mini|Rasputin um 1916 Grigori Jefimowitsch Rasputin (, wiss. Transliteration ; *  in Pokrowskoje, Gouvernement Tobolsk; †  in Petrograd) war ein russischer Wanderprediger, dem Erfolge als Geistheiler nachgesagt wurden. Er war mit der Familie von Zar Nikolaus II., dem letzten russischen Monarchen, befreundet und gewann in den letzten Jahren des Russischen Kaiserreichs bedeutenden Einfluss.

Bedeutung Rasputins Rasputin ist einer der bekanntesten Namen in der Geschichte Russlands. Ein Jahrhundert nach seinem Tod bleibt Rasputin in der öffentlichen Wahrnehmung als „verrückter Mönch“ oder als „heiliger Teufel“ verhaftet, eine Formulierung, die auf den russischen Priester Iliodor zurückgeht. Sachlich betrachtet war sein Leben und seine Beziehung zur Zarenfamilie Romanow von Bedeutung für die letzten Jahre des Russischen Kaiserreichs.Douglas Smith: Rasputin. Introduction: The Holy Devil? S. 3 ff.

Bedeutung des Namens „Rasputin“

Der Name „Rasputin“ gibt Anlass zu Spekulationen, da die Übersetzung etwa „liederlich“ lautet. Ein Bezug zu seiner Persönlichkeit wurde deswegen an vielen Stellen vermutet. Es wurde vermutet, dass es sich um einen später erhaltenen Bei- oder Spottnamen handele. Dieser Name ist aber in der Schreibweise „Rosputin“ seit 1650 bezeugt, wurde im 19. Jahrhundert zu Rasputin und war damals in ganz Sibirien verbreitet.Douglas Smith: Rasputin. Origins S. 13.

Kurzbiografie mini|Pokrowskoje am Fluss Tura (Foto von 1912, digital koloriert) Rasputin wurde am im Dorf Pokrowskoje am linken Ufer der Tura, 80 km östlich der Stadt Tjumen in Westsibirien als Bauernsohn geboren. Ab dem Alter von 17 Jahren war er teils jahrelang auf Pilgerreisen. Nach der Rückkehr in sein Heimatdorf machte er sich 1903 nach St. Petersburg auf.

Berühmt wurde Rasputin, weil er an den Zarenhof gerufen wurde, um die Blutungen des an Hämophilie leidenden Zarensohns Zarewitsch Alexei durch Gebet zum Stillstand zu bringen. Zeitzeugen, wie auch Ärzte und Kritiker, bestätigten, dass Rasputin einen damals unerklärlichen Einfluss auf den Zarensohn und dessen lebensgefährliche Blutungen besaß..Hofdame Lili Dehn berichtet vom Zarenhof. (PDF) S. 44. Diese Fähigkeit Rasputins brachte die Zarin Alexandra zur Überzeugung, dass Rasputin ein Heiliger war, der ihr von Gott geschickt worden sei, um ihren Sohn zu beschützen. Für die Zarin war die Ankunft Rasputins die Antwort Gottes auf ihre leidenschaftlichen Gebete.Pierre Guillard: 13 Jahre am russischen Hof Kapitel 4: Die Zarin. Dem späteren Innenminister Alexander Protopopow erklärte sie, dass Rasputin mit seinen Heilkräften ihr Sicherheit zurückgegeben und dadurch ihre Schlaflosigkeit beendet habe.Hofdame Lili Dehn berichtet vom Zarenhof. (PDF) S. 47.Elisabeth Heresch: Rasputin. S. 122. Daher wies die Zarin jede Kritik an Rasputin stets strikt zurück. Trotz dieses hohen Ansehens bei der Zarin betrat Rasputin den Zarenpalast nach anfänglich häufigen Besuchen bald nur noch selten.Hofkommandant Volkov berichtet Kapitel 11.

hochkant|mini|Rasputin mit Offizieren (1907/1908) Da die Erkrankung des Zarensohnes geheim gehalten wurde, blieb der Öffentlichkeit das Ansehen unerklärlich, das der „ungebildete Bauer Rasputin“ bei der Zarenfamilie, insbesondere der Zarin, genoss. Zusammen mit Rasputins manchmal recht seltsamem Verhalten gab dies Anlass zu Klatsch und auch Verleumdungen aller Art. Rasputin wurde stets ein sehr unmoralischer Lebenswandel mit permanenten Sexorgien vorgeworfen.Anna Wyrubowa berichtet Kapitel XII, S. 1. Bei Rasputin kamen Eskapaden zwar vor, die meisten Vorwürfe waren aber frei erfunden. Anders als oft berichtet betrafen sie nie Frauen der höheren Gesellschaft oder gar des Zarenhofes.Untersuchungsbericht des Jahres 1917 von V. M. Rudnev S. 4.Hofdame Lili Dehn berichtet vom Zarenhof. (PDF) S. 49. Am Zarenhof wurde diese „dunkle“ Seite Rasputins nie wahrgenommen.Hofdame Lili Dehn berichtet vom Zarenhof. (PDF) S. 41.

