Die Junge Union Deutschlands (JU) ist die Jugendvereinigung von CDU und CSU. Sitz des Vereins mit 91.129 Mitgliedern (2021) ist Berlin.Daniel Enzensperger: Parteijugendorganisationen und ihre Beteiligungsfähigkeit im verwaltungs- und verfassungsgerichtlichen Verfahren. In: Mitteilungen des Instituts für Parteienrecht und Parteienforschung; 20 (2014), S. 26–33

Inhaltliches Profil Grundsätze Die JU soll als Vorfeldorganisation ihrer Mutterparteien deren politische Ziele innerhalb der Jugend verbreiten sowie die Interessen der jungen Generation innerhalb der Parteistrukturen vertreten. Sie definiert sich in ihrem Grundsatzprogramm als liberale sowie konservative und fortschrittliche Organisation. Dabei beruft sie sich auf das christliche Menschenbild. Die JU bekennt sich zur Demokratie und zur sozialen Marktwirtschaft. Sie setzt sich außerdem für die europäische Einigung sowie für eine verlässliche transatlantische Partnerschaft im Rahmen der NATO ein.

Politische Standpunkte Die Renten- und die Pflegeversicherung sollen durch die Umstellung auf ein Kapitaldeckungsverfahren aus Sicht der JU „demographiefest“ gemacht werden. Durch Änderungen im Tarif- und Arbeitsrecht will die JU mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze für Jugendliche schaffen. Die JU setzt sich ferner für die Errichtung eines Zentrums gegen Vertreibungen in Berlin ein. Die Junge Union setzt sich auch für die Legalisierung von Sportwetten ein. Sie spricht sich gegen eine Herabsetzung des Wahlalters aus.Positionspapier zur Herabsetzung des Wahlalters (RTF; 15 kB), Beschluss des Bundesvorstandes vom 2. Mai 1997. Unterstützt werden von der Jungen Union Upload-Filter sowie die Einführung eines verpflichtenden Dienstjahres nach der Schule.

Außenpolitik Außenpolitisch bekennt sich die JU zur deutsch-amerikanischen Freundschaft und Partnerschaft. Sie unterstützte den Kurs der USA im Vorfeld des Irak-Kriegs 2003.Saddam Hussein entwaffnen! Transatlantische Freundschaft stärken! (PDF; 6 kB) Beschluss des Deutschlandrates der Jungen Union in Regensburg vom 14. und 15. März 2003 Der Vorsitzende Philipp Mißfelder lobte 2013 Gerhard Schröder für seine Haltung gegen den Krieg, da er seine eigene Meinung inzwischen geändert habe.n-tv.de Eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union lehnt sie ab und befürwortet stattdessen das Konzept einer Privilegierten Partnerschaft. Außerdem setzt sie sich für die belarussische Opposition ein. Im Bürgerkrieg in Syrien stellt sich die Junge Union auf die Seite der Opposition, kritisiert jedoch die Gewalt gegen Christen durch Islamisten.

Geschichte Gründung und erste Jahre (1945–1949) Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten junge Mitglieder der dezentral entstandenen christlich-demokratischen Gruppierungen als Vertretung der Jugend die JU. Es waren anfangs vor allem ehemalige Kriegsteilnehmer, die sich in Universitätsstädten zu Arbeitskreisen zusammenfanden. Auf dem ersten Deutschlandtreffen vom 17. bis 21. Januar 1947 in Königstein im Taunus wurde der Bundesverband gegründet. Die JU strebte wie die Mutterparteien an, Christen beider Konfessionen innerhalb einer politischen Organisation zu vereinigen. Obwohl bei ihrem zweiten Deutschlandtreffen in Berlin auch Vertreter aus der sowjetischen Besatzungszone teilnahmen, stellte die JU 1948 dort ihre Arbeit aufgrund der Gängelung ihrer Mitglieder ein. Letzter gewählter Vorsitzender der JU in der SBZ war 1947 Alfred Sagner. Als Folge des einsetzenden Kalten Krieges blieb die JU eine auf Westdeutschland beschränkte Jugendorganisation. Im März 1950 gab sich die JU mit den „Würzburger Beschlüssen“ das erste gemeinsame Programm. In ihm nahm sie unter anderem Bezug auf das Christentum als Grundlage zur Erneuerung des geistigen und kulturellen Lebens und forderte die Wiedervereinigung Deutschlands in seinen historischen Grenzen. Außerdem befürwortete sie die Einführung des Persönlichkeitswahlrechts. In der Europapolitik sprach sich die JU bereits früh für einen Zusammenschluss der europäischen Staaten aus. Sie vertrat diese Forderung unter anderem seit 1948 auf mehreren Treffen der Jugendsektion der Nouvelles Équipes Internationales (NEI). Auf dem Gründungsparteitag der Bundes-CDU 1950 in Goslar erkannte diese die JU in ihrem Statut als selbstständige Vertretung der Jugend innerhalb der Partei an. Im darauffolgenden Jahr gab sich die JU ihre erste eigene Satzung.

