mini|Donauwörth von Nordosten
Donauwörth () (ursprünglich Werd, bis 1607 Schwäbischwerd) ist eine Große Kreisstadt im schwäbischen Landkreis Donau-Ries und der Sitz des Landratsamts. Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Schwäbischwerd eine selbstständige Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, was sich im Wappen der heutigen Stadt Donauwörth widerspiegelt.
Geographie Lage Die Stadt liegt im nördlichen Schwaben, an den Mündungen von Kessel und Wörnitz (beide von Norden) sowie Zusam und Schmutter (beide von Süden) in die hiesig von Südwest nach Ost verlaufende Donau; in diesen Fluss mündet etwa 12 km östlich der Stadt der von Süden kommende Lech. Donauwörth liegt an den Südwestausläufern der Fränkischen Alb mit dem Naturpark Altmühltal und an den Ostausläufern (Riesalb) der Schwäbischen Alb. Jenseits der Donau befindet sich ein paar Kilometer südlich der Stadt der Naturpark Augsburg-Westliche Wälder.
Gemeindegliederung
Die Gemeinde hat 34 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Gemeinde besteht aus 9 Gemarkungen: 46x46px|class=noviewer Donauwörth (Einwohner: 7.304) 46x46px|class=noviewer Auchsesheim mit Schwadermühle (Einwohner: 737) 46x46px|class=noviewer Berg mit Binsberg, Schöttle, Walbach, Kreuzhof und Ramhof (Einwohner: 889) 46x46px|class=noviewer Nordheim (Einwohner: 780) 46x46px|class=noviewer Riedlingen mit Neudegg, Posthof, Quellhaus, Seibertsweiler und Spindelhof (Einwohner: 4.127) 46x46px|class=noviewer Schäfstall mit Eckhof, Karweiserhof, Lehenhof und Schweizerhof (Einwohner: 248) 46x46px|class=noviewer Wörnitzstein mit Dittelspoint, Felsheim, Huttenbach, Maggenhof, Osterweiler, Reichertsweiler und Schwarzenberg (Einwohner: 815) 46x46px|class=noviewer Zirgesheim mit Lederstatt, Stillberghof und Schiesserhof (Einwohner: 858) 46x46px|class=noviewer Zusum (Einwohner: 60)
Die Gemarkung Donauwörth hat eine Fläche von 9,569 km². Sie ist in 4560 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2099 m² haben.
mini|Wörnitz mit Blick auf Donauwörth mini|hochkant|Kapelle auf dem Calvarienberg
Siedlungsgeographische Situation Donauwörths Die Altstadt liegt eingezwängt zwischen der Wörnitz und dem Schellenberg. Natürliche Erweiterungsmöglichkeiten im Anschluss an die Altstadt waren daher nur wenige gegeben: Lediglich im Norden setzt sich der Bebauungszusammenhang durch die Berger Vorstadt fort, die noch weiter nördlich durch den Gemeindeteil Berg abgelöst wird. Im Süden liegt gegenüber der Altstadt jenseits der Kleinen Wörnitz, eines Wörnitzarmes, die Rieder Vorstadt (im Allgemeinen nur „Ried“ genannt). Diese wird jenseits des Hauptarmes der Wörnitz durch die Bahnhofsvorstadt fortgesetzt. Diese jedoch erfährt eine massive Begrenzung durch die Bahnlinie. Östlich der Altstadt gibt es lediglich eine schmale Fortsetzung der Besiedlung, die Zirgesheimer Vorstadt. Diese liegt eingezwängt zwischen Donau und Schellenberg. Unmittelbar südlich der Südostspitze der Altstadt befindet sich die Mündung der Wörnitz in die Donau. Genauso wie das Gebiet westlich der Altstadt im Bereich der Wörnitz ist diese Gegend nicht nur durch den Fluss selbst ungünstig besiedelbar, sondern liegt auch im Überschwemmungsgebiet der Flüsse. Daher hat sich im Westen keine weitere Besiedlung ergeben, während im Süden beiderseits der Augsburger Straße nur eine dünne Besiedlung besteht und die Stadt selbst hier endet. Westlich der Bahnhofsvorstadt bestehen nördlich der Bahnlinie die Neudegger Siedlung und südlich die Rambergsiedlung. Weiter südlich liegt der Gemeindeteil Riedlingen, der mittlerweile einen bedeutenden Wohnstandort innerhalb des Stadtgebietes darstellt.
