mini|Fürstenhof, Haupt­ge­schäfts­stelle in Frankfurt am Main Die Dresdner Bank Aktiengesellschaft war bis zum 10. Mai 2009 eine Großbank mit Sitz in Frankfurt am Main, deren Wurzeln bis in das Jahr 1872 zurückreichten. Das Unternehmen war, gemessen an Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl, die drittgrößte Bank Deutschlands. Am 11. Mai 2009 fusionierte die Dresdner Bank AG mit der Commerzbank AG und ist damit als Rechtsträger erloschen.

Der Name Dresdner Bank besteht – ohne den Rechtsformzusatz „AG“ – als Marke der Commerzbank und wurde bis zur vollendeten Umstellung Ende August 2010 für einige Filialen der ehemaligen Dresdner Bank AG genutzt. Eine Filiale am Dresdner Altmarkt führt den Namen weiterhin, um die Markenrechte nicht zu verlieren. (Mitteilung der Commerzbank vom 28. Oktober 2009). Die Filialen, Technik und Verwaltung sind in der neuen Commerzbank aufgegangen, was einen Abbau von etwa 9000 Stellen zur Folge hatte, davon 6500 im Inland.

Geschichte 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg Die Dresdner Bank wurde am 12. November 1872 durch die Umwandlung der 1771 gegründeten Privatbank Michael Kaskels, das Bankhaus Kaskel, in eine Aktiengesellschaft in Dresden gegründet. Gründungsmitglieder waren neben Carl Freiherr von Kaskel, Felix Freiherr von Kaskel und Eugen Gutmann, der die Funktion des Vorstandssprechers übernahm, die Allgemeine Deutsche Credit-Anstalt, die Berliner Handels-Gesellschaft, die Frankfurter Deutsche Vereinsbank, die Deutsche Effecten- und Wechselbank sowie die Anglo-Deutsche Bank aus Hamburg.

Am 3. Dezember 1872 wurde die Dresdner Bank im Dresdner Handelsregister eingetragen. Ihre Börsennotierung wurde am 7. Januar 1873 an der Wertpapierbörse zu Berlin aufgenommen. Unter der Leitung von Eugen Gutmann überstand die Bank den Gründerkrach von 1873 nahezu unversehrt und konnte sich in der nachfolgenden Gründerkrise durch die Übernahme des Sächsischen Bankvereins (1873), der Dresdner Handelsbank (1874), der Sächsischen Creditbank (1877) und der Thüringischen Landesbank (1878) zu einer Regionalbank mit Schwerpunkt in Mitteldeutschland entwickeln.

mini|Berliner Geschäftszentrale der Dresdner Bank (1884) Im Jahr 1881 erfolgte die Eröffnung einer Filiale in Berlin, deren Entwicklung die der Zentrale schon bald überflügelte. Daher wurde 1884 die Hauptverwaltung in die deutsche Reichshauptstadt verlegt, Dresden blieb aber juristischer Sitz. 1887–1889 erfolgte der Bau einer neuen Geschäftszentrale in Berlin. In der Folge entwickelte man sich zu einer der größten deutschen Banken, vor allem indem erstmals das Filialbankkonzept systematisch umgesetzt wurde und in allen wirtschaftlichen Zentren des Landes viele eigene Filialen entstanden.

1891 übernahm die Bank das Dresdner Bankhaus Robert Thode & Co., 1892 den Gründungsgesellschafter Anglo-Deutsche Bank, der anschließend als Hamburger Filiale agierte. Im Folgejahr beteiligte sich die Dresdner Bank an der Gründung der italienischen Banca Commerciale Italiana, 1895 folgte die Gründung einer Niederlassung in London sowie die Fusion mit der Bremer Bank. 1896 kamen Filialen in Frankfurt am Main, Nürnberg und Fürth hinzu, 1898 in Hannover, Bückeburg, Mannheim, Chemnitz, Altona und Lübeck.

1903 ging die Dresdner Bank eine Interessengemeinschaft mit dem Schaaffhausen’schen Bankverein ein, die aber 1909 wieder beendet wurde, da sich die Bank trotz der Kontakte von Waldemar Mueller nicht dauerhaft als Partner der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie profilieren konnte. 1904 übernahm die Bank das Bankhaus Erlanger & Söhne Frankfurt am Main sowie die Deutsche Genossenschaftsbank und gründete die Deutsch-Westafrikanische Bank. Umfassender Geschäftsbericht der Dresdner Bank aus dem Jahr 1901 in: Königlich privilegierte Berlinische Zeitung, 25. Februar 1902.

1905 war die Dresdner Bank zusammen mit dem Schaaffhausen’schen Bankverein und der Nationalbank Gründer der Deutsch-Südamerikanischen Bank und der Deutschen Orientbank. 1906 bis 1910 kamen neue Filialen in München, Heidelberg, Freiburg, Augsburg, Kassel, Leipzig, Wiesbaden und Fulda hinzu. 1910 wurden die Breslauer Wechselbank, die Württembergische Landesbank und die Vereinsbank in Frankfurt (Oder) übernommen.

1917 übernahm die Dresdner Bank die Rheinisch-Westfälische Disconto-Gesellschaft zu Aachen, welche sich aus der Banksparte der Transport- und Speditionsfirma „Charlier & Scheibler“ entwickelte, die ab 1872 als Aachener Disconto-Gesellschaft weitergeführt, 1902 zur Rheinischen Diskonto-Gesellschaft und 1905 zur „Rheinisch-Westfälischen Diskonto-Gesellschaft“ umfirmiert wurde. Sie war die größte bis dahin übernommene Bank mit namhaften Beteiligungen unter anderem am Bankhaus Hardy & Co. GmbH, an der Dürener Bank, der Eschweiler Bank, am Bankhaus Johann Ohligschläger und am Bankhaus Alwin Hilger. Damit gewann die Dresdner Bank auf breiter Basis Zugang zum rheinisch-westfälischen Industriegebiet.

mini|Hauptverwaltungsgebäude der Dresdner Bank in der Berliner Behrenstraße (1926)

Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus mini|alternativtext=Aktie der Dresdner Bank über 100 Reichsmark, ausgegeben am 3. April 1928 in Dresden, mit Unterschrift des Bankiers Franz Friedrich Andreae als Aufsichtsratsvorsitzender. Für den Vorstand trägt die Aktie die Unterschriften von Henry Nathan und Herbert Max Magnus Gutmann. Es war die letzte Aktienemission der Dresdner Bank vor der Fusion mit der DANAT-Bank.|Aktie der Dresdner Bank über 100 Reichsmark, ausgegeben am 3. April 1928 in Dresden, mit Unterschrift des Bankiers Franz Friedrich Andreae als Auf­sichts­rats­vorsitz­ender. Für den Vorstand trägt die Aktie die Unterschriften von Henry Nathan und Herbert Max Magnus Gutmann. Es war die letzte Aktienemission der Dresdner Bank vor der Fusion mit der DANAT-Bank. Mit der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg stieg die Arbeitsbelastung der Banken enorm. Die Mitarbeiterzahl wurde von 9.600 im Jahre 1918 auf 23.000 im Jahre 1923 erhöht. Die Zahl der Konten stieg im gleichen Zeitraum von 376.000 auf 540.000, das Aktienkapital verdoppelte sich auf 1,1 Mrd. Mark. Durch die Geldentwertung stieg die Bilanzsumme 1923 auf 204 Trillionen Mark. Bei der Goldmarkeröffnungsbilanz 1924 wurde das Grundkapital im Verhältnis 12½ : 1 auf 78 Millionen Goldmark festgestellt.

1932 musste die Dresdner Bank auf Anordnung der Reichsregierung mit der zahlungsunfähigen Darmstädter und Nationalbank (Danatbank, die Bank hatte im Zusammenhang mit dem Börsencrash am „Schwarzer Donnerstag“ 1929 hohe Verluste erlitten), mit der sie bereits seit 1930 eine Interessengemeinschaft verband, fusionieren. Das Deutsche Reich übernahm die Aktienmehrheit. Zwischen 1933 und 1942 expandierte das Geschäft der Dresdner Bank sehr stark, ihre Bilanzsumme verdreifachte sich. Der unmittelbare Einfluss der Nationalsozialisten auf die Dresdner Bank beruhte darauf, dass die Reichsregierung unter Vorsitz von Hitler direkt auf den Vorstand der Bank einwirken konnte. So übernahm sie etwa 1935 im Zuge der „Arisierung jüdischen Vermögens“ die traditionsreiche Dresdner Privatbank Arnhold. 1937, als die Konsolidierung der Bank abgeschlossen war und die 1931 abgegebenen Aktienanteile reprivatisiert werden konnten, erlangte die Bank die Eigenständigkeit zurück. Insgesamt gilt die Dresdner Bank als die deutsche Großbank, die am meisten in die Verbrechen der nationalsozialistischen Herrschaft verstrickt war. Besonders profitiert hat die Bank von den Eroberungskriegen der Nazis im Osten und der systematischen Ausbeutung der Arbeitskraft jüdischer und osteuropäischer Zwangsarbeiter als sogenannte „Hausbank der SS“. Sie war sowohl größter Kreditgeber der SS (lt. interner Studie umgerechnet 160 Mio. Euro) als auch Mitbegründer und Anteilseigner von Tarnfirmen – unter anderem bei der Firma Huta Hoch- und Tiefbau AG, die mit weitreichenden Bautätigkeiten im KZ Auschwitz-Birkenau betraut war. Die Dresdner Bank hatte Grund zur Annahme, in einem germanisierten Europa eine führende Rolle im Bankenbereich spielen zu können. Bei Kriegsausbruch verlor die Dresdner Bank viele Geschäftskontakte, dann profitierte sie von einigen Übernahmen – der Länderbank Wien AG, der Böhmischen Escompte-Bank und Credit-Anstalt Prag (Bebca), der Handels- und Kreditbank AG Riga, der Ostbank für Handel und Gewerbe (Posen), der Kommerzialbank Krakau und der Handels- und Kreditbank Preßburg.

Entflechtung und Entstehung der neuen Dresdner Bank mini|Bank-Aktie über 1000 RM vom September 1952 mini|Dresdner-Bank-Werbung in Köln 1965

1945 wurde die Dresdner Bank – wie die anderen Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank – von den Alliierten Militärverwaltungen entflochten. In der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin erfolgte die Schließung und vollständige Enteignung. Sie verlor dadurch 162 Geschäftsstellen in Ostberlin, der SBZ und den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Grenze.Ahrens, Ralf: Die Dresdner Bank 1945–1957. Konsequenzen und Kontinuitäten nach dem Ende des NS-Regimes. München 2007. Es entstanden aufgrund von Anordnungen der Militärregierung zwischen 1947 und 1948 elf Filialgruppen. Die Gruppen waren zwar unselbständig, aber mit jeweils eigener Organisation und Geschäftsführung ausgestattet.

Britische Besatzungszone Hamburger Kreditbank, Hamburg (für Hamburg) Niederdeutsche Bankgesellschaft, Hannover (für Niedersachsen) Lübecker Bank für Handel und Industrie, Lübeck (für Schleswig-Holstein) Rhein-Ruhr Bank, Düsseldorf (für Nordrhein-Westfalen) Französische Besatzungszone Bankanstalt für Württemberg und Hohenzollern, Reutlingen (für Württemberg-Hohenzollern) Industrie- und Handelsbank, Mainz (für Rheinland-Pfalz) Süddeutsche Kreditanstalt, Freiburg (für Baden) US-amerikanische Besatzungszone Allgemeine Bankgesellschaft, Stuttgart (für Württemberg-Baden) Bayerische Bank für Handel und Industrie, München (für Bayern) Bremer Bank, Bremen (für Bremen) Rhein-Main Bank, Frankfurt am Main (für Hessen)

1949, nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland, wurde in den drei Westsektoren von Berlin die Bank für Handel und Industrie AG gegründet, deren Aktienkapital von der Hamburger Kreditbank, der Rhein-Ruhr Bank und der Rhein-Main-Bank gehalten und später auf die Nachfolgeinstitute übertragen wurde.

1952 wurde mit dem Gesetz über den Niederlassungsbereich für Kreditinstitute und den anschließenden Hauptversammlungen am 25. September 1952 die Dresdner Bank rückwirkend zu drei Nachfolgeinstituten zusammengefasst:

Hamburger Kreditbank AG (Hamburg) für den Bereich Nord, Rhein-Ruhr Bank AG (Düsseldorf) für den Bereich West und Rhein-Main Bank AG (Frankfurt am Main) für den Bereich Süd.

Die Aktionäre der Altbank erhielten Aktien der Nachfolgeinstitute sowie Restquoten, welche die enteigneten Vermögenswerte im Osten verbrieften. Die Aktionäre beschlossen auf den Hauptversammlungen im Frühjahr 1957 die juristische Wiedervereinigung der drei Banken. Rückwirkend zum 1. Januar 1957 fusionierten die drei Regionalinstitute, zwischen denen seit 1955 schon ein Gewinnabführungsvertrag bestand, zur Dresdner Bank Aktiengesellschaft.

Neuere Geschichte mini|links|hochkant|Links der 1978 erbaute Silberturm, er beherbergte einen Teil der Hauptverwaltung der Dresdner Bank in Frankfurt am Main. Rechts gegenüber befindet sich der Skyper der Deka-Bank. mini|Eingang des Silberturms als Konzernzentrale (um 2003) Im Jahre 1967 gründete die Dresdner Bank als Compagnie Luxembourgeoise de Banque S.A. (dann bis 2010 Dresdner Bank Luxembourg S.A.) die erste deutsche Tochtergesellschaft einer Bank in Luxemburg.

Terroristen der RAF ermordeten am 30. Juli 1977 den Vorstandssprecher Jürgen Ponto in seinem Haus in Oberursel (Taunus).

Am 29. November 1983 erhob die Staatsanwaltschaft Bonn im Flick-Parteispendenskandal Anklage wegen Bestechlichkeit gegen den Vorstandssprecher der Dresdner Bank und früheren Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs (FDP). Das Landgericht Bonn verurteilte Friderichs am 16. Februar 1987 wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe von 61.500 DM.