Der Bezirk Mariahilf entstand 1850 durch Eingemeindung von fünf ehemaligen Vorstädten als 5. Bezirk Wiens, wurde 1861 auf Grund der Teilung der Wieden zum 6. Bezirk und besteht seit 1862 nach Gebietsabtretungen an den nördlichen Nachbarbezirk Neubau. In seiner heutigen Größe besteht der Bezirk seit einer Grenzkorrektur 2009, bei der ein kleiner Teil des Naschmarkts vom 4. Bezirk abgetreten wurde, sodass sich der Markt nun zur Gänze auf dem Gebiet des 6. Bezirks befindet.

Geographie Lage Mariahilf wird folgendermaßen begrenzt: Norden: Neubau (7. Bezirk), Grenze: Mariahilfer Straße Osten: Innere Stadt (1. Bezirk), Grenze: Getreidemarkt (Zweierlinie) Süden: Meidling (12. Bezirk), Margareten (5. Bezirk) und Wieden (4. Bezirk), Grenze: Wienfluss, rechte Uferkante, bzw. Naschmarkt, Gehsteigkante zur Rechten Wienzeile Westen: Rudolfsheim-Fünfhaus (15. Bezirk), Grenze: Mariahilfer Gürtel und Gumpendorfer Gürtel

Mariahilf gehört zu den inneren Bezirken Wiens, zum erweiterten Stadtzentrum, und ist mit einer Fläche von 1,48 km² der zweitkleinste Wiener Gemeindebezirk. Er nimmt 0,36 % der Fläche Wiens ein. Der Bezirk gehört zu den am dichtesten verbauten Bezirken Wiens.

Topographie Das Gelände fällt zum Wienfluss und zur Inneren Stadt deutlich ab; der Höhenunterschied zwischen Mariahilfer Straße und Wienzeile beträgt fast 30 m, sodass der Bezirk neben dem Alsergrund eine der steilsten Topographien der inneren Bezirke aufweist. Zur Überbrückung der Höhenunterschiede wurden mehrere Stiegenanlagen in Mariahilf errichtet.

Bezirksteile mini|Bezirksteile von MariahilfMariahilf wurde 1850 aus fünf Vorstädten gebildet, die den heutigen Bezirksteilen entsprechen. Dies sind:

Gumpendorf Laimgrube Magdalenengrund Mariahilf Windmühle (Obere und Untere Windmühle)

Die nördlich der Mariahilfer Straße liegenden Teile der Laimgrube und des alten Ortes Mariahilf fielen 1862 an den Bezirk Neubau. Die östlichen Bezirksteile Laimgrube, Windmühle und – zu einem Teil – Mariahilf gehören zur Außenzone der Welterbestätte Historisches Zentrum von Wien.

Eine Gliederung des Bezirksgebiets besteht ferner in den Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die drei Zählbezirke in Mariahilf sind Laimgrube, Mollardgasse und Stumpergasse.

Wappen mini|130px|Mariahilfer Bezirkswappen Das Bezirkswappen repräsentiert die fünf ehemals selbständigen Gemeinden, aus denen der Bezirk 1850 gebildet wurde. Der Herzschild steht für den Bezirksteil Mariahilf und zeigt ein braunes Schiff auf wogendem Meer mit silbernem Segel. Am Heck weht eine Fahne mit dem Doppeladler. Auf dem Schiff steht Don Juan de Austria in goldener Rüstung, der seinen Sieg über die Türken in der Seeschlacht von Lepanto der Hilfe der heiligen Maria verdanken soll. Der vom Betrachter aus gesehen linke (heraldisch rechte) obere Wappenteil repräsentiert den Bezirksteil Laimgrube. Er zeigt den heiligen Theobald in brauner Mönchkutte vor einem Altar mit Kruzifix, rechts steht eine Kirche. Das Wappen geht auf eine Kapelle zurück, die 1621 dem heiligen Theobald geweiht wurde. Der rechte obere Wappenteil steht für den Bezirksteil Windmühle. Er zeigt ebenfalls den heiligen Theobald, hier auf silbernem Grund im Bischofsornat. Links von ihm steht ebenfalls eine rot gedeckte Kirche. Der linke, untere Wappenteil symbolisiert den Bezirksteil Magdalenengrund. Die Namensgeberin des Bezirksteils, die heilige Maria Magdalena kniet vor silbernem Hintergrund unter dem Gekreuzigten zu ihrer Linken. Der rechte untere Wappenteil steht schließlich für den Bezirksteil Gumpendorf. Er zeigt auf schwarzem Untergrund eine eingebogene, goldene Spitze mit drei Lilien in gelber und schwarzer Farbe. Es ist das Wappen der Familie Muschinger, die im 16. Jahrhundert die Herrschaft in Gumpendorf innehatte.

