mini|Römer (Rathaus) am Römerberg mit Justitia-Brunnen, März 2011 mini|Römer-Areal, zwischen Berliner Straße, Römerberg und Limpurgergasse, 2018

Der Römer ist seit dem 15. Jahrhundert das Rathaus der Stadt Frankfurt am Main und mit seiner charakteristischen Treppengiebelfassade eines ihrer Wahrzeichen. Er ist als Zentrum der Stadtpolitik Sitz der Stadtvertreter und des Oberbürgermeisters. Das mittlere der ursprünglich drei eigenständigen Gebäude am Römerberg ist das eigentliche Haus zum Römer. Unter „Römer“ wird schon seit Jahrhunderten der gesamte Rathauskomplex verstanden. Es existieren verschiedene, einander widersprechende Deutungen über die Herkunft des Namens.

Die Luftangriffe auf Frankfurt am Main im Zweiten Weltkrieg ließen nur die steinernen Fassaden und Erdgeschosse der mittelalterlichen Häuser stehen. Hinter der emblematischen Fassade verbirgt sich der Neubau eines modernen Bürohauses im Stil der frühen 1950er Jahre.

Geschichte Als die Verwaltung der Stadt im 14. Jahrhundert ein neues Domizil brauchte, kaufte der Rat am 11. März 1405 die beiden repräsentativen Bürgerhäuser mit den Namen Römer und Goldener Schwan und machte sie zum Amtssitz mitten im Zentrum der damaligen Stadt. Neben dem Kaiserdom St. Bartholomäus zählten sie als Ort der meisten Wahlen zum römisch-deutschen König bzw. Königswahlen und -krönungen und damit zu den bedeutendsten Gebäuden in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Über fast fünf Jahrhunderte dehnte sich der Rathauskomplex durch Zukäufe von den ursprünglich zwei auf schließlich elf baulich miteinander verbundene Bürgerhäuser aus, die nach und nach zu Diensträumen umgenutzt wurden. Erst Ende des 19. Jahrhunderts kam es nach Entwürfen von Max Meckel, Franz von Hoven und Ludwig Neher zu einem großangelegten Neubau, der das Äußere der Anlage bis heute prägt.

Im Inneren finden sich heute Reste historistischer, jedoch überwiegend schlichte Raumprogramme der Nachkriegszeit, nachdem fast alle Gebäude bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg ausbrannten. Vier der heute noch elf als eigenständig abzugrenzenden Teilbauten sind zudem auch äußerliche Neuschöpfungen aus den frühen 1950er Jahren in der Nachfolge vollständig zerstörter Fachwerkbauten.

Vorgeschichte (1288 bis 1405) mini|Plan der Altstadt mit Rathaus am Dom, um 1370 mini|Altes Rathaus am Dom, Federzeichnung, 1405

Das ursprüngliche Rathaus der Stadt befand sich dort, wo heute der Turm des Domes steht (vgl. Plan) und fand urkundlich zuerst am 25. Mai 1288 als „domus consilii Frankenvordensis“ Erwähnung.Carl Wolff, Rudolf Jung: Die Baudenkmäler von Frankfurt am Main. Band 2: Weltliche Bauten. Selbstverlag/Völcker, Frankfurt am Main 1898, S. 133; das vorgenannte Werk enthält auf den S. 131–258 die wichtigste historische und architektonische Monographie, die es über den Römer und die angrenzenden Bauten gibt. Trotz mancher durch spätere Forschungen aufgedeckten Unrichtigkeit konnten die Planer noch aus dem ganzen Reichtum des Frankfurter Stadtarchivs schöpfen, das im Zweiten Weltkrieg schwerste Verluste erlitt. Zu diesen nun verlorenen, für das Werk aber reichlich verwendeten Akten zählen v. a. Baumeister-, Rechenmeister- und Bedebücher sowie praktisch sämtliche Archivalien des Bau-Amtes bzw. der Bau-Deputation.In voller Länge abgedruckt bei Johann Friedrich Boehmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901–1905, Band I, S. 262, 263, Urkunde Nr. 544, 25. Mai 1288. Die örtliche Nähe von Kirche, Rathaus und Marktplatz war im Städtebau des Mittelalters üblich und findet sich auch heute noch in zahlreichen deutschen Städten.

Am 20. Juni 1329 gestattete Kaiser Ludwig IV. laut einer in Pavia ausgestellten Urkunde den Frankfurter Bürgern, „das sie ein ander rathuse mügen pawen und machen ze Frankfurt, wo sie dunchet, daz ez in und der stat aller nützlichest sei“.In voller Länge abgedruckt bei Johann Friedrich Boehmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901–1905, Band II, S. 260, Urkunde Nr. 349, 20. Juni 1329 Dass nun trotz kaiserlicher Erlaubnis fast ein Dreivierteljahrhundert lang nichts geschah, liegt in den Rückschlägen begründet, die Frankfurt in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts durchzumachen hatte. Hierzu zählen insbesondere die Naturkatastrophe des Magdalenenhochwassers 1342, der Schwarze Tod 1349, die Fehden mit der benachbarten Ritterschaft, der Zünfteaufstand der Jahre 1355 bis 1368 sowie die Niederlage bei Kronberg 1389, die den Bevölkerungszuwachs des 13. Jahrhunderts stagnieren ließen und die städtischen Finanzen erschöpften.

Über die Veränderungen am alten Rathaus gaben die 1348 einsetzenden Serien der städtischen Rechnungsbücher Auskunft, die zwar im Zweiten Weltkrieg verbrannten, in Auszügen jedoch in der Literatur überliefert sind. Sie beschreiben ihrer Natur entsprechend vor allem handwerkliche Arbeiten wie das Einsetzen von damals noch luxuriösen Fenstergläsern, das Gießen von Glocken, um die Ratssitzungen einzuläuten, oder auch triviale Ausgaben wie die Bezahlung von Brennholz. Einen Eindruck vom Erscheinungsbild des alten Rathauses vermögen sie allerdings nicht zu liefern. Die einzige, allerdings sehr schematische bildliche Darstellung des Baus stammt aus dem (ebenfalls im Original verlorenen) städtischen Bedebuch von 1405, die einen von einer steinernen Mauern und Zinnen umsäumten Hof zeigt (vgl. Bild).

Bei dem Judenpogrom 1349, bei dem praktisch die gesamte damalige jüdische Bevölkerung Frankfurts ermordet wurde, soll das damit verbundene Feuer, das den Dom und das gesamte südlich angrenzende alte Judenviertel der Stadt vernichtete, angeblich vom alten Rathaus ausgegangen sein, und dieses ebenfalls zu großen Teilen zerstört haben. Diese Überlieferung des Stadtchronisten Achilles Augustus von Lersner aus dem frühen 18. Jahrhundert ist jedoch nicht historisch zu belegen und auch insofern als eher legendär einzustufen, als die städtischen Rechnungsbücher für die Folgejahre keinerlei Ausgaben für Reparaturen verzeichnen, die ansonsten in großer Akribie dokumentiert wurden.

Ende des 14. Jahrhunderts war das alte Rathaus endgültig zu klein und baufällig geworden, Frankfurt mit knapp 10.000 Einwohnern nach mittelalterlichen Verhältnissen eine größere Stadt. Ab 1401 begann die Vorbereitung eines Neubaus am Römerberg. Ein Baumeister wurde berufen, ein Modell gefertigt, Baumaterialien auf den Römerberg geschafft und sogar schon Steinquader behauen.Siehe Carl Wolff, Rudolf Jung: Die Baudenkmäler von Frankfurt am Main. Band 2: Weltliche Bauten. Selbstverlag/Völcker, Frankfurt am Main 1898, S. 139. Durch den erfolgreichen Verlauf der Verhandlungen mit den Besitzern zweier Privathäuser am Römerberg konnte der Neubau jedoch kurz vor seiner Grundsteinlegung noch vermieden werden. mini|Abschrift des Kaufvertrages von 1405 mini|hochkant|Ein Innenhof

Die Besitzstandsverhältnisse dort waren vergleichsweise übersichtlich: den Gebrüdern Konz und Heinz zum Römer gehörten zwei Drittel der beiden Häuser, namentlich das eigentliche Haus zum Römer und der westlich angrenzende Goldene Schwan, das letzte Drittel gehörte der Witwe des Hensel zum Römer. Ein noch heute erhaltener Vertrag vom 11. März 1405 besiegelte das Geschäft (vgl. Abschrift); die Gebrüder erhielten für ihren Anteil 600 Gulden und eine jährliche Leibrente von 40 Gulden, die Witwe 200 Gulden und eine Leibrente von 25 Gulden bis zum Tode ihrer Tochter.Siehe Carl Wolff, Rudolf Jung: Die Baudenkmäler von Frankfurt am Main. Band 2: Weltliche Bauten. Selbstverlag/Völcker, Frankfurt am Main 1898, S. 141. Mit also insgesamt 800 „Gulden guter Franckenfurter werünge bereids [baren] geltes“ und jährlichen Leibrenten von 65 Gulden, die in der kurzlebigen Zeit keine große Haushaltsbelastung darstellten, hatte der Rat mit zwei Häusern in solch idealer Lage ein außerordentlich gutes Geschäft gemacht.

