mini|Josef Ackermann beim World Economic Forum Annual Meeting 2010
Josef Meinrad „Joe“ Ackermann (* 7. Februar 1948 in WalenstadtZehn Dinge, die Sie noch nicht über den Top-Banker wussten. In: Handelsblatt, 28. Mai 2010., Kanton St. Gallen; heimatberechtigt in Mels In: Handelsregister des Kantons Zürich, Internet Auszug. Abgerufen am 4. Mai 2012) ist ein Schweizer Bankmanager. Von 2002 bis 2006 war er der 18. Vorstandssprecher, von 2006 bis 2012 der alleinige Vorsitzende des Vorstands und des Group Executive Committee der Deutschen Bank AG. Von 2012 bis 2013 war er Verwaltungsratspräsident der Zurich Insurance Group. Von 2014 bis 2019 war er Aufsichtsratsvorsitzender der Bank of Cyprus.
Werdegang Herkunft Josef Ackermann wurde in Walenstadt als Sohn des Landarztes Karl Ackermann aus dem sankt-gallischen MelsClaude Chatelain: «Es wird sich noch viel ändern». In: Tages-Anzeiger vom 19. Januar 2012 geboren. Ackermann wuchs mit seinen zwei Brüdern in Mels in einem katholischen Elternhaus auf.Auszeichnung für umstrittenen Joe Ackermann. In: St. Galler Tagblatt vom 17. November 2010 Seine Wohnsitze hatte er neben der Schweiz in Deutschland und Liechtenstein.
Ausbildung Nach der Matura studierte Josef Ackermann bis 1973 an der Universität St. Gallen (HSG) Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Sein Studium schloss er mit einem Lizentiat in der Fachrichtung Bankwirtschaft ab.
Von 1973 an war er als wissenschaftlicher Assistent an der Forschungsgemeinschaft für Volkswirtschaftslehre derselben Universität tätig. 1977 wurde er dort beim Geld- und Wachstumskritiker Hans Christoph Binswanger über den „Einfluss des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen“ zum Dr. oec. promoviert. In seiner Dissertation vertritt Ackermann entgegen der neoklassischen Theorie die Position, dass Geld gegenüber der Realwirtschaft nicht neutral sei, sondern im Gegenteil einen erheblichen Einfluss auf die Realwirtschaft habe. Denn durch Kreditvergabe werde neues Geld geschaffen und die Geldschöpfung des Bankensystems [stelle] eine notwendige Bedingung für den Investitions- und Wachstumsprozess in der arbeitsteiligen Geldwirtschaft dar.„Einfluss des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen“, zitiert nach Redezeit WDR5, Sendung vom 30. Juli 2012, Gast: Prof. Hans Christopher Binswanger, Wirtschaftswissenschaftler – Text:Fleischmann: Zugleich seien die Banken an einer möglichst grossen Kreditgewährung interessiert. Da sich der Gewinn bei einer positiven Zinsdifferenz mit der Menge der vergebenen Kredite erhöht. Das Interesse der Banken führe also dazu, dass die Geldmenge ständig wachse, sei es, dass dem Geld reale Werte gegenüberstehen oder nicht.
Bis 1989 war er Lehrbeauftragter für Geldpolitik und Geldtheorie an der Universität St. Gallen.
Privatleben Ackermann war von 1977 bis zu ihrem Tod 2026https://www.blick.ch/people-tv/familie-nimmt-abschied-banker-josef-ackermann-trauert-um-seine-frau-pirkko-77-id22141922.html mit der Finnin Pirkko Mölsä verheiratet – sie war ebenfalls HSG-Absolventin – und hat eine erwachsene Tochter, die Produzentin und Schauspielerin Catherine Ackermann (* 1984).Sacha Ercolani: In: Der Sonntag vom 15. Mai 2010Sacha Ercolani: Banker-Tochter wird Unternehmerin. In: Der Sonntag vom 3. März 2012Endlich gut genug, Süddeutsche Zeitung Magazin 37/2014, 17. September 2014Catherine Ackermann, filmportal.de Er gilt als Hobbymusiker (Klavier, Gesang) und grosser Opernliebhaber. In seiner Jugend betrieb Ackermann Leichtathletik.
Karriere mini|Josef Ackermann (2010) Credit Suisse Nach seiner Promotion war Ackermann ab 1977 in mehreren Führungspositionen bei der Credit Suisse (damals Schweizerische Kreditanstalt SKA) beschäftigt. Er war unter anderem in New York, Lausanne und London tätig. Ab 1990 war er Mitglied im Vorstand der Bank und wurde 1993 zum Vorsitzenden gewählt. Mit der Übernahme dieser Funktion galt er nach Rainer E. Gut als die „Nummer zwei“ der Muttergesellschaft CS Holding. In seine Amtszeit fiel die Übernahme der Schweizerischen Volksbank (1993), die wenig später komplett in der Credit Suisse aufging.
