mini|Nüdlingen von Südwesten

Nüdlingen ist eine Gemeinde im unterfränkischen bayerischen Landkreis Bad Kissingen.

Geografie Geografische Lage Nüdlingen liegt in der Region Main-Rhön etwa 3 km nordöstlich von Bad Kissingen.

Gemeindegliederung Es gibt fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Gehegmühle (Einöde) Haard (Pfarrdorf) Mühle (obere) (Einöde) Nüdlingen (Pfarrdorf) Ostermühle (Einöde)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Haard und Nüdlingen. Die Gemarkung Nüdlingen hat eine Fläche von 21,676 km². Sie ist in 4368 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4962,46 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Gehegmühle, Mühle (obere) und Ostermühle.

Geschichte Anfänge Die erste bekannte Erwähnung von Nüdlingen erfolgte im Jahr 772 als „Hnutilingen“ im Zusammenhang mit der Schenkung eines Priesters namens Burgarad an das Kloster Fulda.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 5–8 Die Urkunde ist nicht mehr im Original, jedoch durch eine um 830 von Rabanus Maurus angefertigte Abschrift erhalten, die sich wiederum durch den Codex Eberhardi erhalten hat. Die Ortsnamensendung „-ingen“ deutet auf einen alemannischen Ursprung hin.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 5

Mittelalter Weitere Schenkungen im Ortsgebiet waren jene durch Altmann und Reginhilt an die Gründung des Hl. Bonifatius (803), durch Vuhmut und seinen Sohn Eribo an die Abtei (807), durch Leitrat an das Kloster Fulda (811), durch Rantpraht und seine Frau Scafhilt an das monasterium S. Salvatoris (841), durch Engilhart an die freie Rechtsabtei (ebenfalls 841) und schließlich durch Eggibrath und seine Frau Nuvvirat an das Kloster Fulda (842).Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 7

Der Ort war seit 1032 im Besitz der Grafen von Henneberg.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 9–11 Deren Graf Hermann I. errichtete im Jahr 1242 in Nüdlingen die Burg Hunberg als Gegenburg zur Reiterswiesener Burg Botenlauben, die seit 1234 dem Würzburger Bischof Hermann I. von Lobdeburg gehörte.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 9 Der Bischof verlangte von Hermann I. den Abriss der Burg Hunberg. Durch die Weigerung Hermanns I., der Forderung nachzukommen, kam es zu einer kämpferischen Auseinandersetzung zwischen dem Bischof und den Hennebergern, wobei letztere vom Abt von Fulda unterstützt wurden. Obwohl der Bischof Hermann I. von Lobdeburg unterlag, musste die Burg Hunberg im Rahmen eines Vergleiches abgerissen werden.

Im Verlauf dieser Jahrhunderte hatte Nüdlingen mehrere Katastrophen zu überstehen, so Misswachs und Krankheiten im Jahr 1171, Überschwemmungen durch starken Schneefall im Jahr 1179, Hungersnöte (1191 und 1192), Zerstörung der Ernte durch Hagelschlag (1195), Vernichtung der Rebstöcke (1219), Krankheiten im Jahr 1257 und eine Pestepidemie im Jahr 1312.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 9–10

mini|hochkant|Die St.-Kilian-Kirche

Nüdlingen wurde seelsorgerisch zunächst vom Kleinbracher Kloster Brachau (heute St. Dionysius) aus betreut.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 10–11 Der Standort eines möglichen Kirchenbaus zu dieser Zeit ist unbekannt, lag aber möglicherweise im nördlichen Teil von Nüdlingen, wo sich auch der erste Pfarrhof befand.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 8 Eine eigene Nüdlinger Pfarrei gab es zu dieser Zeit noch nicht. In den Jahren 1133 bis 1135 erfolgte eine Angliederung an die Pfarrei Kissingen. Die schlechten Wegverbindung nach Kissingen machte im Jahr 1384 die Entstehung eines beneficium non curatum in Nüdlingen erforderlich, wobei der Nüdlinger Pfründebesitzer für die Gottesdienste zuständig war und die Seelsorge weiterhin vom Kissinger Pfarrer ausgeübt wurde.

