mini|Oberthulba von Osten
Oberthulba ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen.
Geografie Geografische Lage Oberthulba liegt in der Region Main-Rhön.
Gemeindegliederung Es gibt acht Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Frankenbrunn, Hassenbach, Hetzlos, Neuwirtshauser Forst (Gemarkungsteil 1), Oberthulba, Reith, Schlimpfhof, Thulba und Wittershausen. Die Gemarkung Oberthulba hat eine Fläche von 17,260 km². Sie ist in 1741 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 9914,09 m² haben.
Name Etymologie Der Name Oberthulba leitet sich vom die Gemeinde durchfließenden Fluss Thulba ab, welcher der Fränkischen Saale bei Hammelburg zufließt. Der Zusatz Ober und zeitweise Dorf sollte den Ort vom gleichnamigen, südwestlich liegenden Dorf unterscheiden.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1234 „Obertulbe“ 1277 „Oberntulbe“ 1378 „Dorftulbe“ 1455 „Obertolbe“ 1574 „Oberdulba“ 1657 „Oberthulb“ 1700 „Oberdull“ 1747 „Ober-Tulba“ 1801 „Oberthulba“
Geschichte Ortsgeschichte Anfänge Die erste bekannte Erwähnung des Ortes stammt vom November 1234 im Rahmen eines Verkaufs von Gütern bei Oberthulba an den Würzburger Bischof Hermann I. von Lobdeburg durch Gotfried von Reichenbach und seine Gattin Mechtildis, geborene von Henneberg. In der Zeit vor dieser Erwähnung findet sich in mehreren Dokumenten die Bezeichnung „Thulba“, wobei nicht in jedem Fall sicher ist, ob es um den Ort geht oder den Fluss Thulba, der als Namensgeber für Oberthulba sowie auch Unterthulba, der Bezeichnung für das Kloster Thulba, Pate stand.
Oberthulba zu Beginn der Neuzeit Im Jahr 1571 wurde das zur Pfarrei Euerdorf gehörende Oberthulba selbstständige Pfarrei, musste aber noch bis zur Säkularisation im Jahr 1803 ein Drittel des „Getraidt-Zehnts“ an Euerdorf entrichten. Unter dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn zählte Oberthulba zur Zent Aura-Trimberg, die um 1570 durch Vereinigung der Zenten Aura und Trimberg entstanden war. Die geistliche Rechtsprechung wurde vom Fürstbischof und das Pfarrgesetzungsrecht vom Domkapitel ausgeübt. Im Rahmen der Gerichtsbarkeit wurden zwei Zentschöffen (einfache Bauern) sowie 14 Erbschöffen für Oberthulba bestimmt. Gemeinsam mit Euerdorf und Elfershausen hatte Oberthulba dem Fürstbischof „Folge und Reise“ zu leisten und im Kriegsfall Ausrüstung, u. a. Kriegswagen und Pferde, zu stellen. Die Steuern lagen bei 41 Gulden pro Jahr.
Bayerisches Königreich Das ehemalige Amt des Hochstiftes Würzburg wurde nach der Säkularisation 1803 zugunsten Bayerns 1805 Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen und fiel mit diesem 1814 endgültig an Bayern.
Jüdische Gemeinde bis 1938 In Oberthulba gab es eine jüdische Gemeinde seit dem 18. Jahrhundert. 1871 hatte die Ortsgemeinde 64 jüdische Einwohner; 1933 lebten noch 44 jüdische Personen in Oberthulba. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die jüdischen Familien schwer bedrängt und ihrer beruflichen und wirtschaftlichen Existenz beraubt.
Am 10. November 1938 kam es in Oberthulba im Zuge der Novemberpogrome spätabends zu Gewaltaktionen durch den SA-Sturm Hammelburg, der in von Juden bewohnte Häuser eindrang und vandalierte. In der Synagoge wurde Feuer gelegt und die Inneneinrichtung zerstört. Anschließend wurden die jüdischen Männer auf einen Lkw getrieben und in das Amtsgerichtsgefängnis Hammelburg gefahren. 16 Juden wanderten nach diesen schlimmen Vorkommnissen ins Ausland aus. Vier jüdische Familien blieben bis 1942 am Ort wohnen. Sie wurden deportiert und Opfer des Holocaust.
