Zielitz () ist eine Gemeinde im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt (Deutschland). Sie ist Mitglied der Verbandsgemeinde Elbe-Heide. mini|295px|Abraumhalde Kalimandscharo
Geschichte Zielitz wurde erstmals 937 in einer Schenkungsurkunde an das Magdeburger Moritzkloster unter dem Namen „Zelici“ erwähnt, was aus dem Slawischen abgeleitet so viel wie Gehöft bzw. Wohnsitz bedeutet. Im Jahre 1320 verkaufte Arnold von Sack das Dorf Zielitz dem Kloster St. Katharina im benachbarten Wolmirstedt, bei dem es bis zum Jahre 1810 verblieb. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) und der Seuchenzug der Pest von 1636 ließ die Bevölkerungszahl stark zurückgehen.
Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 bis zu den Befreiungskriegen 1813–1815 war Zielitz von französischen Truppen besetzt. Nach dem Bau der Bahnstrecke Magdeburg–Wittenberge in den Jahren 1848/49 erhielt Zielitz erst 1890 eine Haltestelle und 1913 einen Bahnhof. Nach ersten Funden von Kalisalz um 1905 begannen Schachtbohrungen, mussten aber aus Geldmangel abgebrochen werden.
Am 1. Juli 1950 wurde das Dorf Schricke nach Zielitz eingemeindet. Erkundungsbohrungen von 1961–1964 führten im Jahre 1963 zum Beschluss ein Kaliwerk zu errichten. Seit 1973 ist das Kaliwerk Zielitz in Betrieb. Im Jahre 1993 wurde das Werk Teil der K+S-Gruppe und stellt heutzutage einen der größten Arbeitgeber der Region. Durch den Kalibergbau ist der Ort stark gewachsen. Die Einwohnerzahl hat sich vervielfacht.www.zielitz.de, Geschichte der Gemeinde Zielitzwww.kali-gmbh.com, Kaliwerk Zielitz
Das Werk Zielitz gewinnt im Kaliflöz Ronnenberg aus 500 bis 1300 m Teufe jährlich 12 Millionen Tonnen Kalirohsalz, das durch Flotation und Heißlöseverfahren zu Kalidüngemitteln und Industriesalzen für die chemische Industrie aufbereitet wird. Mit etwa 1700 Beschäftigten ist es heute einer der größten Arbeitgeber in der Region., Sachsen-Anhalt-Wiki
Die Kalilagerstätte am Standort Zielitz gilt wegen ihres hohen Gehalts an Kaliumchlorid und ihrer hohen Mächtigkeit als eine der wertvollsten in Deutschland. Nach der Menge der Rohsalzförderung ist das Kaliwerk Zielitz weltweit eines der größten Kaliwerke.
Von 1952 bis 1994 lag Zielitz im Kreis Wolmirstedt (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt). Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Gemeinde zum Ohrekreis, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Landkreises Börde.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 2.860 2005 2.052 2010 1.934 2015 1.786 2020 1.843 Jahr Einwohner 2021 1.839 2022 1.890 2023 1.926 2024 1.932 2025 1.936
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Zielitz besteht aus 12 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,8 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Bürger Zielitz 24,5 % 3 43,0 % 5 SPD 38,9 % 5 32,4 % 4 CDU 36,5 % 4 24,6 % 3 Insgesamt 100 % 12 100 % 12
Bürgermeister 1994–2022: Dyrk Ruffer (CDU) 2022–2024: Stefan Crackau (parteilos) seit 2024: Jonas Samsel (SPD)
Crackau wurde bei der Bürgermeisterstichwahl am 24. April 2022 mit 73,7 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 24. April 2022 Er wurde am 15. Oktober 2023 zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Elbe-Heide gewählt.Ergebnis der Verbandsgemeindebürgermeisterwahl Elbe-Heide am 15. Oktober 2023
Samsel wurde bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 mit 59,7 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen Aktuelles Wappen mini|hochkant=0.6|Wappen Zielitz Das Wappen wurde am 25. Oktober 1999 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.
