The Boeing Company ist ein US-amerikanischer Hersteller von Luft- und Raumfahrttechnik. Er war im Jahr 2020 der zweitgrößte Produzent innerhalb seiner Branche (nach Lockheed Martin, gemessen am Umsatz). Zu den Produkten des Unternehmens zählen unter anderem zivile und militärische Flugzeuge, Hubschrauber, Raumschiffe und Satelliten sowie Trägerraketen und Raketenwaffen. Gemeinsam mit dem europäischen Wettbewerber Airbus bildet der Konzern das Duopol für Großraumflugzeuge.
Geschichte der Luftfahrtsparte 20. Jahrhundert mini|Gedenktafel für Wilhelm Böing in Hagen-Hohenlimburg mini|Vorläufer von Boeing mini|Eine 707 in Heathrow, 1964
Der Ingenieur William Edward Boeing, Sohn des deutschen Auswanderers Wilhelm Böing, hatte an der Yale University studiert und anschließend zunächst in der Holzverarbeitungsindustrie gearbeitet, wo er Kenntnisse über Holzstrukturen erwarb, die ihm für seine spätere Tätigkeit im Flugzeugbau nützlich sein würden. 1915 begann er in Seattle (Bundesstaat Washington) zusammen mit seinem Kollegen George Conrad Westervelt die Arbeit an der B & W Seaplane, einem Wasserflugzeug aus Holz, Leinen und Draht.Die Geschichte der ersten beiden B&W, boeing.com Als Westervelt seine Mitarbeit beendete, stellte Boeing die ersten beiden B&Ws ohne seine Hilfe fertig. Den Erstflug mit der Bluebill genannten Maschine führte William Boeing selbst am 15. Juni 1916 durch.Boeing Chronology (PDF englisch) Die Firmengründung fand am 15. Juli 1916 als Pacific Aero Products Company statt. Bereits 1917 wurde das Unternehmen in Boeing Aeroplane Company umbenannt.
Im Jahr 1926 gründete das Unternehmen die Tochtergesellschaft Boeing Air Transport, welche die Ausschreibung des United States Postal Service für Postflüge zwischen Chicago und San Francisco gewann. Der Flugbetrieb wurde am 1. Juli 1927 mit dem Typ Boeing Model 40 aufgenommen. Die Postflüge erwiesen sich als sehr lukrativ, wodurch Boeing Air Transport schnell expandieren und kleinere Gesellschaften wie Varney Air Lines aufkaufen konnte.John G. Wensveen: Air Transportation: A Management Perspective - 7th Edition, Farnham: Ashgate Publishing, 1996, ISBN 0-7546-7171-2, S. 47. Im Jahr 1929 übernahm Boeing die Stearman Aircraft Corporation in Wichita (Kansas) und führte den Betrieb als Zweigwerk weiter.History – Stearman. Boeing, Abruf am 18. August 2011. Ende der 1920er-Jahre schlossen sich Boeing Company, die Boeing Air Transport und der Motorenhersteller Pratt & Whitney zur United Aircraft and Transport Company zusammen, welche im Jahr 1930 weitere Ausschreibungen für Postflüge gewann.
Als 1934 durch den Air Mail Scandal bekannt wurde, dass bei diesen Ausschreibungen Unregelmäßigkeiten im Spiel waren, kündigte die US-Regierung die Verträge auf und untersagte den Herstellern eine Beteiligung an den im Postflugverkehr tätigen Fluggesellschaften.John G. Wensveen: Air Transportation: A Management Perspective - 7th Edition, Farnham: Ashgate Publishing, 1996, ISBN 0-7546-7171-2, S. 50. Die United Aircraft and Transport Company musste dadurch zwangsweise aufgespalten werden. William Boeing verlor seine Klage gegen die Regierungsentscheidung und schied resigniert aus seiner Firma aus. Aus der Auftrennung der Unternehmensgruppe ging unter anderem die Gesellschaft United Air Lines hervor.
Während des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich der Flugzeugbauer mit der im Boeing Werk 2 gefertigten B-17 bald zu einem der größten Produzenten von Bombenflugzeugen. Mit dem Beginn des Kalten Krieges konnte Boeing die führende Position in dieser Sparte mit der B-47 und B-52 weiter festigen. Weil die Reichweite dieser Bomber für einen Angriff auf die Sowjetunion nicht ausreichte, entwickelte Boeing für die United States Air Force auch das jetgetriebene Tankflugzeug KC-135, das von Boeing zur 707 weiterentwickelt wurde und so Boeings Aufstieg zum größten Produzenten von Zivilflugzeugen einleitete. Während Boeing mit Zivilflugzeugen immer erfolgreicher wurde, ging der Erfolg bei der Ausschreibung neuer Bomberprojekte zurück.