Am 29. Juni 1914 wurde Rasputin bei einem Angriff mit einem Dolch in seinem Geburtsort Pokrowskoje schwer verletzt. Nach diesem Attentat begann sich Rasputin öffentlich zu betrinken. Als er am 25. März 1915 im Lokal „Jar“ in Moskau stark alkoholisiert provozierte, wurde dies landesweit von der Presse verbreitet.Henri Troyat: Rasputin. S. 116.E. Radsinski: Nikolaus 2., der letzte Zar u. seine Zeit. Bertelsmann, 1992, S. 118.

1916, mitten im für Russland extrem verlustreichen Ersten Weltkrieg, wurde zum letzten Lebensjahr Rasputins, in dem er seinen baldigen Tod und den Zusammenbruch der Monarchie voraussah. In den frühen Morgenstunden des 17. Dezember 1916 wurde Rasputin unter Führung von Felix Jussupow ermordet.Douglas Smith: Rasputin, A Cowardly Crime, S. 590.

Rasputins Leben Rasputin vor seiner St. Petersburger Zeit Die frühe Jugend Rasputins Eltern, Jefim Jakowitsch (* 1839 in Pokrowskoje) und die um zwei Jahre ältere Anna Wasiljewna, waren Bauern und besaßen eigenes Land sowie mehrere Kühe und Pferde. Die Familie gehörte zu den eingesessenen Bauern des Dorfes mit einigem Vermögen und respektablem Ansehen. Rasputin hatte eine Schwester und einen Bruder, die früh starben. Sein Bruder starb an einer Lungenentzündung, und die Schwester, die an Epilepsie litt, ertrank bei einem Anfall im Fluss, an dem sie Wäsche wusch. Auch die Mutter starb recht früh. Über die ersten 30 Lebensjahre Rasputins ist praktisch nichts bekannt. Fest steht, dass er wie damals der überwiegende Bevölkerungsteil in Sibirien keinerlei Schulbildung hatte und bis ins frühe Erwachsenenalter weder lesen noch schreiben konnte. Um 1900 betrug die Alphabetisierungsrate in Sibirien etwa vier Prozent, im Vergleich zu 20 Prozent russlandweit.

Berichte darüber, dass Rasputin in seiner Jugend Heu, Holz oder auch Pferde gestohlen haben soll, haben sich als unbelegt herausgestellt. Allerdings hält ein Polizeibericht aus Tjumen aus dem Jahre 1909 fest, dass Bewohner aus Pokrowskoje Rasputin als „gelegentlichen Trinker“ bezeichneten, der eine Reihe von „kleinen Diebstählen“ begangen habe, bevor er seine Lebensweise änderte.Douglas Smith: Rasputin, Origins, S. 15–17.

Zeit als Pilger mini|Werchoturje (1910), eine Kleinstadt. Dort hielt sich Rasputin 1898 drei Monate im Kloster auf. Von 1886 bis 1901 war Rasputin meist auf Pilgerreisen, die manchmal Jahre dauerten. Es ist möglich, dass er um 1900 bis zum Berg Athos in Griechenland gelangte. Noch weiter, bis nach Jerusalem, pilgerte Rasputin erst 1911 in seiner St. Petersburger Zeit.

Am 22. Februar 1887 heiratete er Praskowja Fjodorowna Dubrowina, die er im Sommer zuvor in Abalak kennengelernt hatte. Während seiner Reisen blieb sie auf dem Bauernhof der Eltern zurück. Im Jahr 1895 wurde sein Sohn Dimitrij, 1898 seine Tochter Matrjona (Maria) und 1900 seine Tochter Warwara geboren.

Maria Rasputin gab die Erzählungen ihres Vaters nach seiner letzten Pilgerreise folgendermaßen wieder: Frank N. Stein: Rasputin, S. 20.

Bereitschaft zum Aufbruch Rasputin plante in seinem Haus einen Andachtsraum einzurichten und dort das Wort Gottes so zu verkünden, wie er es verstand. Dabei kam es oft zu Streitigkeiten mit dem Dorfpfarrer Pjotr Ostroumow.Frank N. Stein: Rasputin. S. 21.Henri Troyat: Rasputin. S. 14.

Richtig ist jedenfalls, dass Rasputin sich schon damals von der Art der Gottesdienste losgesagt hatte, wie sie die offizielle Kirche abhielt. Auch wird behauptet, dass er schon im Jahr 1903 erste Heilerfolge hatte. Dadurch erwarb er sich in Pokrowskoje eine beträchtliche Zahl von Anhängern. Es wurde auch schon zu dieser Zeit der Vorwurf des unsittlichen Lebenswandels erhoben. Rasputin wurde in seinem Heimatort zu einer umstrittenen Person.Frank N. Stein: Rasputin. S. 24.

Bald wurde es dem Pilger Rasputin in seinem Heimatort wieder zu eng. Er machte sich 1903 auf eine lange Reise und gelangte zunächst nach Kasan, wo er von einer reichen Witwe namens Baschmakowa eingeladen und wohlhabenden Händlern sowie prominenten Geistlichen vorgestellt wurde, darunter Gawriil, Abt eines Klosters in Kasan. Zunächst gegen den Willen dieses Abtes, der ihn vor den Gefahren der Großstadt warnte, setzte er seinen Weg nach St. Petersburg fort.Douglas Smith: Rasputin. The Burning Torch, S. 50–52.

Rasputin in St. Petersburg Schneller gesellschaftlicher Aufstieg (1903–1905) mini|Sankt Petersburg Ende des 19. Jahrhunderts Von Kasan gelangte Rasputin nach St. Petersburg. Hier fühlte er sich zunächst „wie ein Blinder auf der Straße.“ Sein erster Weg in der Hauptstadt führte Rasputin ins Alexander-Newski-Kloster, wo er ein Empfehlungsschreiben eines Geistlichen aus Kiew beim Bischof Theophan vorlegen konnte, der ihn empfing, von seiner Person sehr beeindruckt war und ihn förderte.Henri Troyat: Rasputin. S. 22.

Es wird berichtet, dass es anlässlich einer großen religiösen Veranstaltung von Kirchenvertretern aus ganz Russland im Jahre 1903 in der Peter-und-Paul-Kathedrale zu einer Begegnung zwischen Johann von Kronstadt, dem damals berühmtesten „Heiler“ des Zarenreichs, und Rasputin gekommen sei, worauf Rasputin in Salons der Petersburger Gesellschaft und verschiedener politischer Zirkel eingeladen und bald als „Wunderheiler“ am Zarenhof berühmt wurde. Doch anscheinend sind sich die beiden Männer nie begegnet. Johannes könnte allerdings von einem ihm bekannten Geistlichen namens Roman Medwed, der Rasputin an seinem Heimatort Pokrowskoje in Sibirien besucht hatte, Erzählungen über den damals schon bekannten Wundertäter gehört haben.Douglas Smith: Rasputin, Rasputin-Nowy. S. 71–72.

Bald wurde Rasputin in Salons der Petersburger Gesellschaft und politischer Zirkel eingeladen und als „Wunderheiler“ berühmt. Boris Almasoff schreibt in seinem Buch „Rasputin und Russland“ darüber: Frank N. Stein: Rasputin. S. 30.

Am 1. November 1905 wurde Rasputin dann von den Großfürstinnen Militza und Anastasia dem Zaren vorgestellt. Der Zar vermerkte die Begegnung mit einem Satz in seinem Tagebuch: Frank N. Stein: Rasputin. S. 32.

Einige Tage darauf, am 5. November, schrieb Rasputin seinen ersten Brief an den Zaren. Er beginnt wie folgt:

Dieser Brief ist von herausragender Bedeutung, denn er zeigt, dass sich Rasputin von Anfang an nicht scheute, den Zaren auf Angelegenheiten von staatlicher Bedeutung anzusprechen. Im Brief ist allerdings keinerlei Rede vom Zarensohn oder dessen Gesundheit. In der Beziehung zwischen Rasputin und der Zarenfamilie ging es um weit mehr als um die Gesundheit des Thronerben – nämlich um den Zustand ganz Russlands.Douglas Smith: Rasputin, To the Throne. S. 69–70.

Die Zeit bis zum Ruf an den Zarenhof (1905–1907) mini|Winterpalast (von der Newa aus aufgenommen) Rasputin etablierte sich nun schnell in den Salons der verschiedenen Gesellschaften St. Petersburgs, und bald verloren dort all die vielen anderen Wunderheiler und mystischen Prediger an Einfluss, an erster Stelle der Franzose Monsieur Philippe, der durch die Vermittlung von Papus am Zarenhof eingeführt worden war und von der Presse als „Cagliostro unseres Zeitalters“ hochgejubelt wurde.Douglas Smith: Rasputin, Monsieur Philippe. S. 35.Frank N. Stein: Rasputin. S. 50. Rasputin wurde zum Star und zum Liebling einflussreicher Damen, die Wunderdinge von ihm erwarteten. Aber auch wichtige Personen in Gesellschaft und Politik gehörten bald zu seinem Freundeskreis. Am 15. Oktober 1906 wurde Rasputin von Zar Nikolaus II. in seinem Palast im Peterhof empfangen.Frank N. Stein: Rasputin. S. 34.

Ein erklärter Gegner Rasputins, der Feldgeistliche Georgi Schawelski, beschrieb Rasputin so: Frank N. Stein: Rasputin. S. 63.

Auch der Schriftstellerin Nadjeschda A. Teffi (bekannt unter dem Namen Butschinskaja) missfiel Rasputin, und sie beschrieb seine zweifellos auffallende Erscheinung folgendermaßen: Elisabeth Heresch: Rasputin. S. 77.

Zusammentreffen mit Anna Wyrubowa (1907) hochkant|mini|Anna Wyrubowa