Ribnitz-Damgarten ist eine Stadt im Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie ist außerdem Verwaltungssitz des gleichnamigen Amtes, dem weitere drei Gemeinden angehören. Die Stadt ist eines der 18 Mittelzentren des Landes und führt seit 2009 die Bezeichnung Bernsteinstadt vor ihrem Namen.

Historisch gehört der Stadtteil Ribnitz zu Mecklenburg, Damgarten zu Vorpommern, 1950 wurden sie zu einer Stadt vereint.

Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt zwischen den Hansestädten Rostock und Stralsund an der Mündung des Flusses Recknitz in den Ribnitzer See (Südteil des Saaler Boddens). Östlich der Recknitz in Vorpommern liegt Damgarten und westlich des Flusses in Mecklenburg liegt Ribnitz.

Stadtgliederung Ribnitz-Damgarten besteht aus den Stadtteilen Ribnitz und Damgarten sowie folgenden Ortsteilen:Hauptsatzung der Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten, § 1

Nachbargemeinden An Ribnitz-Damgarten grenzen folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend): Saal, Ahrenshagen-Daskow, Stadt Marlow, Gelbensande und Dierhagen.

Geschichte

Ribnitz (1233–1950) mini|Ribnitz im Jahr 1712 Entstanden ist Ribnitz aus der Ortschaft Rybanis (slawisch ryba bedeutet „Fisch“), welche in der sumpfigen Recknitzniederung lag. Der Übergang über die Recknitz wird auch Mecklenburger Pass genannt. Auf der Ribnitzer Seite befindet sich unmittelbar am Fluss das Pass-Gehöft.

Zum Schutz des wichtigen Flussüberganges über die Recknitz ließen die mecklenburgischen Fürsten in Flussnähe um 1200 eine Burg errichten, die der Keim des späteren Ribnitzer Ortskerns wurde. Bis in das 14. Jahrhundert gehörte der Ort noch zur Herrschaft Rostock, danach zum Fürstentum, später (Groß-)Herzogtum Mecklenburg.

Ribnitz wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1233 erwähnt.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 695–698. Im Jahr 1323 wurde das Klarissenkloster Ribnitz vom mecklenburgischen Fürsten Heinrich II. gegründet.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Franziskaner, Klarissen, Dominikaner und Augustiner-Eremiten im Mittelalter. Werl 1995 (Saxonia Franciscana 6), S. 111–134 (Gründung), S. 205–236 (vom 14. bis 16. Jahrhundert), S. 375–381 (Reformation und Aufhebung). Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1648 bildet die Recknitz zwischen Ribnitz und Damgarten die Grenze zwischen dem Herzogtum Mecklenburg und dem Herzogtum Pommern, danach bis zum Jahr 1815 zwischen Mecklenburg und Schwedisch-Pommern.

Ein weiterer wirtschaftlicher Aufschwung der Stadt Ribnitz begann 1934 unter anderem mit dem Bau kriegswichtiger Produktionsanlagen wie der Walther-Bachmann-Flugzeugbau KG.

Damgarten (1258–1950) mini|Damgarten im Jahr 1759 Entstanden ist die Stadt Damgarten aus einer Grenzburg und der daneben entstehenden Ortschaft „Damgor“ („Dam“ bedeutet „Eiche“), die östlich der sumpfigen Recknitzniederung lagen. Als Damgartener Stadtgründer gilt der Fürst Jaromar II. von Rügen. Der Übergang über die Recknitz nach Ribnitz in Mecklenburg wurde auch Mecklenburger Pass genannt. Damgarten erhielt das Lübische Recht 1258 vom Rügenfürsten Jaromar II.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 695–698.

Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1648 bildet die Recknitz zwischen Ribnitz und Damgarten die Grenze zwischen dem Herzogtum Pommern und dem Herzogtum Mecklenburg. Danach bis zum Jahr 1815 zwischen Schwedisch-Pommern und Mecklenburg. 1809 kam es beim Durchzug der Freischärler unter Major Ferdinand von Schill zu vereinzelten Scharmützeln mit den napoleontreuen mecklenburgischen Regimentern. Nach 1815 fiel Schwedisch-Pommern mit Damgarten an das Königreich Preußen und gehörte anschließend zur Provinz Pommern.

