Elsenfeld ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg.
Geografie Lage miniatur|Elsenfeld Marienstraße Elsenfeld liegt in der Region Bayerischer Untermain auf der rechten Mainseite gegenüber von Obernburg am Main am westlichen Rand des Spessarts etwa zwischen dem 16 km entfernten, nördlichen Aschaffenburg und der 20 km entfernten, südlichen Kreisstadt Miltenberg. Durchschnitten wird der Markt durch das Flüsschen Elsava, die in Elsenfeld in den Main mündet. Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich mit auf dem Gipfel des Eichelsberges nördlich von Eichelsbach, der niedrigste liegt im Main auf .
Gemeindegliederung Es gibt sieben Gemeindeteile (in Klammern jeweils der Siedlungstyp): Eichelsbach (Kirchdorf) Elsenfeld (Hauptort) Himmelthal (Weiler) Kreuzmühle (Fabrik) Neuhof (Einöde) Rück (Kirchdorf) Schippach (Pfarrdorf)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Eichelsbach, Elsenfeld, Rück und Schippach/Els. Die Gemarkung Elsenfeld hat eine Fläche von 7,164 km². Sie ist in 5995 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1270,01 m² haben.
Nachbargemeinden
Die Gemeinde ist Teil des Rhein-Main-Gebietes. Nachbargemeinden sind im Norden der Markt Kleinwallstadt (mit Gemeindeteil Hofstetten), im Osten der Spessart-Markt Eschau (mit den Gemeindeteilen Hobbach, Sommerau und Wildensee), im Süden die Stadt Erlenbach am Main (mit den Gemeindeteilen Mechenhard und Streit) und im Westen, jenseits des Mains, die bereits genannte Stadt Obernburg am Main (mit dem Gemeindeteil Eisenbach). Auch mit dem Markt Mönchberg gibt es eine gemeinsame Grenze im Bereich der Waldungen Himmelthal.
Name Etymologie mini|Die Elsava zwischen Rück (links) und Schippach (rechts) Der ursprüngliche Name Elsaphe stammt vom Fluss Elsava, an dem der Ort liegt. Später wurden die Grundwörter -feld und zeitweise -hoven hinzugefügt.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1248 Elsaphe 1250 Elsaff 1260 Elsaph 1304 Elsapha 1316 Elsuffen 1325 Elsaffe 1345 Elsaf 1466 Elsaffen 1500 Elsoffen 1594 Elsuf 1629 Elshoven 1668 Elsenfeld
Ortsneckname Die rechte Mainseite ist als besonders sandhaltiger Boden bekannt. Es ist lockerer, nährstoffarmer und wasserdurchlässiger Boden. Deshalb nennt man die Elsenfelder, Erlenbacher und Röllfelder Bewohner mit Spitznamen – Ortsnecknamen „Sandhasen“.Werner Trost Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer Lkr. Miltenberg 2003 Auch die Bewohner von Kahl am Main sowie die Bewohner von Mainaschaff im Landkreis Aschaffenburg werden „Sandhasen“ genannt.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Das Gebiet um Elsenfeld war bereits vor mehr als 5000 Jahren besiedelt. Davon zeugen bandkeramische (bronzezeitliche) Gräberfunde bei Eichelsbach und Rück-Schippach. Allerdings hat es aus vorfränkischer Zeit wahrscheinlich keine kontinuierliche Besiedlung gegeben. Eine relativ dichte Besiedlung lässt sich für den Zeitraum um 1600–700 v. Chr. durch Hügelgräber bei Eichelsbach belegen. Erst im 6. Jahrhundert begann die eigentliche geschichtliche Periode.
Die ältesten Siedlungen des heutigen Gemeindegebietes sind Eichelsbach und Schippach. Urkundlich erwähnt wurde Elsenfeld erstmals 1122 als Elsaffen; Keimzelle des Ortes war eine im 19. Jahrhundert abgegangene Burg im Bereich der Elsavamündung.Schlicht, Marktgemeinde Elsenfeld, S. 18 ff. Die erste urkundliche Erwähnung Schippachs war 1233, als Graf und Gräfin Rieneck den Grundbesitz des Klosters Himmelthal um Ländereien um Schippach aufstockten. Rück erschien erstmals um 1270 in der sogenannten Mainzer Heberolle. Mitte des 13. Jahrhunderts traten alle Orte gemeinsam im „Koppelfutter-Verzeichnis“ auf. Eichelsbach (Egilespach, auch Aigils- oder Egilspach) war „leibeigen“.
Landesherr des Gebietes war der Erzbischof und Kurfürst von Mainz. Die ansässigen Grundherren wurden somit zu Lehensträgern von Mainz.
Bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 war die Entwicklung des Ortes stark an Burg-, Stadt-, Gerichts-, Amts- und Kellereibesitz Klingenberg geknüpft. Das Gebiet wurde 1803 Bestandteil des Fürstentums Aschaffenburg im Kurerzkanzlerischen Staat, ab 1806 Primatialstaat des Carl von Dalberg.
1810 fiel Elsenfeld an das Großherzogtum Frankfurt und ging 1814 in den Besitz des Königreichs Bayern über. Eichelsbach und die noch verbliebenen Himmelthaler „Besitztümer“ wurden endgültig aus der Leibeigenschaft und Fron entlassen.
Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Verwaltungsgeschichte Am 30. Juli 1828 wurde Elsenfeld vom Landgericht Klingenberg getrennt und dem Landgericht Obernburg zugeteilt, bei dem es bis zur Landkreisreform 1972 blieb.
Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Obernburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Elsenfeld lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Elsenfeld war nun eine Gemeinde im Landkreis Obernburg am Main. Mit der Auflösung des Landkreises Obernburg kam Elsenfeld am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1971 schlossen sich die Gemeinden Eichelsbach, Rück und Schippach freiwillig dem Markt Elsenfeld an.
Einwohnerentwicklung Jahr 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Einwohner 5141 6908 7370 7931 8482 8744 8870 8822 9015 9110
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 7503 auf 9238 um 1735 Einwohner bzw. um 23,1 %. Quelle: BayLfStat
Religion Die Einwohner sind überwiegend katholisch. Die katholischen Pfarreien Christkönig und St. Josef in Elsenfeld mit der Filiale St. Barbara in Eichelsbach und St. Pius in Schippach (Rück-Schippach) haben sich zu der Pfarreiengemeinschaft Christus Salvator zusammengeschlossen. Die Pfarrkirche Christkönig in Elsenfeld mit dem Pfarrhaus und dem Pfarrbüro, ist Sitz des Pfarrers. In den Sommermonaten wird, vor allem wochentags oder für Hochzeiten, die 1767 im barocken Stil errichtete alte Pfarrkirche St. Gertraud genutzt. Bis zum Bau der Christkönigskirche 1957 war sie Pfarrkirche der katholischen Gemeinde. Im Seniorendomizil Haus Dominic finden regelmäßige katholische Gottesdienste statt. Ferner gibt es in Schippach (Rück-Schippach) die katholische Pfarrkirche St. Pius, die im barocken Stil erbauten Kirchen St. Antonius (Schippach)- und St. Johannes (Rück), die ehemalige Jesuitenkirche St. Sebastian im Kloster Himmelthal und in Eichelsbach die Dorfkirche St. Barbara, sowie mehrere kleinere Kapellen.
Das Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Pfarrgemeinde und das katholische Pfarr- und Jugendheim „St. Gertraud“ bieten Räume für die Jugendarbeit und für andere Angebote.
Seit 1987 gibt es eine Moschee, welche Räume für Jugend-, Frauen-, Gemeinnützungsarbeit und andere soziale Angebote stellt. Seit 2010 gibt es eine neue Moschee.
Politik
Marktgemeinderat mini|Rathaus Elsenfeld Der Marktgemeinderat besteht aus 20 ehrenamtlichen Mitgliedern. Die Zusammensetzung seit der Gemeinderatswahl am 8. März 2026 zeigt das nebenstehende Diagramm. Die Stimmenanteile der einzelnen Listen: Christlich-Soziale Union (CSU): 38,7 % Bündnis 90/Die Grünen (Grüne): 12,9 % Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD): 12,5 % Unabhängige Bürgervereinigung (UBV): 35,9 %
Die Wahlbeteiligung lag bei 62,4 %. Bürgermeister Am 15. März 2020 wurde Kai Hohmann (CSU) mit 51,3 % der Stimmen zum Ersten Bürgermeister gewählt. Bei der Stichwahl am 22. März 2026 wurde er mit 54,7 % im Amt bestätigt. Sein Vorgänger war von Mai 2008 bis April 2020 Matthias Luxem (Unabhängige Bürgervereinigung).
Zweiter Bürgermeister ist Thomas Becker (UBV) und dritte Bürgermeisterin Anna Becker (SPD).
Europawahl Bei der Europawahl 2024 errang die CSU 38,7 % der Stimmen (2019: 37,06 %), die Grünen 9,5 % (2019: 17,33 %) und die SPD 9,9 % (2019: 11,27 %). Die Wahlbeteiligung lag bei 63,0 % (2019: 56,89 %).Europawahl 2024: Markt ElsenfeldEuropawahl 2019: Markt Elsenfeld
Gemeindefinanzen Im Jahr 2023 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 11.638.000 Euro, davon waren 4.521.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen.
