Ehningen ist eine Gemeinde in der Region Stuttgart in Baden-Württemberg. In seinem Nordosten grenzt Ehningen direkt an die Kreisstadt Böblingen.
Geographie mini|Luftbild von Südwesten, 1983 Lage Ehningen liegt im Korngäu am nordwestlichen Rande des Naturparks Schönbuch. Das historische Ehningen ist nördlich der Würm gelegen, im Zuge des Wachstums des Ortes fließt die Würm nun mitten durch den Ort. Der zweite größere Wasserlauf Ehningens ist der Krebsbach, der südwestlich des alten Ortskerns in die Würm mündet.
Gemeindegliederung Zu Ehningen gehört das Dorf Ehningen, der Weiler Mauren und das Haus Sägewerk sowie die abgegangenen Ortschaften Hoingen, Rainmulin, Sulz und Haldenölmühle.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 89–91.Ehningen bei leo-bw.de, abgerufen am 5. Dezember 2015. Schutzgebiete
In Ehningen liegt das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Krebsbachaue. Unter Landschaftsschutz stehen Geländeteile westlich und nördlich der Ketterlenshalde (Füllesbrunnen, beim Kaiserbusch und Birkensee) und das Würmtal nördlich Hildrizhausen samt dem Talbecken um Mauren zwischen Holzgerlingen und Ehningen. Im Südosten liegt ein kleines Teilgebiet des FFH-Gebiets Schönbuch und der Schonwald Bärenklinge.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Vorgeschichte und Altertum Es gibt reichliche Zeichen einer kontinuierlichen Nutzung dieses Landstriches. So wurden eine jungsteinzeitliche Pfeilspitze (3000–1800 v. Chr.) und ein bronzezeitliches Hügelgrab (1800–1200 v. Chr.) gefunden. Etwas südlich des heutigen Ehningen wurde eine keltische Viereckschanze ausgegraben, die aber heute überbaut ist.
Ab dem dritten Jahrhundert nach Christus begann die Besiedelung durch die Alemannen. Dies wird auch durch die 1878 beim Bau der Bahnstrecke Stuttgart–Horb gefundenen alemannischen Reihengräber belegt. Mit der Endung -ingen lässt sich Ehningen den „schwäbischen Urdörfern“ zuordnen. Der ursprüngliche Name „Ondgingin“ oder „Ondingen“ weist dabei möglicherweise auf einen alemannischen Sippenführer mit Namen „Ondo“ hin.
Mittelalter Das Gebiet gehörte im Mittelalter zum Herzogtum Schwaben. Die erste urkundliche Erwähnung Ehningens lässt sich auf das Jahr 1185 datieren, nach der Ritter Albertus de Ondingin ein Gut bei Herrenberg erwarb. Dieser Albertus stammte aus dem ortsansässigen Adelsgeschlecht und war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Vasall der Calwer Grafen.
mini|Ehningen 1681, Forstlagerbuch von Andreas Kieser Im Mittelalter war die Größe Ehningens vergleichsweise konstant, die Siedlungsfläche war durch den so genannten „Etter“ begrenzt. Dieser Etter war in der Hauptsache ein Zaun, der das Vieh daran hindern sollte, in die Gärten der Häuser einzudringen. Es gab aus dem alten Ortskern drei Straßen: Die Obere Gasse (heute Königsstraße), die nach Osten Richtung Böblingen durch das Obere Tor und nach Westen Richtung Herrenberg, Aidlingen und Gärtringen durch das Untere Tor führte. Die Dagersheimer Straße führte Richtung Norden durch das Weilemer Tor (auch Linsentor). Von diesen drei Toren ist keines erhalten geblieben. Den Verlauf des Etters sieht man im Osten noch am heutigen Verlauf des „Gängle“. Die Siedlungsgrenze des Etters wurde erst im 19. Jahrhundert überschritten mit neuer Siedlungsfläche Richtung Aidlingen.
Württembergische Zeit 1357 kam Ehningen von der Pfalzgrafschaft Tübingen an die Grafschaft Württemberg. Die Grafen von Württemberg vergaben das Dorf an adelige Herren zu Lehen, darunter die Söler von Ehningen, die Söler von Richtenberg, die Truchsessen von Höfingen sowie die Herren von Hailfingen, von Ow, von Münchingen und von Dürrmenz. Herzog Ulrich von Württemberg setzte 1534 in seinem Land die Reformation durch, so dass Ehningen seither evangelisch geprägt war. Das Schloss kam 1670 im Erbgang an die Familie von Breitschwert.
