Favoriten ist der 10. Wiener Gemeindebezirk. Er liegt südlich der inneren Bezirke, reicht bis an die südliche Stadtgrenze und ist mit rund 220.000 Einwohnern nach der Donaustadt der zweitbevölkerungsreichste der Stadt. Hier wohnen etwa zehn Prozent aller Einwohner Wiens.
Geographie mini|Luftbild des dicht bebauten nördlichen Teils von Favoriten, 2007 (vor Abriss des Südbahnhofs, Blick von Süden) Lage Der Bezirk Favoriten erstreckt sich von den Anlagen der Südbahn im Norden über den Wienerberg, Boschberg und Laaer Berg bis zum Liesingtal im Süden, wo der im Wienerwald entspringende Liesingbach den Bezirk quert; dieser mündet knapp außerhalb Wiens in die Schwechat, die kurz darauf in die Donau mündet.
Der 10. Bezirk wird wie folgt begrenzt: Norden: Meidling (12. Bezirk), Margareten (5. Bezirk) und Wieden (4. Bezirk), Grenze: Südbahn, nördlicher Rand der Bahnanlagen von Längenfeldgasse im Westen bis ehem. Südbahnhof im Osten; seit 2009 zu Wieden an den südlichen Fahrbahnrand der Gürtel-Hauptfahrbahn verlegt Osten: Landstraße (3. Bezirk), Simmering (11. Bezirk) und Kledering, Grenze: 3./10., Arsenalstraße (seit 2009: Mitte der Hauptfahrbahn), weiter südlich Ostbahn Richtung Budapest, östlicher Rand der Bahnanlagen (der Zentralverschiebebahnhof Wien liegt, soweit er sich in Wien befindet, im 10. Bezirk), bis zur Donauländebahn, dann westlich Klederings südwärts bis südlich der Schnellstraße S 1 Süden: Liesing (23. Bezirk), Hennersdorf, Leopoldsdorf und Lanzendorf, alle in Niederösterreich, Grenze: an der Schnellstraße S 1 bei Pottendorfer Linie ostwärts, im Abschnitt Leopoldsdorf geringfügig südlich der S 1 ausgreifend (großteils Felder ohne Straßennamen) Westen, Südwesten: Meidling, Liesing, Grenze: Längenfeldgasse, Karplusgasse, Untermeidlinger Straße, Köglergasse, Wienerbergstraße, Eibesbrunnergasse, Donauländebahn Richtung Südosten und Osten, östlich der Pottendorfer Linie zwischen Sulzen- und Murbanngasse nach Süden schwenkend und meist parallel zur Bahn bis zur Schnellstraße S 1
Bezirksteile Favoriten|mini mini|Der neue Stadtteil Wienerberg City mit den weithin sichtbaren Hochhäusern auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelfabrik Favoriten besteht aus den Wiener Katastralgemeinden Favoriten, Inzersdorf Stadt, Rothneusiedl, Unterlaa, Oberlaa-Stadt und Oberlaa-Land sowie aus kleinen Teilen der Katastralgemeinden Kaiserebersdorf und Simmering.
Den nördlichen Teil des Bezirks bildet das historische Favoriten, ab den 1860er Jahren als Fabriks- und Arbeiterviertel entstanden, ein zumeist rasterförmig bebautes Wohngebiet mit vielfach über 100 Jahre alten Häusern und dazwischen liegenden Industriebetrieben (etwa dem Komplex der ehemaligen Ankerbrot AG). Am westlichen Bezirksrand stehen einander zwei sehr kontrastreiche Bebauungen gegenüber, einerseits der in der Zwischenkriegszeit entstandene George-Washington-Hof als stilvoller Gemeindebau und andererseits der 1990–2000 erbaute Business Park Vienna samt Vienna Twin Tower (Hochhäuser), südlich begrenzt vom vierzig Jahre älteren Philipshaus an der Triester Straße in der Architektur klassischer Moderne.
Im nördlichsten Teil des historischen Favoriten entstand bis 2015 der neue Hauptbahnhof Wiens, der teilweise schon 2012 in Betrieb genommen wurde. Nach der 2009 erfolgten Absiedlung des daran anschließenden alten Frachtenbahnhofs entstehen derzeit zwei neue Bezirksteile auf dem ehemaligen Bahngelände: um den neuen Bahnhof das Quartier Belvedere und südlich daran anschließend bis zur Gudrunstraße das Sonnwendviertel.
Südlich davon, östlich der Absberggasse, befindet sich das Kretaviertel, ein traditioneller sozialer Brennpunkt, auch wenn die nunmehr von Kulturinitiativen genutzte angrenzende Ankerbrotfabrik eine gewisse Gentrifizierung mit sich bringt.
