Franz Jägerstätter, geboren als Franz Huber (* 20. Mai 1907 in St. Radegund, Oberösterreich, Österreich-Ungarn; Pfarre St. Radegund, Taufen-Duplikate, 1907, Reihezahl 11, abgerufen am 14. März 2025. † 9. August 1943 in Brandenburg-Görden, Preußen, Deutsches Reich), war ein österreichischer Landwirt und Widerstandskämpfer.

Als Kriegsdienstverweigerer im Zweiten Weltkrieg wurde er wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und hingerichtet. Jägerstätter wird seit 2007 in der römisch-katholischen Kirche als Seliger verehrt.

Leben

Herkunft, Jugend und Familie mini|Bauernhof der Familie Jägerstätter Franz Jägerstätter wurde im Elternhaus seiner Mutter, der Adamsölde, Hadermark 22, unehelich geboren und wuchs dort auf. Sein leiblicher Vater hieß Franz Bachmeier († 25. Oktober 1914 in Walawa bei Przemyśl, gefallen im Ersten Weltkrieg), seine Mutter Rosalia Huber. Da seine Mutter bei seiner Geburt ledig war, trug er in den ersten zehn Jahren seines Lebens den Namen Franz Huber. Seine Eltern waren arm und konnten weder heiraten (die Ehefreiheit unterlag damals Einschränkungen) noch ein Kind großziehen. Deshalb blieb Franz bis 1916 bei seiner mütterlichen Großmutter Elisabeth Huber, dann kam er auf den Hof seines gefallenen Vaters, zu seinen Großeltern Bachmeier. Am 19. Februar 1917 heiratete seine Mutter Heinrich Jägerstätter, einen Bauern in St. Radegund, der Franz adoptierte, welcher deshalb ab da den Namen Franz Jägerstätter trug. Heinrich Jägerstätters Vater, Matthäus Jägerstätter († 1930), der ebenfalls am Hof lebte und der viele Bücher besaß, weckte bei ihm die Freude am Lesen.Erna Putz: F. J. Besser die Hände … gefesselt, S. 33 und Erna Putz: F. J. – Märtyerer, S. 10.

Franz Jägerstätter arbeitete im Sommer 1927 kurz auf einem Bauernhof in Teising, danach bis 1930 als Bergarbeiter in Eisenerz. Mit dem dabei erworbenen Geld kaufte er sich ein Puch-Motorrad (Serie 250), mit dem er Aufsehen erregte, weil es das erste Motorrad war, das in St. Radegund zugelassen war.Erna Putz, F. J. Besser die Hände … gefesselt, S. 32. Als sein Adoptivvater Heinrich Jägerstätter, der keine leiblichen Kinder hatte, am 8. Mai 1933 starb, erbte Franz den Bauernhof. Am 1. August 1933 brachte Theresia Auer, Magd auf dem Hof Jägerstätters, ein Mädchen zur Welt, das auf den Namen Hildegard getauft wurde. Franz Jägerstätter gab an, der Vater des unehelichen Kindes zu sein.Die Vaterschaft Jägerstätters war in St. Radegund zeitweise bezweifelt worden, weil das Mädchen anscheinend „zwei Monate zu früh“ auf die Welt gekommen war; Erna Putz: F. J. Besser die Hände … gefesselt, S. 37.

Am 9. April 1936, Pfarre St. Radegund, Trauungen-Duplikate, 1936, Reihezahl 1, abgerufen am 14. März 2025. einem Gründonnerstag, heiratete er Franziska Schwaninger (* 4. März 1913 in Hochburg-Ach; † 16. März 2013 in St. Radegund). Die Vermählten verzichteten auf eine Hochzeitsfeier und machten stattdessen eine Wallfahrt nach Rom.Franz Jägerstätter, L7-04, in: Andreas Schmoller, Verena Lorber (Hrsg.): Franz und Franziska Jägerstätter Edition. Version 1.6.2023. URL: https://edition.jaegerstaetter.at/#/edition/view/L7_04.xml (Aufzeichnung von Franz Jägerstätter zum Ablauf und den Stationen der Pilgerreise) Der Ehe entstammen die drei Töchter Rosalia (* 1937), Maria (* 1938; † 18. Juli 2025) und Aloisia (* 1940).Kurz-Biographie

