Telephone Number Mapping (auch E.164 Number Mapping, ENUM) ist eine Anwendung des Domain Name Systems zur Übersetzung von Telefonnummern in Internet-Adressen. ENUM wird im RFC 6116 definiert. Der Bedarf für eine solche Lösung erwuchs aus der Verfügbarkeit von VoIP-Diensten (Telefon über das Internet) und dem Bedarf des Anwenders, sowohl im Internet als auch im klassischen Telefonnetz unter derselben Nummer erreichbar zu sein. So ist es erklärtes Ziel der Dienstentwickler, alle Dienste, die im Internet zur Verfügung stehen oder künftig verfügbar gemacht werden können, unter einer zentralen Internetadresse (Domain) zugänglich zu machen. Faktisch ist jedoch das kostenlose Telefonrouting, bei der ein VoIP-Teilnehmer unter einer Festnetznummer einen anderen VoIP-Teilnehmer direkt (also unter Umgehung der Netzanbieter und deshalb quasi „kostenlos“) erreichen kann, der Hauptnutzungsgrund der ENUM-Dienste.
Grundlegende Möglichkeiten von ENUM Das grundlegende Ziel von ENUM ist die Auflösung (Wandlung) einer klassischen Telefonnummer in einen Zielnamen, unter dem ein Dienst im Internet, beispielsweise ein Internettelefon, zur Verfügung steht. Beispielsweise kann die Telefonnummer „123456789“ durch einen ENUM-Lookup in den Zielnamen „[email protected]“ eines Internettelefons aufgelöst oder umgewandelt werden. Dabei wird das Telefongespräch nach der Wahl einer Festnetznummer nicht durch die Netzanbieter der Teilnehmer aufgebaut, sondern durch die Geräte der Teilnehmer selbst. Der Name „[email protected]“ kann prinzipiell sowohl auf ein im Internet angemeldetes Telefon verweisen als auch auf eine E-Mail-Adresse oder andere Dienste. In diesem Beispiel wird ein E-Mail-Server eine E-Mail-Adresse durch ENUM auflösen lassen (zum Beispiel pop3:[email protected]), während ein ENUM-fähiges Telefon den Eintrag „SIP:[email protected]“ verarbeitet. Es gibt einige Anbieter von Komplettlösungen (DSL, E-Mail, Telefon), die derartige Adressen sowohl für E-Mail- als auch für VoIP-Dienste zur Verfügung stellen. Sie unterscheiden sich also nur durch das verwendete Protokoll (Mail, Telefon, Sonstiges) voneinander. Da E-Mail-Adressen in der Regel bereits bekannt sind, gibt es üblicherweise keinen expliziten Grund, E-Mails über ENUM-fähige Systeme zu versenden.
Mit ENUM ist es außerdem möglich, über das Internet sowohl Internettelefone, als auch Festnetztelefone und Mobilgeräte zu erreichen, sofern unter einer einheitlichen Rufnummer mehrere solcher Anschlüsse konfiguriert sind. Die tatsächliche Erreichbarkeit konfiguriert der Anschlussinhaber nach festgelegten Prioritäten. Beispielsweise kann eine ENUM-aktivierte Rufnummer (Festnetz, Mobil, Sonderrufnummer, Ausland etc.) so konfiguriert werden, dass zunächst versucht wird, ein Internettelefon zu erreichen. Wenn dieses nicht beim VoIP-Anbieter angemeldet ist, wird eine Mobilfunkverbindung aufgebaut. Falls das Mobiltelefon nicht im Netz eingebucht ist, wird das Gespräch an einen Festnetzanschluss weitergeleitet. Berechnet wird dem Anrufer normalerweise der Dienst, der konfiguriert ist, unabhängig davon, ob er eine Festnetz- oder Mobilrufnummer gewählt hat. Ob der Anrufer ENUM nutzt oder stattdessen ein Internettelefon über dessen Internetnamen „[email protected]“ direkt anruft, ist also nur dann egal, wenn das Ziel ohnehin ein Internetanschluss ist.
Zu beachten ist, dass bisher nur wenige VoIP-Telefonnummern eingetragen sind. So werden Telefonnummern, die nicht eingetragen sind, vom eigenen Dienstanbietern wie sonst üblich über den obligatorischen Telefonnetzübergang (Netz-Gateway) der Telefonnetzbetreiber geleitet, um den Teilnehmer wie gewohnt über das Festnetz (PSTN) zu erreichen. Im Fall einer ENUM-Eintragung können Festnetz- und Mobiltelefone zwar über ENUM (und somit aus dem Internet) erreicht werden, müssen tatsächlich aber weiterhin über Festnetz beziehungsweise Mobilfunknetz geleitet werden, sofern sie nicht zusätzlich auch auf das Internet zugreifen. Einige Mobilfunkgeräte können zwar für Internettelefonie konfiguriert werden, jedoch liegt es am Netzbetreiber, ob er das benötigte Signalisierungsprotokoll (meistens SIP) routet oder anbieterseitig blockiert.