Wegen der Enge im inneren Siedlungsgebiet der Stadt und der geringen Erweiterungsmöglichkeiten entstand nach dem Zweiten Weltkrieg ein weiterer Siedlungsteil auf dem Rücken der Jurahöhe („Schellenberg“), die Parkstadt. Sie erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung und ist etwa 500 m breit und über 2 km lang.
Südöstlich an die Parkstadt schließt das Areal der früheren Alfred-Delp-Kaserne an und an dieses wiederum die am Südhang des Schellenberges liegende Siedlung an der Dr.-Loeffellad-Straße.
Die weiteren Gemeindeteile liegen räumlich getrennt von dem beschriebenen Siedlungsgefüge, wie es bei sehr vielen anderen Städten auch der Fall ist.
Die Zerrissenheit des Stadtgefüges macht sich in der Erscheinung der Stadt jedoch auch durch reizvolle Blickbeziehungen bemerkbar: Die Heilig-Kreuz-Kirche liegt beherrschend oberhalb des Talrandes am westlichen Abhang des Stadtkerns. Der von Treuchtlingen kommende Bahnreisende kann die Westfassade der Kirche kilometerweit verfolgen, für ihn ist die Heilig-Kreuz-Kirche das charakteristische Bauwerk der Stadt. Während die Altstadt in einer Höhe von etwa 410 m liegt, überragt die Parkstadt auf einer Höhe von etwa 500 m die ganze Umgebung. Auch sie kann von Westen gut wahrgenommen werden. Charakteristisch für die Parkstadt sind die Hochhäuser am Dr.-Michael-Samer-Ring. Vor allem aber für den von Süden kommenden Reisenden markiert die Parkstadt die Lage Donauwörths: Sobald man von Augsburg kommend die Jurahöhen erblickt, nimmt man auch deren Bebauung mit der Parkstadt wahr.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Kaisheim, Genderkingen, Asbach-Bäumenheim, Mertingen, Tapfheim, Harburg (Schwaben).
Geschichte Mittelalter mini|Ehemalige Burg MangoldsteinC. Sallinger: Kurzgefasste Geschichte des berühmten Klosters zum heiligen Kreuz und der ehemaligen freien Reichsstadt Donauwörth, Nach Königsdorfer bearbeitet von C. Sallinger., 1844. (Google Books)(nach einer uralten Originalzeichnung) Schon um 500 gab es erste Siedlungskerne im heutigen Ried. Im Zuge der Vorbereitungen zur Schlacht auf dem Lechfeld 955 entstand die erste Brücke über die Donau. Im Jahr 1049 wurde das Kloster Heilig Kreuz, damals noch in die Burg Mangoldstein integriert, von Papst Leo IX. geweiht. Im Jahre 1193 wurde Werd von Kaiser Heinrich VI. zur Stadt erhoben.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 806–822 . und führte bis zu ihrer Reichsacht 1607 den Namen Schwäbischwerd.alter Stadtname auf der Website der Stadt Die Umbenennung in Donauwörth erfolgte erst zu einem späteren Zeitpunkt.
1178–1266 wurde die Stadt als Reichslehen direkt den herrschenden Staufern zugeordnet, die sie 1266 an das Herzogtum Bayern verpfändeten. Der einköpfige Stauferadler blieb im Stadtwappen bis 1530 vertreten, als er durch den doppelköpfigen Reichsadler ersetzt wurde.
1256 ließ der Wittelsbacher Herzog Ludwig II. in Schwäbischwerd seine Frau Maria von Brabant aus ungeklärten Motiven als Ehebrecherin enthaupten. Regelmäßige Theateraufführungen bringen die tragische Begebenheit auch heute noch in Erinnerung.
