Eine Ressource [] ( von ) ist Mittel, Gegebenheit wie auch Merkmal bzw. Eigenschaft, um Ziele zu verfolgen, Anforderungen zu bewältigen, spezifische Handlungen zu tätigen oder einen Vorgang zielgerecht ablaufen zu lassen.

Eine Ressource kann ein materielles oder immaterielles Gut sein. In Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Organisationen werden darunter meist Betriebsmittel, Geldmittel, natürliche Ressourcen (Boden, Rohstoffe, Energie) oder Personen und (Arbeits-)Zeit verstanden, in der Psychologie auch Fähigkeiten, persönliche Eigenschaften oder eine geistige Haltung, in der Soziologie auch Bildung, Gesundheit, Prestige und soziale Vernetzung. In psychologischen und psychosozialen Handlungsfeldern werden häufig auch die Begriffe „Stärken“ oder „Kraftquellen“ benutzt.

Ökonomie In der Volkswirtschaftslehre werden als Ressourcen typischerweise Arbeit, Boden, Umwelt und Kapital als Produktionsfaktoren betrachtet (und je nach Analyseziel auch andere Produktivkräfte), zum Beispiel Rohstoffe oder gesellschaftliche Faktoren, wie Ausbildung, Diversity oder Forschung.

Einige Ökonomen vertreten eine Theorie namens Resource-Based View (RBV). In dieser Theorie zur Erklärung von Wettbewerbsvorteilen von Unternehmen steht der Begriff Ressource im Mittelpunkt. Die Grundidee besteht darin, Dodo zu Knyphausen-Aufseß: Theorie der strategischen Unternehmensführung: State of the Art und neue Perspektiven. Gabler, Wiesbaden 1995, ISBN 3-409-13195-7. Man kann im RBV eine Alternative zu Michael E. Porters Market-Based View sehen.

Beim RBV werden fünf Typen beziehungsweise Arten von Ressourcen unterschieden: Finanzielle Ressourcen (Cashflow, Kreditwürdigkeit etc.) Humane Ressourcen (Hilfsarbeiter, Facharbeiter, Ingenieure, Führungskräfte etc.) Organisatorische Ressourcen (Informationssysteme, Integrationsabteilungen etc.) Physische Ressourcen (Gebäude/Immobilien, Anlagen, Servicestationen etc.) und Technologische Ressourcen (Qualitätsstandards, Markennamen, Forschungs-Know-how etc.).Horst Steinmann, Georg Schreyögg: Management. Grundlagen der Unternehmensführung. Konzepte – Funktionen – Fallstudien. Gabler, Wiesbaden 1990, 6. Auflage 2005, ISBN 3-409-33312-6.

Diese fünf Arten lassen sich in materielle, „greifbare“ (Finanzielle Ressourcen und Physische Ressourcen), sowie immaterielle (Human Ressourcen, Organisatorische Ressourcen, Technologische Ressourcen) Ressourcen unterscheiden. Jay Barney schrieb 1991, eine Ressource müsse vier Bedingungen erfüllen, um einen Wettbewerbsvorteil zu sichern; sie müsse: (1.) wertvoll sein, (2.) knapp sein, (3.) darf nicht imitierbar sein und (4.) darf nicht substituierbar sein.Jay Barney: Firm Resources and Sustained Competitive Advantage. (PDF; 1,5 MB). In: Journal of Management. Vol. 17, S. 99–120. Abgerufen am 28. März 2013. Aus diesen vier Bedingungen hat sich das sogenannte VRIOVRIO in der englischsprachigen Wikipedia. Framework entwickelt. Das VRIO Framework analysiert die Ressourcen einer Organisation und stellt sie in Zusammenhang mit den Geschäftsaktivitäten. Für Unternehmen ist dabei vor allem die Planung der Ressourcen wichtig – wie hinsichtlich von Mitarbeitern (z. B. bei der Schichtplanung) oder auch bei Rohstoffen in der Produktion.

Der Begriff „Capabilities“ bezeichnet die organisationalen Fähigkeiten, Reinhard Pfriem: Unternehmensstrategien. Ein kulturalistischer Zugang zum Strategischen Management. 2. Auflage. Metropolis, Marburg 2011, ISBN 978-3-89518-902-9. Das bedeutet unter anderem, dass die Ressourcenbasis permanent umgebaut werden muss (sog. Dynamic Capabilities). Die Fähigkeit oder Capability, die ein Unternehmen besonders beherrscht, wird auch Kernkompetenz genannt.

Übernutzung Ein in der Neuzeit zunehmendes Problem ist die Übernutzung natürlicher Ressourcen. So führte Überfischung beispielsweise ab 1958 zu den Kabeljaukriegen. Andere Beispiele sind irreversible Bodenerosion, Entwaldung oder Grundwasserabsenkung.