Blasonierung: „Geteilt von Grün über Silber; oben ein dreischariger silberner Pflug, unten ein schwarzes Bergmannsgezähe.“
Zielitz besitzt ein offiziell genehmigtes Wappen vom Jahre 1937, doch wurde dieses Wappen nicht nachweislich in Gebrauch genommen, so dass seine Symbolik weithin unbekannt ist. Im Jahre 1987 wurde anlässlich des 1050-jährigen Bestehens des Ortes ein neues Wappen beschlossen und seither geführt. Dieses Wappen nimmt Bezug auf die historische Wurzel der Gemeinde als Bauerndorf (Pflug), knüpft aber an den seit Jahrzehnten dominierenden und den Ort prägenden Kalibergbau an (Bergmannsgezähe).
Es ist Beschluss der Gemeinde Zielitz, die seit Jahrzehnten in Gewohnheit gehaltene Wappensymbolik von Pflug und Bergmannswerkzeug in den Schildfarben Grün - Silber (Weiß) beizubehalten und offiziell genehmigen zu lassen. Die Grafik des Wappens und seiner Symbole wurde nur den heraldischen Gepflogenheiten angepasst.Das Wappen der Gemeinde Zielitz, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, Hinterlegt 1999 im Landeshauptarchiv Magdeburg
Als Gemeindefarben gelten Weiß - Grün.
Das Wappen wurde von dem Magdeburger Heraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.
Historisches Wappen mini|hochkant=0.5|Altes Wappen Zielitz
Das Wappen wurde am 29. Juli 1937 durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen verliehen.
Blasonierung: „In Rot ein silbernes Richtrad, dessen Felge oben ausgebrochen ist, überlegt mit einem silbernen Schwert mit goldenem Griff und Parierstange.“
Alte Siegel der Gemeinde (Abdrücke von 1874) zeigen die heilige Katharina und den heiligen Pankratius, die Titularheiligen des Klosters in Wolmirstedt, dem der Ort 1320–1810 gehörte. Aus den Symbolen der beiden Heiligen, dem Rad der Katharina und dem Schwert des Pankratius, wurde das neue Wappen geschaffen.
Das Wappen wurde von dem Magdeburger Staatsarchivrat Otto Korn gestaltet.
Flagge Die Gemeinde Zielitz führt eine weiß - grün gestreifte Flagge mit dem aufgelegten Wappen der Gemeinde.
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Sankt-Nikolaus-Kirche Zielitz Die in der Gemeinde befindlichen Kulturdenkmale sind im örtlichen Denkmalverzeichnis aufgeführt.
Kirche St. Nikolaus, 1726 errichtet Abraumhalde Kalimandscharo des Kaliwerkes
In Zielitz finden jährlich die Kalimandscharo Festspiele statt, veranstaltet durch das Holzhaustheater Zielitz.
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Zielitz ist mit dem Kaliwerk Zielitz Standort des Kalibergbaus der K+S Minerals and Agriculture GmbH. Das Kaliwerk Zielitz ist das größte Kalibergwerk Deutschlands und eines der größten weltweit. Es werden jährlich etwa 12 Millionen Tonnen Rohsalz gefördert.
Ausbildungsstützpunkt für Bergbautechnologen
Am 17. Oktober 2012 wurde im Werk ein Ausbildungsstützpunkt für Bergbautechnologen der Fachrichtung Tiefbohrtechnik eingeweiht. Die Einrichtung befindet sich in 500 Meter Teufe in einem stillgelegten Abbau. Genutzt wird sie durch Unternehmen, die sich 2009 zu einem Ausbildungsverbund Tiefbohrtechnik zusammengeschlossen haben.
Verkehr Zielitz liegt an der Landesstraße L 44 zwischen Wolmirstedt und Rogätz. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Wolmirstedt an der A 14.
Der Bahnhof Zielitz und der Haltepunkt Zielitz Ort liegen an der Bahnstrecke Magdeburg–Wittenberge im Einzugsbereich der S-Bahn Mittelelbe.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Robert Pasche (1862–1930), evangelischer Theologe Gustav Hartwig (1908–1991), Architekt
Mit Zielitz verbundene Persönlichkeiten Siegfried Grünwald (1938–2022), Politiker (SED), besuchte die Schule in Zielitz
Weblinks
Website der Gemeinde Gemeinde Zielitz bei der Verbandsgemeinde Elbe-Heide
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Börde Kategorie:Ersterwähnung 937