Der Umzug ins neue Rathaus zog sich über knapp zwei Jahre hin, das alte Rathaus am Dom wurde von den städtischen Bediensteten nachweislich 1407 zuletzt genutzt. 1414 endeten die sich seit dem frühen 14. Jahrhundert hinziehenden Streitigkeiten um das Grundstück am Dom, um dem Neubau des Domturmes Platz machen zu können. Am 31. Mai desselben Jahres verkaufte die Stadt das Grundstück an die für den Neubau des Domturmes zuständige Baufabrik, trotz eines Kaufangebotes von 350 Pfund, für nur 200 Pfund. Das alte Rathaus muss zwischen 1414 und 1415 abgerissen worden sein, da am 6. Juni 1415 auf seinem ehemaligen Grundstück der Grundstein für den neuen Domturm gelegt wurde.Siehe Carl Wolff, Rudolf Jung: Die Baudenkmäler von Frankfurt am Main. Band 2: Weltliche Bauten. Selbstverlag/Völcker, Frankfurt am Main 1898, S. 134, 135; es handelt sich allerdings um Angaben aus der in Anbetracht der geschichtswissenschaftlichen Standards im 18. Jahrhundert kritisch zu lesenden Chronik von Lersner, voller Titel: Achilles Augustus von Lersner: Der weit-berühmten Freyen Reichs-, Wahl- und Handels-Stadt Franckfurt am Main Chronica, oder Ordentliche Beschreibung der Stadt Franckfurt Herkunfft und Auffnehmen. Selbstverlag, Frankfurt am Main 1706; demnach habe das Schöffengericht noch im Jahr 1407 im alten Rathaus getagt, im Schöffengerichtsprotokoll vom 28. Januar 1408 wäre erstmals die Rede vom neuen Rathause gewesen.

Rathaus am Römerberg bis zum Ausgang des Mittelalters (1405 bis 1500) Durch die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. war Frankfurt 1356 als rechtmäßiger Ort für die Königswahlen im Reich bestätigt worden, nachdem seit 1147 schon 14 von 20 Königswahlen hier stattgefunden hatten. Mit den beiden Häusern am Römerberg besaß die Stadt nun zwei für die Zeit große und repräsentative Gebäude, die den Wahlen, aber auch den oft hier stattfindenden Reichstagen eine angemessene Umgebung boten. Des Weiteren stand für die gewachsene Stadtverwaltung endlich ausreichend Raum zur Verfügung, und nicht zuletzt sollte es wirtschaftlichen Zwecken dienen. Dies war durch die Lage der neuen Gebäude nun optimal gewährleistet: damals wie heute Mittelpunkt der Stadt, war der Römerberg mit der östlich dahinter liegenden, von verschiedensten Handwerkern und Händlern dominierten Altstadt Zentrum des Handels, insbesondere während der regelmäßig stattfindenden Messen. Im Römer fand jährlich zur Herbstmesse das 1380 erstmals urkundlich erwähnte Pfeifergericht statt, eine zeremonielle Bestätigung der Zollfreiheit für die zur Messe angereisten Kaufleute aus Alt-Bamberg, Nürnberg und Worms. Der nahegelegene Main diente als einer der wichtigen Verkehrswege der Zeit dem Personen- und Warenverkehr.

Von den Umbauten bis zum Erwerb von Frauenrode (1405 bis 1423) mini|Besitz der Stadt am Römer 1405

Die auf dem Römerberg für den geplanten Neubau aufgeschichteten Baumaterialien wurden in den nun folgenden, sich von 1405 bis 1408 hinziehenden Umbau der beiden Häuser einbezogen. Über die Details ist nichts zusammenhängend überliefert. Die sich ergebenden Änderungen müssen daher aus den Rechenmeister- und Baumeisterbüchern zusammengesetzt werden.Im Zweiten Weltkrieg restlos vernichtet, jedoch zumeist als Grundlage bei Carl Wolff, Rudolf Jung: Die Baudenkmäler von Frankfurt am Main. Band 2: Weltliche Bauten. Selbstverlag/Völcker, Frankfurt am Main 1898 verwendet sowie in größeren Auszügen abgedruckt bei Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band IV. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1866, S. 142–161, 315–318, 331–334.