Das dicht bebaute Gebiet nördlich von Wienerbergstraße, Raxstraße und Grenzackergasse wird auch als Innerfavoriten bezeichnet. Allerdings wird diese Bezeichnung manchmal auch enger gefasst und auf den nordwestlichen Teil dieses Gebiets bezogen, das Projektgebiet Innerfavoriten der Stadt Wien etwa wird von Laxenburger Straße und Inzersdorfer Straße begrenzt.Projektgebiet Innerfavoriten auf wien.gv.at Die Grenze zwischen Favoriten und Inzersdorf-Stadt wiederum verläuft quer zu beiden Definitionen. Letzteres kam erst 1892 zu Wien, aber bereits der in den 1880ern parzellierte regelmäßige Straßenraster nahm auf die verwinkelte Grenze zwischen Wien und Inzersdorf keine Rücksicht. Da es hier weder einen traditionellen Ortskern gibt (der liegt nunmehr im 23. Bezirk), noch in der Bebauung klare Übergänge ersichtlich sind, konnte sich Inzersdorf-Stadt im öffentlichen Bewusstsein nie etablieren.
An das dicht bebaute Gebiet schließt südlich ein (unterbrochener) Grüngürtel mit Golfplatz, Matsumae-Budo-Center, Erholungsgebiet Wienerberg, Volkspark und Sommerbad Laaer Berg und Erholungsgebiet Laaer Wald (Naturschutz) an. Hier entstand am Nordhang des Laaer Bergs 1882 der Böhmische Prater als kleines Vergnügungszentrum. Dieser Grüngürtel wird südlich von großen kommunalen Wohnhausanlagen (Siedlungen Wienerberg und Wienerfeld, Per-Albin-Hansson-Siedlungen West, Nord und Ost) und vom Siedlungsgebiet an der Bitterlichstraße begrenzt. Im Osten schließen der Kurpark Oberlaa mit dem Kurzentrum Therme Wien, Felder und Weingärten und der Zentralverschiebebahnhof Wien-Kledering (der sich im zur Stadt Schwechat gehörigen Dorf Kledering fortsetzt) an. Diese Bezirksteile werden südlich von der Donauländebahn, bis 1938 Stadtgrenze Wiens, begrenzt.
Die südlich der Bahn teils an der Liesing gelegenen Orte Rothneusiedl, Oberlaa und Unterlaa (1938 eingemeindet, seit 1954 zum 10. Bezirk gehörig) haben sich als eigenständige Subzentren erhalten. Zwischen diesen Orten und der südlichen Stadt- und Bezirksgrenze liegen ausgedehnte Felder, die von Wiener Bauern bewirtschaftet werden. Zu Oberlaa gehört auch Neulaa, das an Rothneusiedl unmittelbar anschließt.
Eine Gliederung des Bezirksgebiets besteht ferner in den 22 Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die Grenzen der Zählbezirke Unterlaa, Oberlaa und Rothneusiedl unterscheiden sich dabei von jenen der gleichnamigen Katastralgemeinden. Die Siedlungen Wienerfeld, Per Albin Hansson NW und Per Albin Hansson Ost bilden ebenfalls eigene Zählbezirke. Zehn Zählbezirke tragen die Namen von Straßen und Plätzen: Gellertplatz, Hebbelplatz, Quellenplatz, Arthaberplatz, Erlachplatz, Belgradplatz, Triester Straße, Neerwindenplatz-Raxstraße, Humboldtplatz und Eisenstadtplatz. Nach Flurnamen und Gebäudekomplexen benannt sind die Zählbezirke Heuberggstätten, Laaer Berg und Goldberg sowie Südbahnhof, Franz-Josef-Spital und Wienerberger Ziegelfabrik.
Wappen 120px|rechts
Der zehnte Bezirk führt einen sechsteiligen Schild. Neben den einzelnen Bezirksteilen beinhaltet das Wappen auch einen Herzschild, der im Gegensatz zu vielen anderen Bezirken auch ein Wappen für den gesamten Bezirk beinhaltet: Der Herzschild zeigt die Spinnerin am Kreuz, das Wahrzeichen von Favoriten, auf den Wappenfarben Wiens, rot und weiß. (Es handelt sich nicht um ein historisches Wappen.) Im vom Betrachter aus gesehen linken (heraldisch rechten) oberen Wappenteil ist das Wappen Alt-Favoritens abgebildet: Es zeigt den Apostel Johannes, den Patron der Pfarrkirche auf dem Keplerplatz, in blauem Gewand und grünem Mantel, auf dem Wappen Wiens, dem weißen Kreuz im roten Feld. In seinen Händen hält er Schreibfeder und ein Evangelienbuch, begleitet wird er von einem Adler. Rechts oben symbolisiert ein Schalenbrunnen auf blauem Grund den Bezirksteil Oberlaa. Er symbolisiert die Heilquellen und Kureinrichtungen des Gebiets. Im linken unteren Wappenteil symbolisiert ein roter Ringofen mit geschwungenem Bachlauf den Bezirksteil Rothneusiedl am Liesingbach. Der Ringofen steht für die bedeutende historische Ziegelindustrie auf dem Wiener und dem Laaer Berg. Unten in der Mitte steht auf goldenem Grund ein rotes Malteserkreuz, wie es an der Spitze der Johanneskirche angebracht ist, für den Bezirksteil Unterlaa. Der Malteserorden erwarb Ende des 13. Jahrhunderts die Grundherrschaft über Unterlaa. Im rechten unteren Wappenteil steht eine mit Ähren besteckte goldene Weintraube für den Bezirksteil Inzersdorf Stadt. Die Ähren stehen für die Landwirtschaft, die Weintraube steht für den Weinbau; beides wurde früher auf den weiten Flächen des heutigen Bezirksteils betrieben.
Geschichte mini|Das weitgehend unbebaute Gebiet des späteren Favoriten um 1872, Aufnahmeblatt der Landesaufnahme mini|Ein Planausschnitt aus dem Jahr 1892 zeigt in Rosa die 1850 eingemeindeten Teile Favoritens von der Triester Straße im Westen bis zum Arsenal im Osten; südlich davon in Grau die 1892 eingemeindeten Bezirksteile bis zur Donauländebahn. Der Name „Favoriten“ leitet sich von der Favorita, einem einstigen Jagdschloss, her. Der teilweise erhaltene barocke Komplex gehört zum 4. Bezirk und beherbergt mit dem Theresianum eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht. Von dort führte die heutige Favoritenstraße zum „Favorithen-Thor“ des Linienwalls, der äußeren Befestigungsanlage Wiens. Die außerhalb – vor allem im Zuge des Baues der Süd- und der Ostbahn – entstandene Siedlung nannte man Siedlung vor der Favoriten-Linie.
Diese Siedlung zählte, obwohl außerhalb der Befestigungsanlage, zur 1850 eingemeindeten Wieden (4. Bezirk), wurde 1861 entlang der Laxenburger Straße zwischen dieser und dem neuen 5. Bezirk, Margareten, geteilt und 1874 als neuer 10. Bezirk konstituiert. Diese Abtrennung von Gebieten, sozusagen „mit einem Hieb“ durchgeführt, dürfte Ursprung der umgangssprachlichen Bezeichnung „10. Hieb“ für Favoriten sein.Richard Deiss: Hibbdebach bis Dribbdebach: 222 Stadtteilbeinamen und -klischees von Applebeach bis Zickzackhausen, S. 55 (Google Books)
Bis 1891 umfasste der neue Bezirk die Katastralgemeinde Favoriten (siehe Plan) und das heute zum 3. Bezirk zählende Arsenal bis zur Aspangbahn. Südlichere Bezirksteile kamen 1892 und 1954 hinzu.
Erster Bezirksvorsteher war Johann Heinrich Steudel, der in der Siedlung ein Wirtshaus betrieb und sich intensiv dafür eingesetzt hatte, Favoriten zum Bezirk zu machen. Mit fortschreitendem Wachstum der Wohn- und Industriegebiete wurde der Bezirk im Jahre 1890 / 1892 bis zur Donauländebahn erweitert.
In der NS-Ära wurden am 15. Oktober 1938 südlich der Bahn gelegene Orte, die heute Teile Favoritens bilden, nach Groß-Wien eingemeindet, jedoch dem neu geschaffenen 23. Bezirk, Schwechat (nicht mit dem heutigen 23. Bezirk identisch), zugewiesen. Mit gleichem Datum wurde das Arsenal mit seiner Umgebung aus dem 10. Bezirk ausgeschieden und dem 3. Bezirk zugeordnet.Verordnung des Bürgermeisters der Stadt Wien über die Einteilung des Gebietes der Stadt Wien in Bezirke vom 15. Oktober 1938
In den Jahren 1945 bis 1955 war Favoriten besatzungsrechtlich nördlich der Donauländebahn Teil des sowjetischen Sektors in Wien, südlich der Bahn Teil des sowjetisch besetzten Niederösterreich. (Die Besatzungssektoren in Wien folgten den Grenzen vor 1938.)
Die letzte große Erweiterung erlebte Favoriten 1954, als bereits 1946 gefasste Beschlüsse über die Rückgliederung der meisten 1938 an Wien angeschlossenen Gebiete in Kraft treten konnten, die ehemaligen Dörfer Rothneusiedl, Oberlaa und Unterlaa aber, wie 1946 mit Niederösterreich vereinbart, bei Wien verblieben und Teile des 10. Bezirks wurden.