Die russische Sprache (Russisch, früher auch Großrussisch genannt; im Russischen: , , deutsche Transkription: russki jasyk, wissenschaftliche Transliteration gemäß ISO 9:1968 ,Zur Geschichte des Namens im Russischen siehe: Tomasz Kamusella: The Change of the Name of the Russian Language in Russian from Rossiiskii to Russkii: Did Politics Have Anything to Do with It? In: Acta Slavica Iaponica. Bd. 32 (2012), S. 73–96 (PDF; 518 kB [abgerufen am 13. August 2018]). ) ist eine Sprache aus dem slawischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Mit insgesamt etwa 250 Millionen Sprechern, davon ca. 150 Millionen Muttersprachlern, ist sie eine der meistverbreiteten Sprachen Europas. Sie gilt als eine der Weltsprachen. Sie spielt die Rolle einer Lingua franca in Teilen des postsowjetischen Raums und hat in mehreren seiner Staaten den Status einer Amtssprache.

Die eng mit dem Belarussischen, Ukrainischen und Russinischen verwandte Sprache wird mit dem kyrillischen Alphabet geschrieben, wobei es bestimmte russische Erscheinungsformen gibt. Die russische Standardsprache beruht auf den mittelrussischen Mundarten der Gegend um Moskau. Sie ist die Originalsprache zahlreicher bedeutender Werke der Weltliteratur. Die Wissenschaft, die sich mit der russischen Sprache und der umfangreichen russischen Literatur beschäftigt, heißt Russistik.

Verbreitung mini|Kenntnisse des Russischen in Russland und den Nachbarländern. Als Erbe der Sowjetzeit sind Kenntnisse des Russischen in Ost- und Mitteleuropa noch weit verbreitet, was zum Teil auch an den russischsprachigen Minderheiten, insbesondere im Baltikum liegt. Russisch wird (Stand 2006) von etwa 163,8 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen etwa 130 Millionen in Russland leben, weitere 26,4 Millionen in den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Weitere etwa 7,4 Millionen Menschen leben in Ländern mit starker Immigration aus Russland und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion, vor allem in Deutschland und anderen europäischen Ländern sowie den USA und Israel.

Es ist Amtssprache in Russland, Belarus (zusammen mit Belarussisch) und offizielle Sprache in Kasachstan (mit Kasachisch als Amtssprache) und Kirgisistan (mit Kirgisisch als Amtssprache). In der moldauischen autonomen Region Gagausien ist sie die regionale Amtssprache. In Tadschikistan genießt Russisch den offiziellen Status der „Sprache der zwischenethnischen Kommunikation“. Es ist auch eine der Amtssprachen in den separatistischen Regionen Transnistrien (zusammen mit Ukrainisch und Moldauisch), Südossetien (zusammen mit Ossetisch) und Abchasien (zusammen mit Abchasisch).

In Finnland ist Russisch mit 49.000 und damit knapp 1 % Sprechern die größte Minderheitssprache. In Deutschland, wo die größte Zahl russischer Muttersprachler außerhalb der ehemaligen Sowjetunion lebt, ist Russisch mit rund drei Millionen Sprechern die nach Deutsch (und noch vor Türkisch) am zweithäufigsten gesprochene Sprache.Vgl. Bernhard Brehmer: Sprechen Sie Qwelja? Formen und Folgen russisch-deutscher Zweisprachigkeit in Deutschland. In: Tanja Anstatt (Hrsg.): Mehrsprachigkeit bei Kindern und Erwachsenen. Tübingen 2007, S. 163–185, hier: 166 f., basierend auf dem Migrationsbericht 2005 des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, abgerufen am 3. Februar 2015 (PDF; 5,5 MB). (Siehe hierzu Russischsprachige Bevölkerungsgruppen in Deutschland.) In Israel bilden die etwa eine Million russischsprachigen Einwanderer etwa ein Sechstel der Bevölkerung und damit die drittgrößte Sprechergruppe nach denen des Hebräischen und Arabischen. In den Vereinigten Staaten leben über 700.000 russische Muttersprachler,Siehe davon über 200.000 in New York, und in Kanada rund 160.000,Vgl. jedoch gibt es in beiden Ländern viele deutlich größere Sprachminderheiten.

Die russische Sprache ist ebenso eine verbreitete Sprache für Wissenschaft, Kunst und Technik. Russisch ist die vierthäufigste Sprache, aus der Bücher in andere Sprachen übersetzt werden, und die siebthäufigste Sprache, in die Bücher übersetzt werden. 2013 war Russisch die zweithäufigste Sprache des Internets, kurz vor Deutsch und mit weitem Abstand nach Englisch.Matthias Gelbmann: Russian is now the second most used language on the web. In: w3techs.com, 19. März 2013, abgerufen am 13. August 2018.