Im Jahr 1394 verkaufte Herzog Schwandibor von Stettin Nüdlingen an das Hochstift Würzburg, das den Ort im Jahr 1434 wieder an die Henneberger veräußerte.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 11–13 In der Folgezeit war Nüdlingen mehreren Besitzerwechseln zwischen dem Hochstift und den Hennebergern unterworfen. Ab 1502 gehörte der Ort wieder zum Hochstift Würzburg.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 13–31

Im Jahr 1453 wurde Nüdlingen selbstständige Pfarrei.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 13 Zur Erinnerung an die vorherige seelsorgerische Betreuung durch Kissingen sollte regelmäßig eine Wallfahrt zur Kissinger Marienkapelle abgehalten werden. Die Nüdlinger Sebastianikapelle wurde in den Status einer Pfarrkirche erhoben. Da am 22. Februar 1590 Haard nach Nüdlingen eingepfarrt wurde, was ein größeres Kirchengebäude erforderte, entstand um 1600 am Standort der alten Burg in der Mitte Nüdlingens die neuromanische St.-Kilian-Kirche, die unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn bereits 1615 erweitert wurde.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 25

Im Rahmen der Schlichtung eines Streits zwischen der Familie von Bibra und dem Würzburger Kloster St. Stephan durch Burcardus, Abt des Klosters Aura, und den Würzburger Amtmann Ludwig von Hutten verpflichtete sich die Gemeinde Nüdlingen im Jahr 1494 zur Bullenhaltung; die Bullen wurden von der Gemeinde verpachtet.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 12–13 Auf Grund der gestiegenen Kosten übernahm die Gemeinde die Zuchttierhaltung nach dem Ersten Weltkrieg ganz.

Nüdlingen zu Beginn der Neuzeit Im 17. Jahrhundert wurde die 1617 vom Augustinerorden in Würzburg gegründete Sebastianibruderschaft in Nüdlingen ansässig.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 24–29 Die ursprüngliche Feldkapelle, an der auch der Gedenktag des Hl. Sebastian begangen wurde, wurde im Jahr 1691 unter Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg im neuromanischen Stil zur Sebastianikapelle umgebaut. Es gilt als sicher, dass es vor der Entstehung der Sebastianikapelle eine erste gab. Ihr Standort ist unbekannt; Es ist unsicher, ob sie in der Nähe des früheren Pfarrhofes im Steingarten (Haardstraße) stand. Nördlich des ehemaligen Pfarrhauses gibt es massive Grundmauern, deren Ausdehnung auf ein größeres Bauwerk schließen lassen, das vom 13. Jahrhundert an bestanden haben kann, doch ist unsicher, ob es sich dabei um die erste Kirche des Ortes handelt.

Der Bauernkrieg von 1525 hinterließ in Nüdlingen wenig Spuren, da es in Nüdlingen kein Kloster gab und die Hunburg nicht mehr existierte.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 14–15 Während im Jahr 1641 im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges etwa 150 Häuser in Nüdlingen gebrandschatzt wurden, ist über die Folgen der Pestepidemien von 1611 sowie 1667/68 wenig bekannt.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 14–15 Die Informationen über die Kriegsereignisse und Pestepidemien dieser Zeit sind durch die Brände des Pfarrarchivs von 1641 und 1669 verloren gegangen.

Im Jahr 1594 erfolgte eine Überarbeitung der Nüdlinger Dorfordnung; der örtliche Schulmeister und Gerichtsschreiber Memellus von Mellrichstadt fasste die neuen Bestimmungen schriftlich zusammen.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 17–23

Die Burg im ehemaligen Hochstift Würzburg, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, wurde nach der Säkularisation 1805 Erzherzog Ferdinand III. Joseph Johann Baptist von Habsburg-Lothringen-Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen und fiel mit diesem 1814 endgültig an Bayern. Bereits 1804 kamen Nüdlingen (bis dahin zur Amtskellerei Kissingen gehörend) und Haard (bis dahin zur Amtskellerei Aschach gehörend) zum Landgericht Münnerstadt.

Bayerisches Königreich Um 1800 entstand an der Ostseite des Torturmes das erste Nüdlinger Schulhaus. Zur gleichen Zeit wurde die St.-Kilian-Kirche unter Pfarrer Bernhard kast ein weiteres Mal erweitertEmil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 31–32 sowie unter seinem Nachfolger Johann Adam Göpfert der Kirchturm samt Dach erneuertEmil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 32 und 34. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbesserte sich Nüdlingens Verkehrsanbindung durch den Bau einer Poststraße von Kissingen nach Münnerstadt durch Nüdlingen (1825) sowie wenig später einer Verbindung nach Rannungen und nach Aschach und Fulda.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 37 Dies ermöglichte für die Einwohner von Nüdlingen beispielsweise einen besseren Absatz ihrer Waren durch den florierenden Kurbetrieb in Kissingen.