Laut Gedenkbuch des Bundesarchivs Berlin wurden 22 jüdische Einwohner Oberthulbas im Holocaust ermordet: Berta Adler (* 1893); Justin Adler (* 1924); Karl Adler (* 1891); Regina Berney, geb. Schiff (* 1878); Ida Bravmann, geb. Löbenfried (* 1890); Adolf Distelburger (* 1887); Ernestina Goldner, geb. Jakob (* 1872); Betty Rothschild, geb. Löbenfried (* 1903); Milton Rothschild (* 1932); Siegfried Rothschild (* 1894); Adolf Schiff (* 1888); Benno Schiff (* 1894); Felix Schiff (* 1893); Käthe Schiff (* 1930); Karoline Schiff, geb. Goldner (* 1899); Martha Schiff (* 1926); Moritz Schiff (* 1896); Wolf Schiff (* 1874); Jettchen Stark, geb. Schiff (* 1887); Helene Sterzelbach (* 1886); Frieda Vogel, geb. Schiff (* 1885); Sophie Vogel, geb. Schiff (* 1882).
Oberthulba nach 1945 Mit Antrag der Landwirte und des Gemeinderats vom 3. März 1967 wurde in Oberthulba die Flurbereinigung durchgeführt. Diese wurde erforderlich, weil der Bau der Rhön-Autobahn sowie der Staatsstraße St 2291 eine Neuordnung der Grundstücksflächen erforderlich machte; zudem sollte die Nutzung der Ackerflächen auch beim zunehmenden Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen profitabler werden. Die im Mai 1967 zur Leitung der Flurbereinigung gewählte achtköpfige Vorstandschaft erstellte in den Jahren 1968 und 1969 einen Plan zur Durchführung es Verfahrens. Unter der Leitung des Flurbereinigungsamtes wurden die ersten Maßnahmen zum Wegebau bereits im Jahr 1969 eingeleitet, die zum Großteil bis 1973 beendet waren. Gleichzeitig leitete das Wirtschaftsamt den Ausbau von Vorflutgräben sowie Instandsetzungsmaßnahmen an Wasserläufen und Drainarbeiten. Ab 1974 wurde durch Anlage und Pflege von Bepflanzungen das Landschaftsbild geprägt.
In den Jahren 1971 und 1972 fanden die Markierungsarbeiten für das neue Wege- und Gewässernetz statt; im Frühjahr 1973 wurde das von der Flurbereinigung betroffene Gebiet zwecks Neuverteilung der Grundstücke vermessen. Im Jahr 1972 wurde durch auswärtige Sachverständige der Wert der betroffenen Grundstücke geschätzt. Von Mai bis Juni 1975 wurden zum Zwecke der Grundstücksneuverteilung die betroffenen Eigentümer nach ihren Wünschen befragt, so dass von September bis Oktober des Jahres die neuen Grundstücksgrenzen markiert werden konnten; die vorläufige Feststellung der Besitzeinweisungen fand am 1. Dezember 1975 statt. Nach Bekanntgabe des Flurbereinigungsplanes im Folgejahr gab es lediglich fünf Einwände, die durch die Flurbereinigungsdirektion beigelegt werden mussten. In der Zeit nach der Flurbereinigung wurden die Schotterwege mit Bitumen befestigt sowie an neu entstandenen Grundstücksflächen neue Wege angelegt. Einige Feuchtstellen waren zu entwässern; einige Grundstücke mussten eingezäunt werden.
Nach Abarbeitung der Widersprüche wurde am 1. November 1977 die Ausführung des Flurbereinigungsplanes angeordnet und im Jahr 1979 eine Aktualisierung der Grundbücher beantragt. Nach Durchführung der Abrechnung mit den Beteiligten sowie Anfertigung der Katasterunterlagen war das Flurbereinigungsverfahren im Jahr 1983 beendet. Durch die Flurbereinigung entstanden 5,8 Kilometer Bitumenweg und 12,4 Kilometer Schotterweg sowie 43 Kilometer leicht befestigte oder unbefestigte Gewannenwege. Daneben wurden vier Kilometer Vorflutgräben ausgebaut. Auf einer Fläche von sieben Hektar wurden Drainagemaßnahmen durchgeführt. Neben den Flächen für die Autobahn Fulda–Würzburg und die Staatsstraßen 2290 und 2291 wurden 16 Hektar Industrie- und Gewerbegebiet sowie 14 Hektar Wohnfläche erschlossen.
Die Gesamtkosten lagen bei 2.151.000 DM. Von diesem Betrag wurden 1.562.000 DM für den Wegebau, 280.000 DM für den Wasserbau, 84.000 DM für Bodenverbesserungen, 20.000 DM für Pflanzmaßnahmen und 205.000 DM für die Bodenordnung aufgewendet. Die Kosten wurden durch Zuschüsse von Bund und Land sowie aus dem Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft sowie eine Beteiligung des Marktes Oberthulba gedeckt, so dass die Beteiligten nur noch einen Gesamtbetrag von 270.000 DM aufwenden mussten. Am 14. Oktober 1983 fand in der Flurabteilung Am Schieferstein die Segnung eines Gedenksteines statt.
