mini|hochkant=1.3|Schulstraße mit der Johanneskirche im Hintergrund Crailsheim (im regionalen, hohenlohischen Dialekt []) ist eine Stadt im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs, etwa 25 Kilometer östlich von Schwäbisch Hall und 40 Kilometer südwestlich von Ansbach. Sie ist nach Schwäbisch Hall die zweitgrößte Stadt des Landkreises Schwäbisch Hall und die drittgrößte des Regionalverbands Heilbronn-Franken.

Seit dem 1. Januar 1972 ist Crailsheim eine Große Kreisstadt. Mit den Gemeinden Frankenhardt, Satteldorf und Stimpfach ist die Stadt Crailsheim eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Geographie Lage mini|hochkant=2|Panoramabild der Stadt Crailsheim mini|Blick nach Südosten über die Jagst zur Johanneskirche Crailsheim liegt auf beiden Seiten der Jagst in der weiten, nach ihr benannten Stufenrandbucht Crailsheimer Bucht, die der Fluss bei seinem Austritt aus dem Keuperbergland im Süden und Osten an der Grenze zur Gäulandschaft der südöstlichen Hohenloher und Haller Ebene ausgeräumt hat. Der Fluss läuft dann in den Kocher-Jagst-Ebenen weiter. Die umrahmenden Berge östlich der Bucht, Crailsheimer Hardt genannt, sind Teil der Frankenhöhe. Den West- und Südwestrand bilden die Höhenwälder um den Burgberg (534 m), denen morphologisch getrennt im Süden die Ellwanger Berge folgen, beides Teile der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge. Anteil am Stadtgebiet haben alle genannten Naturräume.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009. Crailsheim gehört zum Regionalverband Heilbronn-Franken, dessen größte Stadt Heilbronn sich circa 75 km westlich befindet.

Nachbargemeinden Die folgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt, im Uhrzeigersinn von Nordosten, an: Satteldorf, Kreßberg, Fichtenau, Stimpfach, Frankenhardt, Vellberg, Ilshofen und Kirchberg an der Jagst (alle Landkreis Schwäbisch Hall).

Stadtgliederung Das Stadtgebiet Crailsheims gliedert sich in die neun Stadtteile Beuerlbach, Crailsheim, Goldbach, Jagstheim, Onolzheim, Roßfeld, Tiefenbach, Triensbach und Westgartshausen. Alle Stadtteile, ausgenommen Beuerlbach und Crailsheim, sind zugleich Ortschaften nach der baden-württembergischen Gemeindeordnung, d. h., sie haben einen Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzendem. Die Ortschaftsräte werden bei jeder Kommunalwahl von der wahlberechtigten Bevölkerung der Ortschaft gewählt. mini|ohne|498px|alternativtext=Grafik mit den Ortschaften und Stadtteilen der Stadt Crailsheim|Stadtteile und Ortschaften der Stadt Crailsheim

Einige der Stadtteile sind administrativ weiter untergliedert in Wohngebiete bzw. -bezirke oder Wohnplätze mit eigenem Namen: mini|Rathaus (links) und Liebfrauenkapelle (rechts) CrailsheimCrailsheim: Kernstadt, Altenmünster, Ingersheim und Rotmühle (Crailsheim) Goldbach: Goldbach; die Burgstelle der ehemaligen Burg Schönebürg ist heute eine Walderholungsanlage Westgartshausen: Lohr, Mittelmühle, Ofenbach, Oßhalden, Schüttberg, Wegses, Westgartshausen und Wittau sowie die abgegangene Burg Lohr der Herren von Lohr Jagstheim: Alexandersreut, Burgbergsiedlung (Neubausiedlung), Eichelberg, Jagstheim, Stöckenhof, Kaihof und Jakobsburg sowie die abgegangene Pfannenburg Onolzheim: Onolzheim und Hammerschmiede, Burgstall Onolzheim Roßfeld: Hagenhof, Ölhaus, Maulach, Roßfeld, Sauerbronnen und Teile des zum Wohngebiet umgebauten ehemaligen US-amerikanischen Militärstützpunkt McKee Barracks sowie die abgegangene Wasserburg Flügelau Tiefenbach: Rüddern, Tiefenbach, Weidenhäuser Mühle, Wollmershausen Triensbach: Buch, Erkenbrechtshausen, Heinkenbusch, Saurach, Triensbach und Weilershof

