mini|260px|Procter-&-Gamble-Verwaltungsgebäude in Cincinnati, Ohio (2005)
The Procter & Gamble Company [NYSE: PG] ist ein US-amerikanischer, in 70 Staaten vertretener Konsumgüter-Konzern mit Hauptsitz in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio.
Mit einem Umsatz von 84 Milliarden US-Dollar, bei einem Gewinn von 14,9 Mrd. US-Dollar, steht das Unternehmen laut Forbes Global 2000 auf Platz 59 der weltgrößten Unternehmen (Stand: 2024). Das Unternehmen kam Anfang 2025 auf eine Marktkapitalisierung von 374 Mrd. US-Dollar.
Geschichte Das Unternehmen wurde 1837 von zwei Auswanderern, dem britischen Kerzenzieher William Procter (1801–1884) und seinem Schwager, dem irischen Seifensieder James Gamble (1803–1891), in Cincinnati gegründet.
Das Unternehmen hat sich seit seiner Gründung unter anderem durch Entwicklungen im Konsumgütermarkt einen Namen gemacht und immer wieder neue Wege des Marketings beschritten. Besonderes Kennzeichen ist das ausschließlich an den einzelnen Marken orientierte Marketing, während der Name des Konzerns meist im Hintergrund blieb. Procter & Gamble gilt daher auch als Pionier des Markenmanagements. Die konsequente Nutzung der Fernsehwerbung und besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Radiowerbung geht ebenfalls auf P&G zurück. Unter anderem basiert auch der Begriff Seifenoper auf der Kommunikationsstrategie von P&G, ab den 1930er-Jahren Radioshows zu sponsern bzw. selbst zu produzieren. Mit über 15.000 Folgen war die von 1937 bis 2009 laufende Springfield Story die längstlaufende P&G-Produktion. Im November 2011 wurde die Gründung des Joint Ventures PGT Healthcare mit dem Pharmaunternehmen Teva Pharmaceutical Industries verkündet.The Procter & Gamble Company und Teva Pharmaceutical Industries gehen Partnerschaft für Verbrauchergesundheit ein. pharma-zeitung.de, 3. November 2011, abgerufen am 28. Juni 2017.
Das Unternehmen erwirtschaftete mit etwa 110.000 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2014/2015 einen Nettogewinn von 7,0 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 76,3 Milliarden US-Dollar, die Umsatzrendite betrug 11,7 %.
Liste der Vorsitzenden Gemeinschaftliche Führung (1837–1890) William Procter & James Gamble Harley Procter (Sohn) & James Norris Gamble (Sohn) William Cooper Procter (Enkel) & William Alexander Procter (Enkel)
Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft 1890–1907: William Alexander Procter (Präsident/Chairman und CEO) 1907–1930: William Cooper Procter (Urenkel und letzter Vorsitzender der Gründerfamilien) 1930–1948: Richard R. Deupree 1948–1957: Neil H. McElroy 1957–1974: Howard J. Morgens 1974–1981: Ed Harness 1981–1990: John G. Smale 1990–1995: Edwin L. Artzt 1995–1999: John E. Pepper 1999–2000: Durk I. Jager 2000–2009: Alan G. Lafley 2009–2013: Robert A. McDonald 2013–2015: erneut Alan G. Lafley 2015–2021: David S. Taylor seit 2021: Jon R. Moeller
Geschäftszahlen +Geschäfts- und Mitarbeiterentwicklung (jeweiliges Geschäftsjahr)JahrUmsatzin Mrd. US-$Bilanzgewinnin Mrd. US-$Angestellte200668,2228,684200774,83210,340200879,25712,075200976,69413,436201077,56712,517201181,10411,564201282,00610,500201380,11611,068121.000201474,40111,390118.000201570,7496,777110.000201665,29910,508105.000201765,05815,32695.000201866,8329,75092.000201967,6843,89797.000202070,95012,76499.000202176,11814,035101.000
Aktivitäten im deutschsprachigen Raum Verwaltung Die erste Procter-&-Gamble-Niederlassung im deutschsprachigen Raum wurde 1953 im schweizerischen Luzern gegründet, der Vertrieb erfolgte jedoch vorerst weiterhin durch einen Großhändler. 1956 entstand in Genf die Zentrale für die Regionen Afrika sowie Naher und Ferner Osten, sie wurde 1974 zur Schweizer Firmenzentrale und ist seit der Reorganisation 1999 auch dessen Europazentrale.
