mini|Rudolph Giuliani, 2019 mini|Rudolph Giuliani am Rednerpult, 2002

Rudolph William Louis „Rudy“ Giuliani III (* 28. Mai 1944 in Brooklyn, New York City) ist ein US-amerikanischer ehemaliger Anwalt und Politiker der Republikanischen Partei. Er war von Januar 1994 bis Ende Dezember 2001 der 107. Bürgermeister von New York City. In seine Amtszeit fielen die Terroranschläge am 11. September 2001 auf das ursprüngliche World Trade Center. Giuliani war einer der Bewerber der Republikanischen Partei für die Nachfolge von US-Präsident George W. Bush.

Während der Präsidentschaft Trumps wurde er 2018 für ihn als Rechtsberater und bis Februar 2021 als persönlicher Anwalt tätig. Giuliani war nach Trumps Wahlniederlage gegen Joe Biden im November 2020 eine zentrale Figur bei Trumps Versuchen, den Ausgang der Wahl zu kippen und sich damit im Amt zu halten. Giuliani erhob dabei vielfach widerlegte Vorwürfe des Wahlbetrugs und wurde danach vielfach juristisch belangt.

Familie, Ausbildung und Beruf Giuliani wurde als Sohn von Harold Angelo Giuliani (1908–1981) und Helen Giuliani (geborene D’Avanzo, 1909–2002) geboren, die beide Kinder italienischer Immigranten waren.wargs.com, Ancestry of Rudy Giuliani. Sein Vater wurde wegen Raubes und Körperverletzung verurteilt und saß eine Weile im Gefängnis Sing Sing. Nach seiner Entlassung arbeitete er für seinen Schwager Leo D’Avanzo, der Mitglied der New Yorker Mafia war, als Enforcer (Schläger und Erpresser).

Nach seinem Abschluss an der Law School der New York University 1968 trat Rudolph 1970 in das Büro des United States Attorney (Bundesstaatsanwaltschaft) ein. Mit 29 Jahren war er stellvertretender Staatsanwalt. Der Unterstützung seiner Vorgesetzten war es zu verdanken, dass er nicht im Vietnamkrieg dienen musste. Giuliani wurde 1975 in das US-Justizministerium geholt. Von 1977 an arbeitete er in einem New Yorker Anwaltsbüro.

Seine im Jahr 1968 geschlossene erste Ehe mit Regina Peruggi scheiterte 1982; Giuliani ließ die kirchliche Heirat mit der Begründung annullieren, erst jetzt gemerkt zu haben, dass Regina seine Cousine zweiten Grades war. Die Ehe blieb kinderlos. 2000 musste Giuliani einräumen, seine zweite Frau Donna Hanover mehrfach betrogen zu haben, und verkündete auf einer Pressekonferenz ihre Trennung, ohne seine Gattin vorher zu informieren. Er ließ sich später von Donna Hanover scheiden und heiratete Judith Nathan im Mai 2003. Er hat mit ihr einen Sohn und eine Tochter. 2018 reichte sie die Scheidung ein. 2019 wurde die Ehe geschieden.

Justizkarriere Ab 1981 war er Associate Attorney General und hatte damit die dritthöchste Funktion im Justizministerium inne. 1982 reisten 2000 Haitianer in die USA und verlangten politisches Asyl, da in ihrer Heimat der Diktator Jean-Claude Duvalier („Baby Doc“) herrschte. Giuliani vertrat in dem Verfahren um die Asylbewerber die These, es gebe in Haiti keine oder nur vernachlässigbare politische Repression. 1983 wurde Giuliani zum Bundesstaatsanwalt für den südlichen Distrikt von New York (United States Attorney for the Southern District of New York) ernannt, das Manhattan, die Bronx und sechs Countys im Hudson Valley oberhalb New York Citys umfasst., abgerufen am 18. November 2006.

In die Amtszeit Giulianis als Associate Attorney General fiel auch der Überfall auf das Geldlager der Sentry Armored Car-Courier Co. in der Nacht des 12. Dezember 1982, der damals zum größten Bargeld-Raubüberfall – es sollten mehr als 11 Millionen US-Dollar entwendet worden sein – erklärt wurde.Faksimile des „Wilmington Morning Star“ vom 3. Februar 1983 mit der AP-Meldung über den Überfall auf die Firma Sentry Armored Car-Courier Co.