1301 wurde die Stadt Reichsstadt. 1376 wurde der Schwäbische Städtebund gegründet. Anlass dafür war, dass Kaiser Karl IV. die Stadt wegen hoher Schulden an seine Gläubiger abtreten musste. Trotz des Versprechens Karls im Jahre 1348, „daß er sie nicht mehr an Fürsten und Herrn oder jemand anders versetzen will, dieweil er lebt, sondern daß er sie beim Reich behalten will“,Regesten Kaiser Karls IV. Brünn 26. Mai 1348 verpfändete er dem Reichserzkämmerer und Kurfürsten Otto, seinem Eidam, und Stephan, Friedrich und Hans Gebrüdern, Herzögen von Bayern, wegen ihrer Dienste die Reichsstadt Donauwörth mit allem Zugehör für 60000 Gulden von Florenz,Regesten Frankfurt, 24. Juni 1376 die Karl dem Haus Wittelsbach für den 1373 erfolgten Kauf der Mark Brandenburg noch schuldete.Irmgard Lackner: Herzog Ludwig IX. der Reiche von Bayern-Landshut (1450-1479) Reichsfürstliche Politik gegenüber Kaiser und Reichsständen Dissertation Universität Regensburg, 2010 S. 169 Dies geschah auch, um die Bayernherzöge für ihre wohlwollende Haltung bei der Königswahl seines Sohnes Wenzel am 10. Juni 1376 zu belohnen.Schwäbische Städte gegen Kaiser und Fürst (Juli 1376) in: DAMALS Das Magazin für Geschichte 16. Januar 2002
Unter Führung der Reichsstadt Ulm schlossen daher nur drei Wochen nach der Wahl Biberach, Buchhorn, Isny, Konstanz, Leutkirch, Lindau, Memmingen, Ravensburg, Reutlingen, Rottweil, St. Gallen, Überlingen und Wangen ein Bündnis. In einem Schreiben an die Stadtherren in Frankfurt am Main begründeten die Bundesstädte einige Monate später diesen Schritt so: „Da er [Karl] seinen Sohn zum Römischen König gemacht hatte, da ward uns kund getan, daß er unter uns Städten zu Schwaben etliche versetzen und von dem heiligen Reiche geben wolle.“ Der Bund sollte gewährleisten, dass „wir unversetzt, unverkauft, unhingegeben … bei dem Reiche bleiben mögen.“ Die Fehde mit dem Kaiser war eröffnet.
Nach einer Zeit endloser Konflikte über städtische Einkünfte und andere Hoheitsrechte, die Donauwörth aufgrund von Reichsprivilegien zustanden, die Ludwig der Bärtige aber für sich beanspruchte, kündigte die Stadt im Jahr 1422 dem Ingolstädter Herzog den Gehorsam auf.Lackner S. 261
Um den Status der Reichsfreiheit wiederzuerlangen, schlug sich Donauwörth im Bayerischen Krieg auf die Seite der Gegner Ludwigs des Bärtigen, trat am 22. Dezember 1421 der Konstanzer Liga bei und erlangte durch König Sigmund die Reichsfreiheit. Dieses Recht hatte Sigmund Donauwörth entgegen der bestehenden Pfandverschreibung bereits mehrmals zugesichert. Am 11. August 1434 ließ sich der Kaiser schließlich von dem inzwischen der Acht verfallenen Ingolstädter Herzog die Pfandbriefe über Wörth überreichen und ihn und seinen Sohn Ludwig den Buckligen trotz nicht erfolgter Ausbezahlung der Pfandsumme eine ausdrückliche Verzichtserklärung auf die Stadt leisten, mit der Versicherung, sie „darum mit keinen Gerichten oder andern Sachen nimmer anzulangen“.
Die Besetzung der Stadt durch Ludwig den Reichen von Bayern-Landshut im Jahre 1458 war der Auslöser für den Bayerischen Krieg. In den Jahren 1444–1473 entstand die Stadtpfarrkirche Zu unserer Lieben Frau an Stelle der zu klein gewordenen Sankt-Ulrichs-Kirche. 1488 wurde Donauwörth Mitglied des Schwäbischen Bundes. 1536 kam die Pflege an die Fugger.
Neuzeit mini|Der Mangoldstein (1843). Der „Rat der Stadt Donawerda“ unterstützte die Reformation und unterzeichnete die lutherische Konkordienformel von 1577.Vgl. BSLK, S. 765; vgl. S. 17. In der Folge der Religionswirren kam sie 1607 nach dem sogenannten Kreuz- und Fahnengefecht am Markustag 1606 unter Reichsacht und wurde von Herzog Maximilian von Bayern in bayerischen Pfandbesitz umgewandelt. Die Reichsexekution durch den bayerischen Herzog Maximilian geschah gegen geltendes Reichsrecht, da Donauwörth zum schwäbischen Reichskreis gehörte und der Kreishauptmann des schwäbischen Reichskreises damit hätte beauftragt werden müssen. Unter anderem als Reaktion auf diese Okkupation schlossen sich die protestantischen Reichsstände 1608 zur Protestantischen Union zusammen. mini|Schwedische Belagerung der Stadt Donauwörth im Jahr 1632, Kupferstich von Matthäus Merian aus dem Theatrum Europaeum