mini|Mette Frederiksen mit Donald Trump (2019)
Die Beziehungen zwischen Dänemark und den Vereinigten Staaten sind das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen dem Königreich Dänemark und den Vereinigten Staaten. Beide Länder unterhalten seit dem Ende des 18. Jahrhunderts diplomatische Kontakte. Während des Ersten Weltkriegs verkaufte Dänemark seine karibischen Überseegebiete an die USA und während des Zweiten Weltkriegs verpachtete es ab 1941 für die Dauer des Krieges Grönland an die Amerikaner, welche dort militärische Anlagen errichteten, die in einigen Fällen bis heute betrieben werden. Nach dem Ende des Kriegs trat Dänemark 1949 als Gründungsmitglied den NATO bei und war seitdem einer der engsten Verbündeten der USA in Westeuropa. Unter Donald Trump kam es in den 2010er und 2020er Jahre allerdings zu verstärkten Spannungen zwischen beiden Ländern aufgrund der amerikanischen Ansprüche auf Grönland, die sich bis auf das 19. Jahrhundert zurückverfolgen lassen.
Geschichte Frühe Kontakte Die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Königreich Dänemark und den Vereinigten Staaten begannen kurz nach der Unabhängigkeit der USA. Dänemark erkannte die Vereinigten Staaten am 9. Juni 1792 formell an, als der amerikanische Konsul in Kopenhagen, Hans Saabye, seine Zulassung von der dänischen Regierung erhielt. Am 12. Oktober 1801 erhielt der erste dänische Gesandte offiziell seine Akkreditierung in Washington, D.C., womit beidseitige diplomatische Beziehungen etabliert wurden. Damit gehört das dänisch-amerikanische Verhältnis zu den am längsten ununterbrochen bestehenden diplomatischen Beziehungen weltweit. Frühzeitige Handelskontakte bestanden im 18. und 19. Jahrhundert vor allem im Seehandel. Während der Napoleonischen Kriege kam es zu vereinzelten Konflikten, als dänische Behörden amerikanische Handelsschiffe beschlagnahmten. Offene Fragen wurden jedoch in den folgenden Jahrzehnten durch diplomatische Verhandlungen einvernehmlich gelöst – etwa in einem Abkommen von 1830, das amerikanische Entschädigungsansprüche regelte. Im Sezessionskrieg verhielt sich Dänemark neutral.
Bereits im 19. Jahrhundert entstanden enge personelle und kulturelle Verbindungen zwischen beiden Ländern. So wanderten ab den 1850er Jahren zahlreiche Dänen auf der Suche nach einer besseren Zukunft in die Vereinigten Staaten aus. Zwischen 1870 und 1930 verließen über 300.000 Dänen ihre Heimat und siedelten sich in den USA an. Viele ließen sich im Mittleren Westen nieder und prägten dort Gemeinden durch Landwirtschaft und Handwerk. Diese Auswanderungswelle begründete eine dänischstämmige Gemeinschaft in Amerika, die bis heute besteht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts intensivierten sich auch die politischen Kontakte: Die USA zeigten Interesse an den damals dänischen Kolonialgebieten in der Karibik (Dänisch-Westindien). 1867 wurde ein erster Kaufvertrag über die Inseln St. Thomas und St. John ausgehandelt, scheiterte jedoch an der Ratifizierung. Ein erneuter Anlauf im Jahr 1902 wurde vom dänischen Parlament abgelehnt. Kurz vor dem Kauf Alaskas versuchten die USA zudem auch Island und Grönland von Dänemark zu erwerben.
20. Jahrhundert mini|Rechnung für den Kauf von Dänisch-Westindien in Höhe von 25 Millionen US-Dollar (1917)
Während des Ersten Weltkriegs einigten sich beide Staaten schließlich auf einen Gebietstransfer in der Karibik. Am 31. März 1917 verkaufte Dänemark seine Besitzungen in der Karibik (die heutigen Amerikanischen Jungferninseln) für 25 Millionen Dollar in Gold an die Vereinigten Staaten. Dieses Abkommen beseitigte einen möglichen Streitpunkt und vertiefte die Zusammenarbeit. Dänemark blieb im Ersten Weltkrieg neutral, pflegte aber gute Beziehungen zu den USA. Auch in der Zwischenkriegszeit blieben die Beziehungen freundlich. Im April 1940 wurde Dänemark von den Truppen des nationalsozialistischen Deutschlands besetzt, wodurch die direkte Kommunikation mit den USA unterbrochen wurde. Die dänische Regierung verblieb zunächst im Amt, konnte jedoch nur eingeschränkt agieren und wurde 1943 vollständig entmachtet. Die Vereinigten Staaten betrachteten das besetzte Dänemark weiterhin als befreundete Nation und knüpften Kontakte zu dänischen Vertretern im Exil. Von großer strategischer Bedeutung war insbesondere Grönland, ein Teil des dänischen Gesamtstaats. Washington fürchtete, das Deutsche Reich könne Grönland militärisch nutzen, da die Insel im Nordatlantik einen Brückenkopf in Richtung Nordamerika darstellte.
In Abwesenheit der handlungsunfähigen dänischen Regierung handelte der dänische Botschafter in Washington, Henrik Kauffmann, eigenmächtig ein Abkommen mit den USA aus: Am 9. April 1941 unterzeichnete Kauffmann ein Abkommen, das den Amerikanern weitreichende Rechte einräumte, militärische Einrichtungen auf Grönland zu errichten. Dieses außergewöhnliche Abkommen galt so lange, wie eine Gefahr für den amerikanischen Kontinent bestand, und respektierte formal die dänische Souveränität über Grönland. In der Folge errichteten die USA während des Zweiten Weltkriegs auf Grönland zahlreiche Militärstützpunkte (insgesamt 17 Anlagen bis 1945) zur Wetterbeobachtung, U-Boot-Abwehr und Luftüberwachung. Die wichtigste Basis entstand bei Thule im Nordwesten Grönlands und ist bis heute in Betrieb. Nach der Befreiung Dänemarks im Mai 1945 ratifizierte das wiederhergestellte dänische Parlament das Kauffmann-Abkommen vom 1941 nachträglich, wobei die Vereinbarung jedoch als temporär angesehen wurde. Ein amerikanisches Kaufangebot für Grönland in Höhe von 100 Millionen US-Dollar wurde von Dänemark abgelehnt. Nach Kriegsende wurden wieder reguläre zwischenstaatliche Beziehungen aufgebaut und der amerikanische Gesandte kehrte im Juni 1945 nach Kopenhagen zurück. Die USA eröffneten 1947 eine reguläre Botschaft in Dänemark.
1949 trat Dänemark als Gründungsmitglied der NATO bei und wurde damit formell Bündnispartner der USA. In der frühen Phase des Kalten Krieges gewann Grönland erneut große Bedeutung für die Verteidigungsstrategie der USA. 1951 schlossen Kopenhagen und Washington ein neues Verteidigungsabkommen, das das Kauffmann-Abkommen ablöste und die langfristige amerikanische Präsenz in Grönland regelte. Dieser Stützpunkt entwickelte sich zu einem wichtigen Element des NATO-Frühwarnsystems gegen sowjetische Angriffe. Allerdings führte die Präsenz von Atomwaffen zeitweise zu Spannungen: Offiziell hatte Dänemark 1957 eine Antikernwaffenpolitik verkündet, die das Stationieren von Nuklearwaffen auf dänischem Territorium – einschließlich Grönlands – in Friedenszeiten untersagte. Tatsächlich lagerten die USA Ende der 1950er Jahre zeitweise heimlich Kernwaffen in Thule, wofür die dänische Regierung stillschweigend grünes Licht gegeben hatte. Im Januar 1968 stürzte ein mit Wasserstoffbomben bestückter US-Bomber vom Typ B-52 nahe dem Luftwaffenstützpunkt Thule ab. Dieser Zwischenfall verursachte eine radioaktive Kontamination und löste eine politische Kontroverse in Dänemark aus. Erst nach intensiven diplomatischen Beratungen gaben die USA gegenüber Dänemark Zusicherungen ab, Grönland künftig frei von Atomwaffen zu halten.
Trotz solcher Irritationen blieb das Verhältnis in der Gesamtbetrachtung eng und vertrauensvoll. Dänemark stand fest an der Seite der USA im Kalten Krieg und erfüllte seine NATO-Pflichten, wenn auch mit vergleichsweise bescheidenen Streitkräften. In den 1980er Jahren sorgten Beschlüsse des dänischen Parlaments – die sogenannten „Fußnoten“ zu NATO-Erklärungen, mit denen Dänemark Vorbehalte gegen bestimmte Rüstungsbeschlüsse (insb. Nuklearwaffen) formulierte – kurzfristig für Verstimmung in Washington. Insgesamt tat dies der transatlantischen Partnerschaft jedoch keinen Abbruch.
21. Jahrhundert mini|Laura und George W. Bush mit Henrik von Dänemark und Königin Margrethe II. (2005)
Nach dem Ende des Kalten Krieges baute Dänemark seine Rolle als aktiver Verbündeter der USA weiter aus. Seit den 1990er Jahren beteiligte sich das Land an nahezu allen wichtigen internationalen Missionen unter amerikanischer Führung oder mit amerikanischer Beteiligung. So entsandte Dänemark 1999 Kampfflugzeuge für die NATO-Operation im Kosovo und engagierte sich in den Friedensmissionen auf dem Balkan. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 stand Dänemark fest an der Seite der USA im Krieg gegen den Terror. Dänische Truppen kämpften in Afghanistan (ab 2002 im Rahmen der ISAF) und im Irakkrieg 2003–2007 an der Seite der amerikanischen Streitkräfte. Insbesondere in Afghanistan übernahm Dänemark trotz seiner geringen Größe risikoreiche Kampfaufgaben in der Unruheprovinz Helmand. Insgesamt verloren rund 50 dänische Soldaten in Afghanistan und im Irak ihr Leben. Die Regierung von Anders Fogh Rasmussen (2001–2009) galt als ausgesprochen US-freundlich und unterstützte die amerikanische Außenpolitik nachdrücklich. Auch an den späteren internationalen Missionen – etwa der NATO-Intervention in Libyen 2011 und der Anti-IS-Koalition im Irak und in Syrien – beteiligten sich dänische Streitkräfte mit Flugzeugen, Schiffen oder Ausbildern.
mini|Tweet von Donald Trump, in dem er eine Reise nach Dänemark absagt (2019) 2004 wurde das Igaliku-Abkommen geschlossen, das das Verteidigungsabkommen von 1951 modernisierte und Grönland mehr Mitspracherechte einräumte. Unter Präsident Donald Trump erlangte Grönland dann unerwartet weltweite Schlagzeilen: Im August 2019 schlug Trump öffentlich vor, die USA könnten Grönland von Dänemark „kaufen“. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen wies dieses Ansinnen brüsk als „absurd“ zurück. Daraufhin sagte Trump kurzfristig einen geplanten Staatsbesuch in Kopenhagen ab, was in Dänemark für Empörung sorgte.Trump cancels Denmark visit because Greenland isn’t for sale Im Jahr 2020 eröffneten die USA – fast sieben Jahrzehnte nach der Schließung ihres letzten Konsulats – erneut ein amerikanisches Konsulat in Grönlands Hauptstadt Nuuk. In der Amtszeit von Trumps Nachfolger Joe Biden, der zur klassischen Außenpolitik gegenüber Dänemark zurückkehrte, normalisierte sich das Verhältnis wieder. Im Juni 2023 besuchte Ministerpräsidentin Frederiksen das Weiße Haus in Washington. Im Mittelpunkt standen dabei die Koordination in der NATO und die gemeinsame Unterstützung der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland.
Nach der erneuten Wahl von Donald Trump im Jahr 2024 stellte dieser erneut Ansprüche auf Grönland. Ende 2024 schrieb Trump in der Truth Social, dass die Vereinigten Staaten Grönland unbedingt besitzen und kontrollieren müssen, und begründete dies mit der „nationalen Sicherheit“ und der „Freiheit in der Welt“. Er schloss öffentlich nicht aus, militärische Mittel zu benutzen, um die Kontrolle über Grönland zu erlangen und wies Berichten zufolge im Mai 2025 seine Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard an, die Spionage auf Grönland zu verstärken. Dänemark bestellte in der Folge den US-Botschafter ein. Den Anspruch auf Grönland rechtfertige Vizepräsident JD Vance damit, dass „Dänemark kein guter Verbündeter war“JD Vance’s comments on Denmark ‘not being a good ally’ resurface as his wife prepares to visit Greenland und der republikanische Abgeordnete Andy Ogles damit, dass die USA das „dominante Raubtier“ seien. Im August 2025 wurde der US-Botschafter in Dänemark erneut einbestellt, nach Berichten über geheimdienstliche Tätigkeiten dreier US-Bürger in Grönland.Catherine Nicholls, Henrik Pettersson: Denmark summons US envoy over report on covert American ‘influence operations’ in Greenland. cnn.com, 27. August 2025.