Mit Eröffnung des letzten Teilstücks der A 7 am 30. Juli 1968 nahm die Autobahnmeisterei Oberthulba, die nach einer Bauzeit von eineinhalb Jahren entstanden war, ihren Betrieb auf. Zunächst war sie für den Autobahnabschnitt zwischen der bayerisch-hessischen Grenze an dessen Nordende und der Anschlussstelle Schweinfurt/Niederwerrn am Südende zuständig. Diese ursprünglich 45 Kilometer lange Teilstrecke verlängerte sich durch die Erweiterung nach Süden bis zur Anschlussstelle Schweinfurt/Werneck auf 52,9 Kilometer Länge. Zu den Aufgaben der Autobahnmeisterei gehören die Gewährleistung der Verkehrssicherung, der Winterdienst, die Straßenreinigung, die Pflege der Grünflächen und ihrer Bepflanzung, die Instandhaltung des Straßenzubehörs und Hilfsdienste bei Notrufen. Daneben kümmert sich die Autobahnmeisterei um die Instandhaltung der Autobahnbrücken (Grenzwaldbrücke, Römershagbrücke, Sinnbrücke, Thulbabrücke, Brücke über die Fränkische Saale, Bundesbahnbrücke Klöffelsbergbrücke).
Eingemeindungen Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurden nach Oberthulba folgende Gemeinden eingegliedert: am 1. Juli 1971 Wittershausen, am 1. Juli 1972 Schlimpfhof und Hassenbach und am 1. Mai 1978 Frankenbrunn, Hetzlos, Reith und Thulba.
Religionen Das Gebiet der Gemeinde Oberthulba umfasst unter dem Namen „Pfarreiengemeinschaft Sankt Michael im Thulbatal“ folgende römisch-katholische Kirchengemeinden: Pfarrei St. Johannes der Täufer in Oberthulba mit der Filiale St. Georg Wittershausen Pfarrei St. Lambertus in Thulba mit den Filialen St. Bonifatius Frankenbrunn und Mariä Himmelfahrt Hetzlos Kuratie St. Johannes der Täufer Hassenbach mit Filiale St. Georg Schlimpfhof
Mindestens seit dem Ende des 19. Jahrhunderts waren jüdische Familien im Ort ansässig, die eine Jüdische Gemeinde gründeten und in der Ledergasse 12 eine Synagoge errichteten. Dieses Gotteshaus wurde beim Novemberpogrom 1938 durch SA-Männer verwüstet und wird heute anders genutzt, wovon eine Gedenktafel berichtet.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 182.
Einwohnerentwicklung Jahr 1927 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 Einwohner 875 3403 3717 4261 4647 4982 5121 5177 5056 5048 5136 4954
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 4320 auf 5029 um 709 Einwohner bzw. um 16,4 %. 2001 hatte der Markt 5194 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Politik Erster Bürgermeister 1948–1972 Hugo Schottdorf 1972–1982 Herbert Neder 1982–2000 Gerhard Adam 2000–2020 Gotthard Schlereth 2020–2026 Mario Götz
Gemeinderat Der Gemeinderat hat 20 Mitglieder. Die Kommunalwahlen seit 2008 führten zu folgenden Stimmenanteilen und Sitzverteilungen:
Partei/Liste2008201420202026 Sitze % Sitze % Sitze %Sitze% CSU/Freie Wählergemeinschaft 6 29,3 5 25,4 6 27 5 26,9 Bürgervereinigung Thulba 5 23,8 4 22,2 5 22,7 5 22,5 Freie Wählergemeinschaft Wittershausen 2 10,9 2 9,8 2 9,5 2 10,2 Freie Wählergemeinschaft Frankenbrunn 2 8,2 2 10,2 2 10,7 2 10,5 Freie Wählergemeinschaft Hassenbach 1 7,7 2 10,4 2 8,6 2 8,6 Wählergemeinschaft Schlimpfhof 2 8,4 2 8,5 1 7 1 6,4 Wählergemeinschaft Hetzlos 1 6,3 1 6,3 1 7,2 1 7,2 Wählergemeinschaft Reith 1 5,5 2 7,2 1 7,3 2 7,7 Wahlbeteiligung 70,2 % 64,0 % 68,6 % 71,7 %
Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Bürgermeister.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler
Die bedeutendsten historischen Baudenkmäler der Gemeinde sind die ursprünglich romanische Pfarr- und ehemalige Propsteikirche St. Lambertus in Thulba aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts und das dortige barocke Propsteigebäude.
Die dem Heiligen Lambertus geweihte Kirche wurde 1127 erbaut und gehörte ehemals zu einem Benediktinerinnenkloster. Im Glockenstuhl des massigen Vierungsturmes befindet sich die Inschrift: ANDREAS HARTMANN DIESER ZEIT SCHULTES 1625 HANS EHRHARD ZIMM.(ermann). Die Glocken tönen in g'-a'-h'-d".
Bodendenkmäler
Vereine