1960 wurde in Frankfurt am Main eine erste deutsche Niederlassung eröffnet. Die schnell wachsende deutsche Hauptverwaltung wurde 1970 nach Schwalbach am Taunus verlegt, sie war unter ihrem Geschäftsführer Helmut G. Fischer und ihrem Manager für External Relations Hans MerkleWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 309 und 830. von 1985 bis zur Reorganisation 1999 europaweit für die Bereiche Papierhygieneprodukte und Fruchtsaftgetränke zuständig.
Seit 1967 befindet sich in Wien die österreichische Zentrale.
Forschung und Entwicklung Neben der Vertriebszentrale für den Raum Deutschland, Österreich und Schweiz ist in Schwalbach am Taunus die Forschung und Entwicklung für alle Papierhygieneprodukte angesiedelt. Durch die Akquisitionen von Wella (in Darmstadt) und Gillette – zu der auch Braun mit Sitz in Kronberg im Taunus gehört – kamen weitere Entwicklungszentren im Frankfurter Raum hinzu.
Produktion Die erste Produktionsstätte in Deutschland wurde 1963 in Worms eröffnet, produziert wurden Waschmittel und Weichspüler für den deutschen Markt und den Export. Nach der Markteinführung von Pampers entstand 1976 in Euskirchen das erste Werk für Wegwerfwindeln. In der Folgezeit entstanden zahlreiche weitere Produktionsstätten in Deutschland.
Heute produziert und vertreibt Procter & Gamble in den Werken Berlin, Crailsheim, Euskirchen, Groß-Gerau, Worms, Marktheidenfeld, Kronberg im Taunus, Altfeld und Walldürn. In Deutschland arbeiteten 2018 mehr als 10.000 Mitarbeiter für Procter & Gamble.Menschen bei P&G. Eingesehen am 4. Dezember 2018 Es werden 40 Marken vertrieben.
Unternehmensübernahmen Rei und Sanso
1965 erwirbt P&G die Markenrechte an den Waschmitteln Rei und Sanso, die bis dato von den Koblenzer Rei-Werken hergestellt wurden.
Richardson-Vicks
1985 erweitert P&G seinen Gesundheits- und Körperpflegebereich mit dem Erwerb von Richardson-Vicks um die Marken Vicks (bzw. Wick, Erkältungsmittel), (Oil of) Olay (bzw. Oil of Olaz, Gesichtscreme) und Pantene (Haarshampoo).
Blendax
1987 erwarb P&G das Mainzer Unternehmen Blendax GmbH und erweiterte mit dessen Marken wie „Blend-a-Med“ seine Produktpalette im Bereich Zahn- und Körperpflege.
Noxell
Mit dem Erwerb der Firma Noxell 1989 stieg P&G in die Kosmetik- und Parfumbranche – mit Marken wie CoverGirl, Noxzema oder Clarion – ein.
Old Spice mini|hochkant=.5|Old-Spice-Deodorant
Im Juni 1990 erwarb P&G die Markenrechte für die Körperpflege-Linie Old Spice der Shulton Company. Die Marke existiert seit 1938 auf dem US-Markt und ist eine der traditionsreichsten Herrenpflegeserien.
Ellen Betrix, Eurocos & Max Factor
1991 erwarb P&G die Kosmetik- und Parfumhersteller Ellen Betrix, Eurocos und Max Factor und somit weitere Markenrechte (beispielsweise Hugo Boss oder Laura Biagiotti).
VP Schickedanz
1994 kaufte P&G das deutsche Unternehmen VP Schickedanz mitsamt der bekannten Marke Tempo, die 2007 an das schwedische Unternehmen SCA veräußert wurde. Die ebenfalls zu VP Schickedanz gehörende Marke Camelia durfte aus kartellrechtlichen Gründen nicht übernommen werden. Sie ging daher an das Unternehmen Kimberly-Clark, das in Deutschland als Hakle-Kimberly firmiert.
Tambrands
1997 übernahm P&G Tambrands, einen weltweit führenden Tampon-Hersteller.
Iams
1999 erwarb P&G für 2,05 Mrd. US-Dollar das Unternehmen Iams. Mit der bis dahin größten Akquisition erweiterte P&G seine Produktpalette um den Bereich Tiernahrung. Das Unternehmen ist auf überwiegend im Fachhandel vertriebenes Hunde- und Katzen-Trockenfutter spezialisiert und erwirtschaftete damals rund 800 Millionen US-Dollar Umsatz.