1997 übernahm Boeing den in der zivilen Luftfahrt zur Nummer drei (hinter Airbus) abgesunkenen Flugzeugbauer McDonnell Douglas und die Aerospace Units von Rockwell International (Boeing North American).
Boeing stellte von 1974 bis 1985 Tragflügelboote, sog. JETFOILs her, das bekannteste Modell ist die Boeing 929.Boeing History, aufgerufen am 20. April 2013. Danach wurden einige Boote mit Boeing-Lizenzen von anderen Werften gebaut.
Duopol mit Airbus im 21. Jahrhundert Im März 2001 gab Boeing bekannt, den Firmensitz von Seattle an einen anderen Ort zu verlegen. Im Gespräch waren unter anderem Chicago, Denver oder Dallas, wobei man sich letztlich für Chicago entschied. Die Produktion von Flugzeugen blieb davon unangetastet. Im Mai 2022 gab Boeing bekannt, dass der Firmensitz erneut umziehen werde. Nun wechselte er nach Arlington in Virginia. Er befindet sich heute im Ortsteil Crystal City in Sichtweite zum Pentagon.
Durch eine Krise im Luftverkehr und die Terroranschläge am 11. September 2001 war keine Fluggesellschaft bereit, den zwar schnellen, aber unwirtschaftlichen Sonic Cruiser zu bestellen. Der Konkurrent Airbus gewann immer mehr Marktanteile. Im Militärluftfahrtbereich verlor der Konzern einen großen Auftrag an Lockheed Martin: Das von Boeing entwickelte Militärflugzeug X‑32 wurde von der Air Force abgelehnt. Im Raumfahrtbereich warf die NASA der Boeing Nachlässigkeiten wegen des Columbia-Unglücks vor.
Boeing verbuchte im Geschäftsjahr 2002 einen Umsatz von 54,069 Milliarden US-Dollar bei einem Gewinn von 0,492 Milliarden US-Dollar. 2002 lieferte Boeing 381 Flugzeuge aus.
Im Jahr 2003 gab das Unternehmen bekannt, die 757-Produktion Ende 2004 einzustellen – seit den Terroranschlägen 2001 waren nur neun Flugzeuge dieses Typs bestellt worden. Auch die 767, im transatlantischen Luftverkehr in der vorangegangenen 20 Jahren gut vertreten gewesen, drohte wegen mangelnder Nachfrage das Aus, zumal ein Nachfolgemodell, die 787, bereits angeboten wurde.
mini|Netto-Bestellungen von Flugzeugen zwischen 2001 und 2015 von Boeing und Airbus
Mit der 787 versuchte Boeing, auf dem 250-Sitzer-Markt wieder Fuß zu fassen. Das Modell sollte die 757 und die 767 ersetzen. 2005 gab das Unternehmen bekannt, auch die 717-Produktion Ende 2006 einzustellen, als Grund wurde abermals mangelnde Nachfrage angegeben.
Boeing erklärte das Direktverbindungskonzept, im Gegensatz zum Drehkreuzkonzept, zum Luftverkehrsmodell der Zukunft. Daher würden zukünftig kleinere Flugzeuge mit größerer Reichweite erforderlich.What’s the point of P2P?, Boeingblogs Randy’s Journal, 10. Mai 2005.
2005 wurde der Bau der Rumpfteile in die Spirit AeroSystems ausgelagert. Seither ist die Anzahl der bestellten Flugzeuge wieder deutlich angestiegen. Auch die Umsätze und Gewinne im Vergleich zu den Jahren davor sind wieder gestiegen, sodass die Krise mit dem Jahr 2005 vorerst beendet wurde. Im Jahr 2010 ist der Umsatz allerdings im Vergleich zum Vorjahr von 68,281 Mrd. auf 64,308 Mrd. US-Dollar gesunken. Den größten Umsatzrückgang musste die zivile Flugzeugsparte hinnehmen, dort sank der Umsatz von 34,051 Mrd. auf 31,834 Mrd. US-Dollar. Dies dürfte auf Spätfolgen der Finanzkrise zurückzuführen sein, da viele Fluggesellschaften Aufträge stornierten oder aufschoben mitunter wegen des erneut stark gestiegenen Ölpreises und weiterhin bestehenden Sorgen über die Erholung der weltweiten Konjunktur.
Jedoch sank auch der Umsatz im militärischen Bereich (Boeing Defense, Space & Security) von 33,66 Mrd. auf 31,94 Mrd. US-Dollar.Boeing Umsatzzahlen In der militärischen Sparte dürften ähnliche Gründe wie im zivilen Bereich für den Rückgang eine Rolle spielen, beispielsweise war 1995 ursprünglich geplant 800 F-22-Jagdflugzeuge zu beschaffen, aufgrund der sehr hohen Kosten und günstigeren Alternativen wie der F-35 wurden letztendlich lediglich 187 Exemplare bestellt. Allerdings handelt es sich dabei um Folgen der weltweiten Finanzkrise.