Geschichte mini|Der Apostel (1563), das erste gedruckte Buch auf Russisch

Russisch entwickelte sich aus der altostslawischen (altrussischen) Sprache, die in der Kiewer Rus und ihren Nachfolgefürstentümern gesprochen wurde. Diese wurde wahrscheinlich ursprünglich von Stämmen in der Umgebung von Kiew gesprochen und verdrängte später weiter nördlich gelegene Ausprägungen wie den Altnowgoroder Dialekt.

Im späten Mittelalter spaltete sich die altostslawische Sprache aufgrund der politischen Teilung der Rus in die altgroßrussische und die ruthenische Sprache auf, die eine wichtige Rolle im Großfürstentum Litauen spielte. Im Gegensatz zum Ruthenischen wurde Altgroßrussisch signifikant von der Liturgiesprache Kirchenslawisch beeinflusst und weist heute infolge dieser Entwicklung einige Gemeinsamkeiten mit südslawischen Sprachen auf.

Im 18. Jahrhundert wurde die russische Literatursprache von Schriftstellern wie Antioch Kantemir, Michail Lomonossow und Wassili Trediakowski reformiert, im 19. Jahrhundert wurde sie vor allem vom Nationaldichter Alexander Puschkin geprägt und bekam ihr modernes stilistisches Gesicht.

Die russische Rechtschreibreform von 1918 änderte gewisse Aspekte der Schreibweise und beseitigte einige archaische Buchstaben des russischen Alphabets. Durch den Sieg im Zweiten Weltkrieg gewann die Sowjetunion erheblich an Prestige und weltpolitischem Gewicht, womit auch das Russische einen starken Bedeutungszuwachs und den vorläufigen Höhepunkt seiner Verbreitung erlebte. Russisch wurde in Ländern des Ostblocks als erste Fremdsprache an Schulen unterrichtet. Nach dem Ende des Realsozialismus ist die Bedeutung der russischen Sprache in Ostmitteleuropa stark gesunken. In den vergangenen Jahren ist jedoch wieder eine Tendenz hin zum häufigeren Erlernen der russischen Sprache feststellbar.

Alphabet Russisches Alphabet А а Б б В в Г г Д д Е е Ё ё Ж ж З з И и Й й К к Л л М м Н н О о П п Р р С с Т т У у Ф ф Х х Ц ц Ч ч Ш ш Щ щ Ъ ъ Ы ы Ь ь Э э Ю ю Я я

Russisch wird mit dem russischen Alphabet geschrieben (russ. русский алфавит/russki alfawit oder русская азбука/russkaja asbuka), das dem (alt)kyrillischen Alphabet (russ. кириллический алфавит/kirillitscheski alfawit oder кириллица/kirilliza) entstammt.

Seit der letzten Rechtschreibreform im Jahre 1918 besteht das russische Alphabet aus 33 Buchstaben. Davon dienen 10 Buchstaben zur Wiedergabe der Vokale, und zwar: а, е, ё, и, о, у, ы, э, ю und я. Die übrigen 23 Buchstaben werden zur Wiedergabe von Konsonanten verwendet, wobei die Buchstaben ъ und ь nicht zur Nachbildung bestimmter, eigenständiger Laute, sondern als Indikatoren für die Härte oder Weichheit vorangehender Konsonanten dienen (mehr dazu siehe unter: Russische Phonetik).

Phonetik und Phonologie

Die phonetische Struktur der modernen russischen Standardsprache zählt 42 bedeutungsunterscheidende Einzellaute (Phoneme), die sich wiederum in 6 Vokal- und 36 Konsonantenlaute aufteilen lassen. Das umfangreiche Phoneminventar des Russischen erklärt sich durch eine für slawische Sprachen typische Besonderheit der Aussprache, und zwar werden die meisten russischen Konsonanten sowohl hart als auch weich (palatalisiert) ausgesprochen. Hierbei handelt es sich aber nicht um Allophone, sondern um einzelne Phoneme, denn jede dieser Aussprachevarianten ist bedeutungsunterscheidend. Einige russische Dialekte haben einen spezifischen Phonembestand, in dem einige Konsonanten vorwiegend hart beziehungsweise palatalisiert oder etwas anders (z. B. guttural) ausgesprochen werden.

Die Aussprache russischer Vokale und Konsonanten variiert in Abhängigkeit davon, welche Position sie in einem Wort einnehmen. Dabei unterscheidet man bei Vokalen zwischen einer betonten und einer unbetonten Position. So wird beispielsweise das „o“ als [ɔ] in betonter und als [a] oder [ə] in unbetonter Position ausgesprochen. Die Aussprache vieler russischer Konsonanten wird wiederum durch andere, ihm nachfolgende Konsonanten bestimmt. So werden unter anderem alle stimmhaften Konsonanten nicht nur am Wortende stimmlos ausgesprochen, sondern auch dann, wenn sie einem anderen stimmlosen Konsonanten vorangehen.

Im Unterschied zum Deutschen ist die Länge der Vokale im Russischen weder bedeutungsunterscheidend (wie z. B. in Wall – Wahl) noch für die richtige Aussprache eines Wortes ausschlaggebend. Die betonten Vokale werden in der Regel halblang ausgesprochen. Die unbetonten Vokale sind dagegen kurz und unterscheiden sich häufig von den entsprechenden betonten Vokalen auch qualitativ. So wird das unbetonte o stets zu einem (kurzen) a (sog. аканье, akanje); das unbetonte e oder я geht deutlich in Richtung i (иканье, ikanje). Beispiele: молоко (Moloko, Milch) /məlaˈkɔ/ пятнадцать (Pjatnadzat, fünfzehn) /pʲitˈnatsɨtʲ/ земля (Semlja, Land) /zʲimˈlʲa/. Sowohl Doppelvokale als auch zwei unterschiedliche, aufeinander folgende Vokale werden in der Regel als einzelne Laute ausgesprochen (wie z. B. in Kooperation, aktuell, Museum, geimpft). Ausnahmen hierfür sind die mit dem й (и краткое, i kratkoje = kurzes i, vergleichbar mit deutschem j) gebildeten Diphthonge: ой (betont) = wie eu/äu im Deutschen, ай = ei/ai im Deutschen. Auch wird die Verbindung ао/ау gelegentlich in Fremdwörtern zu einem Diphthong: Фрау (Frau als Anrede einer dt. Staatsbürgerin). Das е (je) wird vor palatalisierten Konsonanten in der Regel zu einem geschlosseneren Vokal [e]: кабинет (Kabinett, Studien-, Arbeitszimmer) /kabʲiˈnʲɛt/, hingegen в кабинете (w kabinete, im Arbeitszimmer) /fkabʲiˈnʲetʲɛ/ Andere Beispiele hierfür: университет (Uniwersitet, Universität), газета (Gaseta, Zeitung).

Vokale

Die russische Sprache besitzt in der betonten Silbe 6 Monophthonge (ɨ wird aber oft als ein Allophon des i beachtet).

+Monophthonge des Russischen   vorne zentral hinten geschlossen mittel   offen    

In unbetonten Silben entfällt in der Aussprache allerdings die mittlere Reihe mit e und o, da e entweder mit i (so meist) oder a (in Flexionsendungen) und o immer mit a zusammenfällt. In Folge davon sind zum Beispiel bei Adjektiven die feminine Form (geschrieben -ая [-aja]) und die neutrale Form (geschrieben -ое [-oje]) lautlich meist nicht zu unterscheiden. Die Schrift lässt davon nichts erkennen; es gibt auch Dialekte, in denen die unbetonten Vokale zum Teil noch besser als in der Standardsprache differenziert werden.

Konsonanten

Die Russische Sprache hat 36 Konsonanten. Davon treten 16 in Paaren mit einem palatalisierten und einem nicht palatalisierten Laut auf. Die Laute , , und verfügen über kein genaues Gegenstück.

Die Tabelle enthält von jedem Konsonantenpaar nur die nicht palatalisierte Variante.

+ Konsonanten des Russischen   bilabial labio-dental alveolar post-alveolar palatal velar Plosive       Affrikaten         Nasale         Vibranten           Frikative     Approximanten           Laterale          

Quelle: SAMPA für Russisch

Wortbetonung

Die Betonung eines Wortes (der Wortakzent) hat im Russischen eine wichtige und häufig eine sinnunterscheidende Bedeutung. Falsch betonte Wörter können zu Verständnisschwierigkeiten führen, insbesondere dann, wenn sie aus dem sprachlichen Kontext isoliert oder einzeln ausgesprochen werden. In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird die russische Wortbetonung unter anderem als „frei“ und „beweglich“ bezeichnet. So werden zum Beispiel durch die Verlagerung der Betonung innerhalb einiger russischer Wörter ihre unterschiedlichen Flexionsformen gebildet.

Intonation