ENUM und weltweite Telefonnummern mini|Grafische Darstellung einer ENUM-Zone anhand der DNS-Hierarchie Da Telefonnummern nach länderspezifischen Nummerierungsplänen erstellt werden, müssen sie in einem internationalen Format in das weltweite Internet integriert werden. Hier folgen sie einem Nummernplan der Internationalen Fernmeldeunion (ITU), der in deren Empfehlung E.164 festgelegt ist. Da es sich bei der ENUM-Abbildung (Mapping) weltweiter Telefonnummern um eine Internetressource handelt, im Gegensatz zu den Telefonnummern selbst, die als Ressource unter der Verwaltung der ITU angesehen werden können, wurde dafür die klassische Top-Level-Domain für Internetressourcen der Internet Engineering Task Force (IETF), .arpa, verwendet. Als Subdomain wurde – da es sich um Mappings des E.164-Nummernplans handelt – e164 gewählt. Da ENUM-Mappings letztendlich nichts anderes als einfache DNS-Einträge sind, ist es damit aber natürlich ebenso möglich, eigene Nummernpläne unter anderen Domains abzubilden.
Umsetzung und Abfrage Die Umsetzung einer Telefonnummer in die korrespondierende ENUM-Domain (in diesem Fall das IETF-Mapping) geschieht dabei wie folgt: +44 1 2345 6789 – Anschreiben der vollständigen E.164-Nummer 44123456789 – Entfernen aller Zeichen, die keine Ziffern darstellen 98765432144 – Umkehren der Reihenfolge der Ziffern 9.8.7.6.5.4.3.2.1.4.4 – Einfügen von Punkten zwischen den einzelnen Ziffern 9.8.7.6.5.4.3.2.1.4.4.e164.arpa – Anfügen des ENUM-Domain-Suffixes .e164.arpa
Diese Umsetzung geschieht in den meisten ENUM-fähigen Endgeräten automatisch, so dass lediglich die Eingabe der Telefonnummer notwendig ist. Kenntnisse über den genauen Domainplan sind deshalb weder für die Anrufer nötig noch für die Teilnehmer, die einen kundenspezifischen ENUM-Server konfigurieren.
Der aus obiger Umsetzung resultierende Domainname wird über den Resolver nach NAPTR Resource Records durchsucht. Die Auswertung dieser Resource Records ergibt einen oder mehrere Uniform Resource Identifier, unter dem/denen der gewünschte Dienst der angegebenen Domain beziehungsweise Telefonnummer angesprochen werden kann.
Administration Die internationale ENUM-Top-Level-Domain e164.arpa wird derzeit im Auftrag der ITU von Réseaux IP Européens (RIPE) administriert. Auf Antrag werden die einzelnen Ländercodes nach Rücksprache mit Vertretern der ITU an lokale Länderorganisationen delegiert. Die weitere Gestaltung des nationalen Domainraumes wird autonom durch die Länderorganisation bestimmt, wobei dies meist unter enger Zusammenarbeit mit der national zuständigen Behörde geschieht.
Die Vergabe und Schaltung dieser neuen Domainnamen wird seit Anfang 2002 in einigen Ländern in so genannten ENUM-Trials getestet. Diese Trials dienen meist der Erforschung von ENUM und verwandter Technologien sowie der Vorbereitung eines möglichen kommerziellen Betriebes.
In Deutschland sind ENUM-Einträge unter 9.4.e164.arpa im Rahmen des Versuches seit 2002 über einige DENIC-Mitglieder verfügbar. Der Übergang in den Wirkbetrieb war ursprünglich für Dezember 2005 geplant, wurde dann aber erst am 26. Januar 2006 endgültig aufgenommen.
Als weltweit erstes Land wurde in Österreich nach einem über zweijährigen Test am 24. August 2004 ein Vertrag zum kommerziellen Betrieb von ENUM unterzeichnet. In diesem Vertrag delegiert der österreichische Regulator, die Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH (RTR GmbH), den Betrieb befristet bis Ende 2007 an enum.at Dienstleistungs GmbH für konvergente Kommunikationsdienste. Der Produktionsbetrieb wurde durch enum.at am 9. Dezember 2004 aufgenommen. enum.at hat diesen Vertrag zum Ende des Jahres 2014 gekündigt. ENUM soll in Österreich nun von der Kernnetz Invent GmbH fortgeführt werden.rtr.at (PDF) rtr.at
Ablauf Technische und organisatorische Voraussetzungen für die Verwendung von ENUM Ruft man mit einem ENUM-Lookup-Endgerät oder über einen Provider, der ENUM-Lookup unterstützt, eine Telefonnummer an, dann fragt dieses Endgerät oder der Provider mittels der ENUM-Domain das Ziel ab. Gibt es eine ENUM-Domain und ist ein anderes Ziel hinterlegt, zum Beispiel VoIP-Ziel, Handynummer oder Festnetznummer, wird dieses für den Verbindungsaufbau bevorzugt. Es können auch mehrere Ziele hinterlegt werden, die nach Prioritäten abgefragt werden. Ansonsten wird die angegebene Telefonnummer angerufen. Des Weiteren kann auch eine E-Mail-Adresse oder eine Webseite hinterlegt sein.