Seit 1888 verfügt Damgarten über einen Bahnanschluss an der Bahnstrecke Stralsund–Rostock. Im Jahr 1934 wurde bei Damgarten ein Fliegerhorst bei Pütnitz gebaut. Der Flugplatz Pütnitz war nach dem Zweiten Weltkrieg einer der bedeutendsten Standorte der in der DDR stationierten sowjetischen Luftstreitkräfte. Bis 1991 war die 16. Jagdfliegerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland in Damgarten stationiert.

Ribnitz-Damgarten (1950–1990) mini|hochkant|Rostocker Tor Die Doppelstadt Ribnitz-Damgarten entstand am 1. Juli 1950 durch Zusammenlegung der beiden Städte Ribnitz (in Mecklenburg) und Damgarten (in Pommern). Beide Stadtvertretungen hatten sich gegen den Zusammenschluss der Städte ausgesprochen. Die Gemeinde Borg kam am selben Tag hinzu. Die damals Regierenden wollten jede Erinnerung an Pommern und die damit verbundene historische mecklenburgisch-pommersche Grenze auslöschen. Offiziell wurde die Notwendigkeit einer größeren Kreisstadt für den 1952 gebildeten Kreis Ribnitz-Damgarten im DDR-Bezirk Rostock vorgeschoben.

Die Recknitz bildet die natürliche Grenze zwischen Mecklenburg und Pommern. Die beiden Stadtteile Ribnitz und Damgarten werden durch die breite sumpfige Flussniederung getrennt. Der Übergang über die Recknitz wird auch Mecklenburger Pass genannt. Auf der mecklenburgischen Seite befindet sich unmittelbar am Fluss das Pass-Gehöft.

Ribnitz-Damgarten (seit 1990) Von 1990 bis 1994 gehörte Ribnitz-Damgarten weiterhin zum gleichnamigen Kreis, jetzt im Land Mecklenburg-Vorpommern. 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Nordvorpommern eingegliedert. Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt sie im Landkreis Vorpommern-Rügen.

Nach der politischen Wende wurden ab 1991 die historischen Stadtkerne von Ribnitz mit dem Kloster und von Damgarten im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 18.583 1995 17.541 2000 17.200 2005 16.795 2010 16.038 2015 15.155 Jahr Einwohner 2020 15.269 2021 15.451 2022 15.224 2023 15.241 2024 15.333 Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres,Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

mini|hochkant=0.7|Westturm der Marienkirche in Ribnitz Religion Die Region ist seit um 1535 vorwiegende evangelisch geprägt. Die Kirchgemeinde Ribnitz St. Marien gehörte zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, die Kirchgemeinde St. Bartholomäus in Damgarten zur Pommerschen Evangelischen Kirche. 2009 bildete sich die gemeinsame Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).

Weitere Kirchen sind die römisch-katholische Gemeinde mit ihrer 1985Bernhard Szymanski: Kirchweihe in Ribnitz. In: Tag des Herrn, Ausgabe 6/1985 vom 16. März 1985, S. 47. geweihten Kirche Maria-Hilfe der Christen St. Klara sowie die neuapostolische Kirchgemeinde Ribnitz. Es gibt eine Gemeinde der Zeugen Jehovas.

Politik Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Ribnitz-Damgarten besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 25 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,7 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD 11,8 % 3 22,7 % 6 CDU 28,4 % 7 21,9 % 5 Die Unabhängigen 20,2 % 5 20,9 % 5 Die Linke 11,8 % 3 7,6 % 2 Wählergemeinschaft Sozial (WGS) – – 7,0 % 2 FDP 7,6 % 2 6,6 % 2 SPD 10,4 % 3 5,2 % 1 Lebenswertes Ribnitz-Damgarten – – 5,0 % 1 Die PARTEI – – 3,0 % 1 Bürgerbündnis 5,9 % 1 – – Bündnis 90/Die Grünen 3,9 % 1 – – Insgesamt 100 % 25 100 % 25

Bürgermeister 1990–2013: Jürgen Borbe (CDU)Bürgermeister nach fast 23 Jahren verabschiedet. In: Ostsee-Zeitung, 20. Mai 2013. 2013–2020: Frank Ilchmann (parteilos)Parteiloser übernimmt Rathaus in Bernsteinstadt. In: Ostsee-Zeitung, 21. April 2013. seit 2020: Thomas Huth (Die Unabhängigen)

Huth wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 15. März 2020 mit 50,9 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von sieben JahrenHauptsatzung der Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten, § 9 gewählt.Huth gewinnt Bürgermeister-Stichwahl in Ribnitz-Damgarten. In: Süddeutsche Zeitung, 15. März 2020.

