Ready-made, Monotypie und Kaltnadelradierung auf Baumwollpapier, Keramik und Umweltdimensionen 2020: Interno arredato, Eisen, Keramik, Graphit, Fliesenkleber, Farbe, LED-Leuchten, Glas und Spiegel, Kokosnuss, Kupferdraht, Pappe, Zement und Umweltdimensionen 2020: La testo fuori il corpo dentro, Eisen, Edelstahl, Holz, Fliesenkleber, Farbe, Magnete, getrocknete Wildblumen und Blätter, Latex, Kupfer- und Eisendraht, Lack, Silber, Seil und Umweltdimensionen 2020: Coro ft. Dizzy Davis 2020: Foto Studio 2023: Formicolio I, Formicolio II, Formicolio III 2023: Gelosie (parete) 2023: Homeplace placeholder 2024: Wisteria Drops
Gruppenausstellungen
2016: Che c'è di nuovo? Uno sguardo sulla scena artistica emergente in Ticino, Museo d’Arte della Svizzera italiana, Lugano 2017: 30. XIII Giovane arte svizzera, Museo d’Arte della Svizzera italiana, Lugano 2017–18: Under 30. Giovane arte svizzera. Premio Kiefer Hablitzel, XIII edizione. Junge Schweizer Kunst. Kiefer Hablitzel Preis 2017, XIII Edition, Ex Macello, Lugano 2018: Beehave, Kunsthaus Baselland, Basel 2018: On the Road – 10 Jahre CARAVAN, Aargauer Kunsthaus, Aarau 2018: New Swiss Performance Now, Kunsthalle Basel, Basel 2020: Da ieri a oggi, Museo d’arte Mendrisio, Mendrisio 2021: Abitare, Galleria Daniele Agostini, Lugano 2021: Maude Léonard-Contant, Marta Margnetti. Knuckles Down, Mayday, Basel 2021: Môtiers 2021. Art en plein air, Môtiers 2022: Anabasi Catabasi, Photobastei, Zürich 2022: Lateral Roma, Rom 2022: Sweet Dreams Foundation, Nida Art Colony of the Vilnius Academy of Arts, Neringa 2023: From the side, Galleria Daniele Agostini, Lugano 2023: Swiss Art Awards 2023, Messe Basel, Basel 2025: Marta Margnetti, Shirin Yousefi. Duetto à mi voix, Villa Bernasconi, Grand-Lancy
Einzelausstellungen
2019: Marta Margnetti. Se Q allora P, Galleria Daniele Agostini, Lugano 2019: Marta Margnetti, Galerie Lange + Pult, Zürich 2020–21: Marta Margnetti und plötzlich von einer Kraft geschüttelt / Marta Margnetti. E improvvisamente scossa da una forza. Ausstellung im Rahmen des Manor Preis Ticino, Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano 2023: Afterglow, Galleria Daniele Agostini, Lugano 2024: Serenate – Marta Margnetti, Kunsthalle St. Gallen, St. Gallen. In dieser Ausstellung setzt sich Margnetti mit der eigenen Familiengeschichte auseinander.
Preise und Auszeichnungen
2017: Preis der Kiefer Hablitzel Stiftung 2018: Artist in Residence, The Blank Residency, Bergamo 2018: Artist in Residence, Urgent Paradise, Lausanne 2018: Artist in Residence, Progetto 6000 + Message Salon Embassy, Zürich 2020: Gewinnerin des Manor Kunstpreises 2022: Artist in Residence, Istituto Svizzero, Rom
Werke in öffentlichen Sammlungen Julius Baer Art Collection Aargauer Kunsthaus, Aarau Museo d’arte Mendrisio, Mendrisio Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano Bundesamt für Kultur, Bern
Weblinks Marta Margnetti al MASI. Radiotelevisione Svizzera vom 16. Dezember 2020
Einzelnachweise
Kategorie:Künstler (Schweiz) Kategorie:Galerist Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1989 Kategorie:Frau