Soziologie Die Soziologie benennt neben den ökonomischen Ressourcen auch physiologische (Gesundheit), soziale (z. B. Beziehungsnetze) und kulturelle Ressourcen (z. B. Bildung) und strukturelle Ressourcen (z. B. gesellschaftliches Umfeld). Sie beeinflussen den sozialen Status eines Akteurs in einer gegebenen Gesellschaft.

Mit seiner Theorie der Kapitalarten (auch als Kapitalsorten bezeichnet) liefert Pierre Bourdieu maßgebliche Anstöße zu einem komplexen Ressourcenverständnis in einem gesellschaftlichen Rahmen. Er unterscheidet drei Kapitalarten: ökonomisches, soziales und kulturelles Kapital, die ineinander transformiert werden können. Bourdieu benutzt nicht den Begriff der Ressourcen, sondern den Begriff der Kapitalarten, der im Wesentlichen dem aktuellen sozialwissenschaftlichen Verständnis von Ressourcen entspricht.

Ökonomisches Kapital: alle Ressourcen, die „unmittelbar und direkt in Geld konvertierbar“ sind. Kulturelles oder symbolisches Kapital wird in drei Formen unterschieden: (1.) Inkorporierte Form: verinnerlichtes Wissen, Bildung, Fertigkeiten und Haltungen. Die Aneignung (Inkorporierung) erfordert Zeit und Energie. (2.) Objektivierte Form: kulturelle Güter (Bücher, Tonträger, Gemälde). (3.) Institutionalisierte Form: staatlich anerkannte und garantierte Bildungsabschlüsse und akademische Titel. Soziales Kapital besteht aus den aktuellen und potenziellen Ressourcen, „die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind“. „Der Umfang des Sozialkapitals … hängt … von der Ausdehnung des Netzes von Beziehungen ab, die der Einzelne tatsächlich mobilisieren kann, als auch von dem Umfang des (ökonomischen, kulturellen, symbolischen) Kapitals, das diejenigen besitzen, mit denen er in Beziehung steht“. Dadurch erhält das Sozialkapital eine ähnliche Bedeutung wie ökonomisches Kapital.

Kapitalarten (Ressourcen) haben die Eigenschaft, Zugang zu anderen Ressourcen zu schaffen und ineinander transformierbar zu sein. Sie können in vielfältiger Weise in weitere Ressourcen (bzw. Unterkategorien von Kapitalien) zur Bewältigung von Lebensanforderungen und zur Schaffung von Gesundheit und Lebensqualität transformiert werden. Solche Ressourcentransformationen verlangen den Einsatz von persönlichen Anstrengungen und geschickten Strategien. Die Erlangung oder Erweiterung der Ressource individuelles soziales Kapital verlangt beispielsweise Investitionen in soziale Beziehungen. Bourdieu erkennt in der Anhäufung der verschiedenen Kapitalarten und ihrer Transformierbarkeit jenen Mechanismus, der eine vorteilhafte Stellung in der Gesellschaft dauerhaft absichern kann und diese auch an nachfolgende Generationen „vererbbar“ macht (Reproduktionsmechanismen sozialer Ungleichheit).

Der Soziologe Nan Lin definiert das (individuelle) soziale Kapital als mobilisierungsfähige, in der sozialen Struktur verwurzelte Ressourcen.Jiří Šafr u. a.: Soziales Kapital. Konzepte, Theorien und Messverfahren, 2006. Als positive Auswirkungen für das Individuum hebt er den gesteigerten Informationsfluss, den vergrößerten individuellen Einfluss, das soziale Netzwerk als ein soziales „Zeugnis“ des Individuums und die soziale Unterstützung und Bestätigung hervor.Christian Deindl: Soziale Netzwerke und soziales Kapital. Einfluss auf Lebenszufriedenheit und Vertrauen. Diskussions-Papier der Forschungsgruppe Arbeit, Generation, Sozialstruktur (AGES) der Universität Zürich, 2005, (PDF). Dabei spielen unter anderem die hierarchische Position (als struktureller Faktor) und die Stärke der Bindungen (als individueller Faktor) eine Rolle.Manfred Fuchs: Sozialkapital, Vertrauen und Wissenstransfer in Unternehmen. DUV, 2006, ISBN 3-8244-0779-5, siehe Abschnitt 1.2.6: Nan Lin’s Sozialkapitaltheorie. S. 97–104, (books.google.de)