1983 veröffentlichte der Mobster Joseph Bonanno, ehemaliger Boss der Bonanno-Familie, seine Autobiografie A Man of Honor,Joseph Bonanno/Lalli Bonanno, Sergeo: A Man of Honor: the Autobiography of Joseph Bonanno. Simon & Schuster 1983, ISBN 0-671-46747-6. in dem erstmals die Existenz der sogenannten Commission, dem Exekutiv-Komitee des National Crime Syndicate, und der Fünf Familien der Cosa Nostra in New York City zugegeben wurden. Giuliani nahm das Buch zum Anlass, Anklage gegen dort erwähnte Mitglieder zu erheben.Dagobert Lindlau: „Der Mob: Recherchen zum organisierten Verbrechen.“ dtv sachbuch 1987, ISBN 3-423-30070-1. 1985 begann der Mafia Commission Trial mit Giuliani als ChefanklägerThe Passionate Prosecutor Richard Stengel in Time vom 24. Juni 2001, abgerufen am 15. November 2006. in dem die Köpfe der Fünf Familien und ihre wichtigsten Gefolgsleute angeklagt wurden. Der Prozess endete mit der Verurteilung der Bosse zu hohen Strafen und war aus Sicht der Staatsanwaltschaft ein großer Erfolg. Im Jahr 1986 begann in den USA ein Prozess gegen insgesamt 22 Angeklagte (sog. „Monsterprozess“), die zu diesem Drogenring gehören sollten. Durch die Berichterstattung darüber wurde der Name „Pizza Connection“ allgemein bekannt. Der ehemalige Mafiaboss Gaetano Badalamenti (1923–2004) wurde zu 45 Jahren Gefängnis verurteilt und starb 2004 in der Haft.

Giuliani gewann als Bundesstaatsanwalt erste nationale Bedeutung in den USA. In diesem Amt wurde er Anklagevertreter in mehreren bedeutsamen Prozessen, einschließlich der Anklagen wegen Insidergeschäften gegen die führenden Wall-Street-Größen Ivan Boesky und Michael Milken. Giuliani wurde unter anderem kritisiert, weil er gerne öffentlichkeitswirksame Verhaftungen arrangierte, die zuweilen später statt in einer Gerichtsverhandlung in Freilassungen aus Mangel an Beweisen endeten.

Giuliani begann sein politisches Wirken zunächst als Demokrat und ließ sich später als Unabhängiger registrieren. Seit 1976 gehört er den Republikanern an.

Bürgermeister von New York mini|Giuliani mit Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Ground Zero, 14. November 2001 Im Wettbewerb um die Nachfolge des scheidenden Stadtoberhaupts Ed Koch unterlag Giuliani 1989 als Kandidat der Republikanischen Partei und der Liberalen Partei von New York dem Demokraten David Dinkins, der als erster Afroamerikaner New Yorker Bürgermeister wurde.

Vier Jahre später kandidierte Giuliani erfolgreich gegen Amtsinhaber Dinkins in einer Wahl, die die Stadt nach ihren ethnischen Gruppierungen teilte. 1997 wurde Giuliani von den Wählern mit großer Mehrheit im Amt bestätigt.

Erste Amtsperiode In seiner ersten Wahlperiode (1994–1998) ging Giuliani das Problem der Kriminalität durch eine strikte Law-and-Order-Politik an. Er führte eine offensive und erfolgreiche Polizeiüberwachung ein, die zu einer Abnahme der Fallzahlen in fast allen Verbrechenskategorien führte. Giuliani verstärkte in New York die so genannte Nulltoleranzstrategie, die schon vor seiner Amtszeit begonnen hatte. Giuliani machte nach seinem Amtsantritt Bill Bratton zum Chef des New York City Police Department. Bratton war zuvor Leiter der New Yorker Transit Authority, die bereits 1984 damit begonnen hatte, hart gegen Schwarzfahrer und Graffiti vorzugehen.Malcolm Gladwell: Tipping point. Wie kleine Dinge großes bewirken können. München, 2002, S. 164–172. Bratton folgte dabei der Broken-Windows-Theorie der Kriminologen James Q. Wilson und George Kelling.

Als Polizeichef unter Giuliani weitete Bratton die Strategie schließlich auf andere Bereiche aus. Mit der Zeit ging die Kriminalitätsrate deutlich zurück, und das Bild New Yorks wandelte sich. Es gab weniger Graffiti auf den U-Bahnen und einen Wirtschaftsaufschwung. Dieser wurde unter anderem der Tatsache zugeschrieben, dass sich die Leute auch nachts im Freien wieder sicher fühlten.

Die Kriminalitätsrate sank allerdings auch aufgrund anderer Faktoren als der Nulltoleranzstrategie Giulianis. So war sie in den 1970er und 1980er Jahren auch aufgrund der damaligen Crack-Epidemie und des damit verbundenen Drogenhandels in die Höhe geschnellt. Mit dem Nachlassen der Crack-Epidemie ging die Kriminalität landesweit zurück, auch in Städten, die andere Strategien verfolgten.Bernard E. Harcourt, Jens Ludwig: in: University of Chicago Law Review 2006, Vol. 73, S. 271–320. Allerdings setzte der Kriminalitätsrückgang in New York gegenüber dem Nachlassen der Crack-Epidemie erst mit deutlicher Verzögerung ein.Malcolm Gladwell: Tipping point. Wie kleine Dinge großes bewirken können. München, 2002, S. 165.