Wappen

Das Wappen wurde am 27. Januar 1993 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 64 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „Gespalten; vorn in Silber ein hersehendes, rot gekleidetes, gold behaartes und gekröntes Brustbild eines Mannes mit goldbesäumtem blauem Umhang, hinten in Blau ein aufgerichteter, rot gezungter goldener Greif.“Hauptsatzung der Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten, § 2 Abs. 2

Das Wappen wurde von dem Ribnitz-Damgartener Frank Rose gestaltet.

Auf der heraldisch rechten Seite des Wappens ist der Damgartener Stadtgründer Jaromar II. von Rügen zu sehen. Der Greif auf der linken Seite ist das Wappentier der Fürsten der historischen Herrschaft Rostock, zu welcher Ribnitz gehörte. Später hatte man ein Wappen mit dem mecklenburgischen Stierkopf, flankiert von zwei Fischen, was auf den slawischen Namen Rybanis – Fischort hinweist.

Flagge mini|Flagge der Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten Die Flagge der Stadt Ribnitz-Damgarten ist quer zur Längsachse des Flaggentuchs von Rot – Weiß – Blau – Gelb gestreift. Der rote und der gelbe Streifen nehmen je ein Achtel, der weiße und der blaue Streifen nehmen je drei Achtel der Länge des Flaggentuchs ein. In der Mitte des weißen Streifens liegt die Figur aus dem vorderen Feld des Stadtwappens. In der Mitte des blauen Streifens liegt die Figur aus dem hinteren Feld des Stadtwappens. Die Wappenfiguren nehmen jeweils die Hälfte der Höhe des Flaggentuchs ein. Die Länge der Flagge verhält sich zur Höhe wie 3:2.

Städtepartnerschaft Seit 1990 pflegt Ribnitz-Damgarten eine Partnerschaft mit der niedersächsischen Hansestadt Buxtehude und seit 2008 mit der polnischen Stadt Sławno (ehemals Schlawe) in der Woiwodschaft Westpommern., www.ribnitz-damgarten.de

Sehenswürdigkeiten und Kultur Bauwerke

mini|Fachwerkhaus in der Ribnitzer Altstadt Ribnitz Klarissenkloster Ribnitz von 1323/24 mit Ausstellung zur Geschichte des Klosters und späteren evangelischen adligen Damenstiftes Klosterkirche mit gotischer Holzplastik Marienkirche Ribnitz von 1233, mehrfach umgebaut Rostocker Tor, im 15. Jahrhundert an der Stelle eines Vorgängerbaus von 1290 errichtet Lange Straße mit klassizistischer Architektur Markt mit Bernsteinfischerbrunnen und Rathaus von 1834 Deutsches Bernsteinmuseum im Klarissenkloster Freilichtmuseum Klockenhagen im Ortsteil Klockenhagen, unter anderem mit der Museumskirche Galerie im Kloster Stadtkulturhaus „Am Bleicherberg“, führt Gastspiele der niederdeutschen Bühne, Tanz, Kabarett, Konzerte, Lesungen, Diashows und Kinderveranstaltungen durch. Seit 1999 besteht das Programmkino von Filmkommunikation Mecklenburg-Vorpommern. Skulptur Der Zirkus kommt am Seeufer

mini|St. Bartholomäus in Damgarten Damgarten Evangelische St.-Bartholomäuskirche aus dem 13. Jahrhundert Küsterhaus an der Kirche Bernsteinmanufaktur Rathaus von 1930, daneben das älteste Haus der Stadt (Schillstr. 7, ca. 1700 erbaut) Fachwerkhaus von 1769 in der Stralsunder Straße 29 (Matheus) Technikmuseum Pütnitz

Langendamm Der sogenannte Moischenstein befindet sich im Schilfgürtel der Uferzone des südlichen Saaler Boddens. Das Flur- und Rechtsdenkmal aus dem 13. Jahrhundert war der Grenzstein zwischen Mecklenburg und Pommern. Heute besitzt der Stein für die Stadt Ribnitz-Damgarten noch eine juristische Funktion hinsichtlich des Umfangs ihrer Fischereirechte im westlichen Teil des Saaler Boddens. Neben dem heute größtenteils eingesunkenen Steinmal, dessen Oberfläche sich herzförmig zeigt, befindet sich ein Hochstand und ein imitierter Grenzpfahl.

Mahnmale Gedenktafel für die verhinderte Ermordung weiblicher Häftlinge vom Todesmarsch des Außenlagers des KZ Ravensbrück im April 1945 am Rathaus