Um zu einer deutschen Rufnummer die ENUM-Domain zu registrieren, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein: Die Rufnummer muss eine Entsprechung im deutschen Rufnummerplan besitzen. Der Registrant der ENUM-Domains muss das Nutzungsrecht an der Rufnummer besitzen. Die Rufnummer muss in Deutschland einer für ENUM zur Verfügung stehenden Rufnummerngasse entstammen: Ortsnetze Mobilfunk 015, 016, 017 gebührenfreie Dienste 0800 persönliche Rufnummern 0700 nationale Teilnehmerrufnummern (NTR, nomadische Nutzung für VoIP) 032
Es ist nicht nötig, dass ein eigenes Gateway mit dieser Telefonnummer am Telefonnetz angeschlossen ist. Um trotzdem über das Telefonnetz erreichbar zu sein, müssen seitens der Telefonnetzbetreiber Übergangsschnittstellen (Gateways) installiert sein, die ENUM beherrschen.
In Österreich sind folgende Rufnummernbereiche für die Nutzung mit ENUM vorgesehen: geographische Rufnummern Rufnummern für private Netze (05...) mobile Rufnummern (0664, 0676, 0699, 0650, 0660 …) standortunabhängige Festnetznummern (0720) Rufnummern für konvergente Dienste (0780) Rufnummern im Bereich 0800
Eine Verknüpfung zu einer bestehenden Telefonnummer erfolgt durch einen Registrar. Der Registrar überprüft halbjährlich, ob die verknüpfte Rufnummer noch aktuell ist.
Mehrkosten, die durch das Umleiten über ENUM auftreten, zahlt der Anrufer. Beispiel: Man hat eine Festnetznummer gewählt, wird aber durch den ENUM-Lookup auf eine Mobilfunknummer oder gar Mehrwertdienstnummer (0900, früher 0190) geleitet. Aber: Da der ENUM-Lookup auf Anwenderseite ausgeführt wird, liegt es an der Hard- und Software des Nutzers, ob eine solche Weiterleitung ohne Hinweis für den Nutzer durchgeführt wird. ENUM „verteilt“ nur die Information, was daraus gemacht wird, liegt am Nutzer und dessen Hard- und Software.
ENUM- und herkömmliches Telefonrouting zwischen VoIP- und Festnetzkunden Der häufigste Verwendungszweck von ENUM ist der Direktruf zwischen zwei Kommunikationspartnern unter Verwendung von ENUM, um unter Verwendung einer normalen Telefonnummer einen Teilnehmer direkt, also unter Umgehung der sonst üblichen Telefonnetze, zu erreichen und damit in der Regel auch Kosten zu sparen.
397px|rechts|Schematische Darstellung, wie VoIP- und Telefonteilnehmer Verbindungen aufbauen können; die ENUM-Auflösung ist durch die dicke Pfeillinie dargestellt Nebenstehende Grafik zeigt die üblichen Verbindungswege zwischen verschiedenen technischen Telefonsystemen in Verbindung mit ENUM dunkelgrau sind die Anrufer, hellgrau sind die angerufenen Zielteilnehmer. Hellblau sind Teilnehmer mit Internet- beziehungsweise VoIP-Telefonie (in den Beispielen wird das häufig eingesetzte universelle SIP-Protokoll verwendet), in Magenta die Teilnehmer mit Festnetztelefonie. Es sind auch andere Protokolle außer SIP verwendbar, die Verwendbarkeit ist von der technischen Unterstützung auf Teilnehmerseite und auf Anbieterseite abhängig. Gestrichelt eingetragen sind die Datenabfragen:Auflösung der Telefonnummer in ein SIP-Ziel (dicke Linie)Auflösung des SIP-Namens in die IP-Adresse des Internettelefons Durchgezogene Linien sind die Telefongespräche Die Ziffern in denselben Farben geben die Reihenfolge beim Gesprächsaufbau an
Anrufer 1, VoIP-Kunde – Dunkelblau, Rot und Magenta