Im Juli 1996 verliess er schliesslich nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Verwaltungsrat die Credit Suisse.
Einstieg bei der Deutschen Bank Noch im selben Jahr wurde Ackermann Vorstandsmitglied der Deutschen Bank. Er übernahm dort zunächst den Geschäftsbereich Kreditrisiken, später die Bereiche Marktrisiken, Treasury und Volkswirtschaft. Ab 1998 war er für den Bereich „Globale Unternehmen und Institutionen“ verantwortlich, zu dem neben dem Grosskundengeschäft vor allem das Investment Banking zählte. Zu seinen Erfolgen gehört unter anderem die Integration der 1999 übernommenen US-Investmentbank Bankers Trust.
Bereits im September 2000 wählte der Vorstand der Deutschen Bank Ackermann mit Wirkung ab Mai 2002 als Nachfolger von Rolf-E. Breuer zu seinem Sprecher und zum Vorsitzenden der Konzernleitung. Die Nominierung kam zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich früh.
Chef der Deutschen Bank Ackermann sollte als Schweizer der erste ausländische Chef der Deutschen Bank werden.
Ackermanns Fixgehalt betrug seit 2003 unverändert 1,15 Millionen Euro, zusätzlich erhielt er erfolgsabhängige Vergütungskomponenten, die in manchen Jahren 10 Millionen Euro überschritten haben.Geschäftsbericht 2008: Vergütung der Mitglieder des Vorstands in: Deutsche Bank In den Jahren 2004 und 2005 war er der Spitzenverdiener unter den Managern der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen. Angesichts der Finanzkrise verzichtete Ackermann für 2008 auf seinen erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteil.Hanno Mussler: Ackermann verzichtet – doch worauf? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Oktober 2008.
Ackermann setzte im Februar 2005 als öffentliches Ziel für die Bank eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent.Marc Brost, Robert von Heusinger: Das magische Viertel. In Die Zeit, 3. Februar 2005.
Am 1. Februar 2006 wurde er zum Vorsitzenden des Vorstands ernannt. Im Januar 2007 erklärte Ackermann in einem Interview, er wolle seine Karriere 2010 beenden, ohne in den Aufsichtsrat zu wechseln. Er wolle seine Erfahrungen weitergeben, „an der Uni oder vielleicht auch im gesellschaftlichen Bereich“.Josef Ackermann: 2010 ist Schluss in: Manager Magazin vom 21. Januar 2007
Ende April 2009, nachdem die Deutsche Bank im ersten Quartal 2009 in die Gewinnzone zurückgekehrt war, bot der Aufsichtsrat Ackermann eine Vertragsverlängerung bis 2013 an. Dieses Angebot wurde von Ackermann angenommen.Deutsche Bank: Vorstandsvertrag Dr. Josef Ackermann soll verlängert werden in: Deutsche Bank vom 27. April 2009 Am 25. Juli 2011 wurde bekannt, dass Ackermann bereits Ende Mai 2012 seinen Posten als Vorstandsvorsitzender zugunsten einer Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen aufgeben wird., boerse.ARD.de, 25. Juli 2011
Im März 2019 berichtete die New York Times, dass Josef Ackermann über die verlustreichen Geschäftsverbindungen zwischen dem künftigen Präsidenten der USA, Donald Trump, und der New Yorker Niederlassung der Bank informiert war.David Enrich: Deutsche Bank and Trump: $2 Billion in Loans and a Wary In The New York Times, 18. März 2019Deutsche Bank: Joe Ackermann in Trump-Kredite verwickelt In: Handelszeitung, 19. März 2019
Mannesmann-Prozess
Ab Januar 2004 musste sich Josef Ackermann vor dem Landgericht Düsseldorf verantworten. Die Anklage gegen ihn und fünf weitere Beteiligte im so genannten Mannesmann-Prozess – darunter der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Mannesmann AG, Klaus Esser, und der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel – lautete auf Untreue. Die Angeklagten standen unter dem Verdacht, den Düsseldorfer Konzern im Rahmen der Übernahme durch Vodafone im Februar 2000 durch überhöhte Prämienzahlungen an Esser und weitere Manager um rund 110 Millionen Mark (ca. 58 Millionen Euro) geschädigt zu haben.