Widerstand gegen den Nationalsozialismus mini|Die Pfarrkirche St. Radegund, in der Jägerstätter Mesner war Nach seiner Hochzeit besuchte er, angeregt durch die Frömmigkeit seiner Frau, häufiger die Gottesdienste, las täglich in der Bibel, studierte die kirchlichen Lehrschreiben und las religiöse Literatur, insbesondere Heiligenbeschreibungen.Der Linzer Bischof Johannes Maria Gföllner hatte bereits im Jänner 1933 in seinem Hirtenbrief geschrieben: es sei unmöglich, „gleichzeitig guter Katholik und wirklicher Nationalsozialist zu sein“. Nach Kurt Benesch, Die Suche nach Jägerstätter kaufte Jägerstätter dieses Hirtenschreiben mehrfach und verteilte es im Ort. Im April 1937 ließ Bischof Gföllner eine Kurzfassung der gegen den Nationalsozialismus gerichteten Enzyklika Pius XI. Mit brennender Sorge in seiner Diözese verlesen. Im Jänner 1938 sah er in einem Traum einen Zug, in den immer mehr Menschen einstiegen, und hörte eine Stimme sagen: „Dieser Zug fährt in die Hölle“.Das Autograph dieses Traumes befindet sich seit dem 26. Oktober 2007 im Reliquienschrein Jägerstätters. Er deutete diesen Traum als Warnung vor dem Nationalsozialismus, der mit der Lehre der römisch-katholischen Kirche unvereinbar sei.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 12. März 1938 lehnte er es ab, das ihm angebotene Amt des Bürgermeisters zu übernehmen.In St. Radegund gab es vor dem „Anschluss“ keine Nationalsozialisten und niemand wollte das Bürgermeisteramt übernehmen. Erst als die Kreisbehörde mit der Einsetzung eines auswärtigen Kommissars drohte, fand man einen einheimischen Bürgermeister. Vgl. Erna Putz: F. J. Besser die Hände … gefesselt, S. 69. Bei der am 10. April folgenden Volksabstimmung über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich votierte er als Einziger im Ort mit „Nein“. Die Wahlbehörde allerdings unterschlug die Gegenstimme und meldete eine 100%ige Zustimmung für den Anschluss. Diesen Tag, bei dem viele Kleriker mit „Ja“ gestimmt haben müssen, bezeichnete er später als den „Gründonnerstag Österreichs“, denn „dort ließ sich die Kirche Österreichs gefangen nehmen“.

Seine Ablehnung des Nationalsozialismus zeigte sich zunächst darin, dass er sich aus dem öffentlichen Leben seiner Gemeinde immer mehr zurückzog, Vergünstigungen durch die NSDAP nicht in Anspruch nahm und nichts für die Partei spendete, obwohl er sonst sehr freigebig war.Er trat auch aus der Freiwilligen Feuerwehr aus, weil er dadurch verpflichtet gewesen wäre, für die NSDAP zu spenden. Vgl. Erna Putz: F. J. Besser die Hände … gefesselt, S. 72. 1940 wurden zehn Ortsbewohner, unter ihnen auch Franz Jägerstätter, in einem Brief an den Bürgermeister als Gegner des Nationalsozialismus denunziert; der Bürgermeister leitete das Schreiben jedoch an keine Behörde weiter.

Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen mini|Die Gedenktafel für Jägerstätter am ehemaligen Reichskriegsgericht in Berlin mini|Stolperstein für Franz Jägerstätter mini|Grabstätte von Franz und Franziska Jägerstätter in St. Radegund, in der 1946 bis 2009 seine Urne bestattet war mini|Kriegerdenkmal in St. Radegund mit dem Namen Jägerstätters Am 17. Juni 1940 wurde er nach Braunau am Inn zur Wehrmacht einberufen. Weil er es zu diesem Zeitpunkt „für eine Sünde angesehen habe, den Befehlen des Staates nicht zu gehorchen“, leistete er dort auch den Fahneneid auf Hitler.Laut Protokoll des Reichskriegsgerichtes vom 14. Juli 1943; Kopie in F. J. Christ und Märtyrer, S. 24f. Jägerstätter hatte es abgelehnt, um Freistellung anzusuchen, konnte aber durch Intervention des Bürgermeisters nach wenigen Tagen auf seinen Hof zurückkehren. Im Oktober 1940 wurde er zur Grundausbildung als Kraftfahrer nach Enns einberufen. Dort trat er am 8. Dezember 1940 gemeinsam mit dem Soldaten Rudolf MayrMayr gilt seit 12. August 1943, bei Smolensk, als vermisst. in den Dritten Orden des hl. Franziskus ein. Er wurde auf Ansuchen seiner Heimatgemeinde im April 1941 als unabkömmlich eingestuft und konnte zu seiner Familie zurückkehren. Danach feierte Jägerstätter täglich die heilige Messe mit und war ab dem Sommer 1941 Mesner in der Pfarrkirche St. Radegund.

Die negativen Erfahrungen beim Militär, die Euthanasiemorde des NS-Regimes, von denen er um diese Zeit erfuhr, und die Verfolgung der katholischen Kirche durch die NationalsozialistenIm Dekanat Ostermiething wurden zwei Drittel der dort tätigen Priester, unter ihnen 1940 auch Josef Karobath, von den Nationalsozialisten verhaftet. Vgl. Erna Putz: F. J. Besser die Hände … gefesselt, S. 61–63. festigten seinen Entschluss, den Kriegsdienst zu verweigern. Die folgenschwere Entscheidung Jägerstätters basierte sowohl auf den zahlreichen Gesprächen und Briefen mit Freunden (hier v. a. mit R. Mayr) und Geistlichen als auch auf der gründlichen Lektüre der Bibel, von zahlreichen Kleinschriften und Büchern.Thomas Schlager-Weidinger: ‚…und wenn es gleich das Leben kostet‘. Franz Jägerstätter und sein Gewissen. S. 25–44, 198–201. Er erklärte öffentlich, dass er als gläubiger Katholik keinen Wehrdienst leisten dürfe, da es gegen sein religiöses Gewissen wäre, für den NS-Staat zu kämpfen. Seine Umgebung versuchte ihn umzustimmen und wies ihn auf die Verantwortung seiner Familie gegenüber hin, konnte seine Argumente aber nicht widerlegen. Er sprach sogar mit Josef Fließer, dem Bischof von Linz; auch dieser riet ihm von einer Wehrdienstverweigerung ab. Seine Ehefrau unterstützte ihn, obwohl sie sich der Konsequenzen bewusst war.dioezese-linz.at: Biographie Franz Jägerstätter 1907–1943 Märtyrer.

Inhaftierung, Verurteilung und Tod Am 23. Februar 1943 erhielt er die Einberufung zur Wehrmacht nach Enns, wo er sich am 1. März meldete. Nach der Erklärung seiner Wehrdienstverweigerung wurde er am 2. März nach Linz ins Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis gebracht. Dort erfuhr er, dass auch andere Männer den Wehrdienst verweigerten und Widerstand leisteten. Am 4. Mai wurde er nach Berlin-Tegel verlegt. Er weigerte sich, seine Wehrdienstverweigerung zu widerrufen. Seine letzten Zweifel wurden zerstreut, als er durch den Gefängnisseelsorger Heinrich Kreutzberg erfuhr, dass der österreichische Pallottinerpater Franz Reinisch ebenfalls den Wehrdienst verweigert hatte und dafür hingerichtet worden war. Jägerstätter meinte: „Das habe ich doch immer gesagt, ich kann doch nicht auf dem falschen Weg sein, wenn aber sogar ein Priester sich so entschieden hat und dafür in den Tod gegangen ist, dann darf ich es auch tun.“Zitiert in Erna Putz: F. J. – Märtyrer, S. 110.