Geschichte mini|Mariahilf um 1830 Bereits rund 2.000 Jahre v. Chr. wurde das Wiental im Bereich von Gumpendorf von Indogermanen besiedelt, worauf archäologische Funde hindeuten. Während der Römischen Kaiserzeit errichteten die Römer in der heutigen Inneren Stadt zur Bewachung der Nordgrenze des Reiches ihr Militärlager Vindobona. Eine von dort nach Südwesten führende Straße entsprach einem Teil der heutigen Gumpendorfer Straße; dort entstanden um das Jahr 1000 erste mittelalterliche Siedlungen. An der Wienflussquerung der Römerstraße befand sich ein Wachturm.

Die Ortschaften Gumpendorf und Laimgrube wurden im 12. bzw. 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Aufgrund der Lage am Wienfluss und des lehmigen Grundes waren Weinbau und Gewinnung von Lehm die wichtigsten Einnahmequellen der Bevölkerung. Die Erste Türkenbelagerung 1529 hinterließ zerstörte Klöster, Häuser und Weingärten, doch bald nach Abzug der Türken wurde – trotz eines Bauverbotes – mit dem Wiederaufbau begonnen. Auch die Zweite Türkenbelagerung 1683 brachte Verwüstung und Zerstörung über die Ortschaften. Der 1704 errichtete Linienwall sollte nun auch die sich zu Vorstädten entwickelnden Dörfer schützen.

Im 18. Jahrhundert setzte rege Bautätigkeit ein, im Zuge derer sich zahlreiche Handwerksbetriebe ansiedelten und auch Fabriken errichtet wurden. Gleichzeitig verlor die Landwirtschaft sukzessive an Bedeutung, da viele ehemalige Weingärten und Felder dem Bau von Gebäuden geopfert wurden.

Am 6. März 1850 wurden die fünf Vorstädte Gumpendorf, Mariahilf, Windmühle, Magdalenengrund und Laimgrube als 5. Bezirk mit dem Namen Mariahilf eingemeindet. Durch die Teilung der Wieden ab 1861 wurde Mariahilf zum 6. Bezirk. 1862 wurden die Teile nördlich der Mariahilfer Straße an den 7. Bezirk, Neubau, abgetreten.

Nach der Eingemeindung der Vorstädte begann mit kaiserlicher Genehmigung in der ehemaligen Bauverbotszone des Linienwalls der Bau der Gürtelstraße. Der Mariahilfer Gürtel wurde 1864 / 1869 amtlich so benannt, der Sechshauser Gürtel 1894. Der Gumpendorfer Gürtel folgte erst 1965, da er bis dahin nicht durchgehend befahrbar war. Der Linienwall, nach der 1892 vollzogenen Eingemeindung der Vororte außerhalb des Gürtels auch als Steuergrenze obsolet, wurde ab 1894 abgetragen. Das frei gewordene Areal wurde zur Verbreiterung des Gürtels und zur Verbauung genutzt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich Mariahilf zu einem wichtigen Geschäftsbezirk Wiens entwickelt. Die Mariahilfer Straße war eine bedeutende Einkaufsstraße geworden, die großen Warenhäuser befanden sich jedoch jenseits der Bezirksgrenze im 7. Bezirk, an der Nordseite der Straße. Auf Mariahilfer Seite prägten vorwiegend Klein- und Mittelbetriebe das Straßenbild.

1890–1907 bestand in der Kaunitzgasse ein Dampfkraftwerk, eines der ersten Elektrizitätswerke Wiens. Nach der Übernahme des vorerst privat betriebenen Kraftwerks durch die Gemeinde Wien wurde es stillgelegt und in ein Umspannwerk umgebaut. mini|Naschmarkt: Die fixen Marktstände wurden zwischen 1910 und 1916 errichtet 1895–1899 wurde die südliche Bezirksgrenze durch die Wienflussregulierung stark verändert. Der zuvor mit bewachsenen Uferböschungen versehene Fluss, der bei Hochwasser über die Ufer treten konnte, erhielt ein gemauertes, im Bereich des Naschmarkts komplett eingewölbtes Bett (siehe auch: Linke Wienzeile). Am südlichen Ufer wurde als Tiefbahn die Untere Wientallinie der Wiener Dampfstadtbahn gebaut, die am 30. Juni 1899 eröffnet wurde und den Süden des Bezirks mit den Stationen Margaretengürtel, Pilgramgasse und Kettenbrückengasse (der Name erinnert an die anlässlich der Einwölbung abgetragene Wienflussbrücke) erschloss. Sie wurde 1925 von der Wiener Elektrischen Stadtbahn abgelöst, heute verkehrt hier die U4. An der westlichen Bezirksgrenze, dem Gürtel, wurde bis 1898 die Gürtellinie der Stadtbahn mit der Hochbahnstation Gumpendorfer Straße gebaut; heute verkehrt hier die U6.