Ackermann sorgte zu Beginn des Prozesses, am 21. Januar 2004, für erhebliches Aufsehen durch die Aussage: „Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden.“Helmut Höge: Ackermann im Teufelskreis. In: die tageszeitung, 22. Oktober 2008, abgerufen am 26. September 2012. Im Gedächtnis der Öffentlichkeit blieben ebenfalls seine zu einem „V“ gespreizten Finger vor Prozessbeginn. Nach eigenen Angaben ahmte Ackermann mit dieser Geste scherzhaft den zur gleichen Zeit vor Gericht stehenden Michael Jackson nach. Die Geste war zustande gekommen, als Ackermann 40 Minuten auf die verspätete Vorsitzende Richterin warten musste und von Fotografen umringt war.Oliver Stock: Josef Ackermann – der ewig Missverstandene. In Handelsblatt, 17. Mai 2010.
Das Landgericht Düsseldorf beendete das Verfahren gegen Josef Ackermann und die fünf Mitangeklagten am 22. Juli 2004 mit Freispruch, wogegen die Staatsanwaltschaft Revision einlegte. Am 21. Dezember 2005 hob der Bundesgerichtshof das Urteil des Landgerichts Düsseldorf auf, das Verfahren wurde an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
Der zweite Prozess vor dem Landgericht Düsseldorf endete im November 2006 mit einer Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflagen gemäß Abs. 2 StPO.Joachim Jahn: Mannesmann-Prozeß vor dem Ende. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. November 2006Jürgen Dunsch: Ohne Urteil. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. November 2006.
Von den Geldauflagen in Höhe von insgesamt 5,8 Millionen Euro hatte Ackermann 3,2 Millionen Euro zu zahlen. Bei Verurteilung zu einer Geldstrafe wäre die höchstmögliche Strafe 3,6 Millionen Euro gewesen (720 Tagessätze à 5.000 Euro) und Ackermann wäre damit vorbestraft gewesen. Für diesen Fall hatte Ackermann seinen Rücktritt angekündigt.Ackermann tritt bei Verurteilung zurück Handelsblatt vom 2. Februar 2006
Verwaltungsratspräsident bei Zurich Insurance Group Von März 2010 bis März 2012 war Ackermann Vizepräsident des Verwaltungsrates der Zurich Financial Services AG, die nach Namensänderung Zurich Insurance Group heisst. Am 29. März 2012 wurde er zum Präsidenten des Verwaltungsrats gewählt. Er nahm sein Amt Anfang Juni auf, nach Niederlegung des Amts als Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Bank per Ende Mai. In der Zwischenzeit führte der Vizepräsident die Verwaltungsratsgeschäfte. Medienmitteilung Zurich Financial Services, 29. März 2012Josef Ackermann auf dem Präsidentensessel der «Zurich». In: NZZ Online vom 29. März 2012 Nach dem Suizid des Finanzchefs Pierre Wauthier erklärte Ackermann am 29. August 2013 seinen sofortigen Rücktritt als Verwaltungsratspräsident und als Verwaltungsratsmitglied. Er reagierte damit auf Vorwürfe der Hinterbliebenen.Basler Zeitung: Ackermann tritt als Zurich-Verwaltungsratspräsident zurück, 29. August 2013. Medienmitteilung vom 29. August 2013 Ackermann wurde durch eine Untersuchung, veranlasst durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma), entlastet; Wauthier war keinem «ungebührlichen oder unangemessenen Druck» durch Ackermann oder einen anderen Entscheidungsträger ausgesetzt.Werner Enz: Entlastung für Ackermann. In: Neue Zürcher Zeitung vom 4. November 2013
Verwaltungsratspräsident der Bank of Cyprus Vom 20. November 2014 bis 14. Mai 2019 war Josef Ackermann Verwaltungsratspräsident der Bank of Cyprus.
Ackermanns Bild in der Öffentlichkeit Ackermanns Öffentlichkeitsbild als Manager ist wechselhaft. Weitläufig negative Reaktionen, bis hin zu Bundeskanzler Gerhard Schröder, verursachte Ackermann im Frühjahr 2005, als er ein neues Rekordergebnis der Deutschen Bank und gleichzeitig den Abbau von über 6.000 Arbeitsplätzen ankündigte.Kanzlerschelte für Josef Ackermann manager magazin, 13. Februar 2005; Alfred Herrhausen hatte einmal gesagt: „Es ist nicht die Frage, ob wir Macht haben oder nicht, sondern die Frage ist, wie wir damit umgehen, ob wir sie verantwortungsbewusst einsetzen oder nicht.“