Psychologie, Soziale Arbeit und Psychotherapie Diese Disziplinen fokussieren personelle und zwischenmenschliche Ressourcen (neben ökonomischen) als wesentliche Bedingungen für eine individuell gelingende Lebensgestaltung. Der Einsatz von Ressourcen dient dazu, „alltägliche oder spezifische Lebensanforderungen und psychosoziale Entwicklungsaufgaben zu bewältigen, Bedürfnisse, Wünsche und (Lebens-)Ziele zu verfolgen und zu erfüllen und um Gesundheit und Wohlbefinden zu erhalten bzw. wieder herzustellen“. Darüber hinaus werden Ressourcen benötigt, um den eigenen Ressourcenbestand zu erweitern (z. B. Weiterbildung) oder andere Ressourcen zu erhalten (z. B. Fähigkeiten bringen Geld oder soziales Ansehen u. a.).

Die systemische Soziale Arbeit definiert Ressourcen ebenso wie die systemische Therapie als „jedes Potential […], das die Verhaltensoptionen eines Systems erhöht und damit seine Lebens- und Problemlösefähigkeit verbessert“, wobei eine Ressource „materiell-wirtschaftlicher, sozialer, emotionaler oder intellektueller Natur“ sein kann.Fritz B. Simon, Ulrich Clement, Helm Stierlin: Die Sprache der Familientherapie. Ein Vokabular. Kritischer Überblick und Integration systemtherapeutischer Begriffe, Konzepte und Methoden. Klett-Cotta, 1999, S. 275. Zitiert nach Heiko Kleve: Mediation – Eine systemische Methode Sozialer Arbeit. In: Heiko Kleve: Sozialarbeitswissenschaft, Systemtheorie und Postmoderne. Grundlegungen und Anwendungen eines Theorie- und Methodenprogramms. Lambertus, 2003, S. 170–191.

Mit dem Essener Ressourcen-Inventar (ERI) lassen sich mehrdimensional personale, soziale und strukturelle Ressourcen in einem Fragebogen valide messen, womit die Ressourcenausstattung differenziert objektiviert werden kann.uni-due.de

In vielen Bereichen werden die Begriffe Ressource und Schutzfaktor synonym verwendet – so auch in der Resilienzforschung und der Suchtprävention.

Ressourcenarten Eine mögliche Unterscheidung ist hierbei:

1. Persönliche Ressourcen (auch als individuelle, personale, interpersonale, interne Ressourcen, Person- oder Individualressourcen bezeichnet)

Physische Ressourcen (z. B. Gesundheit, Fitness, physische Attraktivität). Psychische Ressourcen (z. B. kognitive Ressourcen wie Fähigkeiten, Bildung oder Wissen; Emotionale Ressourcen oder günstige Persönlichkeitseigenschaften wie Optimismus; Handlungsressourcen und Bewältigungsstile ("Coping"); ermutigende Lebenserfahrungen oder der Zugang zu Menschen, mit denen man sich identifizieren kann; anerkannte Rollen oder Positionen). Interaktionelle psychische Ressourcen (auch als interpersonelle oder relationale Ressourcen bezeichnet; z. B. Empathie, Offenheit, Beziehungsfähigkeit, Konflikt- oder Kritikfähigkeit, Fähigkeit soziale Unterstützung einzuholen). Ökonomische Ressourcen (z. B. Geld, Eigentum, (stabiles) Erwerbseinkommen).

2. Umweltressourcen (auch als Umfeld- oder externe Ressourcen bezeichnet)

Sozial-emotionale Ressourcen (auch als psychosoziale oder interpersonelle Ressourcen bezeichnet; z. B. Partnerschafts- oder Familienbeziehungen, Freundschaftsbeziehungen; ermöglichen sozialen Austausch und Integration, Unterstützung und Zugehörigkeit). soziale Ressourcen (z. B. persönliche Kontakte und Beziehungen, Soziale Einbettung in Netzwerke, Teilhabemöglichkeiten). Sozialökologische Ressourcen (z. B. Wohnumfeld, Qualität der sozialökologischen Infrastruktur, Arbeitsplatzqualität). Sozialstaatliche und soziokulturelle Ressourcen (z. B. Zugang zu Bildungs-, Gesundheits- und kulturellen Angeboten, Rechtsstaatlichkeit, Teilhabemöglichkeit).

Norbert Herriger ordnet kulturelle Ressourcen (kulturelles Kapital) uneinheitlich den persönlichen Ressourcen oder aber den Umweltressourcen zu.Marlene-Anne Dettmann: Partizipation und Ressourcenorientierung in der Sozialen Arbeit – Eine Analyse zur Begriffssicherheit und theoretischen Fundierung, Dissertation Zur Erlangung der Würde der Doktorin der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, 11. Januar 2017 (Online). S. 86.

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