Die Kernstadt ihrerseits besteht aus den Wohngebieten Innenstadt, sie umfasst das Gebiet der Altstadt Schießberg, im Volksmund auch „Hexenbuckel“ genannt, im Nordosten Kreuzberg, ein seit den 1950er Jahren im Osten und Süden aufgebauter Stadtteil, mittlerweile der größte Stadtteil Türkei, ein Stadtteil im Süden (der Name rührt vermutlich von den Zuständen im Arbeiterlager, das dort für den Eisenbahnbau gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand, nicht aber von der Nationalität dieser Wanderarbeiter herKerstin Schellhorn: In: Hohenloher Tagblatt. 2. Oktober 2013, abgerufen am 26. November 2013.) Fliegerhorst, auf dem ehemaligen, 1945 zerstörten Flugplatz-Areal im Westen gelegen, heute größtenteils Gewerbegebiet Sauerbrunnen, eine in der Nachkriegszeit aufgebaute Vertriebenensiedlung im Westen Roter Buck, eine vor allem in den 1960er und 1970er Jahren erbaute Siedlung im Nordwesten

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für die Stadt Crailsheim. Statistisches Landesamt, abgerufen am 18. August 2021.

Raumplanung Crailsheim bildet ein Mittelzentrum im Regionalverband Heilbronn-Franken, in der Heilbronn als Oberzentrum ausgewiesen ist. Zum Mittelbereich Crailsheim gehören neben Crailsheim die Städte und Gemeinden im nordöstlichen Teil des Landkreises Schwäbisch Hall, und zwar Blaufelden, Fichtenau, Frankenhardt, Gerabronn, Kirchberg an der Jagst, Kreßberg, Langenburg, Rot am See, Satteldorf, Schrozberg, Stimpfach und Wallhausen.

Schutzgebiete Auf dem Crailsheimer Stadtgebiet gibt es insgesamt sieben Naturschutzgebiete: Den Reusenberg nördlich von Maulach, das Hammersbachtal nordöstlich von Westgartshausen sowie das Naturschutzgebiet Wacholderberg-Geigerswasen bei Westgartshausen, den Crailsheimer Eichwald nordöstlich von Crailsheim und das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Jagsttal mit Seitentälern zwischen Crailsheim und Kirchberg, das unterhalb der Kläranlage beginnt und bis Kirchberg reicht.

Hinzu kommen weitere 13 Landschaftsschutzgebiete, die ganz oder teilweise auf Crailsheimer Gebiet liegen: Eichenhain Hölzle südlich der Straße Jagstheim-Unterspeltach Jagsttal mit angrenzenden Gebieten zwischen der Kreisgrenze gegen den Ostalbkreis und der Brücke der Bundesstraße 290 über die Jagst bei der Wiesmühle Jagsttal zwischen der Wiesmühle und Crailsheim Jagstufer Heldenmühle bis zur Tiefenbacher Straße Keuperstufenrand bei Goldbach Keuperstufenrand bei Wittau Kreckelberg, Karlsberg (Galgenberg) mit Weinberg und Breitsee Kühnbachtal oberhalb Beuerlbach mit Hermannsberg Lerchenberg-Hahnenberg Pappelallee bei Onolzheim Reiglersbachtal und Umgebung Retzklinge-Ebnet-Frauenberg und Umgebung Veitwasen-Schlechtenberg-Lindle-Spitalfeld-Goldbachäcker und Umgebung

Außerdem liegen auf dem Stadtgebiet mehrere Teilgebiete des FFH-Gebiets Crailsheimer Hart und Reusenberg und ein Teil des FFH-Gebiets Jagst bei Kirchberg und Brettach. Die Jagst ist als Vogelschutzgebiet Jagst mit Seitentälern ausgewiesen.Daten- und Kartendienst der LUBW. LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, abgerufen am 5. Februar 2024 (Karte).

Geschichte Frühes und hohes Mittelalter Das Gebiet um Crailsheim war im frühen Mittelalter Teil des zum Herzogtum Franken gehörigen Maulachgaus. Die Stadt selbst hat ihren Ursprung in einer fränkischen Siedlung aus dem 7. Jahrhundert in der Nähe eines Jagstüberganges. Die erste urkundliche Erwähnung von Crailsheim datiert von 1136, damals hieß es noch „Cröwelsheim“, später „Krawelsheim“. Führende Adelsfamilien in dieser Zeit waren die Herren von Lohr und von Flügelau; Teile gehörten dem Stift St. Moritz in Augsburg. Nach dem Aussterben der Herren von Lohr und von Flügelau kam Crailsheim Ende des 13. Jahrhunderts an die Grafen von Oettingen. mini|Plan Crailsheims, angefertigt 1828/29 bei der Württembergischen Landesvermessung Nach der Verhängung der Reichsacht über Konrad Schrimpf Graf von Oettingen im Jahr 1310 wurde Crailsheim als Reichslehen eingezogen und vier Jahre später als Lehen an die Edelherren von Hohenlohe übergeben. Im Jahr 1324 erscheint Crailsheim als Markt, 1335 als Zollstätte, deren Einkünfte Kraft II. von Hohenlohe von Ludwig dem Bayern bekommen hatte, 1338 folgt die Erhebung zur Stadt und die Ausstattung mit hällischem Stadtrecht und dem Blutbann. 1350 wurde mit dem Bau einer Stadtmauer begonnen.

Der schwäbische Städtebund und die Horaffensage Im Jahr 1376 schlossen sich verschiedene Städte im Schwäbischen Städtebund gegen Kaiser Karl IV. zusammen, der sie hart auspresste und aufgrund seiner Raffgier auch „des deutschen Reiches Stiefvater“ genannt wurde. Unterstützung erhielt er dabei u. a. von Kraft IV. von Hohenlohe. Nach wechselseitigen Plünderungen und Brandschatzungen zogen die zum Schwäbischen Städtebund gehörenden Reichsstädte Schwäbisch Hall, Rothenburg und Dinkelsbühl im Herbst 1379 vor der in hohenlohischem Besitz stehenden Stadt Crailsheim auf und belagerten sie, bis sie erfolglos am 17. Februar, dem Mittwoch vor Estomihi, des Jahres 1380 abziehen mussten. Soweit sind die Vorgänge historisch belegt.

Es wird gern erzählt, dass die eingeschlossenen Crailsheimer – vor allem die Crailsheimerinnen – nach Monaten der Belagerung, die sie zermürbt hatte, zu einer letzten List griffen, um die Stürmung der Stadt abzuwenden. Die Frauen sammelten das letzte noch vorhandene Mehl, buken daraus die in ihrer Form unverkennbaren Horaffen (= „Horn offen“) und warfen sie über die Stadtmauer. Gleichzeitig bestieg die Bürgermeistersgattin mutig die Stadtmauer und zog blank: Sie streckte den Angreifern ihr Hinterteil entgegen, dessen Konturen von unten, aus der Sicht der Belagerer, denen der Horaffen glichen. Die Reichsstädter erschraken ob der Leibesfülle und fürchteten nun, dass alle eingeschlossenen Crailsheimer so wohlgenährt wie des Bürgermeisters Gattin seien und es daher noch lange brauchen würde, die Stadt auszuhungern. Da die von den Städten eingesetzten Söldnerheere große Summen verschlangen, sah man sich angesichts dessen zum Abzug genötigt. Die Crailsheimer feiern seit damals den Mittwoch vor Estomihi als Stadtfeiertag (2016 am 3. Februar), an dem die Schüler der Crailsheimer Schulen je einen Horaffen von den Crailsheimer Bäckereien geschenkt bekommen.

Eine andere Deutung des Horaffengebäcks geht auf die Frau Krafts II. von Hohenlohe, Adelheid von Württemberg, zurück. Sie soll ihren Wohnsitz auf der Schönebürg bei Goldbach (daher dort wohl die Straße Adelheidsruh bzw. die Adelheidstraße gegenüber vom Volksfestplatz) gehabt haben und oft über das Ansbacher Tor nach Crailsheim gefahren sein, das sich vor ihr von selbst aufgetan habe. Sie soll eine Seelstiftung in der Johanneskirche angelegt haben, auf die sich die Horaffen als sog. Seelgebäck beziehen, und hat wohl der Stadt Crailsheim Felder, Wiesen und Wälder sowie Fischteiche vermacht, die dadurch zur Allmende wurden.

Zugehörigkeit zum Fürstentum Ansbach 1387 wurde die Stadt von den Hohenloher Grafen an die drei Reichsstädte Rothenburg, Hall und Dinkelsbühl, im Folgejahr und erneut 1390 an die Landgrafen von Leuchtenberg verpfändet. Letztere verkauften die Stadt 1399 für 26.000 Gulden an die Burggrafen zu Nürnberg aus dem Haus Hohenzollern, die später zu Markgrafen von Brandenburg-Ansbach wurden. Crailsheim war damit ein Teil des Fürstentums Ansbach, das ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis gehörte; im Fürstentum Ansbach wurde schon frühzeitig die Reformation durchgeführt (siehe dazu auch unten bei Religionen).

In Crailsheim haben zwischen 1552 und 1603 Hexenverfolgungen stattgefunden. 17 Männer und Frauen, darunter eine Anna Dürrin, gerieten in einen Hexenprozess. Mindestens sechs überlebten nicht. Die letzte Hinrichtung wurde 1594 an Anna Dasing „die Seilerin“ genannt, vollzogen.Traudl Kleefeld: Zusammenstellung der aufgefundenen Hexenverfahren im Bereich des Markgraftums Ansbach. In: Hans Gräser, Traudl Kleefeld und Gernot Stepper: Hexenverfolgung im Markgraftum Brandenburg-Ansbach und in der Herrschaft Sugenheim mit Quellen aus der Amtsstadt Crailsheim (= Mittelfränkische Studien. Band 15; Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte und Heimatkunde in Württembergisch Franken. Band 19). Historischer Verein für Mittelfranken, Ansbach 2001, ISBN 3-87707-573-8, S. 424–433.