Gillette
Im September 2005 übernahm P&G – nach Zustimmung der US-Kartellbehörde – das Unternehmen Gillette zu einem Transaktionswert von ca. 57 Mrd. US-Dollar. Der Kauf ist die bisher größte Übernahme der Firmengeschichte, wodurch P&G zum weltweit zweitgrößten Konsumgüterkonzern – nach dem auf Nahrungsmittel spezialisierten Nestlé-Konzern – avancierte. Der von der EU-Kartellbehörde vorgeschriebene Verkauf von Spinbrush (elektrische Zahnbürsten) an Church & Dwight wurde am 14. September 2005 bekanntgegeben. Die Marke Gillette wird bis heute weitergeführt und ist vor allem für Rasiersysteme bekannt.
Ambi Pur mini|Ambi Pur
Im Juli 2010 erwarb P&G die Marke Ambi Pur von der Sara Lee Corporation für 320 Millionen Euro. Ambi Pur ist eine führende globale Marke für Lufterfrischer und wird in 80 Staaten verkauft. Außer Lufterfrischer bietet Ambi Pur noch verschiedene Toilettenreiniger und -erfrischer mit hoher Marktpräsenz in Westeuropa und Asien an.
Transformation in ein Schönheitspflege-Unternehmen Die Akquisitionen der letzten zwanzig Jahre zeigen, dass sich P&G zunehmend zu einem Schönheitspflege-Unternehmen entwickelt. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass in diesem Bereich deutlich höhere Wachstumsraten erzielt werden können als in den angestammten Geschäftsfeldern Waschmittel, Reinigungsprodukte, Windeln und Papierprodukte. Zudem wird in diesen weniger emotional besetzten Feldern die Abgrenzung der P&G-Markenartikel von Konkurrenzprodukten und Handelsmarken immer schwieriger, worunter die Margen leiden. Im Vergleich konnte nach der Akquisition von Gillette die „Beauty“-Sparte knapp die Hälfte des Umsatzes und mehr als die Hälfte des Gewinns verzeichnen.
Rezeptfreie Arzneimittel von Merck Im April 2018 wurde die Vereinbarung bekannt gegeben, dass P&G das Consumer-Health-Care-Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln von der Merck KGaA für 3,4 Mrd. Euro übernehmen wird. Damit übernahm es unter anderem das Nasenspray Nasivin oder die Vitaminpräparate Femibion und Vigantoletten. Am 28. August 2018 wurde die Transaktion von der EU-Kommission bewilligt.
Veräußerungen Insbesondere durch die im Rahmen der Organisation 2005 erfolgte Fokussierung auf strategische und globale Kategorien hat P&G immer wieder Marken oder ganze Kategorien verkauft. Anfang 2008 versprach der CFO Clayton C. Daley noch mehrere Desinvestitionen, bevor neue Zukäufe folgen würden. 2015 kam es zu einem Strategiewechsel und P&G verkaufte neben den Marken Wella und Clairol insgesamt 43 Parfüm- und Kosmetikmarken für 12,5 Mrd. US-Dollar an den Parfüm- und Kosmetikkonzern Coty Inc. Dabei wird der Betrag nicht in bar bezahlt, sondern in Form von Coty Aktien, wodurch P&G Aktionäre danach 52 % der Coty Aktien halten.
Kamill, Cliff & Credo
Die ehemaligen Blendax-Marken Kamill, Cliff und Credo wurden 1998 an die deutsche Firma Burnus verkauft.
Valensina
Die Procter & Gamble GmbH, Schwalbach am Taunus, trennte sich im Oktober 1998 von ihrer Fruchtsaftmarke Dittmeyer’s Valensina, die sie an die Tochter Rolf H. Dittmeyer KG in Hamburg verkaufte. 1984 hatte P&G die Marke von der Dittmeyer-Gruppe übernommen.
Rei & Sanso
2000 wurden viele lokale Marken wieder abgestoßen, unter ihnen das Waschmittel Rei oder das Feinwaschmittel Sanso, die beide an die deutsche fit GmbH verkauft wurden.
Punica & Sunny Delight
2004 wurden die deutsche Getränke-Marke Punica und die globale Getränke-Marke Sunny Delight sowie zahlreiche Patente im Getränkebereich an den Finanzinvestor C.W. Childs verkauft. Punica wurde bereits 2005 an PepsiCo weiterverkauft.
Tempo, Bess, Bounty & Charmin