1897 fuhr in Wien die erste elektrisch betriebene Straßenbahnlinie. Sie hatte eine ihrer beiden Endstationen im 6. Bezirk: in der Wallgasse gegenüber dem Westbahnhof. Sie verband diesen Bahnhof, das Stadtzentrum nördlich umrundend, mit drei weiteren Kopfbahnhöfen der Stadt; ihre andere Endstation war der Volksprater beim Praterstern (2. Bezirk). 1907 erhielt die Linie die Nummer 5. (Seit der letzten Erneuerung der Mariahilfer Straße befindet sich die „Schleife“ des „5ers“ nicht mehr im 6. Bezirk, sondern, unmittelbar angrenzend, im 7.)

Von 1907 an wohnte Adolf Hitler mehrere Jahre als Untermieter in Wien, unter anderem bei einer Tschechin in der Stumpergasse 31 in Mariahilf.Brigitte Hamann: Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators, Piper, München 1996, Taschenbuch 1998, ISBN 978-3-492-22653-0 1931 kaufte die erstarkte Wiener NSDAP unter Alfred Frauenfeld drei Gassen weiter das Haus 6., Hirschengasse 25, richtete hier ihre Gauleitung ein und nannte es Adolf-Hitler-Haus.Adolf-Hitler-Haus auf der Website der Universität Wien

Von 1938 an wurden jüdische Mariahilfer vom NS-Regime verfolgt, beraubt, vertrieben und ermordet. Auch politische Gegner, Roma und Sinti sowie Behinderte bzw. Homosexuelle waren dieser Verfolgung ausgesetzt. Zum Gedenken daran wurde im Jahr 2007 das Projekt „Erinnern für die Zukunft“http://www.erinnern-fuer-die-zukunft.at/ auf Initiative des Bezirksrats Kilian Franer ins Leben gerufen. Damit hat Mariahilf als einziger Bezirk Wiens bzw. als einzige „Gemeinde“ Österreichs flächendeckend Gedenkobjekte namentlich für alle Deportierten und Ermordeten, die hier ihren letzten Wohnort hatten, angebracht.

1943–1944 wurden zur Abwehr von Fliegerangriffen die Wiener Flaktürme erbaut, darunter der so genannte Leitturm im Esterházypark, von dem aus den auf dem zugehörigen Gefechtsturm in der Stiftskaserne (7. Bezirk) montierten Fliegerabwehrkanonen (daher die Abkürzung Flak) die Koordinaten der tunlichst zu treffenden Flugzeuge durchgegeben wurden. Im 2000 bis 2015 im Besitz der Stadt Wien gestandenen Turm ist das Haus des Meeres, der nunmehrige Eigentümer, untergebracht.

Im besetzten Nachkriegsösterreich zählte der 6. Bezirk 1945–1955 zum französischen Sektor. Die angrenzenden Bezirke waren sowjetisch (4.), britisch (5.) und US-amerikanisch (7.) besetzt.

Das Theater an der Wien hatte seit seiner Fertigstellung 1801 eine sehr wechselvolle Geschichte. 1805 fand hier die Welturaufführung der Oper „Fidelio“ von Ludwig van Beethoven statt. 1962 musste das Theater von der Stadt Wien angekauft werden, um es vor dem Abriss zu retten. Nachdem es lang die erste Musicalbühne der Stadt war, ist es seit dem Mozartjahr 2006 das „dritte Opernhaus“ Wiens.

An der Amerlingstraße in der Mitte des Bezirks befand sich über 270 Jahre lang das Gartenpalais Kaunitz bzw. Mariahilfer Gymnasium. Es wurde 1970 abgerissen und durch ein neues Schulgebäude ersetzt.

In den 1990er Jahren kam es noch zu zwei kleineren Änderungen bei den Bezirksgrenzen und zwar 1995 im Bereich des Gürtels betreffend den Grenzverlauf zum 15. GemeindebezirkGesetz über eine Änderung der Grenze zwischen dem 6. und 15. Bezirk (LGBl. für Wien 14/1995), ausgegeben am 20. März 1995 und 1996 im Bereich des Europaplatzes vor dem WestbahnhofGesetz über eine Änderung der Grenzen zwischen dem 6., 7. und 15. Bezirk (LGBl. für Wien 49/1996), ausgegeben am 25. September 1996, wo der 6., 7. und 15. Gemeindebezirk aufeinander treffen. Von beiden Grenzänderungen waren vor allem Verkehrsbauwerke betroffen, die Bezirkszugehörigkeit von Wohngebieten änderte sich nicht. 2009 fiel ein kleiner Teil des 4. Bezirks an Mariahilf, wodurch sich der Naschmarkt seither zur Gänze auf dem Gebiet des 6. Bezirks befindet.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsentwicklung