mini|299px|Übersicht Vlotho (niederdeutsch: Vläote, Vläothe, Vleode, Vlauthe) ist eine ostwestfälische Stadt im Nordosten des deutschen Landes Nordrhein-Westfalen. Vlotho hat Einwohner und gehört zum Kreis Herford im Norden des Regierungsbezirks Detmold bzw. im Norden der Region Ostwestfalen-Lippe.

Die Stadt liegt im Lipper Bergland und beiderseits der Weser. Vlotho wurde 1185 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt im 12. Jahrhundert erstmals das Stadtrecht. Seit 1978 ist Vlotho staatlich anerkannter Luftkurort mit Kurmittelbetrieb.https://www.vlotho.de/Tourismus-Freizeit/Sehenswürdigkeiten/Natur-Kurpark/ Durch die Kommunalreformen wurde die Stadt Vlotho zwischen 1969 und 1973 um die drei Umlandgemeinden Exter, Valdorf und Uffeln erweitert und erhielt ihren heutigen Zuschnitt.

Geografie Geografische Lage mini|Topographie des Stadtgebietes

Die Stadt Vlotho liegt etwa 10 km südlich der Porta Westfalica am Übergang zwischen Ravensberger Hügelland im Westen und Norden, Lipper Bergland im Süden und oberem Wesertal im Osten. Die aus Osten kommende Weser wendet bei Vlotho ihren Lauf gen Norden und teilt Uffeln im Nordosten vom restlichen Stadtgebiet ab. Höchste Erhebung mit ist der Bonstapel im Südosten, beherrscht wird das Stadtbild jedoch vom direkt an der Weser gelegenen Amtshausberg (), einem Sporn der Anhöhe Ebenöde, die sich nordwestlich der Innenstadt befindet. Der tiefste Punkt mit etwa liegt im Nordosten des Stadtgebiets am Abfluss der Weser. Insgesamt befinden sich mit dem bereits genannten Bonstapel und den nächsthöheren Gipfeln Nettelberg (304 m), Saalegge (300 m), Ruschberg (294 m) und Bickplecken (276 m) die fünf höchsten Berge des Kreises Herford in Vlotho. An den Gipfeln entspringen einige Bäche. Von den ganz oder teilweise in Vlotho verlaufenden Gewässern haben folgende ein Einzugsgebiet von über 10 km²: Glimke, die Linnenbeeke, der Mittelbach, der Borstenbach, der Forellenbach und die Salze. Diese entwässern überwiegend die Randgebiete Richtung Werre oder Bega, nur Forellenbach und Linnenbeeke entwässern einen nennenswerten Teil des zentralen Stadtgebiets direkt in die Weser.

Die Gesamtfläche der Stadt Vlotho beträgt 76,92 km². Die größte Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung sowie in Ost-West-Richtung beträgt etwa 13 km.

Flächenach NutzungsartLandwirt-schafts-flächeWald-flächeGebäude-,Frei- undBetriebsflächeVerkehrs-flächeWasser-flächeSport- undGrünflächesonstigeNutzung Fläche in km² 50,46 10,31 9,32 4,38 1,15 1,00 0,30 Anteil an Gesamtfläche 65,59 % 13,40 % 12,11 % 5,69 % 1,49 % 1,30 % 0,39 %

Stadtgliederung Vlotho gliedert sich nach § 2 der HauptsatzungWebsite der Stadt Vlotho, Hauptsatzung § 2 (PDF; 146 kB) in folgende vier Ortsteile, deren Grenzen sich mit denen vor der Gebietsreform decken (siehe Eingemeindungen):

Ortsteil Einwohner(31. Dez. 2022) Ortsteile der Stadt Vlotho Vlotho 7.070 Valdorf 5.206 Uffeln 3.623 Exter 2.798 Gesamt 18.697

Alle Ortsteile mit Ausnahme von Vlotho führen vorangestellt den Zusatz Vlotho-.

Nachbargemeinden Vlotho grenzt im Westen an Herford und Löhne im Kreis Herford, im Norden an Bad Oeynhausen und Porta Westfalica im Kreis Minden-Lübbecke sowie im Osten und Süden an Kalletal, Lemgo und Bad Salzuflen im Kreis Lippe.

Geologie mini|Geothermische Karte von Vlotho

Vlotho liegt auf Untergrund, der im Wesentlichen aus Ton-, Tonmergel- und Sandstein aus dem Trias und Unterem Jura aufgebaut ist. Durch die Gebirgsbildung wurde das Gebiet in zahlreiche Sättel, Mulden, Horste, Gräben und kleinere Schollen umgeformt. An der Weser und im südlichen Stadtgebiet sind aus der Eiszeit Lockergesteine wie Geschiebelehm, Schmelzwassersand, Flusskies und der fruchtbare Löß anzutreffen. Letztere auch dort, wo das Gebiet im Westen in das Ravensberger Hügelland übergeht. Durch Verkarstung kam es in dieser Gegend zu entsprechend großen Erdfällen.O. Deutloff, H. Hagelskamp, G. Michel: Über die Erdfall-Quelle von Bad Seebruch in Vlotho, Ostwestfalen. In: Fortschritte in der Geologie. Rheinland und Westfalen. 20, Krefeld, S. 27–40. In Vlotho und der Umgegend wurde das sehr selten vorkommende Pyrit-Zwillingskristall Eisernes Kreuz gefunden.

Die Eignung von Vlotho zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen ist standortabhängig äußerst unterschiedlich ausgeprägt, es gibt ungeeignete aber auch sehr gut geeignete Lagen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB), Geologischer Dienst NRW

Klima Das Klima in Vlotho wird durch die Lage im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas und durch seine naturräumliche Lage am Übergang zwischen Ravensberger Hügelland im Westen und Norden, Lipper Bergland im Süden und oberem Wesertal im Osten bestimmt. Das Gebiet liegt überwiegend im Bereich des subatlantischen Seeklimas, weist aber temporäre kontinentale Einflüsse auf. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild, die Sommer mäßig warm, die Niederschläge relativ gleichmäßig verteilt. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa 8,5 °C, wobei die Höhenlagen rund 0,5 °C kühler sind. Die Wesertalung ist um bis zu 0,5 °C wärmer. Die mittlere Jahresniederschlagsmenge liegt hier bei rund 750 mm.

Da Klimawerte mit Ausnahme von Niederschlägen für Vlotho nicht verfügbar sind, werden die Daten der benachbarten Stadt Herford zur Beurteilung herangezogen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Herford rund 40 m niedriger liegt. Die folgende Tabelle zeigt die Klimadaten im langjährigen Mittel (unterschiedliche Zeiträume):

mini|Niederschläge in Vlotho-Valdorf

Siehe auch: Klima in Ostwestfalen-Lippe

Geschichte mini|Panorama der Stadt Vlotho, in der Gesamtansicht vom Winterberg (links) bis zum Amtshausberg (rechts) vom Standort Uffelner Buhn aus mini|Das Stadtzentrum, die Weser und der Ortsteil Uffeln mini|Das Stadtzentrum, der Amtshausberg und die Weser Name Zur Herkunft des heutigen Namens Vlotho wird vermutet, dass er sich aus Vlothowe entwickelt hat. Das niederdeutsche Wort ist eine Zusammensetzung aus Vlauthe, Vlothe oder ähnliches (dem heutigen Forellenbach) und owe für Flussaue.Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Herford (= Westfälisches Ortsnamenbuch, Bd. 4), Bielefeld 2011, S. 283ff, ISBN 3-89534-924-0. Der Forellenbach wird von Anhöhen seitlich eng begrenzt, was verhinderte, dass sich an seinen Ufern nennenswerte Landwirtschaft entwickelte.

Frühgeschichte Werkzeugfunde in der alten Kiesgrube im Ortsteil Uffeln lassen darauf schließen, dass das Gebiet von und um Vlotho mindestens seit dem Mesolithikum, der mittleren Steinzeit (4000 v. Chr.) besiedelt ist. Die Entdeckung der Reste eines germanischen Wohnplatzes in der Nachbarstadt Bad Salzuflen (Ortsteil Wüsten, etwa 200 n. Chr.) weist ebenso wie die 1933 vorgefundenen Hügelgräber auf dem Uffelner Buhn (etwa 2000 bis 3000 v. Chr.) auf weitere durchgängige Besiedlung hin. Das wird unterstützt durch Zeugnis von anderen Grabstätten um 700 v. Chr. im heutigen Vlothoer Stadtgebiet links der Weser, die bis auf eine Ausnahme (im Ortsteil Exter) nicht mehr direkt nachweisbar sind.

Der Vlothoer Amtshausberg wurde wahrscheinlich schon vor etwa 2000 Jahren durch eine Wallburg befestigt. Zur Zeit der Karolinger um 850 n. Chr. befand sich hier ein befestigter Königshof. Auch auf dem Paterberg konnte die Existenz einer alten Wallburg, genannt „Hünenburg“ nachgewiesen werden.

Durch die zwischen zwei Höhenzügen (Teutoburger Wald und Wiehengebirge) liegende Ravensberger Mulde führten schon lange wichtige Handelswege in Richtung Porta Westfalica und zum Naturhafen in Vlotho. Die Weser konnte hier über die in Richtung Rehme nahe liegende sogenannte Vössener Furt überquert werden.

Erste Erwähnung mini|Burg Vlotho – heutige Ansicht Vlotho wird 1185 erstmals urkundlich erwähnt, als ein „Gottfried von Vlotho dem Kloster Loccum sieben Hufen Land“ geschenkt hat. Beurkundet hat den Vorgang Bischof Anno von Landsberg, die vorliegende Urkundenabschrift ist allerdings nicht datiert. Sie ist auch einer der wenigen Hinweise auf die Existenz der Herren von Vlotho.wie schon 1829 von Ledebur in seiner Diplomatischen Geschichte der Stadt und Herrschaft Vlotho bemerkte Auch von ihrem vermutlich ersten Sitz, der Wasserburg Schune, ist nichts mehr vorhanden.

Der Wirkungsbereich der Herren von Vlotho, das alte Amt Vlotho, entsprach in etwa dem heutigen Stadtgebiet. Hinzuzurechnen ist aber das Gebiet des heutigen Ortsteiles Rehme der Stadt Bad Oeynhausen. Ihren Sitz, die Wasserburg Schune im Mündungsbereich des Forellenbaches in die Weser gaben sie um 1150 auf. Von der auf dem heutigen Amtshausberg errichteten Burg aus kontrollierten sie von da an den Wasserweg Weser, aber auch die örtlichen Landwege. Von den Herren von Vlotho ist so gut wie nichts bekannt. Als sie ausstarben, übernahmen die Grafen von Ravensberg die Herrschaft, mussten ihre Hoheitsrechte aber mit anderen Grundherren teilen. Schon im 10. Jahrhundert waren einige Bauernhöfe den alten Klöstern in Herford und Möllenbeck abgabepflichtig gewesen. Als weitere Rechteinhaber sind u. a. das Herforder Stift auf dem Berge und das Kloster Segenstal in Vlotho zu nennen, aber auch das Paderborner Kloster Abdinghof gehörte zu den Nutznießern.

Ab dem 13. Jahrhundert Die Geschichte der Stadt Vlotho ist eng verbunden mit der der um 1250 errichteten Höhenburg auf dem Amtshausberg. Verlässliche Angaben über ihre Gründung liegen nicht vor. Der Vlothoer Chronist Großmann schreibt im Zusammenhang mit der Geschichte der Kirche in Valdorf dazu: „Anscheinend ging die Absicht der Herren von Vlotho dahin, aus der Siedlung am Fuße des Amtshausberges eine Art Landeshauptstadt zu machen. Zu diesem Zwecke schnitten sie aus dem Gebiet des Kirchspiels Valdorf (45 km²) ein Gebiet von nur rund 6 km² heraus und gaben der Siedlung Vlotho Stadtrechte.“ Das bedeutete, dass es hier einen eigenen Stadtrichter gab und der Ort mit entsprechenden Stadtrechten versehen war.

Für 1336 wird der erste Fährbetrieb in Vlotho vermutetHeinrich Harland: Geschichte der Herrschaft und Stadt Vlotho. Vlotho 1888, , der 1423 erstmals urkundlich erwähnt wurde.durch den modernen Stadtchronisten Karl Großmann Aus dem 16. Jahrhundert bekannte Flurnamen sind weitere Belege. Es lag nahe, hier sowohl für den Verkehr auf dem Wasser als auch auf dem Lande eine Zollstelle einzurichten. In Folge kam es zu Ansiedlungen.

1368 fielen die Mindener ein und zerstörten Burg und Stadt fast völlig. In der Folge verlor Vlotho die Stadtrechte wieder und gehörte unter das Gaugericht zu Herford.

Als Teil der Grafschaft Ravensberg war die Herrschaft Vlotho an die Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg gefallen. Mitte des 16. Jahrhunderts veranlasste Wilhelm der Reiche, Herzog von Jülich, Kleve und Berg die Erstellung eines Katasters. Dieses Urbar der Grafschaft Ravensberg von 1556 enthält detaillierte Aufzeichnungen auch zum damaligen Amt Vlotho. So blieben Angaben erhalten über die Anzahl der Hofstätten, deren Bewohner und welche Leistungen und Abgaben von diesen an wen zu erbringen waren sowie Angaben zu Gehörigkeiten.

Danach bestand das Amt Vlotho aus den Vogteien Wehrendorf und Vlotho. Von den 225 Hofstätten letzterer lagen 91 im Kirchspiel Exter mit den Bauerschaften Exter, Schwarzenmoor und Solterwisch, welche kirchlich zum Herforder Stift Berg gehörten. Im Kirchspiel Rehme (87 Stätten) waren die Bauerschaften Rehme (Kirchenstandort), Nieder- und Oberbecksen, Bessingen, Babbenhausen sowie Reelsen zusammengefasst. Der Flecken Vlotho zählte 47 Stätten.

Zur Vogtei Wehrendorf wurden 136 Hofstätten für das Kirchspiel Valdorf verzeichnet. Dieses Gebiet mit den zusammengefassten Bauerschaften Bonneberg, Brockhagen, Maasbecke, Nieder- und Oberhollwiesen, Nienhagen und Valdorf (Kirchenstandort) blieb weitgehend unverändert und entspricht damit dem heutigen Ortsteil Valdorf.

Ab dem 17. Jahrhundert mini|Nachbau (2000) des Bootes eines Vlothoer Binnenfischers. Solche Lattenboote wurden auch im Fährbetrieb auf der Weser eingesetzt.