Ehningen gehörte stets zum Amt bzw. seit 1758 Oberamt Böblingen, was sich auch nach der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im seit 1806 bestehenden Königreich Württemberg nicht änderte.
1850 hatte Ehningen 1634 evangelische und drei katholische Einwohner, die in 308 Haupt- und 88 Nebengebäuden lebten und arbeiteten.Tabelle I. In: Beschreibung des Oberamts Böblingen, 1850 (Wikisource)
Mit Eröffnung der Bahnstrecke Stuttgart–Horb erfolgte 1874 der Anschluss von Ehningen an das Streckennetz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen.
20. und 21. Jahrhundert mini|rechts|Luftbild von Ehningen, August 1918 Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum Landkreis Böblingen. 1945 wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte Ehningen rund 2000 Einwohner; diese Zahl ist bis zum Jahr 2000 kontinuierlich auf rund 7000 Einwohner angestiegen. Es entstanden die Wohngebiete Schützenmaden, Herdstelle, Waag, Talstraße, Leimentalstraße und Gärtringer Weg, Schwarzwaldsiedlung, Bol, im Jahre 2005 das Baugebiet Bühl I und schließlich 2012 Bühl II.
Im Zuge der Gemeindereform in den 1970er Jahren gab es Gedanken, Ehningen nach Böblingen einzugemeinden; diese Pläne wurden aber nie verwirklicht.
Religionen mini|Evangelische Marienkirche in Ehningen Seit der Reformation war Ehningen evangelisch-lutherisch geprägt. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstand im Zuge der Ansiedelung von Vertriebenen wieder eine katholische Kirchengemeinde.
Die evangelische Marienkirche, ursprünglich den Heiligen Donatus, Afra und Fridolin geweihtEv. Kreisbildungswerk und Kath. Bildungswerk Kreis Böblingen (Hrsg.), Die Kirchen im Landkreis Böblingen, München 1990, S. 14. stammt aus dem 15. und 16. Jahrhundert und ist im spätgotischen Stil erbaut. Wahrscheinlich steht sie auf dem gleichen Standort wie eine ältere Kirche in Ehningen. Dort ist das Epitaph des Juristen und örtlichen Schlossherrn Philipp Leonhard von Breitschwerdt (1654–1712) erhalten, der Großvater des Kirchenlieddichters Christoph Karl Ludwig von Pfeil (1712–1784).
Die katholische Kirche St. Elisabeth wurde 1957 fertiggestellt.
Die Maurener Liebfrauenkirche war lange Zeit eine beliebte Wallfahrtskirche. Seit 1554 war Mauren eine eigene Pfarrei. Diese bestand bis 1809. Heute wird nur noch der Chor als Kapelle verwendet (in unregelmäßigen Abständen). Das Kirchenschiff dient als Lagerraum.
Am Altdorfer Weg steht die neuapostolische Kirche.
Ortsteile Ehningen besteht (einschließlich Mauren) aus acht Ortsteilen: Bernrain, Wohn- und Industriegebiet am nordöstlichen Ortsende Bol (Boll), westlich des Ortskerns gelegene Wohngebiete Bühl, Neubaugebiet nördlich des Bahnhofs Furt (Fronäcker), Alter Ortskern Herdstelle, Wohngebiet im Osten des Ortes, zwischen Autobahn 81 und Kreisstraße 1077 Letten, Industriegebiet im Westen des Ortes Mauren Schwarzwaldsiedlung
Mauren
mini|Schloss Mauren mit moderner Überbauung Das Schlossgut oder Hofgut Mauren liegt an der Grenze zwischen dem oberen (oder Korn-)Gäu und dem Schönbuch im Tal der Würm. Der Name Mauren hat seinen Ursprung mit aller Wahrscheinlichkeit vom Wort Mauer. Dies bezieht sich auf einen ehemaligen römischen Gutshof, der unweit des heutigen Mauren im Würmtal gelegen hat.
Mauren wurde 1320 erstmals erwähnt und war damals ein württembergisches Lehen. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte Mauren häufig den Besitzer. Das Maurener Schloss wurde 1617 von Heinrich Schickard errichtet. 1943 fiel es einem britischen Bombenangriff zum Opfer, wobei aufgrund von Nebel Mauren mit Böblingen verwechselt wurde. Heute stehen noch die Außenmauern des Erdgeschosses, der Gewölbekeller unter dem Erdgeschoss ist ebenfalls erhalten. Über der Ruine wurden 2005 zwei Wohnhäuser gebaut, die auf Stahlpfeilern direkt über den Außenmauern der Ruine stehen.
Eingemeindungen Im Jahr 1851 wurde Mauren nach Ehningen eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Jahr 1550 1610 1650 1850 1939 1950 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Einwohner 500 800 300 1637 1985Statistisches Landesamt B-W. 3068 5890 6906 7286 7176 7530 7637 7903 8694 9222
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat in Ehningen besteht aus den 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem EndergebnisWahlinformationen auf komm.one
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FW Freie Wähler 31,81 6 34,94 6 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 31,17 5 24,15 4 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 20,05 4 25,66 5 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 16,97 3 15,25 3Gesamt 100 % 18 100 % 18Wahlbeteiligung 70,38 % 67,17 %
Bürgermeister 1948–1960: Wilhelm Schäfer 1960–1980: Rolf Mezger 1980–2004: Hans Heinzmann 2004–2020: Claus Unger seit 2020: Lukas Rosengrün
Wappen
Wirtschaft und Infrastruktur Ehningen ist ein typischer Ort im Einzugsgebiet von Böblingen, Sindelfingen und Stuttgart mit einem sehr hohen Anteil an Pendlern. Es gibt drei Gewerbegebiete in Ehningen: Letten, Birkensee und Bernrain.
Wichtige Arbeitgeber sind die Bertrandt AG und die Großbäckerei Sehne. Im Nordwesten befindet sich ein großer Steinbruch der Firma Baresel. Des Weiteren finden sich im Ort weitere Betriebe aus Handel, Gewerbe, Gastronomie und Landwirtschaft.
Ehningen ist Standort der Deutschland-Zentrale von IBM. 2021 wurde dort der erste kommerzielle Quantencomputer Europas vorgestellt.taz.de, abgerufen am 19. Mai 2024.
Verkehr Ehningen liegt an der Bundesautobahn 81. Die „Bodenseeautobahn“ führt von Würzburg nach Gottmadingen bei Singen und wurde Ende der 1970er Jahre erbaut.
Die Bahnstrecke Stuttgart–Horb, die durch Ehningen führt, wurde 1878 eingeweiht. Die Linie S1 (Kirchheim (Teck)–Stuttgart–Herrenberg) der Stuttgarter S-Bahn verkehrt seit 1991 auf dieser Strecke. Die S-Bahn fährt meist halbstündlich in beide Richtungen. Dadurch sowie durch Buslinien ist Ehningen in den Verkehrsverbund VVS eingebunden.
Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Ehningen mit Böblingen und in der anderen Richtung über Gärtringen und Nufringen mit Herrenberg verbunden. Einige Abschnitte davon sind als Radschnellverbindung ausgebaut.
Bildungseinrichtungen In Ehningen gibt es vier Schulgebäude, davon wird als Schule nur die Friedrich Kammerer-Schule (1968) verwendet. Diese Gemeinschaftsschule hat ihren Namen vom Erfinder der ersten Reibzündhölzer der Welt, Jakob Friedrich Kammerer. Für die Schüler, Eltern und Lehrer der Schule gibt es seit 2002 wieder einen Schulsozialarbeiter. Die Schulsozialarbeit an der Friedrich-Kammerer-Schule bietet Einzelhilfe und Beratung, Sozialpädagogische Gruppenarbeit und Projekte, Gemeinwesenarbeit und Vernetzung sowie offene Freizeitangebote. Sie ist Teil des Jugendreferats der Gemeinde Ehningen.
Die „Fronäckerschule“ war 1915 eingeweiht worden. Ihren Namen hat sie von ihrem Standort auf den Fronäckern, die außerhalb des alten Ortskerns gelegen waren. Sie wird heute als „Haus der Vereine“ genutzt und beherbergt neben verschiedenen Vereinen die Volkshochschule. Die ehemalige neue Schule (erbaut 1843) und die ehemalige alte Schule (erbaut 1826) sind zentral neben der evangelischen Kirche (Marienkirche) gelegen. Beide wurden in den 1980er Jahren renoviert und dienen heute als Wohnhäuser.
Referat für Familie, Jugend, Senioren und Soziales