Eine am 1. Mai 1849 durchgeführte Schulvisitation bescheinigte sowohl der Mädchen- als auch der Knabenschule ausgezeichnete Ergebnisse; Nüdlingen gehörte zu den besten der 24 geprüften Gemeinden.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 38–39

Im Jahr 1856 ergänzten die Geschwister Katharina und Barbara Hein das Hümmler’sche Kapital der Kaplaneistiftung von 1775.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 39 und 42 Dadurch konnte eine ständige Kaplanstiftung finanziert werden. 1858/59 wurde die St.-Kilian-Kirche erneut erweitert.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 42

mini|hochkant|Generalleutnant Oskar von Zoller, der am 10. Juli 1866 im Pfarrhaus von Nüdlingen verstarb

Vom Nüdlinger Pfarrer Michael Erhard stammt ein ausführlicher Bericht über die Geschehnisse im Ort im Rahmen des Deutschen Krieges von 1866.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 42–46Werner Eberth: Der Deutsche Krieg von 1866 im Landkreis Bad Kissingen, Theresienbrunnen-Verlag Bad Kissingen, 2016, S. 87–102 So war in Nüdlingen ein Bataillon des bayerischen 5. Inf.-Regiments einquartiert.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 43 Als sich in Nüdlingen die Nachricht über das Anrücken der preußischen Truppen verbreitete, wollten die jungen Männer des Ortes fliehen, um nicht von den preußischen Truppen zum Kriegsdienst eingezogen zu werden, konnten aber von Pfarrer Erhard überzeugt werden, zu bleiben. Am Mittag des 10. Juli rückten die Preußen unter Falkenhain, Manteufel und Baier nach Nüdlingen vor, woraufhin die Einwohner in den Wald flüchteten. Der in Winkels am Standort des heutigen Zoller-GedenksteinsElisabeth Keller: Die Flurdenkmale im Landkreis Bad Kissingen, Band 1, Eigenverlag des Landkreises Bad Kissingen, 1978, S. 69–70Werner Eberth: Michael Arnold. Ein Bildhauer des Spätklassizismus. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2001, S. 50–55 und 210 verwundete königlich bayerische Generalleutnant Oskar von Zoller wurde in das Nüdlinger Pfarrhaus verbracht, wo er wenig später seinen Verletzungen erlag.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 44 Die noch in Nüdlingen anwesenden bayerischen Soldaten wurden von den Einwohnern mit Proviant versorgt. Bis zum frühen Morgen des 11. Juli standen sich Bayern und Preußen um Nüdlingen herum gegenüber.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 44–45 Um 3 Uhr früh verließen die letzten Nüdlinger den Ort.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 45 Um 5 Uhr zogen die Preußen durch Nüdlingen; am Abend kehrten die Nüdlinger wieder zurück. Die Preußen hatten im Ort nur wenige Häuser zerstört, in den Feldern jedoch größere Verwüstungen hinterlassen und die gesamte Ernte vernichtet.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 45–46 Auf dem gesamten Schlachtfeld zwischen Nüdlingen und Kissingen befanden sich Leichen von Pferden und Soldaten, Ausrüstungsgegenstände und Patronenhülsen. Innerhalb des Nüdlinger Gebiets fielen 23 Bayern und 20 Preußen.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 46 18 Bayern wurden auf dem Nüdlinger Friedhof, östlich der Sebastianikapelle, bestattet.

Aus Dankbarkeit darüber, dass Nüdlingen im „Deutschen Krieg“ nicht zerstört wurde, errichtete Pfarrer Erhard im Jahr 1867 eine Madonnenstatue vor dem zweiten, 1862/63 errichteten Schulgebäude. Im Jahr 1873 entstand unter dem Namen Militär- und Kampfgenossenverein die Kriegerkameradschaft Nüdlingen, die im Jahr 1894 neben dem Schulhaus das erste Kriegerdenkmal des Ortes errichtete.Emil Pillich: 1200 Jahre Nüdlingen, 1972, S. 52–54