Lehrte ist eine Stadt und selbständige Gemeinde in der Region Hannover in Niedersachsen und eine typische Eisenbahnerstadt. Die Stadtmitte der Stadt Lehrte ist 16 Kilometer Luftlinie von der Stadtmitte der Landeshauptstadt Hannover entfernt.

Geografie Lehrte liegt östlich von Hannover in der Norddeutschen Tiefebene, genauer im Grenzbereich zwischen Braunschweig-Hildesheimer Lößbörde und Burgdorf-Peiner Geest sowie der Hannoverschen Moorgeest.

Nachbargemeinden

Stadtgliederung Ortschaften (inkl. Kernstadt u. Altwarmbüchener Moor) km² Einwohner Ahlten 19,68 5.493 Aligse 5,75 1.696 Arpke 10,69 2.879 Hämelerwald 18,45 4.622 Immensen 19,40 2.412 Kolshorn 6,40 368 Lehrte (Kernstadt) 20,46 23.493 Röddensen 4,62 238 Sievershausen 6,54 2.375 Steinwedel 13,24 1.799 Altwarmbüchener Moor 1,83 − (Quelle: Fläche [Stand: 31. Dezember 2016] und Einwohner [Stand: 31. Dezember 2015] In: Website Stadt Lehrte. 31. Dezember 2016, abgerufen am 20. April 2019.)

Geschichte Erste Siedlung Die ältesten Bodenfunde in Lehrte stammen aus der Steinzeit (2000 v. Chr.). Am Westhang des Ramsberges (auch Rhamesberg) fand man in Wohngruben Werkzeuge und Geräte aus Stein. Man fand dort 1845 auch ein Gräberfeld im Zuge des Baus der Eisenbahnstrecke Lehrte–Hildesheim. Die Lage der Wohngruben ist nicht zufällig, sondern vom nachliegenden Bach bestimmt, der Wasser lieferte und gleichzeitig Schutz bot.

Geschichte der Kernstadt Das Dorf Lehrte wurde erstmals 1147 in einer Urkunde erwähnt. Es entstand, wie viele germanische Dörfer, an einem Hügel und am Wasser. Das Dorf bestand aus drei Wegen, die später zu Straßen ausgebaut wurden: Osterstraße, Mühlenstraße (heute Teil der Marktstraße) und Hagenstraße. Die drei Straßen treffen sich heute noch wie damals am Lindenberg. Lehrte war über Jahrhunderte ein relativ unbedeutendes Bauerndorf. Zwischen 1147 und 1302, das genaue Datum ist nicht bekannt, wurde im Ort eine Kapelle als Untergliederung der Kirche in Steinwedel gegründet,Paul Bode: Urkundliches zur Geschichte der Stadt Lehrte. Hrsg.: Stadtverwaltung Lehrte, Lehrte 1954, S. 93, 2. Absatz. die heutige Nikolauskirche. Bereits zu dieser Zeit liegt Lehrte im historischen Siedlungsraum des Großen Freien.

Mit dem Bau der Bahnstrecke Hannover–Braunschweig ab 1843 erlangte Lehrte erstmals Bedeutung, die in den folgenden Jahren mit der Verlängerung der Bahnstrecken nach Celle, Hildesheim und Berlin (Lehrter Bahn mit Lehrter Bahnhof) noch zunahm. Zu Beginn des Eisenbahnbaus hatte der Ort 755 Einwohner, 60 Jahre später etwa zehnmal so viele. 1898 wurden Lehrte die Stadtrechte verliehen. Mit der Eisenbahn siedelte sich Industrie an, so gab es eine Tonwaren-, Mineraldünger-, Zement-, Konserven- und eine Zuckerfabrik.

links|mini|hochkant|Lehrte 1896 mini|Die Lage der Kernstadt im Stadtgebiet von Lehrte mini|Rathaus mini|Ehemalige Kali-Förderanlagen

1881 gründete Hermann Manske mit anderen Kommanditisten in der Lehrter Feldmark die Zementfabrik Germania. Sie war die zweite Fabrik der Zementindustrie bei Hannover. Nachdem Manske 1892 der Stadt Lehrte ein Krankenhaus mit Grundstück gestiftet hatte, benannte diese ihm zu Ehren eine Straße als Manskestraße. Im selben Jahr errichtete er die Villa Nordstern. 1910 wurde die Zementfabrik stillgelegt. 1911 entstand eine Viehverkaufshalle, und Lehrte wurde zum bedeutendsten Viehumschlagplatz in Norddeutschland. 1912 wurde der Kalischacht Bergmannssegen abgeteuft. In dieser Zeit wurden Schulen und vor allem das Gymnasium gebaut, das lange Zeit das einzige Gymnasium im Landkreis Burgdorf blieb.

Mitte der 1930er Jahre wurde nördlich von Lehrte eine Autobahn, die heutige Bundesautobahn 2, erbaut. Bei der Gewinnung des dafür nötigen Sandes und Kieses entstand der Hohnhorstsee, der damals noch Autobahnsee genannt wurde und nach dem die Autobahnraststätte bei Lehrte in Lehrter See benannt wurde. Die südlich der Autobahn gelegene Raststätte grenzte ursprünglich an den See, wurde jedoch 1987 abgerissen.Infotafeln zwischen Hohnhorstsee und Bundesautobahn 2, abgelesen am 15. Mai 2010.

Geschichte der neuen Stadt Lehrte Bis zum Jahre 1974 war Lehrte eine Stadt im Landkreis Burgdorf im Regierungsbezirk Lüneburg. Die Gebietsreform in diesem Jahr vereinigte die Landkreise Burgdorf, Neustadt am Rübenberge, Springe am Deister (nur teilweise) und Hannover zu einem neuen Landkreis Hannover, der dem Regierungsbezirk Hannover zugeordnet wurde. Im Rahmen dieser Gemeindegebietsreform schlossen sich mit Wirkung vom 1. März 1974 die damalige Stadt Lehrte sowie die Gemeinden Ahlten, Aligse, Arpke, Hämelerwald (vorher im Landkreis Peine), Immensen, Kolshorn, Röddensen, Sievershausen und Steinwedel mit dem Gebietsänderungsvertrag vom 14. Dezember 1973 zur „neuen“ Stadt Lehrte zusammen.Gebietsänderungsvertrag aus Anlaß der Neubildung der Stadt Lehrte. In: Website Stadt Lehrte. 14. Dezember 1973, abgerufen am 20. April 2019 (PDF; 17 kB). Seit dem 1. November 2001 bilden der ehemalige Landkreis Hannover einschließlich der Stadt Lehrte und die Landeshauptstadt Hannover die Region Hannover. Infolge der Auflösung des Regierungsbezirks Hannover am 31. Dezember 2004 endete die Zugehörigkeit zu diesem.

Seit 1975 hat sich die Stadt städtebaulich gewandelt. Nicht mehr benötigte innerstädtische Gewerbe-Brachflächen wurden neu genutzt (Neues Zentrum). Ehemalige Bahnschrankenübergänge wurden durch kreuzungsfreie Trogbauwerke ersetzt. Industrie- und Gewerbebetriebe wurden schon in den 1970er-Jahren am Stadtrand in neuen Gewerbegebieten angesiedelt. Die städtebauliche Entwicklung wird seit mehr als 30 Jahren von der Deutschen Bahn stark behindert, sehr große Eisenbahn-Brachflächen liegen noch immer im Lehrter Kernstadtgebiet (Richtersdorf, alter Verschiebebahnhof). Die 2002 mit dem Abriss der ehemaligen Zuckerfabrik freigewordenen circa 115 Hektar umfassenden innerstädtischen Flächen wurden für die Erweiterung des Stadtparks um 28 Hektar sowie für zusätzliche innerörtliche Verkaufsflächen verwendet, was aber gleichzeitig zu einer Zersiedelung des Zentrums führte. Nach heftigen politischen Auseinandersetzungen wurde auf einer weiteren Teilfläche des Zuckerfabriksgeländes 2012 ein Baumarkt errichtet. Die verbliebene Restfläche (C-Fläche) soll mit Firmen aus dem Dienstleistungssektor besiedelt werden, allerdings hat sich bisher (Stand Herbst 2017) kein geeigneter Bewerber gefunden. In: Website Stadt Lehrte. 13. Februar 2015, abgerufen am 20. Februar 2019 (PDF; 849 kB).

Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Einwohnerentwicklung

1000: 64 1350: 200 1638: 350 1800: 565 1850: 800 1900: 6.554 1905: 7.875 (Volkszählung am 1. Dezember) 1914: 9.843 1925: 10.714 1939: 11.729 (Volkszählung am 17. Mai) 1950: 19.172 (30. Juni) 1961: 21.257 (Volkszählung am 6. Juni) 1970: 21.974 (Volkszählung am 27. Mai) 1974: 37.861 (Gebietsreform) 1981: 38.371 (30. Juni) 1987: 39.577 (Volkszählung am 25. Mai) 1990: 40.086 (30. Juni) 1995: 41.728 (30. Juni) 2000: 43.683 (30. Juni) 2005: 44.149 (31. Dezember) 2006: 43.925 (31. Dezember) 2011: 43.248 (31. Dezember) 2015: 44.410 (31. Dezember) 2016: 43.720 (31. Dezember) 2017: 43.932 (31. Dezember) 2018: 43.999 (31. Dezember) 2024: 44.255 (31. Dezember)

Politik

Rat Der Rat der Stadt Lehrte hat 41 Sitze. Diese verteilen sich auf 40 Ratsmitglieder und den Bürgermeister. Der Rat setzt sich seit der Kommunalwahl am 12. September 2021 folgendermaßen zusammen (mit Vergleich zur Wahl 2016):

Partei / Liste Sitze2021Sitze2016 SPD 14 15 CDU 12 14 GRÜNE 6 4 Die Linke 1 2 FDP 2 2 AfD 2 2 PIRATEN – 1 Die PARTEI 1 – Wir für Lehrte (WfL) 2 – Bürgermeister 1 1

Von den 40 Mitgliedern des Rates sind 25 Frauen.Übersicht auf Session.krz.de, Abruf am 1. Juni 2022

Bürgermeister Frank Prüße (CDU) wurde bei der Stichwahl um das Bürgermeisteramt am 16. Juni 2019 für sieben Jahre zum Bürgermeister gewählt. Er übt dieses Amt seit dem 1. November 2019 aus. An diesem Tag löste er Klaus Sidortschuk (SPD) ab, der seinerseits am 11. September 2011 zum Bürgermeister gewählt wurde.

Chronik der Bürgermeister 1. November 2019–Dato: Frank Prüße (CDU) 1. November 2011–31. Oktober 2019: Klaus Sidortschuk (SPD) 1. Januar 2002 bis 31. Oktober 2011: Jutta Voß (SPD) 1972 bis 1974 und 1976 bis 2001: Helmut Schmezko (SPD)

Ortsräte Die Stadtteile der Stadt Lehrte werden insgesamt durch 51 Ratsmitglieder in sieben Ortsräten vertreten. Diese verteilen sich der Kommunalwahl 2021 wie folgt: Stadtteile SPD CDU Grüne FDP Piraten FW ∑Ahlten351 - - -9Aligse, Kolshorn, Röddensen -421 - -7Arpke3211 - -7Hämelerwald42111 -9Immensen42 - - -17Sievershausen43 - - - -7Steinwedel311 - - -5∑2119631151

Wappen Der Entwurf des Wappens der Stadt Lehrte stammt von dem Heraldiker und Glasmaler Carl Busch. Die Genehmigung wurde am 20. Mai 1927 durch das Preußische Staatsministerium erteilt. Die am 1. März 1974 durch Gesetz neugebildete Stadt Lehrte hat das Wappen der bisherigen Stadt Lehrte übernommen, das vom Regierungspräsidenten in Hannover am 6. Mai 1974 genehmigt wurde.

Partnerstädte Partnerstädte der Stadt Lehrte sind Staßfurt in Sachsen-Anhalt, Trzcianka (früher Schönlanke) in Polen und Vanves in Frankreich. Mit Mönsterås in Schweden und Ypern in Belgien bestehen Städtefreundschaften. In: Website Stadt Lehrte. Abgerufen am 20. April 2019.

Außerdem bestehen kirchliche Partnerschaften in die Departamentos Valle und Cauca in Kolumbien sowie zu Borna in Sachsen und Johannesburg in Südafrika.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kultur Das kulturelle Zentrum der Stadt ist das Kurt-Hirschfeld-Forum, in dem Veranstaltungen des Theaters für Niedersachsen (frühere Landesbühne Hannover) und von Wanderbühnen stattfinden. Dem Forum angeschlossen sind die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv.

Im Fachwerkhaus im Stadtpark finden Lesungen, Konzerte, Kabaretts und Ähnliches statt. Seit 1984 findet im Lehrter Stadtpark auch einmal im Jahr das Musikfestival Blues in Lehrte statt, bei dem neben regionalen Bands auch internationale Musiker auftreten.Blues in Lehrte. In: www.blues-in-lehrte.de. Abgerufen am 20. April 2019. Künstlerische Ausstellungen sind in der Galerie Alte Schlosserei auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik und in der Nikolauskirche zu besichtigen.

Ein Programmkino (Das Andere Kino) bietet Kino im Rahmen einer offenen Jugendarbeit.Das Andere Kino.

Das älteste und größte mechanische Stellwerk Norddeutschlands, das Stellwerk Lpf ist heute ein Museum.

Baudenkmäler

mini|hochkant|Der alte Wasserturm am neuen Stadtpark Lehrter Wasserturm, von den Bürgern gewähltes Wahrzeichen der Stadt. Er wurde 1912 von der Bauunternehmung Robert Grastorf GmbH aus Hannover errichtet, misst vom Boden bis zur Spitze des Dachs (ohne Wetterfahne) 44,57 Meter und fasst 250 Kubikmeter Wasser. Im Frühjahr 2003 ging der Turm außer Betrieb.Hans-Wilhelm Möblitz: Der Lehrter Wasserturm. In: Lehrter Land & Leute, , Heft 34 (Herbst 2010), ISBN 978-3-927359-17-8, S. 1 ff. In einem Gemeinschaftsprojekt der Stadtwerke mit dem Arbeitskreis Stadtgeschichte des Stadtmarketingvereins hat der Lehrter Wasserturm eine Außenbeleuchtung erhalten. Kirchen: Siehe unten bei Infrastruktur Museumsstellwerk Lpf Lehrte von 1896 (Gebäude) und 1912 (mechanisches Stellwerk) Bahnhof Lehrte mit Empfangsgebäude von 1844 und Bahnsteigüberdachungen von um 1895 Villa Nordstern von 1892, Ortsteil Ilten

Lehrter Klärteiche