Zusammen mit American Airlines, United Airlines, US Airways, Delta Air Lines und Continental Airlines reichte Boeing im Jahr 2007 eine Klageschrift gegen FBI und CIA ein. Geklärt werden sollte, ob diese Fluggesellschaften eine Mitschuld an den Terroranschlägen vom 11. September 2001 tragen und/oder ob ihre Reaktionen richtig und angemessen waren.Airlines verklagen FBI und CIA, aerosecure.de, 9. August 2007.
Im Jahre 2013 schloss Boeing das Werk in Wichita durch Kürzungen im US-Verteidigungsetat. 2160 Beschäftigte wurden ab dem 3. Quartal 2012 entlassen.
2012 hatte Boeing wieder – seit 2007 – mehr Flugzeuge in Bestellung und Auslieferung als Airbus.
2015 gab Boeing bekannt, die Boeing 737-Endmontage in die Volksrepublik China zu verlegen, da chinesische Leasingunternehmen bis zu 250 Boeing 737 und 50 Langstreckenflugzeuge bestellten.China kauft 300 Flugzeuge bei Boeing, abgerufen am 24. September 2015. Das Werk wurde mit der chinesischen Comac, die zu 40 % am Werk beteiligt ist, gebaut. Am 15. Dezember 2018 wurde die erste in China fertiggestellte Boeing 737 MAX an Air China übergeben.Boeing liefert erste in China fertiggestellte 737 aus, abgerufen am 17. Dezember 2018.
Am 5. Juli 2018 gab Boeing bekannt, dass sie den brasilianischen Flugzeughersteller Embraer zu und zu einem Preis von 4,2 Milliarden Dollar übernehmen wolle. Am 25. April 2020 waren die Verhandlungen mit Embraer abgebrochen. Embraer bedauerte den Ausstieg. Boeing machte nicht erfüllte Bedingungen seitens Embraer geltend.CEO Interview: David Calhoun’s Mission To Fix Boeing, aviationweek, 20, Juli 2020
Flugzeugabstürze 2018 und 2019 und folgende Krise mini|hochkant=1.3|Ab dem 11. März 2019 mussten alle Maschinen der Serie 737 Max in China am Boden bleiben, am 12. und 13. folgten die Grounding-Anordnungen von EASA und FAA
Am 29. Oktober 2018 und am 10. März 2019 kam es zu zwei Abstürzen von Boeing-737-MAX-8-Maschinen mit insgesamt 346 Todesopfern. In beiden Fällen erfolgte der Absturz aufgrund fehlerhafter Daten des Anstellwinkelsensors AoA, der das Maneuvering Characteristics Augmentation Systems (MCAS) aktivierte. Dieses System greift automatisch in die Steuerung des Flugzeugs ein, verstellt die Höhenflosse und drückt die Nase des Flugzeugs nach unten.Unfallbericht B-737-MAX 8 PK-LQP, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 13. Juli 2019Indonesien: Passagierflugzeug nach Start von Jakarta abgestürzt. Zeit Online, 29. Oktober 2018
Weltweit wurden daher Flugverbote für alle 371 in Dienst gestellten Maschinen „MAX“-Versionen erteilt. Weitere Auslieferungen der 737 MAX wurden gestoppt, was für Boeing im 2. Quartal 2019 5,6 Milliarden US-Dollar Umsatzausfall verursachte. Für Schadenersatzansprüche und weitere Kosten durch das Grounding wurden 4,9 Milliarden Dollar zurückgestellt.. AP, 18. Juli 2019.Roland Lindner: Flugverbot kostet Boeing Milliarden, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Juli 2019 Insgesamt führte dies zum Ausweis eines Konzernquartalsverlusts von 2,9 Milliarden US-Dollar, dem bis dahin größten in der Geschichte des Unternehmens. Innerhalb der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2019 gingen die Auslieferungen ziviler Boeing-Flugzeuge gegenüber dem Vorjahr um 47 Prozent auf 302 Stück zurück.Futurezone: Geschäft von Boeing bricht nach 737-Max-Desaster komplett ein, 8. Oktober 2019Basler Zeitung: Boeing fällt weiter hinter Airbus zurück, 8. Oktober 2019 Im selben Zeitraum stieg der Börsenkurs von Boeing um 21 %.Schlusskurs an der New York Stock Exchange 382,86 $ am 30. September 2019 gegenüber 316,38 $ am letzten Handelstag 2018, dem 28. Dezember.