Die Junge Union in der Ära Adenauer und „Der Geist von Hamm“ (1949–1982) Während der 1950er und 1960er Jahre forderte die JU immer wieder eine Reform des Parteiapparates der CDU und CSU, blieb aber während der Kanzlerschaften Konrad Adenauers und Ludwig Erhards eine größtenteils staatstragende Parteijugend. Größere Konflikte mit den Mutterparteien gab es nicht.

Dies änderte sich, nachdem infolge des bundespolitischen Machtwechsels 1969 CDU und CSU in die Opposition verwiesen wurden. Auf dem Deutschlandtag 1969 in Hamm kam es zu einer massiven innerverbandlichen Kritik am bisherigen Kurs. Ab dieser Zeit stiegen auch ihre Mitgliederzahlen kontinuierlich, da sich vor allem Jugendliche, die der 68er-Bewegung entgegenwirken wollten, der JU anschlossen.

1971 wurde beschlossen, das Höchstalter von 40 auf 35 Jahre und das Mindestalter von 16 auf 14 Jahre herabzusetzen.Junge Union Deutschlands (JU), kas.de Die 1970er Jahre führten zu programmatischen Veränderungen der Jungen Union. 1973 verabschiedete sie ein neues Grundsatzprogramm „Für eine humane Gesellschaft“. Während die Junge Union Anfang der 1970er noch gesellschaftspolitisch links von der CDU verortet wurde, rückte sie Mitte der 1970er programmatisch weiter nach rechts, was unter anderem an der nachlassenden 68er-Bewegung und dem damit verbundenen Auftrieb konservativer Einstellungen lag. Themenschwerpunkte zu dieser Zeit waren vor allem Zukunftschancen der jungen Generation angesichts hoher Jugendarbeitslosigkeit, sowie die „Orientierungskrise der Jugend“, die sich in der Zunahme von Jugendkriminalität, Drogenkonsum und Jugendsekten äußerte. In den 1970er Jahren verwendete die Junge Union den Slogan „Black is beautiful“ für verschiedene Kampagnen und Plakate, auf denen schwarze Frauen abgebildet waren.

Nachdem die JU sich bis in die späten 1960er Jahre dagegen ausgesprochen hatte und noch 1965 den Anspruch erhob, auch für die in der DDR unterdrückte Jugend zu sprechen, öffnete sie sich 1972 für Kontakte mit kommunistischen Jugendorganisationen wie der FDJ. 1980 schlug der damalige JU-Bundesvorsitzende Matthias Wissmann sogar die Schaffung eines deutsch-deutschen Jugendwerkes vor, welches dem Jugendaustausch dienen sollte.

In der Debatte um die Ostpolitik nahm die JU jedoch Anfang der 1970er Jahre eine schwankende Position ein. So wurde ein 1970 gefasster Beschluss, die Oder-Neiße-Grenze zu Polen anzuerkennen, zwei Jahre später weitestgehend wieder zurückgenommen. Mit der Verabschiedung eines Umweltschutzgrundsatzprogramms 1973 versuchte die JU sich auch in diesem Politikfeld zu profilieren.

Auch strukturell gab es in den 1970er Jahren Reformen. Die JU orientierte sich weg von einer bloßen Nachwuchs- und hin zu einer Jugendorganisation von CDU und CSU. Nachdem beispielsweise zuvor die Mitgliedschaft zwischen dem 16. und 40. Lebensjahr möglich war, beschloss der Deutschlandtag der JU 1971 die Altersunter- und Obergrenze auf 14 beziehungsweise 35 Jahre herabzusetzen. Einzelne Landesverbände hatten dies schon Ende der 1960er Jahre getan. Wenig später wurde am 2. Juni 1972 bundesweit die Schüler Union (SU) gegründet, um Schüler für eine spätere Mitarbeit in der JU zu interessieren. Die Mitgliederzahlen verdoppelten sich bis zum Ende der 1970er Jahre.

Die JU in der Ära Kohl (1982–1998) Die 1980er Jahre waren zu Anfang geprägt von der Debatte um den NATO-Doppelbeschluss. Diesen befürwortete die JU. Aber auch das Thema Ökologie war weiterhin, auch innerhalb der JU, oben auf der Tagesordnung. So stand auf dem Deutschlandtag 1983 die Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie im Zentrum der Diskussion. Mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 wurde innerhalb der JU eine Debatte über Reaktorsicherheit ausgelöst. Im gleichen Jahr hatte der Mauerbau seinen 25. Jahrestag. 1987 fand ein Staatsbesuch Erich Honeckers in der Bundesrepublik statt. Beide Ereignisse nutzte die JU, um die Verletzung der Menschenrechte in der DDR zu verurteilen und den Abriss der Mauer zu fordern.

Seit den 1980er- und 90er-Jahren wandte sich die Junge Union stärker dem Wirtschaftsliberalismus zu und verstärkte die Zusammenarbeit mit der Mittelstands- und Wirtschaftsunion. Das sozialpolitische Profil verblasste zunehmend. Die Linie der Parteiführung wurde zu dieser Zeit weitgehend unterstützt.

Am Vorabend des Mauerfalls, dem 9. November 1989, gründete sich mit der Christlich-Demokratischen Jugend (CDJ) wieder eine freie christlich-demokratisch orientierte Gruppe junger Menschen in der DDR. Schon vor der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten vereinigte sich die CDJ mit der JU auf dem Deutschlandtag im September 1990 in Leipzig. In den 1990er Jahren stand die Junge Union neben der Integration der CDJ somit vor neuen Herausforderungen und Chancen, die sich aus der deutschen Wiedervereinigung ergaben.

Politisch unterstützte die JU in dieser Zeit die Reformen der Kohl-Regierung zur Stärkung der Marktwirtschaft. Themen wie Deregulierung, Privatisierung und die Förderung des Mittelstands standen im Vordergrund. Gleichzeitig engagierte sich die JU in der Europapolitik und unterstützte den Weg zur europäischen Integration, der mit dem Vertrag von Maastricht 1992 einen wichtigen Meilenstein erreichte.

Die zweite Hälfte der 1990er Jahre war geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung mit den Folgen der Globalisierung. Die Junge Union setzte sich für eine aktive und gestaltende Rolle Deutschlands in der globalisierten Welt ein und betonte die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu sichern. In dieser Zeit entstand auch ein stärkeres Bewusstsein für die Herausforderungen des demographischen Wandels, und die JU begann, entsprechende Reformvorschläge zu entwickeln.

Mit dem Ende der Ära Kohl und der verlorenen Bundestagswahl 1998 stand die Junge Union vor der Aufgabe, sich neu zu orientieren und auf die veränderten politischen Verhältnisse zu reagieren.

In der Opposition und Ära Merkel (1998–2021) Nach der verlorenen Bundestagswahl 1998 wurde mit Hildegard Müller als Nachfolgerin von Klaus Escher erstmals eine Frau Bundesvorsitzende.Babette Claas: Gleichberechtigt in den Parteien. Centaurus Verlag 2000, S. 206. Müller setzte in ihrer Amtszeit bis 2002 verstärkt auf die Themen der innerparteilichen Reformen und die Förderung von Frauen in der Politik. Sie betonte die Notwendigkeit, die CDU für jüngere Generationen attraktiver zu machen und unterstützte Initiativen zur Modernisierung der Partei. Ihr folgte 2002 Philipp Mißfelder, der die Organisation durch seine über eine Dekade anhaltende Amtszeit in eine Phase der Kontinuität führte.

Unter der Bundeskanzlerin Angela Merkel positionierte sich die früher stärker sozialpolitisch geprägte Jugendvereinigung weiter rechts von der Parteispitze und vertrat in Wirtschaftsfragen neoliberale, in der Gesellschaftspolitik konservative Positionen. Der Position der Bundespartei wurde nur in einzelnen Belangen widersprochen, wie etwa in der Flüchtlingskrise 2015/16, bei der die JU eine Begrenzung der Aufnahme von Geflüchteten forderte. Ansonsten wird insbesondere in der Öffentlichkeit ein harmonisches Verhältnis zur CDU angestrebt.

Auf dem Deutschlandtag in Rostock im Oktober 2012 verabschiedete die Junge Union ein neues Grundsatzprogramm.

Erschüttert wurde die Junge Union im Juli 2015 durch den unerwarteten Tod ihres langjährigen Vorsitzenden Philipp Mißfelder, der sie ab seinem 23. Lebensjahr insgesamt 12 Jahre geführt und sein Amt erst im September 2014 an Paul Ziemiak weitergegeben hatte.