Die Nulltoleranzstrategie verstärkte allerdings auch den Eindruck von Polizeigewalt. Ende der 1990er Jahre nannten 81 % der schwarzen Bevölkerung von New York City Polizeibrutalität ein „sehr ernstes Problem“. 62 % billigten jedoch Giulianis Politik gegen das Verbrechen, darunter 78 % der weißen, 37 % der schwarzen und 61 % der hispanischen Teilnehmer einer Befragung. 17. Juni 1999, New York City.

Zweite Amtsperiode Die Terroranschläge gegen Ende seiner zweiten Amtszeit (1998–2001) forderten von Giuliani, Führungseigenschaften in einer nationalen Katastrophe zu zeigen. Nach dem Einsturz der beiden Türme des World Trade Center (WTC) und des World Trade Center 7 am 11. September 2001 steuerte er die Maßnahmen der Stadtverwaltung und spendete den Hinterbliebenen der Opfer Trost, besonders auch jenen der umgekommenen New Yorker Feuerwehrleute. Seine Rolle während dieser Krise ist umstritten.

Giuliani wurde von einigen für sein Engagement bei den Bemühungen um Rettung und Wiederaufbau gelobt. Andere jedoch, darunter Feuerwehrleute, Polizisten, Retter und Familien der WTC-Opfer, argumentieren, dass Giuliani die Rolle übertrieben habe, die er nach den Terroranschlägen spielte, um selbst gut dazustehen. Giuliani verdiente in einem Jahr 11,4 Millionen US-Dollar an Rednerhonoraren. Außerdem wurden Giuliani von einigen Hinterbliebenen schwere Versäumnisse beim Krisenmanagement vorgeworfen, darunter auch die angeblich mangelnde Zusammenarbeit zwischen Polizei und Feuerwehr am 11. September 2001. Auch habe die Weitergabe von Informationen zwischen der Notrufzentrale und den Einsatzkräften vor Ort nicht funktioniert. Wegen Mängeln im Notrufsystem seien den Menschen im World Trade Center wesentliche Informationen nicht zugänglich gewesen, die möglicherweise ihr Leben hätten retten können: Die Notrufzentrale habe nicht rechtzeitig von der Entscheidung der Feuerwehr erfahren, die brennenden Zwillingstürme zu evakuieren. Deshalb hätten Betroffene im World Trade Center bei Notrufen die Weisung bekommen, das Gebäude nicht zu verlassen, seien nicht rechtzeitig gerettet worden und deshalb zu Tode gekommen. Giuliani wies diese Vorwürfe zurück.Artikel (20. Mai 2004) auf spiegel.de.

In beiden Amtsperioden wurde über Giulianis Maßnahmen kontrovers diskutiert. In diesen acht Jahren verringerte sich die Kriminalitätsrate in der Stadt um etwa 57 %; er senkte die lokalen Steuern um rund 2,3 Milliarden US-Dollar und bemühte sich um die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Kritik Rechtskonservative, evangelikale Gegner kritisieren seine liberalen Positionen zu den Themen Abtreibung, gleichgeschlechtliche Ehe und Schusswaffenkontrolle. Dies erschwerte insbesondere seine Präsidentschaftskandidatur.n-tv.de, 6. März 2007 / Christian Wilp: „‚Rennen offen wie nie‘: Kandidatensuche in den USA“

Linke kritisierten die gestiegene Polizeipräsenz und deren striktes und oftmals als ungerechtfertigt empfundenes Durchgreifen (→ Polizeigewalt#USA) sowie verstärkte Überwachung nach den Ereignissen des 11. September 2001. Bekannte Fälle unangemessenen polizeilichen Vorgehens waren unter anderem der des unbewaffneten Amadou Diallo, der von New Yorker Polizisten erschossen wurde, und die brutale Gewaltanwendung innerhalb des Polizeigewahrsams gegen Abner Louima.NBC Report: “Giuliani Criticized for Amadou Diallo Shooting” (PDF) 4. Januar 1999.

Joe Biden kritisierte 2016 Giulianis Tendenz, aus seiner Rolle während der Terroranschläge 2001 politisches Kapital schlagen zu wollen: „Er erwähnt nur drei Dinge in einem Satz: Ein Nomen, ein Verb und die Terroranschläge 2001.“

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