Wappen
Städtepartnerschaften Am 28. Mai 2005 schloss Elsenfeld mit der Stadt Condé-sur-Noireau im französischen Département Calvados eine Städtepartnerschaft.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Rück-Schippach mit dem Weinanbaugebiet Rücker Schalk
Wirtschaft Es gab im Jahr 2021 nach der amtlichen Statistik im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe 798 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 1.852 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 3.786. Im verarbeitenden Gewerbe gab es sieben, im Bauhauptgewerbe zwölf Betriebe. Im Jahr 2020 bestanden außerdem 14 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von insgesamt 506 Hektar, davon waren 370 Hektar Ackerfläche und 136 Hektar Dauergrünfläche.
Im Gemeindeteil Rück liegt ein Weinanbaugebiet für Frankenwein mit den Lagenbezeichnungen z. B. Rücker Schalk oder Jesuitenberg.
Teilweise auf Elsenfelder Gebiet befindet sich ein Industriegelände mit dem Namen Industrie Center Obernburg (ICO), in der Bevölkerung ist es auch unter dem Namen Glanzstoff (nach dem ehemaligen Betreiber) bekannt. Dort werden traditionsgemäß verschiedene Arten von Chemiefasern produziert. Daneben sind am Standort auch zahlreiche kleine Unternehmen verschiedener Branchen zu finden. Obwohl das Industrie Center den Namen Obernburg trägt und dies auch der Ort der Postanschrift ist, befindet es sich ausschließlich auf den Gemarkungen der Gemeinden Erlenbach am Main und Elsenfeld.
Verkehr mini|Industrie Center Obernburg Bahn Elsenfeld hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Aschaffenburg–Miltenberg, errichtet 1876 als Bahnhof Obernburg, der ab 1939 als Bahnhof Obernburg-Elsenfeld geführt wird. Die Bahnstrecke befindet sich komplett auf Elsenfelder Gemarkung. Von dort bestehen regelmäßige Regionalverbindungen nach Aschaffenburg und in Richtung Miltenberg. Die Bahnstrecke Obernburg-Elsenfeld–Heimbuchenthal wurde bereits 1968 für den Personenverkehr stillgelegt. Bis 1978 wurde noch ein Güterverkehr nach Eschau (Baywa-Lagerhaus) unterhalten. Die Bahntrasse wurde größtenteils zum Radwanderweg umgebaut.
Straße Elsenfeld ist mit Obernburg mit zwei Mainbrücken verbunden. Die Mainbrücke Obernburg/Elsenfeld (Staatsstraße 2308) für Kraftfahrzeuge, Fahrräder und Fußgänger verbindet den Ort mit der Anschlussstelle Obernburg am Main der Bundesstraße 469. Zusätzlich besteht die frühere alte Mainbrücke Elsenfeld–Obernburg, die auf den alten Brückenpfeilern erhöht zu einem Fahrrad- und Fußgängersteg umgebaut wurde. Auch eine weiträumige Ortsumgehungsstraße wurde errichtet, um dadurch die durch den Innenort führende Staatsstraße 2309 zu entlasten.
Bildung und Kultur Bildungseinrichtungen Elsenfeld bietet in sieben Kindertageseinrichtungen 456 Kindergartenplätze (2022).
Schulen Mozart-Grundschule Georg-Keimel-Mittelschule (mit M-Zug und Offener Ganztagsschule), zirka 310 Schüler Staatliche Realschule Elsenfeld, zirka 1000 Schüler Julius-Echter-Gymnasium (Sprachliches Gymnasium, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Gymnasium mit sozialwissenschaftlichem Profil), zirka 800 Schüler
Förderschulen Elsavaschule zur Erziehungshilfe mit Heilpädagogischer Tagesstätte, Kloster Himmelthal Richard-Galmbacher-Schule (Förderzentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) Janusz-Korczak-Schule (Schule zur Lernförderung) Blindeninstitutsstiftung Außenstelle Elsenfeld
Heimatmuseum Das 1980 eröffnete Heimatmuseum befindet sich im ältesten Fachwerkhaus Elsenfelds. Es zeigt über 6000 Exponate aus Handwerk und Landwirtschaft. Alltagsgegenstände sowie Bilder liefern Einblicke in die Geschichte der Gemeinde. Das Museum wird vom Heimat- und Museumsverein Elsenfeld betrieben und ist nur zu besonderen Anlässen geöffnet.